8 Bücher im September – Von der Geschichte einer Flucht, dem Ende des Patriarchats & der Wahrheit über das Lügen

25.09.2018 Buch, box3

Gerade eben habe ich noch darüber schwadroniert, wie wichtig es ist, stets ehrlich zu sein, naja, jedenfalls meistens. Deshalb sage ich es euch jetzt wie es ist: Ich habe mich verzettelt. Bin zu spät dran. Der Kinderladen schließt gleich. Ich muss los. Aber nicht, ohne euch noch schnell diese acht Bücher ans Herz zu legen, von denen ich – Obacht – ganze sieben noch nicht gelesen habe. Bloß jenes von Françoise Sagan, weil ich nicht nur Fan der Amazon-Biographie dieser französischen Ikone des Existenzialismuses, sondern auch von ihrem Schreiben bin. „Bonjour Tristesse“ (das sie mit 18 schrieb) ist essentiell, alle anderen sollte man zumindest im Urlaub gelesen haben. Genau wie sämtliche Werke, die in dieser Liste auftauchen und die mir ausnahmslos während der vergangenen Wochen von Freundinnen und Freunden ans Herz gelegt wurden. Oh, außer Margarete Stokowskis „Die letzten Tage des Patriarchats“ – auf genau das freue mich von ganz allein. Weil Margarete mordsmäßig mürbe machen kann, vor allem genau die, die noch immer nichts kapieren wollen:

Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriarchats

Seit 2011 schreibt die Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski Essays, Kolumnen und Debattenbeiträge. Die besten und wichtigsten Texte versammelt dieses Buch, leicht überarbeitet und kommentiert. Die Autorin analysiert den Umgang mit Macht, Sex und Körpern, die #metoo-Debatte und Rechtspopulismus, sie schreibt über Feminismus, Frauenkörper und wie sie kommentiert werden, über Pornos, Gender Studies, sogenannte Political Correctness, Unisextoiletten und die Frage, warum sich Feminismus und Rassismus ausschließen.
Stokowskis Texte machen Mut, helfen, wütend zu bleiben, Haltung zu zeigen und doch den Humor nicht zu verlieren und sie zeigen, dass es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu einer gleichberechtigen Gesellschaft. Wer fragt, ob wir den Feminismus noch brauchen oder ob die Revolution bereits geschafft ist, dem liefert Margarete Stokowski eindeutige Antworten.

Rowohlt.

Eoin Colfer & Andrew Donkin – Illegal

Ebo ist ganz allein. Seine Schwester ist schon seit Monaten fort. Nun ist auch sein Bruder verschwunden und hat sich auf die gefährliche Reise nach Europa gemacht.  Ebos langer Weg führt ihn durch die Sahara in die bedrohlichen Straßen von Tripolis und schließlich hinaus aufs endlose Meer. Doch mit jedem Schritt wächst Ebos Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Eine eindrückliche und aktuelle Graphic Novel Geschichte, einfühlsam erzählt vom Team der Bestseller-Comics von «Artemis Fowl».

Rowhohlt Verlag.

Maxim Biller – Sechs Koffer

In jeder Familie gibt es Geheimnisse und Gerüchte, die von Generation zu Generation weiterleben. Manchmal geht es dabei um Leben und Tod. In seinem neuen Roman erzählt Maxim Biller von einem solchen Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht. »Sechs Koffer« – die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich – ist ein virtuoses literarisches Kunststück. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einem großen Verrat, einer Denunziation. Das Opfer: der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Was hier auf wenig Raum gelingt, sucht seinesgleichen in der deutschen Gegenwartsliteratur: eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs. »Sechs Koffer« ist ein Roman von herausragendem stilistischen Können, elegantem Witz und einer bemerkenswerten Liebe zu seinen Figuren: Literatur in Höchstform – und spannend wie ein Kriminalroman.

Kiwi Verlag.

Françoise Sagan – Ein bisschen Sonne im kalten Wasser 

Françoise Sagan, 1935-2004, hieß eigentlich Françoise Quoirez und stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie. Sie schrieb den Welterfolg „Bonjour Tristesse“ mit 18 Jahren, kaufte sich vom Honorar einen Jaguar, spielte, trank, nahm „gelegentlich“ Kokain und galt fortan als Protagonistin des französischen Existenzialismus. Nebenbei verfasste sie noch mehr als vierzig Romane und Theaterstücke, Filmdrehbücher und Memoirenbände. „Ein bisschen Sonne im kalten Wasser“ handelt von Gilles, Redakteur bei einer Pariser Tageszeitung, erfolgreich und gutaussehend, der ein ausschweifendes Junggesellenleben führt. Trotzdem leidet er unter Depressionen und sucht Erholung in der Provinz. Dort trifft er Nathalie, die Gilles mit ihrer Unbefangenheit und Offenheit entwaffnet. Ohne Zögern lässt sie ihren reichen Ehemann und ihr angenehmes Leben hinter sich und folgt Gilles in einem Strudel der Leidenschaft nach Paris. Dort jedoch fühlt sich die kluge und ernsthafte Frau wie ein Fremdkörper zwischen Gilles‘ oberflächlichen Freunden, und der wankelmütige Gilles zweifelt plötzlich an seinen Gefühlen.

btb Verlag.

Scarlett Curtis – The Future is Female 

Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und immer größer werdenden öffentlichen Protesten gegen die Geschlechterungleichheit noch immer massiv vom Gender Pay Gap, der Sehnsucht nach dem perfekten Bikinibody und Mansplaining definiert. „The future is female! Was Frauen über Feminismus denken“ ist das Buch für Mädchen und Frauen, die sich mit diesem ungenießbaren Cocktail nicht länger zufriedengeben wollen, eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung. Frauen von der Hollywood-Ikone bis zur Teenie-Aktivistin erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte; alle Geschichtenzusammengenommen entwickeln eine Kraft, die die alte Welt aus den Angeln heben kann und dem F-Wort einen ganz neuen Glanz verleiht. Der Feminismus von heute definiert sich über das Dafür und Miteinander und nicht ewig gestrig über das Dagegen, er ist eine unwiderstehliche Notwendigkeit – und jede Einzelne von uns gehört dazu!

Herausgeberin von „The future is female“ ist die britische Style-Kolumnistin und Pink-Protest-Gründerin Scarlett Curtis; Beiträgerinnen sind unter anderem: Emma Watson – Keira Knightley – Bridget Jones (von Helen Fielding) – Saoirse Ronan – Dolly Alderton – Jameela Jamil – Kat Dennings – Rhyannon Styles und viele mehr.

Randombouse.

Benedict Wells – Die Wahrheit über das Lügen

Es geht um alles oder nichts in diesen Geschichten. Sie handeln vom Unglück, frei zu sein, und von einer Frau, die vor eine existenzielle Entscheidung gestellt wird. Von einem Ort, an dem keiner freiwillig ist und der dennoch zur Heimat wird. Von einem erfolglosen Drehbuchautor der Gegenwart, der in das New Hollywood des Jahres 1973 katapultiert wird und nun vier Jahre Zeit hat, die berühmteste Filmidee des 20. Jahrhunderts zu stehlen. Und nicht zuletzt eine Erzählung aus dem Universum von Vom Ende der Einsamkeit, die Licht auf ein dunkles Familiengeheimnis wirft. Zehn höchst unterschiedliche Geschichten aus einer Welt, in der Lügen, Träume und Wahrheit ineinanderfließen. Mal berührend, mal komisch, überraschend und oft unvergesslich.

Diogenes Verlag.

Juli Zeh – Neujahr 

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen – etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Randomhouse Verlag.

 

Jonah Berger – Invisible Influence

If you’re like most people, you think your individual tastes and opinions drive your choices and behaviors. You wear a certain jacket because you liked how it looked. You picked a particular career because you found it interesting. The notion that our choices are driven by our own personal thoughts and opinions is patently obvious. Right? Wrong.

Without our realizing it, other people’s behavior has a huge influence on everything we do at every moment of our lives, from the mundane to the momentous. Even strangers have an impact on our judgments and decisions: our attitudes toward a welfare policy shift if we’re told it is supported by Democrats versus Republicans (even though the policy is the same). But social influence doesn’t just lead us to do the same things as others. In some cases we imitate others around us. But in other cases we avoid particular choices or behaviors because other people are doing them. We stop listening to a band because they go mainstream. We skip buying the minivan because we don’t want to look like a soccer mom. By understanding how social influence works, we can decide when to resist and when to embrace it—and learn how we can use this knowledge to exercise more control over our own behavior. In Invisible Influence, Jonah Berger “is consistently entertaining, applying science to real life in surprising ways and explaining research through narrative.

Simon & Schuster.

Dania Schiftan – Coming Soon 

Wenn wir eine Sache beherrschen wollen, üben wir: Wer gut Klavier spielen will, nimmt Unterricht, wer tanzen will wie eine Ballerina, trainiert regelmäßig. Dieser Grundsatz gilt in allen Lebensbereichen – nur beim Sex denken wir, dass alles von selbst klappen muss. Wie falsch diese Annahme ist, belegen die Zahlen: Nur jede dritte Frau kommt beim Sex regelmäßig zum Höhepunkt. Dabei könnte es ganz einfach sein: Denn genau wie ein Pianist seine Finger trainieren muss, muss die Vagina erst sensibilisiert werden, um beim Sex etwas empfinden zu können. Wie das geht, erklärt Dania Schiftan in diesem Buch – und hilft uns ganz nebenbei, unseren Körper besser kennenzulernen.

Piper Verlag

2 Kommentare

  1. Pauls

    Yippppieh, vielen Dank! Eine der besten Kategorien überhaupt. Was mir (super schlaumeiermäßig) aufgefallen ist: Du meinst sicher „Binjour Tristesse“, nicht wahr? Hatte mich kurz über eine Fortsetzung o.ä gefreut 😉

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