Gesellschaft // Schluss mit lustig

28.06.2019 Gesellschaft

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der Spaß ist zu Ende. Ernsthaft. Das zeigen die Umfrageergebnisse und Wahlerfolge der Grünen, der Partei der Spaßverderber*innen. Denn was diese Partei will, ist ja mal sonnenklar: Sie will Verbote aussprechen. In Zukunft sollen die Deutschen auf Autobahnen nicht mehr rasen dürfen, auch das geliebte Schnitzel wird abgeschafft und nicht mal mehr nett gemeinte Klapser auf Frauenhintern sind noch erlaubt. Und all das, wo doch jede*r weiß: „Öko muss Spaß machen“. Das zumindest befand CSU-Politiker Alexander Dobrindt in einem SPIEGEL-Interview. Ökospaß à la Dobrindt ist somit „das Gegenteil grüner Verbotspolitik“. Klar. Schon ein bisschen blöd, dass die Grünen nicht einfach mal bei Dobrindt nachgefragt haben, wie grünes Selbstmarketing funktioniert. Sonst würden sie ja ebenfalls auf Spaß setzen und nicht auf Fleischverbote, die gestandene Mannsbilder wie Christian Lindner ganz blass um die Nase werden lassen.

Spaß als Imperativ

Jetzt aber mal Spaß beiseite. Ernsthaft: Seit wann muss Umweltschutz Spaß machen? Die Klimakrise lässt sich wohl eher nicht durch ein paar beherzte Lacher lösen oder dadurch, dass man besonders gut gelaunt in sein Bio-Schnitzel beißt (wobei Schnitzel, siehe oben, ja sowieso bald verboten werden). Was nicht heißt, dass Umweltschutz nicht theoretisch und praktisch Spaß machen kann: Die Fridays for Future-Aktivist*innen beispielsweise schaffen es, sowohl wütend als auch beschwingt und mit kreativen Plakaten („Rettet die Welt! Es ist die einzige Welt mit Bier!“) auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Und sich Alternativen zur Vielfliegerei zu überlegen, neue Reiseziele und -wege zu entdecken, kann ebenfalls unterhaltsam sein. Aber Spaß als Imperativ für eine ökologische Lebensweise?

Eine andere Sache, die immer möglichst viel Spaß machen soll, ist Feminismus. Voller Begeisterung stürzten sich Medien und Öffentlichkeit auf Sophie Passmann und ihr Buch Alte weiße Männer. Endlich mal eine Feministin, die lustig ist! Und nicht so verbiestert und freudlos wie Feminist*innen üblicherweise sind. Passmann selbst kann gar nichts für all die Dinge, die da in sie hineinprojiziert werden – sie ist sicher nicht ausgezogen, das neue, junge, lustige Gesicht des deutschen Feminismus zu werden. Gesehen wird sie aber trotzdem so, weil sie ein offensichtlich vorhandenes Spaßbedürfnis in Bezug auf Feminismus erfüllt.

Natürlich, wie auch bei den Themen Klimaschutz und ökologische Lebensweise gilt: Feminismus kann und darf Spaß machen. Anders hält man den ganzen Wahnsinn in dieser Welt des Sexismus, der Trumps und Paragrafen 219a oft gar nicht aus. Aber Feminismus muss eben nicht lustig, unterhaltsam und heiter sein. Das ist schlicht und einfach nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, den Finger in die Wunde zu legen, rumzunerven, auf Probleme aufmerksam zu machen – und das immer und immer wieder.

Nicht besonders spaßig

Der Klimawandel ist real, genauso wie die strukturelle Ungleichberechtigung der Geschlechter. Beides lässt sich nicht weglachen, beides macht meistens wenig Spaß. Und das ist okay! Manche Dinge müssen getan werden, weil sie wichtig und notwendig sind und obwohl sie sich nicht besonders spaßig anfühlen. Zwei Euro mehr für Bio-Eier zu zahlen, macht keinen Spaß. Acht Stunden mit dem Zug irgendwohin zu fahren statt ins Flugzeug zu hopsen, macht keinen Spaß. Gute Freund*innen darauf hinweisen, dass sie gerade etwas Sexistisches gesagt haben, macht keinen Spaß. Sich Gedanken über den Zustand dieser Welt zu machen und ab und zu ein bisschen daran zu verzweifeln, macht keinen Spaß. Alexander Dobrindt findet vielleicht, dass „Öko“ Spaß machen muss – weil er glaubt, anders ließe sich dieses Thema der CSU-Stammwähler*innenschaft nicht vermitteln. Dabei haben CDU/CSU, wie andere Parteien, bei der Europawahl zehntausende Stimmen an die sauertöpfischen und spaßverderberischen Grünen verloren.

Was zeigt: Öko muss eben keinen Spaß machen. Genauso wenig wie Feminismus. Weil einem bei gewissen Themen das Lachen doch irgendwie im Halse stecken bleibt.

3 Kommentare

  1. Daniela

    Ja, du hast Recht. Ich habe auch den Eindruck, dass es „weh“ tun muss, dass ich wirklich selbst etwas spüren muss, wenn ich meinen Teil beitragen möchte, den Klimawandel nicht zu beschleunigen.

    So also gestern die Urlaubsplanung. Zwei Freundinnen, die mittlerweile in Frankreich wohnen, sollen Ende August nacheinander besucht werden.

    Der Hinweg führt nun von Berlin mit Stopp in Köln bis nach Frankreich, Stopp 1, per Zug. Nach Stopp 1 in Frankreich geht es ein paar Tage später weiter zu Stopp 2, ebenfalls per Zug.
    Die Bilanz bis dahin: insgesamt 19 Stunden reine Zugfahrt und fast 180€.
    Da meine Urlaubstage begrenzt sind, geht es zurück mit dem Zug und Flugzeug. Bilanz für die Rückstrecke: 1,5 Stunden Zug, 2,5 Stunden Flug und kosten von insgesamt 62€ (davon der Flug 25€). Es ist schon echt verrückt,
    dass die Kosten der Reise – verglichen mit den gewohnten Kosten für Billigflieger – so explodieren. Das tut weh. Aber es ist es mir wert. Und es ist ein Versuch, mein eigenes Verhalten zu überdenken und die dadurch entstehenden Konsequenzen (und kosten) zu tragen.
    Dennoch – nicht jeder kann es sich leisten und das macht es sehr schwer, so gut es geht, anders zu agieren, wenn man denn an ferne Orte möchte. Zum Glück ist Berlin mit all seinen Seen auch sehr schön.

    In diesem Sinne, einen schönen Sommer.

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  2. Linda

    Mich Schmerzen auch viele wichtige Entscheidungen und mich strengen auch Hinweise an meine Mitmenschen an. Die Alternative sind anstrengende Selbstvorwürfe nichts gesagt oder nicht richtig gehandelt zu haben.
    Es ist anstrengend nachzudenken, abzuwägen, Verantwortung zu übernehmen, aber es ist mein Leben.

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  3. Jessa

    Ich freue mich immer so über deine Texte. Das alles verkauft werden muss als Spaß ist eine Sache, die mich schon länger beschäftigt. Man fängt erst an, wenn es beginnt bei einem selber weh zu tun. Was? Wir haben Platik im Trinkwasser? Da müssen wir was tun, aber bitte mit bunten Flaschen und Sodastream, normales Leitungswasser ist nicht fun genug! Das anderswo, durch die Klimaeewärmung Seen austrocknen und Inseln untertauchen ist ja nicht Grund genug gewesen anzufangen.
    Wobei ich mich freue, dass endlich ein Bewusstsein entsteht, besser zu spät als gar nicht. Man wünscht sich zwar immer, Vernunft und Fakten würden reichen um zu Taten motivieren, aber anscheinend hat das lange nicht gereicht.
    Nein, ein Klimawandel macht ganz sicher keinen Spaß.

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