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– eine Härteprüfung für den guten Geschmack

12.03.2015 Mode, Trend

paris fashion week aw15

Mode muss nicht immer schön sein, „schön“, dieses Adjektiv ist so oder so schwammig wie ein aufgedunsener Kartoffelkloß, „schön“ ist Ansichtssache und meist ist „schön“ nichts weiter als eine Umschreibung für das, was unser Auge längst gewöhnt ist, denn „was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“. Ähnlich ergeht es dem guten Geschmack, wobei sich selbst vermeintliche Experten auf diesem Gebiet stets einig sind, wann immer von Miuccia Prada die Rede ist.

Die Señora mit Kunsthintergrund kratzt seit jeher voller Verzückung an der Grenze zur Hässlichkeit, sie nennt das „Mut“, benutzt ihre Kreationen für feministische Statements (die Frau soll gefälligst auffallen und gesehen werden!) und führt damit in dieser Fashion Week Saison eine ganze Riege farbfetischistischer Designer und Designerinnen an, die Muster, Farben und Materialien jeglicher Coleur verheirateten, um auf dem Pariser Laufsteg ein Zeichen gegen die Tristesse des Lebens im Jahr 2015 zu setzen. Ton in Ton war gestern, Schluss mit der Monochromie, adieu Monotonie. 

Miuccia Prada rüttelt mit ihrer jüngeren Linie „Miu Miu“  Kindheitserinnerungen wach und platziert geschickt kleine Details, wie wir sie als siebenjährige Mädchen, vornehmlich während der 80er Jahre, in sämtliche Outfits zauberten und zwar ungeachtet dessen, was die Stil-Etikette gegen sie einzuwenden hatte. Hier wird zum Beispiel die wahnwitzige Kombination aus blutrotem Hahnentritt plus Animal Print gepaart mit Albino-Schlange und senfgelben Streifen enttabuisiert, dazu gibt’s Schleifen auf die Fußspitzen und Ohr-Klipper wie aus Capotes „Frühstück bei Tiffany’s“:

miumiu
Hedi Slimanes Looks für Saint Laurent lassen manch einen Kritiker höhnische Vergleiche mit den wenig eleganten Massenprodukten von „Forever 21“ anstellen, Chanel überdramatisiert französische Klischees und bettet seine Kostüme und Faltenröcke in eine eigens errichtete Brasserie – als intellektuellen Wink mit dem Zaunpfahl? Ohne das Treiben im „La Coupole“ während der 50er und 60er Jahre, einem der Stamm-Cafés von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Henry Miller oder Josephine Baker, sähe die Kulturlandschaft heute schließlich um einiges karger aus. 

chanel
Das eine Credo, welches auf jeden einzelnen dieser modischen Unruhestifter gleichermaßen zutrifft, die einzige Antwort auf die Frage nach dem „Muss das denn sein“ lautet: Ja, denn in der Mode muss alles erlaubt sein. Und so kommt es, dass auch Loewe, Kenzo, Margiela und Louis Vuitton, jeder auf seine ganz eigene Art und Weise, über dem Abgrund des geläufigen guten Geschmacks einen Seiltanz aufführen:

 Wer von uns diese Härteprüfung tatsächlich im echten Leben antreten will, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. 

Alle Schauen seht ihr bei VOGUE.de

3 Kommentare

  1. borislava

    Als ich mir die Fashion Show von Miu Miu angeschaut habe, habe ich mir fast die selbe Frage gestellt. 🙂 Denn mit dem Muster-Mix kann man sich sehr leicht eine clowneske Note einholen. Mittlerweile finde ich einzelne Teile gar nicht so schlecht. Aber nicht in der Kombination in der sie präsentiert wurden. Wir sollten nicht immer “copy” and “paste” machen, sondern kreativ sein.
    Liebe Grüße
    Borislava von ColurClub

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