Fashion Tales //
Von neuen Brillen und Eitelkeiten.

07.11.2016 Beauty, Accessoire, Wir

yun eyewear

Ohne Sehhilfe bin ich ein ziemlicher Maulwurf, aber immerhin einer, dessen Welt vor perfekter porenfreier Haut nur so strotzt, es gibt optisch wenig Scharfes, dafür viel Weiches, ganz so, als hätte man einen zarten Pfirsich-Filter über jeden Freund, die Landschaft und auch das eigene Spiegelbild gelegt. Punkt eins und zwei sind praktisch, Punkt drei ist fatal. Man schenkte mir als Wink mit dem Zaunfall bereits Mitesser-Pflaster, mit denen ich zunächst nichts anzufangen wusste, ich sah ja das Ausmaß meines Nasengebirges nicht. Eine kleine Hornhautverkrümmung gab es bei meiner Geburt nämlich ebenfalls gratis oben drauf und insgesamt bedeutet das wohl, dass ich besser keinen Schritt mehr ohne Linse oder Glas vor dem Auge wagen sollte, schon allein aus Respekt gegenüber der Sicherheit (und auch dem ästhetischen Empfinden) meiner Mitmenschen nicht. Was wie ein einfaches Unterfangen klingt – Brille kaufen, aufsetzen, fertig – erwies sich während der vergangenen Jahre als mittelgroße Unmöglichkeit und, da bin ich jetzt einfach mal ganz ehrlich, Schuld daran war vor allem meine Eitelkeit, von der ich normalerweise stets behaupte, sie sei ein recht unauffälliges Pflänzchen.

Aber Pustekuchen. Weder das alte Harry Potter- noch das güldene Modell wollten so richtig in meinem Alltag ankommen. Beim Tragen empfand ich mich stets als verkleidet und angestarrt wegen der auffälligen Brummer im Gesicht und gar nicht mehr wie ich. Das ist jetzt (phasenweise) anders. Ich habe nämlich eine neue Brille namens Paul, eine fast durchsichtige, die trotzdem überaus sichtbar, aber irgendwie überhaupt nicht nervig ist. Und so banal und bescheuert das nun klingen mag, aber seit ich weiß, dass Rochelle von The Skate Kitchen ein ganz ähnliches Exemplar wie meines trägt, geht es noch ein Stückchen weiter bergauf mit meinem bebrillten Selbstbewusstsein. Das kann, und damit bin ich wissentlich nicht allein, zuweilen ja wirklich ein angeknackstes Häufchen Elend sein. Darüber ärgere ich mich übrigens schrecklich. Aus offensichtlichen Gründen. Ein Geheimrezept gegen das eitle Unwohlsein habe ich allerdings noch nicht gefunden. Außer: Gewöhnung. Dabei hätten mir bei all dem Gerede über Selbstliebe und attraktive Gescheitheit längst viel dickere Eier wachsen müssen.

yun eyewear

Wenn man jedoch nicht sowieso schon längst das Superduperbrillengesicht schlechthin ist und das vielleicht sogar seit Ewigkeiten, wenn man sich vielmehr seit 28 Jahren ohne kennt, dann kann so ein Neuzugang ganz schön einschneidend sein. Erst einmal im positiven Sinne natürlich (Was man wieder alles sieht! Und von so weit weg! Und gestochen scharf!), aber auch im seltsamen. Man schaut mit nunmal unweigerlich ganz anders aus als ohne. Nicht besser oder schlechter, einfach anders eben, ein bisschen schlauer vielleicht, womöglich aber auch leicht verpeilt, je nachdem. Das kann man mögen und zu seinem eigenen Vorteil nutzen, ich hingegen akzeptiere diesen Umstand schlichtweg als unumgänglich und bin mittlerweile immerhin schon so weit, ganze Tage mit meinem neuen Freund, der Brille von YUN, zu verbringen. Für Fotos werde ich trotzdem immer wieder zum eitlen Maulwurf, der Schiss davor hat, scheiße auszusehen. Will ich später noch ausgehen, greife ich etwa reflexartig zu Kontaktlinsen (die aber meist verschollen sind), und wenn sich Besuch im Büro ankündigt, zum Beispiel der, der ausschaut wie James Franco, dann schiebe ich die Brille ganz unauffällig ins Haar und grinse ins Leere, weil ich ja gar nichts mehr sehen kann. Ganz schön schwach von mir. Wo Paul doch wirklich so ein hübsches Exemplar seiner Spezies ist. Vielleicht muss ich uns beiden einfach noch ein wenig Zeit geben, besser wird’s nämlich nicht. Wir lesen gemeinsam Zeitung und schauen verliebt Serien an. Irgendwann wird der Alltag uns also womöglich von ganz allein überrollen.

P.S.: Wer in Berlin ist, hält seine neue YUN Brille schon nach 20 Minuten in den Händen, ein haargenauer Sehtest ist im Komplettpaket enthalten – ohne dieses grandiose Konzept der Gründerin Jiyoon Yun hätte ich den Schritt zur Brille schon allein aus Bequemlichkeit nicht gewagt. Rosenthalerstraße 11, 10119 Berlin.

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9 Kommentare

  1. Sabrina

    Das kenne ich soo gut und jetzt hat sich alles komplett gewendet und ich finde mein Gesicht ohne Brille plötzlich komisch und ungewohnt, sodass ich auch schon die Kontaktlinsen nach wenigen Trageminuten wieder gegen die Brille getauscht hab.
    Früher unvorstellbar!
    Jetzt hab ich eine neue Brille und schon wieder sieht alles super merkwürdig aus.

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  2. Christa

    Argh, du sprichst mir aus der Seele. Ich trage draussen nur Kontaktlinsen weil ich mich einfach mit keiner Brille anfreunden kann. Liegt aber auch mit daran, dass ich so immens kurzsichtig bin, dass ich mittlerweile auf einem Auge ein ultradickes Glas tragen muss und das ziemlich bescheuert aussieht…

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  3. Ardonika

    ha, nike!
    hatte haargenau dasselbe problem und bin quasi blind durch die gegend gestolpert^^ bis ich letztes jahr um etwa diesselbe zeit die found-brille hier an dir sah und mich dann beim stöbern auf der homepage total schockverliebt hab. hat dann zwar ein bissl gebraucht bis ich mich dazu überwinden konnte, die schönste brille auf diesem planeten (hihi) tatsächlich zu bestellen (kaufen und dann kneifen und die brille nicht tragen, kam nicht in frage hahah) aber ich bin soso happy mit meiner brille und trag mein rosegoldenes metallgestell mit super coolem omarand sogar ungeschminkt und in jogginghose und -ganz wichtig- mit erhobenem haupt
    also danke für den tipp! jetzt trau ich mich gar net bei yun vorbeizuschauen

    liebe grüße, ardonika

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  4. Paula

    Das geht mir sehr ähnlich! Bei mir kommt noch dazu, dass ich mich im Winter immer ganz wohl mit Brille fühle (Rollkragen, Strickpullis & gedeckte Töne passen irgendwie besser zur „seriösen“ Brille), während ich das Ding im Sommer dann so gut wie gar nicht trrage, da es nicht zur Leichtigkeit von Kleidchen, Blumenmuster und Co. passen will… außerdem kann man die Sonnenbrille ja dann nicht aufsetzen.

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  5. Michi

    Geht mir ähnlich 😀 Ich bin auch eher der Winter-Brillen Typ. Aber irgendwie will das alles nicht so richtig in den Alltag passen. Aber hoffentlich bald. Neue Brille, neues Glück 😉

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  6. Mila

    Ha, ha, you’re telling my story. Nur dass ich niemals ohne alles aus dem Haus gegangen wäre, weil’s mich nervt, nicht gestochen scharf sehen zu können. Doch nach 18 Jahren Kontaktlinsen vertrug ich die Dinger zackbumm plötzlich nicht mehr und die Bindehautentzündung war mein täglicher Begleiter … Trotzdem hat es dann noch mal eine Weile gedauert, bis ich meine Eitelkeit so weit besiegt hatte, mich noch mal auf den Brillenversuch einzulassen. Geholfen hat dann tatsächlich auch, dass ich zufällig und vollkommen unerwartet genau das richtige Modell für mich fand, das cool und nicht tantig war. Und tatsächlich finde ich mittlerweile, dass die Brille meinem Gesicht den richtigen Twist gibt. und ja, ich sehe jetzt anders aus, aber irgendwie tougher und nicht mehr so mädchenhaft – und das gefällt mir! Nachteil: es passen nicht mehr alle Klamotten zur Brille – komischerweise bekommen ein paar meiner Blusen nämlich einen unschönen Sekretärinnenlook damit, deshalb sind die auch aussortiert worden. Aber ansonsten liebe ich meine Brille inzwischen.

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  7. Juliane

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Obendrauf wie soll man den blind im Brillenladen beurteilen können was das kleinste Übel ist?

    Aber ausser den sozialen Vorteilen wenn man Bekannte auf der Strasse erkennt gibts sogar einen eitlenVorteil: Brille vermeidet Aufwändig falten! Anti-Aging!

    Und zur Verteidigung der Eitelkeit: ich mag Brillen auch an anderen Leuten nicht. Weil man die soo wichtigen Augen nicht richtig sieht…

    Die durchsichtigen neuen Modelle sind der Hammer sozusagen die hippe Reinkarnation der Randlosen. Viel Freude damit!

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  8. pingu

    Ich fühle mit dir liebe Nike! Ich fand bisher alle deine Brillen-Modelle schön anzusehen und ich empfinde dein Gesicht persönlich als total „brillogen“ 😀 Trotzdem versteh ich deine Zweifel…
    Ich habe aus meiner neuen Brillensuche damals ein ganz schönes Drama gemacht und Familie und Freunde ständig mit Brillen-Fotos bombardiert. „Findet ihr die, oder diese hier besser?“ Haha und niemals gab es ein einstimmiges Ergebnis an dem ich mich irgendwie orientieren konnte, denn für mich war der sichtbare Rahmen totales Neuland. War ich doch jahrelang mit Kontaktlinsen und nur in der sicheren Einsamkeit der eigenen vier Wände, mit einer randlosen aber total lehrerhaften Notfallbrille rumgelaufen. Es hat ein ganzes Jahr und etliche Bestellungen bei Ace&Tate gedauert, bis ich mich festgelegt habe und dann noch einmal ein gutes Jahr bis aus meinem Ich mit Brille ein Brillen-Ich wurde. Nur zum Party-Outfit und Modus lassen sich die Gläser einfach nicht kombinieren.

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