Life’s a bread // a really good bread.

 IMG_4101Zeit ist eigentlich eine physikalische Größe. In Theorie beschrieben als die Abfolge von Ereignissen, umunkehrbar und kontinuierlich. 24 Stunden an jedem einzelnen Tag, abseits der Schaltjahre 365 Tage per annum. Manchmal dauern Sekunden eine kleine Ewigkeit, Stunden ziehen sich wie Leim zwischen Holzleisten, doch meistens rennen uns die Tage einfach so davon. Ganze Wochen verschwinden im Kontinuum der Zeit, vor allem wenn wir glücklich sind, vor allem wenn wir unsere Tage mit Lachen füllen und das Leben genießen, vor allem im Sommer. Gerade pigmentierten sich noch gleichzeitig Rundhals-, V-Neck- und Bandeauabdrücke auf meiner Haut, eben war der nächtliche Sommerregen und der dunstige, warme Film, den er auf nackten Armen und Gesicht hinterließ, eine erfrischende Abwechslung, vorhin noch barfuß durch die Marshes gelaufen und Brombeeren gepflückt, beschwipst in der Sonne im Hyde Park Arcade Fire und Future Islands gelauscht, gestern bis nachts um zwei im Garten bei Kerzenschein gesessen. Vorhin, gestern, eben noch. Präteritum und Perfekt. Vergangenheit. Denn plötzlich haben uns Temperaturen unter 20 Grad wieder fest im Griff und lassen uns Sommerkleider mit Strumpfhosen auftragen. 

From Gold by Novo Amor

Ach ja, Sommer, du warst wunderbar und ganz tief unter meiner Strickjacke jauchzt mein Herz in leiser Hoffnung, dass du noch einmal für ein paar Wochen zurückkommst. Und im gleichen Atemzug kribbeln meine Finger und sagen, bleib noch zwei Tage fern, damit ich mir endlich wieder die Zeit zum Schreiben nehme. Das ist in all dem Sonnenschein, Bürostress, wunderschönen Stunden und Tagen mit neuen und alten Freunden und tausend anderen fadenscheinigen Gründen nämlich absolut untergegangen. Wie auch schon im Frühjahr. Und Winter und im Herbst. 2010-2014. Prokrastination du geliebter Feind. Machst soviel Platz für das Leben und lässt die eigentlichen Herzenswünsche unserer Generation im Herzen brennen und Runden in unseren Köpfen drehen. 

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Ich bin ständig am kritzeln, tippen, streichen, mit dem Finger viel zu oft auf der Löschtaste als einfach Steuerung + S zu drücken. Ich kam vor zwei Jahren nach London, um mir mehr Zeit für das kreative Schreiben zu nehmen, meinen Traum zu verfolgen und der Gedanke, dass in diesen 24 Monaten so viele schöne Gedanken und Hoffnungen Realität wurden, schickt ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich verdiene mit Wörtern meinen Lebensunterhalt, nur das Buch, an dem ich seit Jahren arbeite, möchte einfach nicht fertig werden. Beständigkeit ist das Zauberwort, Ablenkung durch die Schönheit des Lebens Treibstoff und Antithese. Ich vermag zu sagen, das ist eine kleine Generationenkrankheit.  Mit jedem weiteren Schritt wird immer deutlicher, dass es darum geht, in den Prozess zu investieren anstelle nur das große Ziel am Horizont anzuschmachten. Es geht um Visualisierung, zu wissen, wohin man steigen möchte, wo man ankommen möchte. Ein Gefühl für sein Glück zu finden und sich von diesem leiten zu lassen. Mich hat es hierhin verschlagen, umgeben von Menschen, die wie ich ihren Weg verfolgen, sich manchmal selbst im Weg stehen, doch am Ende des Tages genau da ankommen werden, wo ihr Herz, ihre Leidenschaft, ihr Geist sie führen wird. Wie uns alle. 

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Ein paar Dinge sind mir in all der Zeit hier bewusst geworden: streich die Tage im Bett mit dem Blick nach draußen gerichtet, wenn es nicht mit einer Person ist, die du liebst. Sei präsent und öffne deine Augen, Ohren und deinen Geist. Fülle deinen Kopf mit Musik und kreiere den Soundtrack, den du dir in 59 Jahren anhören willst, einfach nur um dich an diese goldenen Tage zu erinnern, die vielleicht grau erschienen während du in ihnen wandertest. Versuche den Moment schätzen zu lernen, ihn zu genießen, lass dich in körperliche Zuneigung und warme Worte fallen, die deine Gedanken berühren und sie in neue Richtungen lenken. Krame alte Playlists heraus und realisiere, dass das Leben immer schön war, egal wie traumhaft oder schmerzvoll die Tage erschienen. Wir sind am Leben, also lebe. Öffne dich und sauge den Tag auf.

 

 

Atme Liebe und Genuss in all den Jahren, die kommen werden. Liebe und sei dankbar. Bewege dich nach vorne. Heute ist morgen ist gestern. Alleine auf dem Weg, der dein Leben ist. Umgeben von Menschen, die den geraden Weg aufregender gestalten und die steinigen Abschnitte leichter machen, Menschen, die das selbe Licht in sich tragen, die du liebst und die dasselbe für dich empfinden. Umarme die Albernheit deines Daseins und das Wissen, dass du nichts weißt. Und dass du wahrscheinlich nie wirklich lernen wirst, wenn dein Herz nur groß genug ist. Denn zuviel Wissen verdirbt den Moment. Lass das Leben passieren und geh deinen Weg. Nach vorne, zur Seite, manchmal über die Schulter blickend, aber bleibe nur stehen wenn es einen glücklichen Augenblick wert ist. Am besten begleitet von einem großartigen Lied.

Coat Of Feathers by theseghosts

Gefüllt mit all diesen Gedanken im Herzen bin ich auch durch diesen Sommer spaziert. Vom Backofen zu cornischen Küstenabschnitten, über Festivalgelände und Parkwiesen, zu Konzerten und bedenklich vielen Pubs. Habe meinen Lieblingshut dem U-Bahnfahrtwind opfern müssen, frisch gepflücktes Obst in Rezepte umgewandelt, Interviews geführt und Ecken in dieser wunderschönen Stadt entdeckt, die in den kommenden Wochen in Wort, Musik und Bild hier landen werden. Ja ja, schöner Sommer. Ständig Bewegung, ständig Leben, ständig Veränderung. Ein absolut wahres Statement. Und eine ebenso stilistisch eigentlich unakzeptable Überleitung zu einem kleinen kulinarischen Leckerschmack, der bald Einzug in euren Bauch finden sollte. Begleitet von einigen, wie soll es auch anders sein, Neuentdeckungen und nostalgischen Weggefährten in visueller und akustischer Form.

Folgendes Rezept hat sich in den vergangenen Wochen als absoluter Glücksfund herausgestellt und wöchentlichen Einzug in meine Ernährung gefunden. Vergesst Eiweißbrot, Pumpernickel und Mehrkornkruste: hier kommt das life changing loaf of bread. Kein Mehl, keine Hefe, kein Zucker. Nur Körner, Samen und generelles dem Körper gut tun. Kohlenhydratfeinde können es sich auch nach 23.30 Uhr mit Käse belegen, ohne mit Tränen in den Augen zu Bett zu gehen. Frisch getoastet am Morgen mit geröstetem Kürbis kann es jedoch schon mal Feuchte in die Augen treiben. Weil es einfach so gut ist.

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Das Geheimnis dieses Brotes – das Rezept ist im Übrigen von einem meiner neuen Lieblings-Food-Blogs www.mynewroots.org – sind Flohsamenschalen. Klingt erstmal wenig appetitlich, aber eingehende Wikipedia-Recherche ergab, dass dieses wie feine Holzspähne aussehende Pulver verdammt gut ist für unsere Körper. Diese proteinhaltige Zutat hält die Körner, Samen und Nüsse zusammen, Konsistenz und Geschmack sind brotig, eben einfach nur 100% gesund und gut für uns. Und noch dazu ist es lächerlich einfach, es zu backen. Kein ewiges Warten und bangen vor dem Backhofen. Der Teig wird zusammengemixt, muss für 2h oder bis es euch passt, stehen und sich setzen (ich warte meistens einen Tag, einfach weil es meistens mit meinem Zeitplan einher geht), dann wird es eine Stunde gebacken und fertig ist der traumhafte Brotgenuss.

 

Ihr braucht:

1 Tasse Sonnenblumen- und Kürbiskerne

0.5 Tasse Nüsse (ich tendiere meistens zu einem Mix aus Haselnüssen und Mandeln)

0.5 Tasse Leinsamen

4 Teelöffel Flohsamenschalen

3 Teelöffel Chiasamen

1,5 Tassen Haferflocken

1 Teelöffel Meersalz

3 Teelöffel flüssiges Kokosnussöl

1,5 Tassen Wasser

1 Teelöffel Ahornsirup

Ihr mixt alle trockenen Zutaten zusammen, bis sie gut vermengt sind. Dann mixt ihr das Wasser mit dem Ahornsirup und Kokosnussöl und gebt es zu dem trockenen Körner-Samen-Haferflocken-Mix und vermengt alles bis ihr einen festen Teig habt, der zwar zäh, aber noch beweglich ist. Legt eine Kastenform mit Backpapier aus, füllt sie mit dem Teig und lasst es für ein paar Stunden stehen. Wenn sich der Teig leicht von den Seiten des Backpapiers lösen lässt, ab in den Ofen und für 20 min bei 180 Grad backen. Sobald die obere Kruste fest und gebräunt ist, nehmt die Kastenform aus dem Ofen, löst das Brot aus der Form und backt es weitere 40-50 min mit der bereits gebräunten Seite nach unten. Das Brot ist fertig, wenn ihr mit den Fingern auf die Oberfläche klopft und es hohl klingt. Auskühlen lassen, aufschneiden und genießen!

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