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Brauchen wir Celebrity-Feministinnen à la Beyoncé überhaupt?

09.04.2015 Feminismus

fame inism beyonce feminsistDie kurze Antwort: Irgendwie schon.

Emma Watson ist eine. Beyoncé (Nachname überflüssig) auch. Keira Knightley ist dabei, genauso wie Zooey Deschanel und Anna Kendrick. Taylor Swift war sich erst nicht sicher, steht jetzt aber auch dazu. Lady Gaga hat sich noch nicht richtig entschieden. Katy Perry hingegen will damit nichts zu tun haben. Ähnlich geht es Susan Sarandon und Joni Mitchell.

Feministin zu sein, das fällt der einen schwer, der anderen leichter – Celebrities machen da keine Ausnahme. Was sie von uns Normalsterblichen unterscheidet ist allerdings die Tatsache, dass potenziell mehr Menschen Interesse an dem haben, was sie sagen, als an dem, was wir so von uns geben. Nachteil: Das Gesagte kriegen – Überraschung – auch viel mehr Menschen mit. Dadurch muss ich leider ständig feststellen, dass von mir verehrte Frauen meine feministische Haltung nicht teilen. Sängerin/Kunstprojekt/isländische Fee Björk verkündete beispielsweise 2005 in einem Interview mit Bust, für sie sei der Begriff „Feminismus“ gleichzusetzen mit „sich beschweren“. Warum das für sie etwas Negatives ist, habe ich nicht ganz verstanden – ohne ordentliches Beschweren sind Veränderungen in unserer Gesellschaft schließlich noch nie passiert.

Jungs gegen Mädchen

Andere berühmte Damen haben andere Probleme mit Feminismus. Weil er männerfeindlich ist (glaubt Lady Gaga), der Name nicht passt (Susan Sarandon fände „Humanismus“ besser) oder Feminismus schlicht nicht mehr gebraucht wird (davon ist PJ Harvey überzeugt). Selten passiert so etwas wie bei Taylor Swift: Die dachte erst, Feminismus bedeute „Jungs gegen Mädchen“, dann lernte sie Femininja Lena Dunham kennen, shoppte ein paar feministische Bücher – und siehe da, alles nur ein großes Missverständnis, diese Anti-Feminismus-Haltung:

„As a teenager, I didn’t understand that saying you’re a feminist is just saying that you hope women and men will have equal rights and equal opportunities […] What it seemed to me, the way it was phrased in culture, society, was that you hate men. And now, I think a lot of girls have had a feminist awakening because they understand what the word means.” 

Feministische Erweckungserlebnisse dieser Art sind genauso schön wie Aussagen à la Björk nervig. Die Frage, die sich bei alledem stellt, lautet jedoch: Brauchen wir das überhaupt? Brauchen wir berühmte, schöne und erfolgreiche Frauen, die lauthals verkünden, sie seien Feministinnen? Was haben wir davon? Eigentlich sollte uns das doch ziemlich egal sein, findet die von mir sehr verehrte Autorin Roxane Gay:

„Feminism should not be something that needs a seductive marketing campaign. The idea of women moving through the world as freely as men should sell itself.” 

Dem letzten Satz würde ich absolut zustimmen – glaube aber, dass die Sache mit dem feministischen Selbstmarketing bisher nicht besonders gut funktioniert hat (sonst hätte ich wohl kaum dieses Buch geschrieben). Es ärgere sie, so Gay weiter, dass wir Feminismus und feministische Botschaften bereitwilliger annehmen, wenn sie in der richtigen Verpackung geliefert werden. Celebrities würden genau die Standards verkörpern, die wir angeblich hinterfragen.

Celebrity-Feminismus als Einstiegsdroge

All das stimmt – und doch bin ich jede Mal ein kleines bisschen froh, wenn irgendeine berühmte Dame etwas Positives zum Thema Feminismus sagt oder noch besser, sich mit der Bewegung identifiziert. Warum? Weil diese Frauen in der Öffentlichkeit stehen. Sie werden gesehen und gehört. Ja, das ist wahnsinnig unfair gegenüber dem unglamourösen Rest der Bevölkerung – zu leugnen ist es nicht. Mir ist also lieber, solche Frauen nutzen ihre Bekanntheit, um über ihre politischen Überzeugungen zu sprechen als darüber, welchen Designer sie tragen und ob sie tatsächlich mit ihrem heißen Co-Star zusammen sind. 

Und wenn es nun so ist, dass eine junge Frau dank Miley Cyrus (O-Ton „Ich bin die größte Feministin der Welt!“) Lust bekommt, sich mit dem Feminismus und der dazugehörigen Bewegung zu beschäftigen, finde ich das ziemlich großartig: Celebrity-Feminismus als Einstiegsdroge. Von da aus ist es bis zu Texten von Simone de Beauvoir, Roxane Gay oder Gloria Steinem nicht mehr ganz so weit. 

 Von Julia Korbik

Das Kompliment vom Sportlehrer, sie mache Liegestütze so gut wie ein Junge, fand Julia Korbik schon in ihrer Schulzeit daneben. In Frankreich und Deutschland studierte sie European Studies, Kommunikationswissenschaften und Journalismus – und ärgerte sich über Leselisten, die nur männliche Autoren enthielten. Bevor es sie 2012 nach Berlin und zum Debattenmagazin The European verschlug, arbeitet sie u.a. für die WAZ und Cafébabel. 2014 erschien Julias Buch Stand Up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene (Rogner & Bernhard). 

 Bild oben: Beyoncé Instagram.

13 Kommentare

      1. eine

        mag ja nicht i-tüpfelchen reiten, aber grammatik ist nun mal mein steckenpferd: in der frage variante müsste aber trotzdem ein s ran, auch wenn der satz: girls who run the world – natürlich absolut richtig ist. ist aber natürlich komplett egal – nur fürs protokoll halt 😉

        Antworten
  1. Anni

    Super Thema! Klar wäre es idealistisch, dass man das Thema nicht promoten muss, weil es eigentlich für sich selbst spricht, aber so geht es doch viel schneller! 😉 Ihr tragt hier doch auch dazu bei! 🙂
    Ich bin froh, dass immer mehr Frauen und Mädchen den Mut finden sich als Feministinnen zu outen!

    Das Buch von Roxane Gay „Bad Feminist“ hat mich ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht!
    Die Einleitung war der Knaller, aber danach hat es sehr nachgelassen meiner Meinung nach. Ich kann es nicht empfehlen zu lesen!

    Liebste Grüße,
    Anni

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  2. christina

    Sehr guter Artikel. Ich bin z.B. über Beyonce auf Chimamanda Adichie gestoßen, deren zitierten Ted-Talk ich mir mit Begeisterung angesehen habe. Auch schön ist zu sehen, wenn man bei Promis selbst (wie eben Taylor Swift) eine positive Veränderung sehen kann.
    Ich hab übrigens im vergangenen Jahr dein Buch gelesen, liebe Julia. Es ist großartig!

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  3. Chael

    Puh, schwieriges Thema. Gerade mit Beyonce habe ich Probleme. Bei ihr klaffen feministisches Bekenntnis und Praxis doch auseinander. Letztendlich unterwirft sie sich dem sexistischen Musikmarkt, der nach wie vor von weißen Männern kontrolliert wird (Plattenbosse, Producer, Manager etc.). Ihre Performances kommen nicht ohne die Zurschaustellung ihres auf den männlichen Blick getrimmten Körpers aus. Verstörendes ist da kaum zu sehen. Paula-Irene Villa hat diesbezüglich klar analysiert: die postulierte Kontrolle und Selbstbestimmung über den eigenen Körper und was frau zeigt (oder nicht), hat vielmehr damit zu tun, den Eindruck zu vermeiden, Opfer zu sein. Bloß nicht fremd-bestimmt oder -unterworfen.

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  4. Anja

    Ich gebe zu, dass ich mich mit dem Thema noch nicht sonderlich auseinandergesetzt habe, sondern nur nebenbei registriert habe, dass Emma Watson bekennende Feministin ist. Was das aber genau bedeutet…blieb mir bisher ein Rätsel. Zumindest aber kamen keine negativen Assoziationen in mir hoch, denn „wenn Emma Watson dazu steht, dann muss es ja gut sein“ 😉 Soviel zum Thema Celebrities.
    LG

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  5. Maria

    Ja, beim Thema Feminismus bin ich auch immer ein wenig zwiespältig. Gleichberechtigung ist sicher erstrebenswert. Aber dann fände ich den Namen „Humanismus“ wirklich irgendwie passender, denn damit würde es sich weniger wie ein „Mädchen-gegen-Jungs-Krieg“ anhören sondern wie ein gesundes „Miteinander“.
    Und deshalb mag ich auch den Ausdruch „sich als Feministin outen“ etwas seltsam. Es ist ja nichts Peinliches, sich für Gleichberechtigung einzusetzen, im Gegenteil, sie ist etwas Wünschenswertes. Vielleicht ist es mehr der Begriff „Feminismus“, als die Sache selbst, vor dem die Leute zurückschrecken.
    Aber mal ehrlich, kann man als Feministin wirklich etwas in die Tat umsetzen? Wenn eine prominente Frau eine grosse Rede hält, dann motiviert sie die Leute, vielleicht einmal selber darüber nachzudenken, aber verbessert sich dann dadurch tatsächlich die Situation einer Frau, die unter der fehlenden Gleichberechtigung leidet? Und wenn schon, wir kann dann eine Person wie ich etwas ausrichten, wenn ich sage, ich sei Feministin?
    Und eigentlich finde ich es doch recht traurig, wie wir Frauen der westlichen Welt so sehr für noch mehr Freiheiten und Rechte kämpfen, wo es doch Leute in anderen Teilen dieser Welt gibt, die weder das eine noch das andere haben. (Ich meine, ist es nicht krank, wenn bei uns Free-the-nipple-Aktionen laufen, während in Drittweltländern die Mädchen nicht zur Schule gehen können, weil dort so grosse Armut herrscht?)
    Ich finde eben, dass Björk Recht hat. Mir geht es so gut in dieser Welt und ich fühle mich in keinster Weise weniger berechtigt als meine Brüder oder meine Schulkameraden, und dafür bin ich auch dankbar.
    Wenn ich die Welt ein Stückchen weit verbessern kann, dann setze ich mich für Umweltschutz ein, oder etwas anderes, wo ich meine Meinung in direkt die Tat umsetzen kann. Die Gleichberechtigung steht auf meiner Liste der Dinge, für die es sich einzusetzen lohnt, eher weiter hinten.

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    1. Tine

      Allein was die Bezahlung in vielen Jobs angeht, gibt es leider keine Gleichberechtigung. Es gibt sicher Probleme, die weitaus dramatischer sind, aber das ist ein Fakt und es ist nicht fair.

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  6. Pingback: Am Abgrund Links – Feministische Promis, Terry Pratchett und Titanen | Daran geht die Welt zugrunde

  7. Oona

    Danke für den Artikel und die Buchvorstellung <3
    ich habe es mir gerade gekauft 🙂 und warte jetzt schon voller Vorfreude auf meine feministische Literatur.

    Beste Grüße eure Oona

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