Buch-Tipp: „Lean In“ von Sheryl Sandberg
– Frauen und der Wille zum Erfolg

09.01.2014 um 12.58 – Allgemein Buch

sheryl-sandberg-lean-in-Irgendwann im vergangenen Jahr schrieb ich einen Artikel, der den „neuen Feminismus“ behandelte, den „Feminismus mit Titten„, oder auch das wiederkehrende Bewusstsein für so etwas wie Girl Power. Heute, ein paar Monate und Lektüren später, würde ich aus „Girl Power“ „Girl Love“ machen, einiges revidieren und vieles hinzufügen. Was aber bleibt, ist die Gewissheit, dass Frauen gut daran täten, weniger den Mann zum Sündenbock zu degradieren, als vielmehr ihr eigenes Handeln zu sanieren. Der Kampf gegen Sexismus gehört zwar weiterhin zum Alltag und jeder frauenverachtende Lehrer, Dozent, Mitarbeiter oder Chef an den Pranger gestellt, dennoch bekommen viele von uns derartige Missstände erst gar nicht zu spüren. Oftmals verschwindet die Thematik der Emanzipation sogar gänzlich von der Agenda. Weil doch im Grunde alles ok ist. Wenn es aber doch mal brennt, ist definitiv der Mensch mit dem Penis das größere Arschloch. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass es meistens Frauen sind, die anderen Frauen im Weg stehen – und ganz besonders wir selbst. 

Darum und um vieles mehr geht es in Sheryl Sandbergs Buch „Lean In – Frauen und der Weg zum Erfolg“.

„Wenn eine Frau kompetent ist, ist sie dem Anschein nach nicht nett genug. Wenn eine Frau wirklich nett ist, hält man sie eher für sympathisch als kompetent. Nachdem Menschen aber nur Leute einstellen und fördern wollen, die sowohl kompetent als auch nett sind, wird dies für Frauen zu einer riesigen Hürde“, schreibt sie auf Seite 63.

Damit bezieht sie sich vor allem auf die sogenannte „Heide/Howard-Fallstudie“. An einer amerikanischen Universität präsentierte man Studenten und Studentinnen die Geschichte einer tatsächlich existierenden Heidi, die zu einer einflussreichen Risikokapitalgeberin geworden war. „Sie machte sich ihr kontaktfreudiges Wesen zu eigen, ihr gigantisches berufliches wie privates Netzwerk“, hieß es. Anderen Studenten legte man selbige Geschichte nahe, mit einem einzigen Unterschied: Aus Heidi wurde Howard. Respekt hatte man am Ende vor beiden, allerdings beschrieb man Howard als angenehmen Zeitgenossen, Heidi jedoch als egoistisch.

Das Fazit: Ein Mann, der Erfolg hat, strahlt Attraktivität aus, er wird respektiert und gemocht. Ist eine Frau erfolgreich, neigen Menschen beiderlei Geschlechts dazu, sie als einzelkämpferisch, abgehoben und gar unangenehm einzustufen. Ganz zu schweigen vom Konkurrenz- und Neidkampf unter Frauen, umgangssprachlich bekannt als Zickenkrieg oder Bitch Fight. 

Das größte Manko der Frau ist laut Sandberg dennoch im eigenen Wesen zu finden. Es mangelt uns an Selbstbewusstsein. Wir unterschätzen uns permanent. Wir haben Angst. Männer hingegen tendieren zur Überschätzung, was im Falle der Aufstiegschancen absolut positiv zu bewerten ist. Selbst die Forschung bestätigt diese „Durch Schein zum Sein“ Strategie.

„Mich besorgt nicht nur, dass wir Frauen es nicht schaffen, uns von allein in die erste Reihe zu stellen, sondern vor allem, dass wir dieses Problem nicht erkennen und lösen“, schreibt Sandberg weiter. Demnach müssen wir im Grunde nur aufhören, an uns zu zweifeln. „Wegkommen von der Überzeugung „ich kann das nicht“ und hin zu: „das will ich machen – und ich lerne es, indem ich es mache.“ 

Shryl Sandberg ist Geschäftsführerin von Facebook, eine der reichsten und, laut Forbes, mächtigsten Frauen der Welt.  Durch ihren Werdegang, unzählige Vorträge und die Veröffentlichung von „Lean in“ wurde sie zu einer Art Role Model, sie gilt als Vertreterin der neuen amerikanischen Frauenbewegung und setzt sich fortwährend für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein. Und trotzdem blieb ich skeptisch, als mir Schlotti Sandbergs „Manifest“ ans Herz legte. 

img-sheryl-sandberg-lean inSheryl, fotografiert von Norman Jean Roy für Vogue

Ich las es und war enttäuscht. Zu viel Blabla, zu viel Offensichtliches, wenig neue Erkenntnisse und eine Sprache, die zwar extrem leicht verständlich, aber nicht sonderlich packend ist. Irgendwann erzählte ich Sarah von dem Buch, ich meckerte über die lasche Ausdrucksweise und das ständige Harvard-Streber-Gerede – bis ich es beim Aufräumen wieder entdeckte und ein zweites Mal durchblätterte. Peinlich berührt und kleinlaut wurde ich nach der letzten Seite dazu gezwungen, mir an die eigene Nase zu packen. Viele der Punkte, die Sharon Sandford in ihrem Buch als Kritik am Umgang mit erfolgreichen Frauen aufzählt, trafen auf mich selbst zu. Weshalb sonst sollte ich an einer Überfliegerin wie ihr auch nur ein einziges böses Haar lassen? Ich war offensichtlich geblendet.

Und damit wären wir auch schon bei der Begründung für meinen Buch-Tipp angelangt. Natürlich wissen wir, dass uns eine große Portion mehr Selbstbewusstsein extrem gut stehen würde, dass wir uns Herausforderungen stellen sollten, statt sie ängstlich beiseite zu schieben, wir wissen, dass wir Männern in nichts nachstehen, außer im Glauben an unsere eigenen Fähigkeiten, dass wir uns gegenseitig unterstützen, statt kleinmachen sollten und dass wir nur durch Entrismus an der mickrigen Prozentzahl der Frauen in Führungspositionen rütteln können. Aber es ist wie sooft: Damit wir die Dinge wirklich begreifen, brauchen wir manchmal jemanden, der das, was wir sowieso schon wissen, klar und deutlich ausspricht. 

Hier kann man das Buch bestellen. 

6 Kommentare

  1. Katharina

    Beides wahr. Eigene Ängste/falsche Bescheidenheit sind ein Thema. Das mit den Frauen, die den anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnen, hilet ich früher für ein bekämpfenswertes dummes Klischee. Ich glauber auch immer noch nicht, dass das flächendecken zutrifft, erlebe es aber seit einer Weile selbst täglich im Job und finde es furchtbar. Und noch zu den Männern: Die zum Sündenbock zu gedradieren war eigentlich nie das Ziel des Feminismus – sondern das Errechen des gleichberechtigten Zusammenlebens. Aufdem Weg dahin sind schon ganz viele und ganz große Fortschritte gemacht worden. Angekommen sind wir da aber noch nicht.

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  2. Ira

    Schöner Artikel. Noch ein kleiner Hinweis aber auf zwei Sätze, die wohl in Eile vergessen wurden zu korrigieren 😉

    „Das Fazit: Ein Mann, der gemocht wird, strahlt Attraktivität aus, er wird respektiert und gemocht.“

    „Weshalb sonst sollte ich an einer Überfliegerin wie ihr, auch nur ein einziges böses Haar gelassen?“

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  3. Merle

    Hm, generell trifft sie da ganz bestimmt einen Punkt. Ich fände es aber falsch, die Schuld daran nur den Frauen oder nur den Männern zu geben. Es handelt sich dabei meiner Meinung nach um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das von allen mitgetragen wird. Ein große Rolle hierbei spielt das Bild der Frau, was ja auch die Studie zeigt. Dieses Bild wird aber von allen (re-)produziert! Wir müssten also ALLE umdenken und unseren Horizont erweitern. Und natürlich wissen wir (Frauen) das auch alle, es ist aber eben ganz schön schwierig, wenn man im Sinne des allgemein akzeptierten Bildes von Frauen erzogen und sozialisiert worden ist!

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    1. Nike Jane Artikelautor

      ganz richtig! versteh mich bitte nicht falsch, ich bin da total bei dir. ich meine im prinzip nur, dass es uns wenig nutzt, die schuld bei anderen zu suchen, auch wenn natürlich alle ein kleines päckchen mit sich herum tragen. <3

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