Ich bin Phenix. Und das ist meine Geschichte – zumindest ein Teil davon.

Unter dem Namen „Phenix“ haben mich meine Eltern nicht getauft, als ich 1995 in Lübeck geboren wurde. Es war ein heutiger Freund, dem ich mich damals auf Englisch mit den Worten „Hi, I’m Felix!“ vorstellte. Er fragte: „Phoenix?“ – und nach kurzer Denkpause bestätigte ich ihn nickend. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz überzeugt davon war.

Ich bin ein Mensch, der vieles mit sich selbst ausmacht. Plötzlich macht es dann Klick und der Knoten ist gelöst. Genauso war es auch als ich realisierte, dass der Name „Felix“ zu mir nicht mehr wirklich gehörte. Wie aber gibt man sich einen neuen Namen? Ein Name, der passt und nicht aufgesetzt wirkt. Irgendwie machen Eltern das intuitiv ziemlich gut. Meistens jedenfalls. Mir wurde einmal erzählt, dass eine Trans*frau – nachdem ihr klar war, dass sie im biologisch falschen Körper geboren wurde – wieder zu ihren Eltern ging und sie um Hilfe bat. Bei der Geburt sind sie es schließlich auch gewesen, die ihr ihren männlichen Namen gegeben haben.

Dafür bin ich dann aber doch zu eigen und auch einfach schon älter als die besagte Trans*frau. Ich habe besagtes Namensproblem also ein paar Wochen mit mir selbst rumgeschleppt. Dabei schwirrte mir diese Situation, in der ich „Phoenix“ genannt wurde, immer wieder durch den Kopf. Irgendwann hat es schließlich Klick gemacht: Phenix. Und zwar ganz bewusst mit angepasster Schreibweise als Hommage an meinen männlichen Namen, den mir meine Eltern einst gaben. Ich will mein Leben als „Mann“ schließlich nicht vergessen und verdrängen. Es war schön. Aber jetzt ist es eben anders.

Mein Name war nicht das Erste, das ich hinterfragt habe. Vor kurzem habe ich gelesen, dass alle queeren Menschen beim Erwachsenwerden ihre Eigenschaften hinterfragen: Bin ich das? Oder habe ich mir das angeeignet, um mich zu schützen? Es waren Fragen wie diese, die ich mir stellte, als ich mich vor ungefähr drei Jahren von meinem damaligen Freund getrennt habe. Plötzlich war ich auf mich allein gestellt. Nur noch ich. Das hat mir Raum gegeben, meine Identität und Sexualität neu zu entdecken. Bis zu dem Zeitpunkt war es scheinbar simpel: Ich war ein schwuler Mann.

Bloß wurde mir immer bewusster, dass dies nur noch eine Fassade war, die ich in den vergangenen Jahren aufrechterhalten hatte und dabei immer unglücklicher wurde. Die Rolle habe ich gut gespielt. So gut, dass ich selbst oft ganz vergessen habe, dass es eine Rolle ist, die ich verkörpere. Die Gesellschaft hat mir beigebracht, dass ein „schwuler Mann“ eigentlich noch ganz okay ist und mittlerweile in weiten Teilen der Gesellschaft akzeptiert.

 

 
 
 
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Aber Trans*? Das ist nochmal was ganz anderes. Ich habe die Gesellschaft bislang so wahrgenommen und verstanden: Schwul sein ist witzig. Trans* sein ist krank. Trans* ist pervers. Trans* ist lächerlich. Und alle Trans*menschen, die ich kannte, trugen vor allem in den Medien genau diese Stempel. Aber so wollte ich nicht sein: Schrill, laut, nur darauf bedacht eben trans* zu sein. Ich wollte doch einfach nur ich sein – und nicht dieser Paradiesvogel.

 
 
 
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Mit 21 Jahren, als also der Weg zu mir selbst erst so richtig begann, sah ich aus, wie ein anderer Mensch. Meine Haare waren immer kurz, ebenso meine Fingernägel. Zu besonderen Anlässen trug ich Anzüge. Oft mit einem besonderen Twist. Schließlich war ich ja der schwule, lustige, auffällige Felix. Der, der es geliebt hat aufzufallen.

Zur Konfirmation bekam ich eine teure Uhr, meine kleine Schwester einige Jahre später eine Designer-Handtasche. Was ich lieber gehabt hätte? –Das könnt ihr euch wohl offensichtlich denken. Ich wollte meine Fingernägel lackieren, hohe Schuhe und Make-Up tragen – eben so, wie alle meine Freundinnen. Als ich dann im Körper eines biologischen Jungen diesen Wunsch verspürte und in den Medien nur wahnsinnig schrille und zugegeben meist unangenehme „Vorbilder“ sah, war es keine Option, solche Gefühle bei meinen Eltern anzusprechen – selbst bei meiner sehr offenen Familie.

 

 
 
 
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Dating als Trans*mensch – ein Spießroutenlauf

Manchmal sehe ich alte Bilder von mir und sage scherzhaft, dass ich mich heute selbst nach rechts swipen würde, sähe ich mein altes Ich auf Tinder. To be honest: Mein altes Ich hätte mein heutiges Ich nach links gewischt – kein Match! Früher war ich in Rollenbilder viel zu festgefahren, um jemandem „wie mir“ eine Chance zu geben. Heute ist das anders. Einfacher ist es trotzdem nicht geworden.

Potentielle Dates hätten mich oft gern als Trans*frau, die am besten aufgeblasene Ballon-Brüste hat und ihr Leben dauerhaft auf 15cm Pfennigabsätzen in Minirock bestreitet. Das klingt wie ein Fetisch? –Ja, genauso fühlt es sich auch an. Aber erkläre ich nun solchen Menschen meine Lage, wenn ich selbst doch noch gar nicht so sicher bin? Denn ich bin – wahrscheinlich wie die meisten Menschen – nach wie vor auf dem Weg zu mir selbst. Ich kann mich keiner Kategorie zuordnen und möchte das aktuell auch nicht.

 
 
 
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Wie aber melde ich mich überhaupt beim Online Dating an? Als Mann? Als Frau? Bin ich überhaupt irgendwem schuldig, mich zu erklären? Ich muss mich schließlich nicht in eine Schublade stecken lassen, um es anderen einfacher zu machen, oder? Oft werde ich außerdem gefragt, ob ich Operationen plane. Und genau da liegt ein weiteres Problem:

Ein großer Teil unserer Gesellschaft glaubt, dass ein Mensch mit Penis keine Frau und ein Mensch mit Vagina kein Mann sein kann. Das biologische Geschlecht eines Menschen bei der Geburt definiert weder die Geschlechtsidentität noch steht es in Zusammenhang zur Sexualität. Ich stehe auf Männer und bin quasi heterosexuell, weil das, was gesellschaftlich als „anders“ wahrgenommen wird, nicht meine Sexualität ist, sondern meine Geschlechtsidentität. Das durchbricht festgefahrene Stereotypen, die die Gesellschaft seit Jahrhunderten prägt.

Manchmal frage ich mich, warum Menschen Gender-Reveal-Partys feiern und sich vor der Geburt ihres Kindes ein bestimmtes Geschlecht wünschen. Was ist denn, wenn da jemand wie ich rauskommt? Papa steht dann immer noch alleine auf dem Fußballplatz, obwohl ich doch einen Penis habe – Frechheit! Und überhaupt: Was macht man dann mit dem blauen Konfetti? Und warum muss es sowieso überhaupt immer nur Rosa und Blau geben? 

 

 
 
 
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Wissen wir mittlerweile nicht eigentlich, dass wir Kleinkindern so bereits im Kindesalter in vorgefertigte Rollenbilder drängen? Ganz besonders im Umgang mit den Kleinen müssen diese Stereotype endlich ein Ende haben. Sie sind für Menschen wie mich wie schreckliche Fesseln, die sich scheinbar unmöglich lösen lassen. Heute kann ich zwar behaupten, dass man sich von ihnen befreien kann, allerdings war der Weg dahin ein Kampf, der noch lange nicht zu Ende ist. 

Seit mehreren Jahren lasse ich nun meine Haare wachsen, trage Fake-Nails und High Heels. Aber nicht täglich, denn Äußerlichkeiten definieren keineswegs meine Weiblichkeit. Die optischen Merkmale, die gesellschaftlich als „weiblich“ festgelegt werden, waren für mich stets scheinbar unüberwindbare Hürden. Also mache ich es einfach genauso, wie es sich für mich richtig anfühlt.

Heute bin ich also nicht mehr der schwule, auffällige Felix. Wobei ich immer noch gerne auffalle. Die Person, die ich jetzt bin, hat noch einiges von ihm, aber endlich spiele ich anderen nicht mehr vor, keinen Wert auf ihre Meinung zu legen. Ich lebe es.

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