10 Dinge, für die auch nach Feierabend noch Zeit bleibt

11.04.2017 box2, Leben

Vor etwa einem Monat habe ich mich dabei erwischt, während der Woche immer wieder in eine gemütliche Lethargie zu verfallen, voller Vorfreude auf das Wochenende, als wären der Samstag und der Sonntag die einzigen beiden Tage, an denen sich etwas erleben ließe. Ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat, aber er oder sie hatte recht damit, uns den Kopf richtig zu rücken: Man verbringe viel mehr Zeit mit Tagen, an denen man zur Arbeit geht als mit komplett freien Tage und deshalb sei es nunmal reichlich dämlich, mehr als die Hälfte seiner kostbaren Zeit mit dem Warten auf „Le Weekend“ zu verbummeln. Stattdessen sollten wir unsere Allerwertesten viel häufiger raus schwingen oder zumindest Sinnvolles tun. Für die Seele zum Beispiel. Mehr Freunde sehen, trotz Müdigkeit zum Beispiel, denn mit den Gesprächen kommt der Elan schon ganz von selbst. Mehr Schönes und Besonderes in den Alltag integrieren. Es reicht ja manchmal schon, das Abendessen auf den park zu verlegen. Oder sich ein bisschen Wellness im eigenen Bad zu gönnen, statt nur shcnellschnellschnell unter die Dusche zu springen. Zehn Dinge, für die auch nach Feierabend noch Zeit bleibt, habe ich gestern zusammengetragen. Ich weiß schon, so wirklich knallen tut nichts davon, aber das hier soll ein Reminder sein. Daran, dass Kleinigkeiten manchmal schon ausreichen, um dem inneren Schweinehund den Garaus zu machen. Es bleibt nämlich (fast) immer Luft für…

1.  Für ein Abendessen im Park:

Das lässt sich natürlich leicht empfehlen, wenn man direkt neben einem Park wohnt, aber viele von uns leben ja zumindest in der Nähe eines grünen Stück Stadtflecks. Es ist also gar nicht mal so verkehrt, das Abendessen des Öfteren mal in einem kleinen Korb verschwinden zu lassen, um es sich mit der Brotzeit, der Pizza oder den Oliven statt auf einem gepflegten Stuhl zur Abwechslung auf einer ruppigen Wiese bequem zu machen. Alltag muss ja nicht immer gleich Alltag sein und ein bisschen Abwechslung wirkt Wunder. Noch braucht es dazu zwar einen dicken Pullover, aber sei’s drum. Einfach machen. Vor allem, wenn der Kopf den ganzen lieben Tag lang vom Bildschirm verstrahlt wird.

2. Für Sachbücher, zum Beispiel über die Freiheit:

Romane sind überragend, keine Frage, aber manchmal habe ich das Bedürfnis, meine freien Abende mit mehr zu füllen als mit guten Geschichten, deshalb verspeise ich mehr und mehr Sachbücher. „Abenteuer Freiheit – ein Wegweiser für unsichere Zeiten“ von Carlo Strenger bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Ich bin schon durch und kann sagen: Hervorragend, leicht zu lesen und gleichzeitig herausfordernd fürs Hirn.

„Warum leiden so viele Menschen unter Depressionen und einer erdrückenden Angst vor dem Scheitern? Warum boomen Heilslehren, die uns den Weg zum wahren Selbst weisen wollen? All das hat laut Strenger, damit zu tun, dass es sich bei der Idee, es gäbe so etwas wie ein Grundrecht auf müheloses Glück, um einen Mythos handelt. Ausgehend von Denkern wie Spinoza, Nietzsche und Freud legt er dar, dass lange die Überzeugung vorherrschte, Konflikte und Scheitern gehörten zur menschlichen Natur. Daher, so schließt er aus den Biografien von Künstlern wie Egon Schiele oder Francis Ford Coppola, müssen wir wieder lernen, dass Freiheit ein lebenslanges Abenteuer ist: riskant, aber zugleich viel interessanter, als uns die Massenkultur heute weismachen will.“

3. Für selbst gemachte Milchbrötchen (die auch zu Käse super schmecken):

Brötchen und Brot backen ist neuerdings meine persönliche Mediation. Ich hätte das selbst niemals für möglich gehalten, aber nichts geht über das Kneten von Teig und das Warten auf das Abendessen, während der Duft schon aus der Küche schleicht. Für die einfachsten französischen Milchbrötchen der Welt, braucht man:

  • ¼ Würfel (ca. 20 g) Hefe  
  • 250 g  Mehl  
  • ca 110 ml  + 3 EL Milch  
  • 35 g  Zucker  
  • ¼ TL  Salz  
  • 1  Eie (Größe M) 
  • ca 60 g weiche Butter  
  • ½  Eigelb (Größe M) 

Ein Teil der Milch (ca 3 EL) muss lauwarm sein, damit man darin die Hefe auflösen kann. Parallel dazu Zucker, Mehl und Salz in einer Schüssel vermengen, dann die Hefemilch in eine kleine Mulde in der Mitte kippen. Zudecken. Es heißt ja immer, so ein Hefeteig müsse super lange gehen und das stimmt bestimmt auch. Ich stelle ihn aber meist bloß ganze 15 Minuten lang in den Kühlschrank, fertig. Dann kommen die Eier, Butter und die übrige Milch dazu. Kräftig kneten, so lange man mag und so lang es geht. Etwa 5 Minuten lang. Brötchen formen. Wer Zeit hat: Nochmal gehen lassen. (Ich verzichte häufig darauf, wegen des Hungers, aber dann wird es weniger fluffig, was mir egal ist). Dann kann das Blech bei (E-Herd:) 200 °C oder (Umluft:) 175 °C ca 10 Minuten lang in den Ofen. Voilà!

4. Fürs Ausmisten:

Nach dem Flohmarkt im vergangenen Spätsommer habe ich meine Garderobe am Wochenende noch einmal um die Hälfte reduziert. Ich besitze jetzt noch etwa zwei Kleiderstangen und ein Regal voll mit Pullovern und Hosen. Das ist noch immer viel, aber viel weniger als (beinahe) je zuvor. Wie gut sich das anfühlt, kann ich euch gar nicht sagen. Besitz belastet nämlich tatsächlich, das weiß ich jetzt genau. Weshalb ich vielleicht auch endlich vom Reduzierungs-Wahn erhellt worden bin, der bei all dem mitunter Berufs-bedingten Überfluss dringend nötig war. Fehlt nur noch das Schuh-Regal und die Sockenkiste. Und Durchhaltevermögen. Jetzt muss ich nämlich ganz dringend konsequent bleiben. Tipps und Tricks für den eigenen Kleiderschrank-Detox findet ihr hier.

5. Für ein bisschen Spa im eigenen Bad:

Mit Beauty hatte ich nie viel am Hut, aber seit „freie Zeit“ zu einem streckenweise raren Gut geworden ist, genieße ich sturmfreie Abende ohne meine zwei Männer mehr und mehr in vollen Zügen. Da wird die Badewanne gefüllt, das Haar auf eigene Faust getönt und mit Pickelpflastern geliebäugelt, da erscheinen mir Gesichtsmasken und Klatschmagazine plötzlich gar nicht mehr verkehrt und auch Entspannungsbäder und das Lackieren der Fingernägel in zehn verschiedenen Farben machen auf einmal Sinn. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber eine, an die ich mich regelmäßig selbst erinnern muss. Einfach mal nichtstun und auf dem Sofa liegend nachdenken – noch so ein seltenes Vergnügen, das den ein oder anderen Hirn-Knoten aber durchaus in der Lage zu lösen ist.

6. Für Dokus (statt Serien), zum Beispiel diese auf Netflix:

  1. Minimalism:

2. Die 3. Staffel Chef’s Table:

3. Hip Hop Evolution:

4. Planet Earth:

5. Beltracchi:

6. The Sunshine Makers:

7. She’s beautiful when she’s angry:

7. Für das Trocknen von Blumen aus der Vase. Und das Schreiben von Briefen:

Wie oft nehmen wir uns vor, endlich wieder einen Brief zu schreiben? Mit Tinte. Auf Papier. Vielleicht fällt es ja leichter, wenn gleich doppelt Grund zur Freude besteht. Wer Blumen etwa nicht ständig sterben sehen will, der kann die kleinen Blüten kurz vor knapp zwischen dicke Bücher stecken und sie so für (fast) immer haltbar machen. Das Ergebnis verschönert allerdings nicht nur Handgeschriebenes, sondern macht auch in Plexiglasrahmen ganz schön was her. Dieser hier stammt von Moebe:

8. Fürs Schlauchbootfahren (je nachdem, wo ihr wohnt natürlich):

Kaum etwas wirkt so besänftigend, beruhigend und entspannend auf mein Gemüt wie große Gewässer. Schon allein durch das Anschauen macht sich diese angenehme innere Ruhe breit und ein gesundes Gefühl von Entschleunigung. Noch besser wird es höchstens, wenn man sich nicht nur am See, sondern mitten auf dem See aufhält. Mit einem Schlauchboot etwa, oder einem aufblasbaren Kanu. Ich könnte vermutlich überhaupt nicht in der Stadt wohnen, wenn ich an den Wochenende nicht komplett gegensteuern würde. Gegen das Internet, den Lärm und Menschenmassen. Das muss nicht allen so gehen, aber trotzdem plädiere ich wacker für regelmäßige Anflüge von temporärer Stadtflucht, auch nach Feierabend noch, vor allem jetzt, wo es immer länger sonnig bleibt. Einfach machen. Auch, wenn der nächste See eineinhalb Stunden entfernt ist – es kann sich gar nicht nicht lohnen.

9. Fürs Malen:

Man muss nicht malen können um zu malen, oder besser: Jeder kann malen. Und sollte womöglich sogar genau das! Aus purer Freude vielleicht, zum Abbau von Stress oder als Konzentrationsübung. Man ist schließlich in kaum einer Disziplin so frei und selbst Elefanten wurden mitunter schon als große Künstler gehandelt. Entweder man kleckst zu lauter Musik und viel Schwung bunte Explosionen auf die Leinwand, oder aber man geht ganz behutsam vor, mit Chopin im Ohr. Vielleicht auch irgendwas dazwischen. Hauptsache man macht es. Einfach so, ohne andere Ablenkungsmanöver, die uns sonst so gern verführen. Farbe, Leinwände und Staffeleien gibt es sogar in jedem Baumarkt.

10. Für Tischtennis:

Zum letzten Geburtstag habe ich von meinem Freund Tischtennisschläger bekommen und erst einmal blöde aus der Wäsche geschaut. Inzwischen schaue ich nicht mehr blöde, sondern fast schon gierig, vor allem auf die Uhr, denn wann immer am Abend Zeit für eine kleine Runde Ping Pong mit Freunden bleibt, bin ich die Erste, die HIER schreit. Man powert sich aus, ist gesellig und auch ein bisschen Spielkind, aber das Beste: Am Ende lässt sich so eine Ping Pong Platte auch wunderbar zur Limo-Theke umfunktionieren. Auch für Eltern ist so ein Match erste Sahne, Tischtennisplatten gehören nämlich zu vielen Spielplätzen dazu. Wenn man also in einer kleinen Gruppe unterwegs ist, findet sich immer jemand, der ein Auge auf die Rutsche wirft, während die anderen sich im Rundlauf üben. Mein Tipp für das Ausfindigmachen guter Platten: PING PONG MAP. Alternativ lassen sich übrigens auch Netze über den eigenen Esstisch spannen. Auch prima: Korknet!

7 Kommentare

  1. Franzi

    Danke für diese schöne Auflistung, liebe Nike. Der Mann und ich haben vor Monaten auch angefangen, unsere Abende nicht mehr nur auf der Couch zu verbringen. Sport, auswärts essen (und wenn auch nur mal auf der Terrasse) – das alles verlängert den Tag gefühlt um ein paar Stunden. Auch zu empfehlen, aber natürlich nicht universell anwendbar: einen Hund anschaffen. So gibt es keine Ausreden mehr, nicht zumindest noch eine dreiviertel Stunde pro Abend (und morgens und mittags) in die Natur zu entschwinden.

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  2. Flo

    YES! Vielen Dank, genau solche Anregung kommt gerade im passenden Moment (grosses Opfer des Kochen-dann-Couch-und-Screentime Rhythmus unter der Woche leider)!

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    1. Nike Jane Artikelautor

      HAHA, oh Gott, ich habe diesen Back-Rechner benutzt für die richtigen Angaben (weil wir immer für die Nachbarn mit backen) und vergessen, zu runden 😀

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  3. Susi

    Hallo Nike! Kannst du mir vielleicht sagen, mit was für Farbe du malst? Und was man bei Pinseln und Leinwand beachten sollte? Das letzte mal habe ich im Kunstunterricht gemalt, würde es aber super gern mal ausprobieren. Tipps?

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    1. Josephine

      Am besten mal in einen Boesner oder einen ähnlichen Laden gehen und ein bisschen beraten lassen! Macht spaß und inspiriert unheimlich! Ansonsten geht Acryl eigentlich immer (trocknet schnell, leicht zu handhaben, gut für anfangende)! Am besten einfach gute (!) Lieblingsfarben aussuchen (und gute Pinsel, die Haaren nicht), LEinwand kaufen, Zeitung auf dem Boden auslegen, alten Shirt anziehen, Wasser bereit stellen und los! Und nicht so frustrieren lassen! Ausprobieren, nachmalen, anmalen, ummalen, einfach mal machen! (Plus Musik und Wein)

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