Goodybe, Victoria’s Secret – Vom Fall der schillernden Engel

Wenn von hungernden Models, extremen Trainingsplänen und Debatten über kulturelle Aneignung oder Transphobie die Rede ist, ist nicht selten eines der bekanntesten Lingerie-Labels der Welt involviert: Victoria Secret. Die dazugehörigen Runway Schauen sind mindestens so berühmt wie das Brand selbst. Wie Geschenke verpackte und mit Strasssteinen verzierte Körper, Frauen, die mit Engelsflügen über den Laufsteg schreiten, Jahr um Jahr. All das ist Teil der vielleicht amerikanischsten Fernsehproduktion, die die Popkultur je schuf, eine Inszenierung gemacht aus gesammelten Stereotypen und Männerphantasien. Hier kommt wirklich alles zusammen. Was Anfang November in der Pier 94 Location in New York produziert wurde, ist nur der Gipfel eines crossmedialen Rollouts, welches visuell nicht nur besonders kitschig und pompös daherkommt, sondern auch hinsichtlich des Marketings wirkt, als klebten wir noch immer in der Hochzeit der sexistischen Werbung fest, vielleicht in den 50ern, mindestens aber in den 00ern. Und immer wieder werden neue Lobeshymnen auf dieses Spektakel, die nackenden Engel, küssende Münder und schwingende Hüften geschrieben. 

Aber Moment – der Schein trügt. Bestimmt. Denn die Idee hinter alldem sei angeblich eine andere: Adressiert wird nämlich die starke Frau, die Victoria’s Secret wählt, „weil sie es sich wert ist“, die sich sauwohl fühlt in ihrer Haut und sorglos über den Erdball schwebt, geradewegs aus dem Himmel gesandt und ganz und gar makellos. Lange Zeit waren vor allem die gestählten und fitten Körper der jungen Models, der Engel, ein großes Thema. Sie verkörpern ein starkes, ja vermeintlich gesundes Bild von Frauenkörpern, denn: Man sah und sieht ja Brüste! Ganz anders eben als auf dem „herkömmlichen“ Fashion Runway. Anders als bei Celine, Prada oder Chanel. Nicht abgemagert und ungesund, sondern fraulich und muskulös – welch ein Fortschritt in Sachen Schönheitsideal. Klingt ja super, ist es aber nicht. Denn während sich Debatten um Traumkörper und Körperträume tatsächlich zum Guten hin zu entwickeln scheinen, erschafft sich Marketingchef Ed Razek derweil seine eigene Traumwelt – die vor allem eins ist: sexy. Nach seinen ganz eigenen Gesichtspunkten, wohlgemerkt. Immer und immer wieder.

Kampagne von Moons & Junes „New York“

Betrachtet man die Rezensionen der jüngsten Show und die Entwicklung des Konzerns während der letzten Jahre, wird schnell klar, dass all das, was heute zum Glück hinterfragt wird, einst als Alleinstellungsmerkmal des Unterwäsche-Riesens fungierte. Nur haben sich die Zeiten geändert. Mit G-Strings und knappen wattierten Bras lockt man nur noch wenige an, selbst Supermodels posieren auf ihren Instagram-Kanälen inzwischen lieber in lässigen Boxershorts. Einst stand das Unternehmen für New Sexyness. Für ein neues Selbstbewusstsein der Frau. Doch irgendwann hörte die Entwicklung auf und was bleibt, ist heiße Luft um gar nichts. Ein sinkender Marktwert und Höschen, die noch nicht einmal im Sale über die Ladentheke wandern. Das mag an einem schwerwiegender Trugschluss innerhalb des Konzerns liegen:

Die Schauen inszenieren sich ungeachtet des Zeitgeistes, der mehr und mehr nach echter Diversität und zweifelsohne nach dem Ende der Frau als ewiges Geschenk für den Mann verlangt, weiterhin als semifeministisches Medienspektakel. Wer sich nicht von all dem Glitzer blenden lässt, sieht ganz genau, worauf Victoria’s Secret setzt: Die Unterwäsche, die ihren Kundinnen angeblich ein Gefühl von Stärke und Empowernment vermitteln soll, baut am Ende doch wieder nur auf denunzierenden Männerträumen auf. 

Es kommt sogar schlimmer: Inszeniert wird all das von einem sexistischen und transphoben Marketingteam, das heteronormative Fabelwelten erschafft, in welcher Frau präsentiert und Mann auspackt – nur will das niemand im Unternehmen wahr haben. Da helfen auch  die Rechtfertigungsversuche von Ed Razek im Interview mit der Vogue nicht – sie haben ihn erst richtig reingeritten – zu Recht. Dort sagt er etwa:

„So it’s like, why don’t you do 50? Why don’t you do 60? Why don’t you do 24? It’s like, why doesn’t your show do this? Shouldn’t you have transsexuals in the show? No. No, I don’t think we should. Well, why not? Because the show is a fantasy. It’s a 42-minute entertainment special.“

Stattdessen: Engelsgestalten, sanft und gutmütig, quasi willenlos und zugleich unschuldig und dabei verfügbar zum begafft werden in der Screentime. Die gezeigten Körper sind Abbilder monatelanger Restriktion und strengen Sportprogrammen und Diäten. Auch solche Informationen, die früher unter Verschluss gehalten wurden, lassen den Marktwert des Unternehmens einbrechen. Etliche Supermodels, so etwa Adriana Lima, berichteten schon vor Jahren von der Tortur vor jeder geflügelten Show. Tagelang nehme sie ausschließlich Proteinshakes zu sich und trinke zudem zwölf Stunden vorher gar nichts mehr – alles, um die Muskeln noch sichtbarer zu machen.

Es geht also nicht mehr nur um die 100. Debatte über die Problematik vom Körperkult in der Modebranche. Es geht darum, dass es mit einem normal anmutenden Tagesablauf und einem durchschnittlichen Gehalt so wie einer gesunden bis sehr gesunden Lebensweise schlichtweg nicht in möglich ist, die auf dieser Bühne propagierten Körperbilder zu erreichen. Sie sind in den meisten Fällen weder gesund noch realistisch und sie schaden jungen Frauen und deren Psyche. Ach ja, eigentlich ein alter Hut. Aber wie alt kann er sein, wenn die Wäsche Göttin Victoria und ihr männliches Team es 2018 noch immer so falsch machen? Sich nicht einmal die Mühe machen, mit dem eigenen Image aufzuräumen, Kampagnen inklusiver und bunter zu gestalten. Lieber sonnt man sich in den Früchten der wahnsinnigen Diversität der Models hinsichtlich ihrer Herkunft und Hautfarbe. Welch ein Armutszeugnis – müsste es sich hierbei doch längst um eine Selbstverständlichkeit handeln. 

Vermutlich wird Victoria’s Secret auch in den kommenden Jahren nicht zu einer Größen-inklusiven Marke heranwachsen, die Arroganz scheint trotz drastisch sinkender Verkaufszahlen nämlich noch immer zu herrschen. Andere große Unternehmen machen es nicht gut, aber immerhin besser. Dennoch: Auch sie werden weiterhin auf „Curve Collections“ und „+Size Linien“ beharren wollen., statt sie selbstverständlich in das reguläre Angebot sie integrieren. Nein, sie werden weiterhin so tun, als sei eine größere Größe nicht „normal“, aber immerhin irgendwie akzeptiert.

Solange niemand darauf kommt, dass der breitere Hintern, die größeren Brüste und die dickeren Oberschenkel kein Sonderfall darstellen, sondern so normal sind wie unterschiedliche Haarfarben, werden wir weiter dieses Thema beackern als handelte es sich um höhere Mathematik. Schaut man sich im Freibad um oder nur im eigenen Freundeskreis, sieht nämlich, so einfach ist es, beinahe keine so aus wie die sich nicht selten selbst geißelnden Frauen auf der berühmtesten Fashion Show der Welt. 

Ist die Konsequenz davon dann also, das Unmögliche zu vergöttlichen und die vermeintlich mangelnde Sexyness des eigenen Seins per Mausklick in den Warenkorb zu schubsen? Ist das das Konzept von VS? Auch in Zukunft? Am Ende muss das Brand sich entscheiden. Lernen oder untergehen. Und das wiederum ist erfreulich, denn die Konsumentinnen dieser Welt scheinen sich langsam zu wehren. Diese Tendenz ist auf dem neuen Lingerie-Markt bereits spürbar. Moderne Labels wissen, dass viele Frauen ihre Unterwäsche nicht mehr an Maßstäben von Männerfantasien messen. Natürlich wollen sie, wollen wir uns sexy fühlen. Aber in unserer eigenen Haut. Für uns selbst in erster Linie und dann irgendwann kommen die, wir lieben oder begehren an die Reihe. Nicht anders herum.

Das kann natürlich auch mit Spitze und Push Up passieren, bloß macht der Ton die Musik. Es geht endlich auch um Identifikation. Darum, selbst entscheiden zu dürfen, was wirklich sexy ist – sei es der Schlüpfer, der bis über den bauchnabel ragt, ein hauch aus Nichts oder gar beides. Mal so, mal so. Wie das echte Leben. Wie echte Frauen eben, die selten „nur so“ sind. VS wird es demnach hoffentlich schwer haben. Mit ihren Geschichten von Männern für Männer. Geschichten von makellosen Engeln, die nur da sind, um zu zu dienen. Pfui.

 
 
 
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Inklusion darf kein Extra, kein Highlight sein. Inklusion ist der Grundpfeiler einer gleichberechtigten und antidiskriminierenden Gesellschaft. Auch in der Welt der Unterwäsche. Marken wie Moons & Junes zeigen das. Und werden „die Alten“, denen der Wille zur Veränderung fehlt, wenn alles gut geht, eines Tages sowieso überholen.

Kampagne von Moons & Junes „New York

35 Kommentare

  1. Jule

    „Den breiteren Hintern, die größeren Brüste und die dickeren Oberschenkel“ zu zeigen erwarte ich von einem Unternehmen wie Victoria’s Secret gar nicht. Die haben ein ganz klares Konzept (das ich nicht gut finde) und eine klar definierte Zielgruppe (zu der ich nicht gehöre). Aber sie verstellen sich auch nicht.
    „Den breiteren Hintern, die größeren Brüste und die die dickeren Oberschenkel“ würde ich aber gerne hier, auf This is Jane Wayne sehen. Nicht darüber lesen, dass andere es besser machen müssten, sondern SEHEN, dass ich das besser macht. Und zwar ebenfalls nicht als Gimmick, sondern ganz selbstverständlich von Tag zu Tag mitgedacht.
    Meint Ihr, Ihr bekommt das eines Tages hin? Dass ich, die ich stolz sowohl einen breiten Hintern als auch große Brüste und dicke Oberschenkel mein Eigen nennen darf, jemals auf einen Eurer Affiliate Links klicke und tatsächlich etwas anderes als Accessoires kaufen kann?
    Also, zumindest ich fände das super.

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    1. Nike Jane

      Ihr Lieben, habt ihr vielleicht ein paar konkrete Beispiele für uns? Denn natürlich ist uns eure Meinung wichtig. Genau wie Kritik und Veränderung. Wir versuchen wirklich längst, selbstverständliche Diversität abzubilden, sind aufgrund der Bilder, die uns frei zur Verfügung stehen aber noch immer stark an das Angebot der jeweiligen Brands gebunden. Also immer her mit den Label-Tipps, die Vielfalt wirklich ernst meinen. Oder habt ihr noch andere Ideen, wie wir das hinkriegen könnten? Anregungen, Wünsche? Konkrete, meine ich. Was das angeht, stoßen wir nämlich selbst an unsere Grenzen. Ganz liebe Grüße, Nike

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      1. Jule

        Libe Nike/Sarah/Everyone, Du hast Doch bestimmt Freundinnen, die das 34/36/38-Ding „sprengen“? Die könnten Dir/Euche doch sagen, wo sie so einkaufen, vzw. gerne würden, oder?

        Wie wäre es mal mit Schmuck-Themen, die nicht unbedingt an Size Zero Mädchen präsentiert werden müssen? Oder aber an Klamotten, die für alle sind, die nicht an Size Zero Mädchen präsentiert werden müssen?
        Schaut man bei ManRepeller vorbei, die machen das doch (für weiße Girls, die was über Moder schreiben) super. Es gibt SO viel.
        Wenn Ihr nicht so viel in die Richtung machen wollt, weil Ihr einfach nicht das Plus-Girls-Zine seid, dann tut doch einfach nicht so. Make like Journelles. Pretend that the Outside do not happen. Good Luck!

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        1. Nike Jane

          Liebe Jule, hui. Unsere Freundinnen gehen dort einkaufen, wo wir auch einkaufen, weil eigentlich alle Marken, die wir vorstellen, über die 38 hinaus gehen. Ich habe mich wohl zu früh über eventuelle konstruktive Kritik gefreut, deine Antwort klingt in meinen Ohren einfach sauer. Das finde ich sehr schade, so lernt nämlich niemand dazu.

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          1. Jule

            Liebe Nike,

            Sollte mein vorheriger Kommentar „sauer“ geklungen haben, tut es mir leid. Don’t wine and type, würde ich sagen. (Zu mir selbst.) 🙂

            ABER:

            Als ein ganz konkretes Beispiel eine Eurer letzten Wishlists:

            Hellblauer Strickpullover // Topshop -> Hört bei Größe 44 auf.
            Grüner Pullover // Weekday -> Hört bei Größe 44 auf.
            Geringelter Pullover // Armed Angels (fair)
            Wrap Cardigan // COS -> Hört bei Größe 44 auf.
            Cardigan // L’Envers (fair)
            Geringelter Pullover // Maiami (fair)
            Rosa Pullover // & other stories -> Hört bei Größe 42 auf.
            Gelber Pullover // Edited the Label -> Hört bei Größe 42 auf.
            Wollpullover mit Stoffkragen // Sandro Paris -> Hört bei Größe 42 auf.
            Two Tone Sweater // & other stories ->Hört bei Größe 42 auf.
            Gestreifter Pullover // H&M Trend -> Hört bei Größe 42 auf.

            Ich trage eine Größe 46. Dass Ihr persönlich nichts dafür könnt, ist mir klar. Davon abgesehen entspreche ich ziemlich Eurer Zielgruppe: Frau zwischen 25-40, in einer Großstatdt lebend, berufstätig, an Mode-, Beauty- und Zeitgeistthemen interessiert und dazu bereit einen nicht unerheblichen Teil ihres Einkommens für eben diese Dinge auszugeben.

            Trotzdem: Von den 11 in dieser Wishlist vorgestellten Shops, kann ich in ganz genau null einkaufen.

            Deswegen stößt es mir etwas bitter auf, wenn Ihr selbst nicht so wahnsinnig viel dafür tut, „size inclusive“ zu sein, dann Euch aber eine Marke herausgreift und diese genau dafür kritisiert.

          2. Nike Jane

            Liebe Jule, danke für deine Antwort. Jetzt kapiere ichs. Magst du mir denn trotzdem kurz verraten, ob du ein paar schöne inklusivere Onlineshops kennst, die eben auch Größe 46 führen? Abgesehen von Navabi und Boohoo? Musst du natürlich nicht, es würde mich aber freuen. Ganz viele liebe Grüße.

  2. Katja

    Ich will keine breiten Hüften und dicken Oberschenkel bei einer Victorias Secret Show sehen. Die sehe ich selbst im Spiegel. Mein Gott, Leute, es ist eine Unterhaltungsshow. Und es müssen nun wirklich auch nicht alle Firmen komplett pc werden. Niemand ist gezwungen sich das anzusehen oder dort einzukaufen.

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    1. Ronja

      Danke! Ich war auch schon kurz davor selbst so etwas zu schreiben. Irgendwann ist auch mal gut nit Diversity und wer beim Anblick dieser Frauen, (deren Beruf es schlichtweg ist, für sehr viel Geld so auszusehen) denkt er müsse selbst so aussehen, hat doch irgendwas nicht verstanden. Jede Männer Parfüm oder Unterwäsche Werbung kommt mit gemeißelten Sixpacks daher. Denken da auch alle Kerle sie müssten so aussehen?! VS steht seit Ewigkeiten für diesen hyper-sexy Look und auch ich als Frau weit, weit weg von diesen Maßen gucke sie mir sehr gerne an. Sexy ist halt auch einfach mal ok!

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      1. Fabienne Sand Artikelautor

        Hallo Ronja! „Irgendwann ist auch mal gut mit Diversity“ ist ja ein grauenvoller Satz. Sich im gleichen Atemzug noch über die Menschen Lustig zu machen, die beeinflusst sind von medial geschürten Körperbildern ist unverschämt und unreflektiert. Deine nächste Aussage liefert dann das offensichtliche Problem. Die Frage ist doch: Warum ist das so? Warum ist das ok? Und wo sind die Menschen die darunter leiden? Überall nämlich. Vielleicht sind sie erst in der 7.Klasse, vielleicht sind sie 27 Jahre alt. Und natürlich muss das nicht eine Essstörung bedeuten oder eine Depression. Aber eine konstante Unzufriedenheit oder eine Kohlsuppendiät oder oder oder. Ich kenne ausschließlich Frauen die sich im Laufe ihres Lebens Gedabken darüber gemacht haben, ob ihr Gewicht ok ist. Die angefangen haben auf Mahlzeiten zu verzichten und Shakes zu konsumieren. Ganz sicher nicht weil sie plötzlich dachten „herrje, die drei Kilo weniger machen mich zu einem glücklicheren Menschen“, sondern weil wir in einer Welt leben, die ihnen genau das tagtäglich auf die Nase bindet.

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    2. Fabienne Sand Artikelautor

      Herrje, ich habe jetzt etwas länger gebraucht und muss gestehen, dass ich von den meisten Kommentaren hier wie noch nie vorher in den TIJW Kommentarspalten irritiert bin. Na selbstverständlich zwing mich niemand auf der Welt irgendwo einzukaufen, geschweige denn mir solch eine Show anzusehen. Würde man meinen. Denn diese Riesen bestimmen selbstverständlich den Markt, die Art und Weise wie Unterwäsche für Frauen beworben und präsentiert wird. Solche Formate schüren Trends aber auch Erwartungen, Träume und Ideen von Frauenkörpern und selbstverständlich ist es töricht zu behaupten, dass man sich freimachen kann von jeglichem Einfluss den solche Medien oder auch Werbekampagnen auf uns Kundinnen haben. Das ist weniger als eine Marketinglektion. Das liegt schlichtweg auf der Hand. Wie „wir müssen nicht alle PC werden“? Und was hat das überhaupt mit PC zu tun? Sich hingezogen fühlen zu schlanken, trainierten Frauenkörpern, sich diese gerne im TV oder auf Kampagnen anzusehen ist mehr als legitim. Die Frage ist doch, warum aber letztendlich sehr schlanke, gar dünne Schönheitsideale in einer Eurozentrischen Welt existieren und warum sie so problematisch sind. Problematisch für junge Frauen mit Problemen, für junge Frauen die denken sie sein zu dick, für mich jeden Sommer wenn ich denke ich MÜSSTE jetzt etwas anders machen, ganz gleich ob ich mich gut fühle mit mir selbst oder nicht.

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      1. Ronja

        Hallo Fabienne, du kannst den Satz „grauenvoll“ finde, das ist völlig ok und deine Meinung. Nicht ok dagegen finde ich es, mich als unreflektiert und unverschämt zu bezeichnen weil wir unterschiedlicher Meinung sind. Ich habe mich außerdem in meinem Kommentar über niemanden lustig gemacht und glaube mir, ich habe in meinem Leben schon einige Dinge ausprobiert um mehr den Körpermaßen dieser Mädels zu entsprechen. Aber irgendwann muss man halt auch mal erkennen, dass man mit sich selbst zufrieden sein muss und sich nicht die Welt um einen herum ändern muss (was man aber definitiv nicht versteht wenn man 14 ist). Ich kann nicht alle dünnen, attraktiven (wieder: geschmacksache) Frauen aus der Öffentlichkeit verbannen wollen. Man muss einfach verstehen, dass die VS Engel keinen Alltag wuppen müssen sondern dieses Aussehen ihr einziger Job ist. Es wird ja auch mehr als genug kommuniziert wie unfassbar viel Arbeit es ist so auszusehen, daher kommt bei mir diese „du musst so aussehen“ Message die du und viele andere darin sehen, auch einfach nicht an.

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        1. Fabienne Sand Artikelautor

          Liebe Ronja,
          dann erkläre mir doch bitte, wann genau Diversität für dich keinen Sinn macht, wann es zu viel ist. Und geht es hierbei um den Prozess sich damit auseinanderzusetzen oder darum, dass es für dich schlichtweg irgendwann keinen Sinn mehr macht? Und wann macht Diversität keinen Sinn? Da ich ja in meinem Text über Inklusion spreche, ein ähnlich größer Bereich, würde ich gerne verstehen ob du auch Inklusion irgendwann „too much“ findest und warum? Versteh mich nicht falsch aber ich kann so eine Haltung beim besten Willen nicht nachvollziehen. Vielleicht weil ich noch nie in ein durchschnittliches Frauen- oder Schönheitsbild gepasst habe, vielleicht weil ich einfach dran glauben will? Not sure.

          Außerdem: Für mich ist “ (…) wer beim Anblick dieser Frauen, (..) denkt er müsse selbst so aussehen, hat doch irgendwas nicht verstanden.“ eine Form von sich lustig machen. Was soll diese Person nicht verstanden haben? Wie ist man, wenn man es verstanden hat? Und sich unter Druck gesetzt fühlen von sehr schlanken Menschen und einer Welt die dir 24/7 Diäten verkauft, ist doch absolut keine bewusste Entscheidung? Und genau das macht es doch so schwer sich selbst irgendwann einfach ok zu finden. Denn auch dann sind es bestimmte äußere Eindrücke die dich triggern und im schlimmsten Falle traurig stimmen. Wenige Menschen die ich kenne, sind frei von Zweifeln und Kummer was ihre Figur angeht und ich würde mein gesamtes Marketing Studium darauf verwetten, dass 25 Jahre Film/Werbung/Entertainment/SocialMedia Konsum einen mächtigen Teil dazu beigetragen haben. Die frage ist nur, wer das am ende tatsächlich rekapitulieren kann UND will!

          Last: Deiner Ansicht nach ist alles also ok und easy, weil die Menschen die o aussehen ja nur diesen Job zu erfüllen haben nämlich dünn sein und gut aussehen. Dafür werden sie teuer bezahlt. Boom. Und nun? Ist das nicht ein Armutszeugnis? Alles, damit diese Menschen dem Rest der Welt zeigen wie sie nie aussehen werden wenn sie nicht den ganze Rest ihres semi oberflächlichen Lebens aufgeben würden? Was rechtfertigt das? Wieso hinterfragt das niemand? ich bin baff.

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          1. Ronja

            Hi Fabienne, mein Kommentar unten und deiner hier gerade haben sich überschnitten, sorry. Deshalb hier nochmal. Nein, ich finde Diversity nicht Quatsch oder überbewertet und natürlich ist man von allen Seiten Druck ausgesetzt, was manchmal sehr sehr schwierig auszublenden ist. Ich passe auch nicht in das gängige Schönheitsideal aber muss ich wirklich auf dem VS catwalk sämtliche Körperformen sehen um zu merken, dass die eben auch ok sind? So viele Labels gehen tolle Schritte Richtung Vielfalt, da finde ich es etwas leicht gemacht ausgerechnet VS so an den Pranger zu stellen. Was findest du hier so anders als bei anderen Fashionshows?

  3. Leonie

    Beim Lesen deines -wie immer schön geschriebenen- Artikels hab ich erst genickt, dann die Stirn gerunzelt und schließlich ein paar Minuten drüber nachdenken müssen.
    Jetzt stellen sich mir zwei Fragen:
    -Ist es nicht auch eine Form von Diversität, wenn Marken für unterschiedliche Körperbilder stehen? Die Kundin hat schließlich die Wahl, für was sie sich interessiert. Doof ist, wenn es das, was man tragen mag, nicht gibt… Aber weil, wie du ja schreibst, zunehmend mehr Marken sich ganz selbstverständlich um mehr Größenauswahl und VS-Look-ferne Unterwäsche kümmern, könnte doch jeder das finden, was er möchte?
    -Würden wir es VS wirklich abkaufen, wenn das Unternehmen so lange für diese eine, männerfantasiengeprägte Unterwäsche steht, und plötzlich komplett umschwenkt? Würden wir uns freuen, würden die Umsätze steigen? Schließlich wird doch oft genug ein Ausrichten allein an der Nachfrage als Schwäche oder fehlendes Selbstverständnis ausgelegt. Ich denke, eine Marke ist da ein bisschen gefangen in ihrer Philosophie -so streitbar sie manchmal sein mag.

    Antworten
    1. Daniela

      Liebe Leonie, ich bin Lehrerin, unterrichte junge Menschen von 11 bis 20 Jahren und erlebe es leider anders. Du schreibst, dass „die Kundin […] schließlich die Wahl [hat]“. Das stimmt leider so nur bedingt. Wir alle, aber vor allem die jugendliche Generation wird von Werbung, und das ist diese Show und die Berichterstattung drum herum, massiv beeinflusst. Viele Mädchen sind der Meinung, dass diese Körper das anzustrebende Ideal sind und dass es nur darauf ankommt, hart genug an sich zu arbeiten, um so auszusehen. Sie kaufen sich Wäsche des Labels und wollen diesem Bild entsprechen.
      Was wir für eine Wahl halten, ist meist das Ergebnis geschickten Marketings. Das lässt sich in einer medialen Welt kaum ändern. Das kann für Marken, die auf Diversität setzen, eine große Chance sein und ich wünsche mir, dass diese Konzepte Markten wie VS ablösen.
      Bis dahin wäre es schön, wenn der VS-Show nicht so viel Aufmerksamkeit in Print und Internet geschenkt würde, höchstens diskursiv wie hier.

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      1. Leonie

        Hallo Daniela,
        danke für deine Meinung 🙂 Tatsächlich hab ich das ganze wohl sehr aus meiner Position (an Diversität, Nachhaltigkeit und kleinen Marken interessiert, fähig dafür Zeit und Geld aufzubringen) gesehen und nicht an Jugendliche gedacht, die sicher ein sehr viel ‚engeres‘ Bild (in diesem Fall von Unterwäsche und Körperidealen) haben. Ich geb dir hier absolut recht, dass weniger Werbung à la VS der Prägung von gesünderen Idealen sehr zuträglich wäre.
        Ich bin allerdings auch weiterhin der Meinung, dass man als erwachsene, reflektierte Frau durchaus die Möglichkeit hat, zu dosieren, inwieweit man sich mit ungesunden und unrealistischen Idealen konfrontiert und diese bestenfalls kritisch hinterfragen kann (z.B. bezüglich Gesundheit). Das klingt sicher leichter als es für viele ist, aber es ist möglich.
        Vielleicht sollte man das von beiden Seiten angehen: Diverse kleinere Marken fördern/ VS u.ä. die Marketing-Vollmacht nehmen aber eben auch nicht müde werden, Mädchen und Frauen so selbstbewusst zu machen, dass sie sich wohl in Ihrem Körper fühlen, unabhängig von Idealen. Das funktioniert sicher besser mit einem breiter vertretenen Bild in den Medien, aber die Marken reagieren natürlich auch auf die Nachfrage… hängt alles zusammen hm?

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    2. Fabienne Sand Artikelautor

      Liebe Leonie,

      deine Fragen erschließen sich für mich nicht ganz. Selbstverständlich kann ich mich gegen VS entscheiden und einer fairere, inklusivere und vertretbare Marke wählen. Trotzdem sind es aber noch immer VS, H&M, Zara, Esprit, Primark etc. die den Ton angeben, nicht die kleinen Marken von nebenan. Das bedeutet, dass viele Frauen keine (finanzielle, infrastrukturelle) Wahl haben, was den Kauf ihrer Kleidung & Unterwäsche angeht. Sie sind also darauf „angewiesen“ (ich führe das jetzt nicht aus aber ich hoffe jeder weiß was gemeint ist) diese Marken zu konsumieren um mitzuhalten. Sie bestimmen den Markt, dass was Menschen sehen, kaufen wollen, sein wollen. Natürlich nimmt das Einfluss auf eine riesige Industrie von der wir alle Teil sind, von der sich die wenigsten freimachen können. Und was wäre der Ansatz zu sagen: Man würde es VS eh nicht abnehmen, es lohnt sich also nicht? ist es nicht einen Versuch wert? Von einer Revolution ist ja wohl nicht die Rede, eher von einem Grundverständnis von Körpern.

      Antworten
  4. leni

    VS steht und stand einfach noch nie für Unterhosen bis zum Bauchnabel. Dann guck es dir doch einfach nicht an, kauf woanders ein. Macht doch was ihr wollt. Euch gefallen keine G-Strings? Dann tragt doch eure khakifarbenen Fair Trade High Waist Unterhosen. Das ist doch eh nur so ein Blogger-Inszenierungsding, genau wie sich für 20€ ein Deo zu kaufen, weil es aluminiumfrei ist. Macht in der Realität sonst auch keiner.

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    1. Fabienne Sand Artikelautor

      Hey Leni,
      die Rede ist von diversen Körpern und nicht von meiner Abneigung gegenüber G-Strings. Warum sollte die nicht jemand verkaufen können der eben nicht 8 Wochen nichts gegessen hat um so auszusehen wie er aussieht vor 100 Kameras? Und wenn wir schon über Inszenierungen reden: Warum ist die von Engeln so legitim aber das was im Ansatz divers und inklusiv sein möchte fake oder gar unrealistisch?

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  5. Tülay C.

    Liebe Fabienne, wieder einmal wunderbar auf den Punkt gebracht, in beeindruckender Wortwahl. Danke dass du immer wieder den Finger in die Wunden legst!
    und doch muß ich mich auch den Vorkommentatorinnen anschließen. Diese Frauen werden dafür gut bezahlt, Träume(?) zu verkaufen. Ähnlich wie ihr JW Frauen. Dies mag euch und die Leser*innen manchmal moralisch an Grenzen führen. Aber die Kritik sollte mMn in der Aufklärung / Bildung beginnen. Die Komplexität unserer medialen Welt ist manchmal nicht leicht zu fassen. Es muß Bewußtsein dafür geschaffen werden, daß nicht alles Gold ist was glänzt. Genauso wie ich manchmal mit Unwohlsein zur Arbeit gehe, um meinen Unterhalt zu finanzieren, wird in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild geschaffen. Wenn ihr versteht was ich meine? ich kann es gerade nicht so gut in Worte fassen wie ihr. Trotz allem, bitte immer weitermachen. Allein daß ihr durch solche Texte zur Reflexion anregt!

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  6. laura

    Danke, fabolous Fabienne! Kann Dir nur zustimmen. Als ich vor ein paar Wochen zufällig auf ein Runway-Foto der letzen VS-Show gestossen bin, war ich überrascht und habe ich mich ganz ernsthaft gefragt, warum es diesen Schrott immernoch gibt. Ein triefend-kitschiger, absolut unästhetischer, aufdringlicher Riesenberg Lametta mit Glitzer oben drauf, der mich anschreit und in seiner visuellen und inhaltlichen Lächerlicherkeit kaum zu übertreffen ist. Wem es gefällt, nun gut. Dass dort aber nur ein einziger Frauenkörper, der – gäääähnnn – perfekt runtergehungerte Gazellen-Look, vertreten ist, und dies sehr wohl kritisch zu betrachten ist, kann man nicht einfach mit folgenden Satz wegwischen: „Irgenwann ist mal genug mit Diversity“, wie eine meiner Vor-Rednerinnen schreibt – puhhhh, nee, ist es nicht. Genau solche Aussagen könnten sinnloser nicht sein und genau sie sind das Problem baby. Finde diese Haltung extrem anstregend, da sie aus einem „Das ist mir jetzt zu viel, da möchte ich jetzt nicht drüber nachdenken“ ensteht. Argumentativ kann man sowas natürlich sowieso nicht begründen. VS ist nunmal eine weltweit sehr bekannte Marke, die eine Botschaft in die Welt sendet. Und lustigerweise schafft sich VS mit genau dieser Botschaft selbst ab. Diese ganze Show ist für mich ein Sinnbild, ein Gleichnis. Im Endeffekt hilft VS uns Frauen, uns zu befreifen. Denn, zumindest in meiner Wahrnehmung, ist das dort gezeigte Frauenbild (und damit meine ich nicht nur die Körper, sondern die gesamte Inszenierung der Frauen dort) in seiner Überspitztheit, in seiner Lächerlickeit, so extrem, dass es wie eine Farce auf wirkt, die mich ernsthaft belustigt. Und diese echte Belustigung birgt auf wundersame Art eine Form von Heilung in sich, da sie mir hilft, mich innerlich noch weiter fortzubewegen von dem starren, inszenierten, einengenden Bild, dass seit so vielen Jahrhunderten auf uns Frauen projiziert wird, da sie dieses Potential zur echten innerlichen, emotionalen Distanzierung enthält. Ich bin so müde von all dem, was diese Glitzerwelt uns visuell eintrichtert… Und jaahaa, man kann es sich anschauen oder nicht, trotzdem ist es in unserer Welt präsent und wirkt, auf so vielen Ebenen. Deswegen bin ich sooo glücklich, dass sich durch die Digitalisierung unabhängige Frauen in den Vordergrund bewegen können und ungefragt ihre Message in die Welt strahlen können. Frauen, die was zu sagen haben, wie Melodie Michelberger zum Beispiel. Und die Jane Waynes. Hach ja, ich hör jetzt mal auf. Liebe an alle.

    Antworten
    1. Maxi

      „Irgenwann ist mal genug mit Diversity“, wie eine meiner Vor-Rednerinnen schreibt – puhhhh, nee, ist es nicht. Genau solche Aussagen könnten sinnloser nicht sein und genau sie sind das Problem baby. Finde diese Haltung extrem anstregend, da sie aus einem „Das ist mir jetzt zu viel, da möchte ich jetzt nicht drüber nachdenken“ entsteht. – DANKE!

      Danke dir Fabienne für einen, wie immer gelungenen und präzisen Artikeln und dafür, dass du hier die Diskussion mit Geduld und klarer Haltung weiterführst.

      Ich bin wirklich entsetzt (!) dass auf einem Blog wie Jane Wayne mit dem „die Kundin hat ja die Wahl“ bzw. „wenn ihr es nicht mögt, dann schaut es doch nicht an“ ins Leere arumentiert wird. Schön gekrönt nur noch von „Sexy ist auch mal OKAY“ bzw. „ihr mögt ja nur keine G-Strings“ was hat denn bitte ein kritischer Artikel zu VS mit damit zutun was sexy ist. Merkt ihr nicht wie brainfucked das klingt? VS hat nicht zu entscheiden was ALLE Menschen sexy finden. Punkt. Und dennoch freuen sich jedes Jahr 16-19 Jährige bei Heids GNTM darüber, die Kostüme der Engel zu tragen bzw. irgendwann selbst dort laufen zu drüfen. Es ist eben nicht so, dass die JA erwachsene, reflektierte Kundin ja immer die Wahl hat. Klar hat sie das. Aber: Es geht hier um Kinder, die Zielgruppe für Germany’s Next Topmodel fängt bei 8 Jahren an. Und ja, es ist verdammt nochmal wichtig, dieses gesundheitsgefährdende Ideal und den Unwillen der männlich geprägten Führungsetage von VS anzuprangern.

      Um Sexiness und Dessous geht es hier doch gar nicht primär.

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  7. Ava

    Was ich wirklich nie verstehen werde, weil es so unlogisch ist:

    Jemand, der für Diversität bei zB Körperformen votiert und dabei den Begriff Diversity vor sich herträgt wie ein Plakat mit rotem Ausrufezeichen, von dem/der ERWARTE ich einfach, diese Botschaft auch auf die Andersdenkenden zu übertragen.

    Wieso wird zB eine Ronja hier, die diese Meinung so nicht teilt, angefeindet, von denen, die für Vielfältigkeit plädieren?
    Ich finde, gerade die, die diversity zu ihrem Mantra machen, sollten es in allen Lebenslagen anwenden – heisst, im logischen Schluss ist es zu akzeptieren, dass es auch andere Meinungen gibt.

    Darüberhinaus würde mich persönlich interessieren, wieviele unter den Diversity Befürworterinnen Grössen ab 44+ tragen. Nur mal als Statistik betrachtet.

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    1. Ronja

      Danke Ava, mein Kommentar wurde einfach so verstanden wie er verstanden werden wollte und ich wurde daraufhin als unverschämt und unreflektiert bezeichnet. Es ging mir nicht darum, dass ich gegen Vielfalt bin (wie mehrmals erwähnt sehe auch ich nicht aus ein VS Engel) sondern nur darum, dass ich nicht auf jedem Catwalk alle Körperformen sehen muss nur weil es sie gibt. Außerdem gibt es so viele Labels die das Thema in den letzten Jahren toll umgesetzt haben, da jetzt ausgerechnet VS rauszupicken die es „falsch“ machen, leuchtet mir einfach nicht ein.

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      1. Ava

        Und genau das ärgert mich, seit es diese ganzen Themen öffentlich gibt.

        Man darf einfach nicht „nicht dafür“ sein.

        Ich finde, die Models, die da laufen und sich vorher zu Tode hungern, werden gut dafür bezahlt. Solange es Frauen gibt, die für Geld so ne Schwachsinns – Show mitmachen, wird es auch deren Zuschauer geben.

        Und ich muss wirklich auch nicht alles überall sehen.
        Wozu? Um zu zeigen, dass es das gibt? Das weiss ich auch so. Tagtäglich.

        Und ich muss auch nicht alles schön finden, denn jeder hat nun mal einen anderen Geschmack. Ich lasse mir genauso wenig einen Geschmack aufzwingen, wie sich jemand anderes nicht aufzwingen lassen möchte, wieviel sie wiegt.

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      2. Maxi

        Wie du es halt einfach nicht verstehen willst…?
        Du hast geschrieben: „Irgendwann ist auch mal gut mit Diversity“ – Was von Privilegiertheit und Unreflektiertheit nur so strotzt. Schon mal überlegt dass die DIVERSITY mit der es ja auch mal gut sein soll, MENSCHEN meint? Und zwar nicht nur nicht schlanke Frauen, sondern eben auch Menschen mit Krankheiten, Menschen mit Behinderung, Trans*Menschen und Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben. Ich sage nicht, dass die alle auf einen Laufsteg müssen, aber ich sage dir, dass es nicht ok ist, Menschen einfach „wegzuwischen“ mit „Irgendwann ist auch mal gut mit Diversity“. Das solltest du dir definitiv mal überlegen und raus aus deiner Opferrolle kommen.

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    2. Fabienne Sand Artikelautor

      Liebe Ava, ich finde nicht Ronjas Meinung unverschämt und unreflektiert und habe auch niemanden offen angefeindet. Ich habe ein riesiges Problem mit dieser Aussage „(…) wer beim Anblick dieser Frauen, (…) denkt er müsse selbst so aussehen, hat doch irgendwas nicht verstanden“, weil sie so viele Frauen, die Probleme mit ihrem Erscheinungsbild haben als solche darstellt, die grundsätzliche Probleme haben, nicht ganz sauber ticken oder wie man es nennen oder verstehen mag. Ich finde es unreflektiert so etwas zu sagen, ja ich finde es unverschämt. Das ist weder eine offene Anfeindung noch eine pauschales verteufeln einer Meinung, da es sich hier nicht um eine Meinung sondern um eine Behauptung handelt. Ich hoffe das ist jetzt klar. Und im besten Falle war es einfach nicht so gemeint. Das wäre schön. Und die Meinung, VS vollkommen ok zu finden so wie sie Business machen und schalten und walten akzeptiere ich sehr gerne. Die hat nur leider gar nichts mit diesem Satz und meinem Feedback dazu zutun.

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  8. Ava

    Ergänzend muss ich sagen – Nachfrage regelt das Angebot.
    Ich habe genau einmal VS Wäsche gekauft, die war totaler Schrott.
    Wenn es nur mich auf der Welt gegeben hätte, wäre der Laden längst pleite und dieses Engelkabarett hätte es nie gegeben 😉

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  9. Anna

    Hallo alle,
    ich habe die Diskussion eher passiv verfolgt und möchte nun doch noch etwas sagen. Ich finde den Artikel von Fabienne richtig und wichtig, denn es geht ihr ja gar nicht um den freien Markt oder eine Definition von „was ist sexy oder nicht“ oder um die Freiheit eben auch abgehungerte VS Engel sexy zu finden. Es geht ihr doch primär um die Botschaft, die eine solche Show gerade auch an Jugendliche sendet. Und die ist auch für mich eine gefährliche: denn diese Körper sind nicht die Norm und auch nicht erstrebenswert und genau das wird doch durch den Bombast und das Medieninteresse an den Shows suggeriert. Ich finde es übrigens toll, dass die Janes einen Blog gestalten, auf dem darüber diskutiert werden kann – bitte macht weiter so. Dass wir alle noch viel dazulernen können zeigt, wie tief eingebrannt Bilder und Fantasien (auch Ideologien) über den weiblichen Körper sind. Durch eure Beiträge zeigt ihr aber auch immer öfter, dass es eben auch Alternativen gibt. Danke dafür!
    Hier noch ein Link zu einem Guardian-Artikel, der das Problem ebenfalls betrachtet:
    https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2018/nov/22/victorias-secret-show-angels-lingerie
    Alles Liebe, Anna

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  10. Selma

    Leben und leben lassen! Bei dieser Art Diskussionen beschleicht mich immer wieder das eine Gefühl: Kann es sein, dass ihr Kritikerinnen mit einer gehörigen Portion Komplexen und Neid gegenüber schlanken Models ausgestattet seid?!
    Ich bin selbst keine Size 0, aber gucke mir schlanke hübsche Frauen gern an! Und dieses ewige Bashing auf einem Blog, der regelmäßig was von „Wir Frauen müssen zusammenhalten“ postet, es aber genau in solchen Artikelzusammenhängen nicht mal ansatzweise lebt und und unter dem Deckmantel von Toleranz intolerant wird, sollte echt mal überdacht werden!

    Mal im Ernst: Würde euch das Angebot gemacht werden, sich ab sofort um nichts anderes mehr als um disziplinierte Fitness und Ernährung zu kümmern, dafür enorm viel Geld angeboten werden- würdet ihr es ablehnen???!

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  11. Selma

    Wer schlanke Models ästhetisch findet ist Nazi! So! Ihr habt gefälligst nur Frauen mit ordentlich Fett auf den Rippen gut zu finden!

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    1. Anna

      Hallo Selma, wie oben von mir und auch von Fabienne Sand erwähnt, geht es in diesem Meinungstext nicht primär um die Beschränkung der freien Marktwirtschaft. Die Verschränkung von Markt und Freiheit ist aber ein spannendes Thema – dabei geht es doch vor allem um psychologische Effekte auf die Verbraucher, oder? Wie wäre es, wenn ich deinen letzten Satz einfach mal umdrehe: „Wer dicke Models ästhetisch findet, ist Nazi! Mögt gefälligst nur schlanke Models!“ – klingt das nicht auch für dich nach dem Marketing von VS und der Modeindustrie? Und damit wären wir beim Thema von Fabienne Sands Beitrag: ich habe als Jugendliche immer gedacht, ich sei zu (insert: laut/dick/leise/hässlich…) und ich möchte behaupten, dass das auch von der medialen Überbetonung bestimmter Frauenkörper herrührte. Wenn man ständig mit EINEM bestimmten Frauenbild konfrontiert wird, das beworben, mit viel Glitter königlich inszeniert etc wird, dann ergibt sich daraus ein Rollenmodell. Wäre es nicht mal an der Zeit, sich von diesem Rollenmodell (zudem „dem Engel“) zu lösen? Die soziale Frage von Norm und Abweichung spielt dabei übrigens auch eine wichtige eine Rolle: durch die mediale Überpräsenz wird ein unrealistischer Körperbau zur Norm. Meinst du nicht, dass andere Rollenmodelle Frauen und Mädchen entlasten könnten und einen realistischeren und liebenswerterem Zugang zum eigenen Körper ermöglichen würden?
      Um auf deine Frage zu antworten: für viel Geld mein Leben nur noch auf „disziplinierte Ernährung und Fitness“ auszurichten, klingt für mich echt gruselig. Ich bin froh, dass ich das nicht mit meinem Leben machen muss.

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  12. Anni

    Halli hallo,
    Ich habe nun diesen Kommentarverlauf ein bisschen beobachtet: was mir hierzu auffällt und auch schon bei anderen Themen/Diskussionen aufgefallen ist: viele Menschen die sich als wahnsinnig tolerant bezeichnen sind enorm intolerant. Ansich ist es egal, um welches Thema es geht: das Körperbild der Frau, unsere kapitalistische Konsumgesellschaft, die Flüchtlingssituation.. sobald jemand eine weniger liberale, „linke“ Einstellung hat, wird er niedergemacht. Ist es aber nicht genau das, was eine funktionierende Demokratie ausmacht: jede Meinung zu hören und zu akzeptieren, um einen fruchtbaren Diskurs entstehen zu lassen? Ich selber falle selber auch oft in die Rolle, dass ich mir denke,. „was ist schief gelaufen, bei ihr, dass sie so denkt“. Genau dieses Verhalten ist intolerant und ich finde , man muss sich dessen einfach bewusst werden 🙂 also Liebe Jane waynes: so oft ich eure Ansichten auch Teile: bitte habt auch Respekt für andere Ansichten und Meinungen (auch wenn sie euch nicht gefallen)

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