Tiny Jane Diary // 5 long Weeks to go.

02.08.2015 Allgemein, Kolumne, Diary

Dass ich in wenigen Wochen die Arbeit und das Mamasein parallel wuppen werde, ist mindestens so absurd, wie mein Umzug vor fünf Jahren nach Berlin. Da hilft auch keine wochenlange Vorbereitung aka 40 Wochen Schwangerschaft. Irgendwie stolpere ich in diese Art von Komplett-Veränderungen jedes Mal einfach so rein, statt sie wirklich und bei klarem Bewusstsein zu fokussieren. Mal entstehen sie aus Schnapsideen, dann wieder ist man sich dem Ernst der Lage gar nicht wirklich bewusst. Es gibt sie, die super geplanten Alleskönner, diejenigen, die 180 Grad Drehungen ganz straff einläuten – ich allerdings zähle mich keinesfalls dazu. Und liebe es mittlerweile umso mehr. Was morgen passiert? Wer weiß das schon. Das was passiert, ist dafür umso sicherer. Veränderungen sind großartig – und die kommende wird alles Vorangegangene mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit toppen.

Um ehrlich zu sein, hatte ich bereits einen ellenlangen Text über all die Wehwehchen verfasst, die mir vorher einfach niemand mitgeteilt hatte (oder hatte ich sie schlicht und ergreifend überhört?). Aber Hand aufs Herz: Kleine Zimperlichkeiten haben wir alle jeden Tag – da braucht’s auch eigentlich gar keine Schwangerschaft für.

Allererste Reaktion?
-Fassungslos.

Das Wetter zum Beispiel. Wer dabei keine Schnappatmung kriegt, keuchend und triefend im Schatten hockt, der ist von der ganz besonders harten Sorte. Da macht das kleine Kügelchen wahrscheinlich auch nicht mehr so unfassbar viel. Ebenso sieht’s mit dem Wasser in den Fingern und Beinen aus. Die Hälfte von euch wird auch ohne Drops im Bauch ein Lied davon trällern können – und hasst es mindestens genauso sehr wie ich gerade.

Heißhunger auf?
-Auf Donuts und Ritter Sport Nuss.

Ob man sich in Schwangerschaftswoche 35 vorstellen kann, was da eigentlich mit einem passiert? Was da auf einen zukommt? Und welche Veränderung da genau ins Haus steht? – Überhaupt kein minibisschen. So absurd das Ganze klingt, so absurd ist es auch. 35 Wochen hatte ich bisher Zeit, mich genau darauf vorzubereiten – und so sehr ich die ganzen Wochen gejammert habe, die Zeit vergehe wie im Schneckentempo, so wenig habe ich sie genutzt, um mich wirklich mit dem Kommenden auseinander zu setzen. Geht wahrscheinlich aber auch gar nicht so recht, weshalb meine rechte Hirnhälfte einfach auf „abwarten“ einprogrammiert scheint, statt auf großes Hirn-zermartern.

Schlimmster Verzicht?
-Zigaretten und viel Kaffee.

Ich bin ehrlich: Ich gehöre nicht zur Sorte „Momtobe“ die ihre Schwangerschaft über alle Maßen genießt, den lieben langen Tag Baby-Sachen im Internet recherchiert, sich viele Gedanken über Vorbereitungskurse macht oder sich ständig mit Frauen im gleichen Stadium austauschen will. Ich würde für mich eher die Schublade „schaffe ich schon“, „wird schon“ oder „andere vor mir haben das auch irgendwie alles gepackt“ öffnen. Das klingt unfassbar unromantisch (und das, obwohl hier, Erde an Sarah, ein Wunder passiert!) – ist aber einfach so. Vielmehr wünsche ich mir tatsächlich, die kleine Maus endlich richtig kennen zu lernen, für sie da zu sein und ihr das Leben zu zeigen. Ich kann es kaum erwarten und scheitere so kläglich daran, mir das Leben mit Baby vorzustellen, dass mir dieser Countdown mittlerweile einfach viel zu langsam vorüber geht.

stuff

Einen einzigen Spruch verstehe ich übrigens bis heute nicht: „Genieß‘ es!“ – und ein halb bemitleidendes, halb lächelndes Gesicht unterstreicht diese Aussage. „Ähm ok, und was genau?“ (An dieser Stelle könnte übrigens die besagte Jammer-Liste folgen – aber lassen wir das). Eines muss ich aber trotzdem gleich hinterher schieben: Ich habe bisher wirklich weder gut gemeinte, noch freche Ratschläge und Kommentare bekommen. Bauchpatscher stören mich auch nicht (wenn sie von Bekannten und Freunden kommen, wohlgemerkt!) und auch sonst hat man mich erstaunlicherweise wirklich extrem in Ruhe gelassen. Vielleicht liegt’s aber auch daran, dass ich all die kecken Phrasen bislang ganz einfach wunderbarst überhört hab‘. Sicher bin ich mir da nicht.

Was nervt wirklich?
-Mein Schnupfen.

Die ersten drei Monate verbuche ich persönlich übrigens immer noch als größte Härteprüfung, von der ich wirklich am allerwenigsten wusste. Gerade in der Zeit, in der man sich noch nicht wirklich artikulieren möchte, steht neben der allseits bekannten Übelkeit (mein Körper hat mich glückllicherweise vom Brechen verschont), nämlich eine kleine Lustlosigkeit ins Haus, die von 17Uhr-Schockschlafattacken zart untermalt wird. Die Wohnung heute Abend noch verlassen? Der Kopf rattert: „Ich könnte auf Leute treffen, die davon noch nicht wissen sollen.“ ∗ „Ich würde sofort auffallen: Kein Alkohol und keine Zigaretten. Ich bin schlagartig entlarvt.“∗ „Ich bin schon ganz schön müde.“ ∗ „Oh Gott, ich kann bestimmt nirgends sitzen.“ – Wer noch Ausreden braucht, darf sich gerne melden. Hallo, Couch Potatoe. Hallo, Langeweile!

schwanger

Und dann?

Ein ziepender Unterleib (es dehnt sich ganz schön – auch wenn’s unsichtbar bleibt), Schwangerschaftsschnupfen (das gibt es wirklich (!) und begleitet mich seit 35 Wochen unentwegt) und kleine, feine Heulattacken. Ihr merkt es also: Ich darf mich in keinster Weise beschweren, tue es natürlich aber trotzdem ständig und überall. Aber wisst ihr: Auch schon vor meiner Schwangerschaft hätte ich eine ganze Liste runter rattern können, die den Sarah-Jane-Haushalt ständig ins Wanken brachten – eine Schwangerschaftsentschuldigung lasse ich aus diesem Grund also selbst erst gar nicht wirklich gelten.

Und der Papa? -Der redet mittlerweile mehr mit meinem Bauch und kann’s kaum erwarten, ist furchtbar aufgeregt und entgegen mir absolut im Planungsmodus.

Bisher lief es so großartig unkompliziert, wie es bloß laufen konnte. Auf eines bin ich allerdings ganz besonders stolz: Dass alles auch in der Schwangerschaft so wunderbar normal weiter ging, dass meine Partnerin in Crime und Vorzeigemami Nike Jane und ich parallel Jane Wayne wuppen, JW Consulting gegründet haben und noch ein anderes, vollkommen neues Baby nahezu in den Startlöchern steht. Es geht also weiter, mit dieser Hineinstolperei <3

 

Das schönste Schwangerschaftsbuch (siehe Teaserbild) bekommt ihr übrigens bei Gretas Schwester.

12 Kommentare

  1. Jasmin

    Ich wünsche dir, liebe Sarah, alles Gute auf deinem Weg zur Mutterwerdung (oder wie man das jetzt nennen mag),
    und euch allen mit Tiny Jane ganz viel Erfolg <3 Ich find euch klasse, und obwohl ich 22 und hoffentlich noch lange kinderlos bin werde ich den Blog verfolgen.
    Einfach, weil ich euch so toll finde.

    Alles Liebe,
    Jasmin
    http://kitschick.at/

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  2. AnnaBu

    Hach ja „Genieß es“, getoppt von „Die schönste Zeit im Leben“…. SS35… naja vielleicht kommt das ja noch bei mir. Ich gehöre auch zu denen, die lieber alles auf sich zukommen lassen, als dich ständig mit dem Schwanger-Sein auseinanderzusetzen. Aber auf Tiny Jane habe ich fieberhaft gewartet! Ich freu mich drauf 🙂

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  3. Juli

    Du sprichst mir aus der Seele liebe Sarah Jane. Bei mir bricht der 6. Monat an und ich finde mich in vielem dass du schreibst wieder, Ich freue mich gespannt auf weiteres von TinyJane!!
    Alles Gute!!!

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  4. Astrid

    Nee, wat schön 😉 Ein toller Artikel. Danke dafür, dass Du so viele (privaten) Gedanken mit uns teilst! Und Gratulation zum Launch von Tiny Jane!

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  5. Valerie

    Ich bin in Woche 38 und diesen Text werde ich von nun an jedem schicken, der fragt, wie es mir geht. Und obwohl ich eigentlich eine unglaublich unkomplizierte Schwangerschaft habe, hoffe ich bei jedem Ziehen, dass es endlich losgeht. Denn weil es Nummer 2 ist, könnte ich die „Motzliste“ wahrscheinlich noch gut erweitern 🙂 Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, mehr von euch zu lesen – euer Start ist schon mal sehr vielversprechend! Alles Gute für die restlichen Wochen!

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  6. Franzi

    Liebe Sarah, ich wünsch dir für die letzten Wochen ganz viel Ruhe und finde es bemerkenswert, was du so nebenbei noch alles schaffst. Ich gehöre auch zu den Schwangeren die das alles auf sich zukommen lassen und nicht zig Ratgeber lesen… und ich war noch nie so entspannt in meinem ganzen Leben, da gibts wohl auch kein richtig oder falsch, das macht jeder wie es für ihn am besten ist. Ich freue mich schon sehr auf viele weitere Beiträge auf TinyJane und finde es toll, dass ihr dem Thema nun mehr Platz einräumt!
    Franzi von http://www.beeminent.wordpress.com

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  7. lisa

    Juhu. Ein schöner Artikel. Ganz viele deiner Gedanken teile ich und freue mich es hier zu lesen. Ich bin in der 36. Woche schwanger und habe den „irrwitzigen“ (so sieht das manch andere) Glauben, dass es noch ein Leben neben und nach der Schwangerschaft gibt und freue mich von euch und anderen mutigen Girls zu hören und zu lesen, dass es sehr wohl funktionieren kann. Die „gut gemeinten“ Ratschlägen sind an mir leider nicht immer abgeprallt. Allerdings fand ich bisher am schlimmsten, die hochgezogenen Augenbrauen oder mitleidigen Blicke zu ernten, wenn ich von meinen Ideen für das kommende Jahr erzählte, Ich arbeite zum Teil freiberuflich und habe mir vorgenommen, dass Babyjahr auch für eine neue berufliche Ausrichtung zu nutzen. Natürlich ist mir klar, dass es ganz anders kommen kann und ich vielleicht auch zu naiv an die ganze Sache herangehe. Und wenn schon – es kommt wie es kommt. Aber viele verurteilen gleich von Anfang an und finden es unmöglich sich mit was anderem zu beschäftigen ausser dem Kind und überhaupt..So genug gejammert. Also – wo treffen sich die Mamis aus Neukölln, die sich nicht nur über ihre Kinder unterhalten? Ich würde gerne bald zu euch stossen. 😉

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  8. Jen

    Zum Thema „genieß es“ – fand ich auch ätzend, genauso wie 2 Wochen vor der Geburt „genießt die Zeit zu Zweit“ – äh, nee, ich hab jetzt Bock auf zu Dritt?!
    Ich verstehe allerdings inzwischen den Hintergrund etwas besser. „Genieß es“ steht eigentlich für „oh du kannst noch lange schlafen und überhaupt noch an dich denken und machen, was du willst wann du willst. Genieß es!“
    😉
    Ich sag mal: it’s Heavy, aber du bist ja nicht allein und ich hätte heute auch nicht zwei davon, wenn es sich nicht lohnen würde. Das wichtigste ist: Frauen, helft einander! Wir stellen uns alle nämlich zu oft gegenseitig ein Bein. Dabei wissen wir doch am besten, wie schwer wir es manchmal haben. Aber du hast da ja mit Nike und Co. den besten Rückhalt!

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  9. Pingback: Tiny Diary // Woche 40 - Update: Trübsal adé - Tinyjane

  10. Robertalory

    Hallo zusammen! Jetzt möchte ich Ihnen erzählen über eine Sache, die mir sehr geholfen hat. Das ist Valgus Pro Feststeller, dank dem ich endlich wieder Stöckelschuhe tragen und lange wandern kann. Lange Zeit litt ich an den Hallux valgus. Zuerst beachtete ich ihn nicht, weil ich keine Zeit hatte. Ich habe zwei Kinder und arbeite vollen Arbeitstag. Darum habe ich fast keine Zeit für mich, aber die Verformung wurde immer schlechter und tat mir weh. Endlich wendete ich mich an den Arzt und erfuhr, dass es die Anfangsphase der Verformung war, und das hieß, dass weiter alles noch schlechter würde.

    Ich habe viele verschiedenen Mittel, orthopädische Socken und Schuhe, Schienen, naturgemäße Heilmethoden anwendet und sogar dachte, ob ich mich operieren lassen muss. Warum erzähle ich nicht darüber? Es würde ganz nutzlos und zu lang. Natürlich hat mir etwas ein bisschen geholfen. Zum Beispiel, milderten vorübergehend die von dem Arzt verschriebenen Cremen und Selben starke Schmerzen. Aber haben sie die Verformung des großen Zehs nicht korrigiert. Die Nutzung der orthopädischen Schuhe führte zu keinem Ergebnis, aber es war sehr unbequem sie zu tragen und die langen Spaziergänge waren ein großes Problem für mich.

    in Deutschland

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