Unterwegs mit Zimmerli in der Schweiz –
und: Wie wird eigentlich hochwertige
Unterwäsche produziert?

14.10.2013 um 12.47 – Allgemein Mode

Zimmerli

Unterwäsche gehört zu den wenigen Dingen, denen ich bislang ziemlich nachlässig Aufmerksamkeit schenkte. Bunt gestreift, relativ günstig und mehr oder weniger bequem – so schaut’s in meiner Kommode aus. „Egal“ lautete bis vor kurzem noch die Einstellung zum „Untenrum-Thema“. Doch „Egal“ macht einfach überhaupt keinen Sinn. Es geht um das Kleidungsstück, das wir ganz eng anliegend am Körper tragen. Jenes, das eigentlich alleroberste Priorität haben sollte, das uns bequem durch den Tag bringt und uns ein gute Gefühl geben sollte – auch wenn andere es eben nicht sehen können. Und das ist wohl das Problem an der ganzen Chose: Gute Unterwäsche war für mich bislang einfach eher unwichtig, weil es ein notwendiges Ding ist, deren Optik mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht war. 

Und das bleibt sich auch weiterhin, mit dem Unterschied, dass ich die Qualität seit vergangener Woche eben doch mehr schätze. Und hier kommt Zimmerli ins Gespräch, ein traditionelles Wäsche-Unternehmen aus der Schweiz, dem ich vergangene Woche mal über die Schultern schauen durfte und das mir tatsächlich und ehrlicherweise mal wieder die Augen geöffnet hat, wie Arbeitsintensiv die Herstellung von Kleidung ist und wie schön und angenehm Qualität sein kann. 

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Um eines vorweg zu nehmen: Zimmerli ist teuer. Und am Anfang dieser kleinen Expedition wäre ich vielleicht nicht bereit gewesen, für ein Basic-Unterhemd 80 Euro hinzublättern. Wenn man sich aber anschaut, wie viel Arbeit in der Produktion steckt, wie die Näherinnen vor Ort arbeiten und was ausgewählte Material-Wahl bedeutet, fragt man sich, wie wir überhaupt weniger als 80 Euro für ein gut produziertes Stück Kleidung ausgeben können. 

Zimmerli produziert ausschließlich in der Schweiz, beschäftigt fünf Frauen im Schnitt, weitere 30 Näherinnen, fünf Damen in der Nachkontrolle und hier und dort noch ein paar fleißige Helferchen, ordert die Materialien aus Frankreich und der Schweiz und fertigt alles an Ort und Stelle. Von dem Schnittmuster über den ersten Nadelstich bis hin zur Etikettierung und der Verpackung. Hand in Hand wird dort gearbeitet, nachkontrolliert und ausgebessert. 

Gegründet wurde das Traditionsunternehmen übrigens 1871 von Pauline Zimmerlie Bäurlin, die aus der Not heraus anfing, Socken zu stricken und so ihr eigenes, kleine Business auf die Beine stellte und es peu à peu ausweitete. 

Aber alles der Reihe nach: Das Material

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Feinste Seide, weiche Baumwolle oder eigens für Zimmerli gewebte Textilien – alles fängt beim Grundgerüst an. Und so wird in der Schweiz und in Frankreich geordert – die Webtechniken sind noch für zehn Jahre garantiert. So lange weiß man, dass diese Art von Technik noch umgesetzt werden kann. Auch hier gilt: Der Nachwuchs fehlt. Das Handwerk wird nur noch von ganz wenigen Herstellern umgesetzt.

Der Schnitt:

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Das Schnittmuster wird auf Stoffbahnen gelegt, die zuvor in gleich große Stücke geschnitten werden. Bei diesem Stoff liegt ein Schnittmuster auf rund 30 Bahnen Textil. 

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Dann wird grob geschnitten.

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Und von einer zweiteren Arbeiterin fein nachgezogen. Die zugeschnittenen Bahnen sind bereit für die Schneiderei. Aber noch ein anderes Material wartet in der Produktionsstätte auf Bearbeitung: 

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Die Fertigung ihres Richelieu-Shirts, das nahezu aus einem Guss ist. Eine Stoffbahn bildet praktisch das Grundgerüst des Shirts – es fehlen bloß noch die Ärmel. Der Grund? Ein gewebter Rund-Stoff, der auf Bahnen gelegt und dann zugeschnitten wird:

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Weiter geht’s zum nächsten Gebäude: Der Näherei.

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Dreißig Näherinnen arbeiten hier an ihren Nähmachinen. Nach rund zwei Jahren sind die Frauen für Zimmerli ausgebildet. Es gibt verschiedenste Aufgabenbereiche, die über den Tag getauscht werden – damit auch keine Langeweile auftritt: Ganze Shirts zusammen nähen, Saum umnähen, Ettiketten an der richtigen Stelle anpassen, Spitze akkurat legen und fixieren und und und:

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Fertig!

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Oder auch nicht. Denn jetzt geht’s zur Nachbesserung, zum Bügeln und zum Verpacken:

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Ein paar nicht zu vernachlässigende Zwischenschritte: Etiketten zusammen bauen und Spitze zurecht schneiden:

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FERTIG! Getestet wurde Zimmerli auch schon am eigenen Leib: Im hauseigenen Store kam ich nämlich nicht drum rum, mir ein bodenlanges Nachthemd zu kaufen – und ja, nach der ganzen Führung und der Probe bin ich Fan.

Über den Preis müssen wir selbstverständlich noch immer nicht streiten. Wer allerdings die Produktion in der Schweiz unterstützen möchte, gern ein paar Groschen mehr für schönste Qualität, ordentliche Produktionsbedingungen und Naturfasern hinblättern möchte, dem sei Zimmerli ans Herz gelegt. Und wir haben das perfekte Weihnachtsgeschenk ausgemacht!

Vielen Dank an die Organisation dieser erhellenden Pressereise, liebste Corinna, und Tausend Dank, dass ihr mich mitgenommen habt. Es war ganz schön leerreich, ihr Lieben <3

Und wer trägt Zimmerli noch so? Ha, der David, zum Beispiel. Hihi

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