Die besten Dokus aus den Mediatheken, um den Herbst im Sommer zu überbrücken

09.07.2019 Film, box3

Der Sommer, scheint es, legt gerade ein kleines Päuschen ein. Fast überall in Deutschland hat es sich abgekühlt, einige Tage sind grau und regnerisch. Und das ist nach der großen Hitzewelle im Juni gar nicht mal schlecht. Denn zu viel gutes Wetter, man weiß es ja selber, macht ein schlechtes Gewissen: weil man am Schreibtisch hockt, statt im Park die Nase gen Sonne zu recken. Weil man Lust hat, einfach mal mit einem Buch im Bett rumzuhängen, statt eine Radtour zum nächstgelegenen See zu machen. Weil man Angst hat, das gute Wetter nicht richtig auszunutzen, schließlich könnte es damit morgen schon vorbei sein. Die FOMO (Fear Of Missing Out), sie ist im Sommer ganz besonders schlimm. Ein paar weniger warme Tage sind also hochwillkommen – und bieten genug Gelegenheit, es sich mit dem Laptop gemütlich zu machen und in den guten, alten Mediatheken ein paar Dokus (und eine Serie!) zu gucken. Hier kommt eine Auswahl dessen, was das Anschauen lohnt.

Die Frauen der Terrormiliz (Arte)

Geht es um den selbsternannten „Islamischen Staat“ (IS) geht es vor allem um Männer – Männer, die im Namen Gottes Angst und Terror verbreiten, morden und zerstören. Doch auch Frauen gehören der Organisation an, sie sind Ehefrauen, Mütter, Schwestern und Töchter. In der Öffentlichkeit werden sie oft nur als hilflose Sklavinnen wahrgenommen, die sich den Wünschen der Männer fügen. Dass die Realität komplexer ist, zeigt der Filmemacher Thomas Dandois in seiner Reportage. Zwei Jahre lang hat er den Kontakt zu aktiven IS-Frauen gesucht und zehn von ihnen begleitet. Er fragt nach ihren Beweggründen – und danach, was mit ihnen passiert ist, nachdem der IS seine Hochburgen im Irak und Syrien verlor. Wie gehen sie mit dem Erlebten um? Hier lang: Die Frauen der Terrormiliz (Arte).

Die Bauhaus-Revolution (3sat)

2019 ist Bauhaus-Jahr, was vor allem in Weimar und Dessau – Standorte der Bauhaus-Universität und des Bauhaus-Gebäudes – mit zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen gefeiert wird. Tatsächlich ist das Bauhaus so etwas wie ein deutscher Exportschlager mit nachhaltigem Einfluss auf Architektur, Design und Kunst: Mit seinen strengen Linien und seiner typischen Schnörkellosigkeit gehört es heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Claudius Gehr spürt der Bauhaus-Vision in einer zweiteiligen Dokumentation nach. Führende Köpfe der Bewegung, wie Walter Gropius, werden vorgestellt, wichtige Schauplätze besucht und danach gefragt, was das Bauhaus denn nun eigentlich ausmacht. Hier lang: Die Bauhaus-Revolution.

Elternschule (ARD)

Über kaum einen anderen Dokumentarfilm ist in den letzten Jahren in Deutschland so viel diskutiert worden wie über diesen – und zwar schon bevor der Film überhaupt in die Kinos kam (Hintergründe zur Diskussion gibt es beispielsweise hier und hier). Während die meisten Medien die Dokumentation über Patient*innen der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik lobten, waren viele Eltern, Erzieher*innen und Kinderärzt*innen über die darin gezeigten Erziehungsmethoden entsetzt. Ist der Shitstorm gerechtfertigt? Das müssen Zuschauer*innen selbst entscheiden. Inhaltlich geht es darum: Die Filmemacher Jörg Adolph und Ralf Bücheler dokumentieren die Arbeit in einer Gelsenkirchener Klinik, die sich um verhaltensauffällige Kinder und deren überforderte Eltern kümmert. In mindestens drei Wochen sollen die betroffenen Eltern lernen, wie „gute Erziehung“ aussieht.

Achtung: Der Film ist nur noch bis 10.07.2019 online zu sehen: Elternschule (ARD).

Leading Women (ZDF)

Frauen, die es an die Spitze, die es bis ganz nach oben schaffen wollen, haben oft einen steinigen Weg vor sich. In zahlreichen Kurzporträts zeigt das ZDF Frauen, die diesen Weg gemeistert haben – von Kira Radinsky, Chief Scientist bei ebay in Tel Aviv, über die Restaurant-Ketten-Gründerin Rosa Maria Esteva bis hin zur Architektin Liz Diller. Hier lang: Leading Women (ZDF).

Männlich, weiblich – oder was? Leben mit dem dritten Geschlecht (WDR)

Seit einigen Monaten gibt es in Deutschland im Geburtenregister neben „männlich“ und „weiblich“ noch eine dritte Option: „divers“. Gedacht ist diese für Menschen, die bei der Geburt nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können, also für Intersexuelle. In Medien und Öffentlichkeit wurde diese Entscheidung kontrovers diskutiert. Intersexualität ist dadurch zum Thema geworden – richtig damit auseinandersetzen wollen viele Menschen sich aber doch lieber nicht. Allen voran CDU-Chefin AKK, die sich bei einem Karnevalsauftritt über Intersexuelle lustig machte. Franziska Ehrenfeld, Insa Rauscher und Hannah Reineke haben drei Intersexuelle, Christian, Sandrao und Talisha, begleitet. Sie zeigen, wie schwierig das Thema Intersexualität vor allem für die Betroffenen selber ist, welchen Herausforderungen und Diskriminierungen sie im Alltag begegnen. Hier lang: Männlich, weiblich – oder was? Leben mit dem dritten Geschlecht.

Eichwald, MdB (ZDF Neo)

Er ist wieder da! Hans-Josef Eichwald hat es – überraschenderweise – ein weiteres Mal in den Bundestag geschafft! Gewohnt unmotiviert und mit dem Ziel, möglichst viel seiner Arbeit auf die Mitarbeiter*innen abzuladen. Doch seine Arbeit zwischen nervigen Konkurrent*innen und Parteifreund*innen nicht zu machen, ist gar nicht mal so leicht. Wie schon Staffel 1 (hier anschauen) bietet auch Staffel 2 einen kurzweiligen, satirischen und immer feinsinnig-fiesen Einblick in den deutschen Bundestag. Dabei verkörpert MdB Eichwald (Bernhard Schütz) so ziemlich alles, was ein Politiker nicht sein sollte: stets auf den eigenen Vorteil bedacht, faul, eitel und fettnäpfchen-affin. Ein richtiger alter, weißer Mann. Seine Hauptfeindin, immer noch: Die Fraktionsvorsitzende Birgit Hanke (Maren Kroymann). Seine Bürde, immer noch: die wahlweise unfähigen, wahlweise übermotivierten Mitarbeiter*innen, Sebastian Grube (Lein Ullrich) und Julia Schleicher (Lucie Heinze). Wer dachte, mehr Realsatire als das, was in der deutschen Politik gerade passiert, geht nicht, der hat sich geirrt. Hier lang: Eichwald, MdB (ZDF Neo).

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