Brain Blah //
Die Social Media Luxus Problematik

29.11.2016 Mode, Leben, Gesellschaft, box2

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Ein Instagram Post, den ich vergangene Nacht in einem Anflug von Schlaflosigkeit niedergetippt hatte, erschien mir noch beim Upload als überaus logisch, durchaus angebracht und dingend notwendig. Nur ist gut gemeint, längst nicht automatisch gut gemacht, was sich alsbald in den darauffolgenden Kommentaren zeigen sollte und mich für einen kurzen Augenblick zunächst ernsthaft an meiner geistigen Konstitution zweifeln ließ und dann an der Fähigkeit, mich für jedermann und -frau verständlich auszudrücken. Deshalb versuche ich es auf diesem Kanal ein zweites Mal, mit ein bisschen mehr Raum für die Erklärung meiner Beweggründe – Obwohl ich ehrlich gesagt vornehmlich eine ganz grundsätzliche Hasskappe auf Soziale Medien und deren Mutation zur Pest für Körper und Seele hegte (vermutlich auch, weil ich selbst Teil davon bin) und noch dazu zu viel Cola getrunken hatte.

Aber jedenfalls schrieb ich irgendetwas von wegen „Leute. Eine Designertasche macht euch nicht glücklicher als ein Spaziergang durch den Park. Vor allem, wenn ihr erst 20 seid. Und wenn ihr doch so ein teures Taschenscheißerchen kauft, dann achtet zumindest darauf, dass es euer Herz mit echter Freude erfüllt, etwa, weil es für einen bestimmten Abschnitt in eurem Leben steht, einen großen Schritt, weil es euch aus welchen Gründen auch immer so richtig etwas bedeutet und dadurch zu einem bescheuerten aber lieb gewonnenes Symbol heranwächst. Aber nicht nur wegen des Logos. Oder etlicher Influencer. Die meisten von ihnen müssen für diesen Luxus nämlich noch dazu einen (nicht in Geldscheinen abzählbaren) Preis bezahlen, den die allermeisten Menschen überhaupt nicht zahlen wollen würden.“ Ich beschloss ganz einfach, das müsse endlich mal gesagt werden und am besten auch immer wieder.

Was damals die Modemagazine waren, sind heute nunmal zu großen Teilen auch Instagrammer*innen und genau hier liegt zwar das Schöne, aber eben auch die Gefahr verborgen. So ein Foto-hochladender Mensch ist ohne Zweifel nahbarer als ein bedrucktes Stück Hochglanzpapier und bietet damit gefährlich viel Identifikationsfläche. Es wird also ganz gern vergessen, dass häufig ein neumodischer Job und hier und da bestimmt auch die ein oder andere dem Konsum-Wahnsinn entsprungene Geisteskrankheit hinter all dem scheinbar unbefleckten Bling Bling steckt. Aber selbst wenn wir vom Besten ausgehen, nämlich, dass der Mensch hinter den Bildern und Logos bei klaren Verstand und wahrhaft glücklich ist, muss irgendwie deutlich werden, dass sich diese Wonne nicht durch den Kauf von überhaupt irgendetwas auf eine andere Person übertragen lässt. Und vor allem: Nicht übertragen lassen MUSS. Pi hatte diesen Konflikt an dieser Stelle bereits in fachmännische Worte gefasst. Eine der wichtigsten Erkenntnisse lautet:

„In unserer  Gesellschaft wird auf multiplen Kanälen suggeriert, dass wir Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Image, Selbstwert, schlicht „das gute Leben“, mit den richtigen Produkten erkaufen können. Jedes Lebensgefühl wird heutzutage konsumierbar gemacht (…) Verliebt man sich z.B. in einen tollen, massiven, riesigen Esstisch, ist dabei meist nicht der Tisch an sich das wirkliche Objekt der Begierde (auch wenn er noch so ein toller Designklassiker ist, aus ganz fantastischem Material). Was man wirklich in ihm sieht, geht meist viel tiefer. Vielleicht tagträumt man schon davon, mit Familie und Freunden an diesem Tisch zu sitzen, sieht sich gemeinsam lachen, essen, tolle Gespräche führen. Hat man den Tisch dann aber gekauft, werden diese eigentlichen Bedürfnisse dadurch ja nicht erfüllt. Man sehnt sich weiterhin und sucht weiter nach Befriedigung im Konsum.“ Mit Luxusgütern verhält es sich wohl sehr deckungsgleich.

Ich verzichte jetzt ganz bewusst darauf, meinen eigene Konsumlust zu rechtfertigen, dass wir Logo-Käuferinnen allesamt gehörig einen an der Waffel haben, aus unterschiedlichsten Gründen, ist klar wie Kloßbrühe. Ich weiß sehr wohl, dass ich mir mit diversen Designerhandtaschen, die ich mir übrigens allesamt von meinem eigenen Geld zugelegt habe, entweder ein Stückchen der in meinen Augen magischen Aura eines hochgelobten Lieblingsdesigners und dessen Visionen um den Arm hängen und mich damit schmücken, oder mir leider Gottes selbst verdeutlichen möchte, dass es sich gelohnt hat, jahrelang ein fleißiger Zahn mit null Komma null Freizeit gewesen zu sein, der einst auf Sicherheit verzichtete, um alsbald in die Selbstständigkeit mit all ihren Vor- und Nachteilen zu stolpern. Der Zirkus gleicht bei mir einem immerhin sorgsam überdachten Belohnungsmechanismus, nach Abgaben verhasster Projekte etwa. Vielleicht sogar einer Entschädigung für verlorene Jugendjahre, um ein bisschen dramatisch zu werden und gleichzeitig zu verdeutlichen, dass mein Weg und die damit verbundenen Privilegien nicht unbedingt erstrebenswert sein müssen. Und sollte er es für den ein oder anderen doch sein, dann aber vielleicht lieber aus anderen Gründen als Gucci.

Das alles heißt aber auch: Ich weiß jede Anschaffung zu schätzen. Sehr sogar. Und bin noch dazu in der glücklichen Lage, für solch einen Firlefanz keine Kompromisse eingehen zu müssen. Das ist, glaube ich, ein großer der tausend Knackpunkte. Es gab nämlich selbstverständlich auch ganz andere Zeiten. Bloß war ich damals keineswegs unglücklicher. Eine rosa Handtasche ist im Grunde vergänglich wie ein wilder Sommer und sollte irgendwann wieder ein Winter einbrechen, darf das nichts am persönlichen Wohlergehen ändern. Bei jenen, die etwa auf Urlaube oder gutes Essen verzichten, um der Umwelt vorgaukeln zu können, dass genug Geld zur Verschwendung vorhanden ist, wegen des allgemein Drucks zum Beispiel, oder für die eine solche Ausgabe ohnehin nicht infrage kommt, tut es das aber. Da hängt das Glück am Täschenhenkel, wenn auch nur im übertragenden Sinne. Das musste ich jüngst jedenfalls in aller Deutlichkeit spüren, zuletzt, als ich die Geschichte der guten Freundin einer meiner beiden kleinen Schwestern hörte. Und ich verstehe das. Weil zu wenig Transparenz herrscht und es darüber hinaus kaum zum Austausch zwischen Betrachtenden und Posierenden kommt.

Besagte Freundin etwa vergöttert eine der größten deutschen Influencerinnen und folgt noch dazu sämtlichen Internetstars, die meist satte zehn Jahre älter sind und längst nicht mehr die Füße unter Mamas Tisch stellen, die durch die Welt jagen oder im Überfluss baden oder beides gleichzeitig. Es wäre schön, könnte man nun sagen: Es sei ihnen gegönnt. Denn auch ich würde nicht tauschen wollen und belasse es beim Betrachten bunter Bilder. Aber so leicht ist es häufig nicht. Durch das Ansehen fremder Leben wurde besagte 16-Jährige irgendwann dauerhaft tieftraurig. Und zwar nur, weil ihr Esstisch keine goldenen Beine vorzuweisen hatte und die Schuhe kein Logo. Sie hatte den Überblick, den Sinn für das Echte und für Relationen, für Sein und Schein und echte Freude verloren. Dafür, dass diese funkelnden Gestalten da draußen höchstens Stil-Inspirationen, aber keine wahren Vorbilder sein sollten. Zumindest nicht wegen der Anzahl von Dolce & Gabbana Produkten im Kleiderschrank. Deshalb auch mein Post.

Man darf andere Menschen, wenn es denn unbedingt sein muss, selbstverständlich für das Tragen von Designerfummel verurteilen. Man kann andere Prioritäten setzen. Man darf auch selbst welchen tragen – zur richtigen Zeit. Vielleicht mit 20, vielleicht mit 40 oder erst mit 60, weil man es kann, oder weil Sparen Spaß macht, weil man geerbt oder gearbeitet und meinetwegen auch, weil der Macker Mäuse hat. Aber man sollte tunlichst Abstand davon nehmen, Besitztümer anderer auf die eigene Zufriedenheit Einfluss nehmen zu lassen. Andere Menschen, anderes Leben, andere Gründe, vielleicht auch nur andere Prioritäten, so simpel und schwer zugleich. Und wenn all das Gerde nicht hilft, dann müssen wir vielleicht hin und wieder die Augen schließen und an den glückseligsten Menschen denken, den wir persönlich kennen. Ich denke da immer wieder an meine Oma Mia. Die hat Zeit ihres Lebens auf dem eigenen Acker geschuftet und besitzt statt funkelnder Handtaschen eine Exorbitant große Sammlung an geblümten Gummistiefeln.

46 Kommentare

  1. Lena

    So wichtig und so richtig von Dir darüber zu schreiben. Morgen und am Tag danach ruhig nochmals. <3

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  2. Nathalie

    Liebe Nike,
    ein sehr wichtiger Gedankengang, den Du hier mit uns teilst. Ich bin auch sehr social media affin und folge einer bunten Mischung an Accounts – darunter auch wie von Dir hier beschriebene Influencer, die durch die Weltgeschichte jetten und immer die wundervollsten Designertaschen tragen. Und trotz 30+ und eigentlich ganz gut im eigenen Leben verankert, merke ich, wie solches Bildergucken, im falschen Moment, anfängt an der eigenen Zufriedenheit zu nagen. Nun bin ich glücklicherweise selbst geerdet genug, um das zu merken und solche Bilder mit Bedacht zu konsumieren. Ich stelle mir allerdings oft die Frage, wie es ist in der jetzigen Zeit aufzuwachsen – wenn man sich noch so überhaupt nicht klar ist, wer man ist und viel leichter zu beeinflussen ist. Ich denke dein Post (auf Instagram und dem Blog) ist mit Sicherheit ein gutes Zeichen.
    Und ich bin sowieso großer Fan deiner Brain-Blah-Reihe.
    Liebe Grüße
    Nathalie

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  3. Flo

    Ein Beitrag bei dem ich oefter nicken musste, Nike. Ich habe die Instagram Kommentare nicht gelesen, aber woher da etwas Spannung kommen koennte, kann ich mir durchaus vorstellen, sind von euch doch selten Outfits ohne mindestens ein extreme hochpreisiges Item zu sehen. Das mag so Standard sein in eurer Branche, oder euch gar aus dem Herzen sprechen weil ihr diesen oder jenen Designer so verehrt, das geht mich nicht wirklich etwas an und ich muss es ja auch nicht verstehen, wie du selbst schon schreibst (ausser das Argument mit dem der Kauf damit gerechtfertigt wird, dass es ja eine so langlebige Anschaffung sei, da werde ich ein bisschen grantig, denn das ist ein oekologisch fair hergestelltes Kleidungsstueck fuer den Bruchteil des Preises auch). Es muss sich jedenfalls niemand vor mir rechtfertigen aufgrund eines solchen Kaufs, und Glueck oder Unglueck wuerde ich da nun erst recht nicht hineinproduzieren. Dein Artikel unterstreicht sehr gut den Punkt, dass die Oberflaeche gern glitzert, man aber nun mal auf den Social Media Kanaelen kein Level weiterschauen kann, und das ist sicher wichtig in dieser Diskussion…

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  4. tina

    Ich mag eure Seite wirklich gern. Aber so manche deiner innerlichen Diskussionen stehen für mich in einem etwas seltsamen Konflikt zu dem, was ihr hier macht. Kann man wirklich für Mode, Stil/Lifstyle leben und gleichzeitig 20Jährigen den Ratschlag geben, sich nicht von falschen Bildern verführen zu lassen? Steckt nicht hinter deiner Liebe zu all den schönen Dingen, etwas ganz ähnliches, wie das, was die 20Jährige treibt, sich rosa Taschen zu kaufen? Ja, es ist alles relativ. Doch im Grunde eben nicht. Denn Aussteller und Betrachter sind sich doch so ähnlich. Wer sich täglich der Welt präsentiert, tut das aus den immer gleichen Gründen. Nur das die Bilder sich unterscheiden, im gleichen Maße, wie sich unsere Wünsche und das Wer möchte ich sein? unterscheiden. Ich würde einen solchen, im Grunde guten Gedanken, überzeugender finden, wenn ich nicht wüsste, dass du selbst so stark mit dem richtigen Sofa, der richtigen Vase und dem richtigen tshirt beschäftigt bist, selbst wenn du glaubst, dabei immer nach dem Echten zu suchen.

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    1. Julia

      Danke Tina! Das sehe ich auch so! Mir scheint diese Brain Blah Kategorie, wenn es um Mode geht, auch eher wie eine einzige Rechtfertigung für einen Lifestyle, mit dem Nike vielleicht nicht zu 100% zufrieden zu sein scheint.
      Ich finde es auch leider wirklich etwas widersprüchlich. Heute so ein Text und die nächsten Wochen kommen wieder Outfitposts mit nicht einer Designertasche, sondern einem Sammelsurium an Luxustaschen. Komischerweise sind auch alle Taschen an aktuellen Trends angelegt, da wirkt das Wohlüberlegte auch nicht mehr so glaubhaft.
      Grundsätzlich sind es wirklich schöne Gedanken, nur leider nicht so richtig authentisch.
      Bitte nicht böse aufnehmen, lese ansonsten sehr gerne die Kategorie.

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      1. Nike Jane Artikelautor

        Liebe Julia, liebe Tina.
        Ich mache alles genau so, wie ich es für richtig halte, ich liebe jede meiner Taschen und auch das Sofa und die schönen Dinge. So geht es vielen Menschen, denen Ästhetik wichtig ist. Sogar den meisten durchaus klugen und selbstreflexiven Menschen der Welt war es nicht egal, wie sie sich kleideten oder einrichteten – trotz der Ahnung, woher diese Sehnsüchet rühren. Dirk von Petersdorf hat einst etwas sehr passendes dazu gesagt:

        „Ich glaube, die ästhetische Wahrnehmung, die Wahrnehmung von Schönheit ist so grundlegend, dass wir’s gar nicht abstellen können. Das ist vielleicht ähnlich wie bei der Liebe: Da wissen wir auch ganz genau, wie der Körper reagiert und wo da was erweitert wird und welche Hormone ausgeschüttet werden – trotzdem nimmt uns das ja nicht die Freude!“

        Vermutlich kann ich mich persönlich aber nur so sehr über das Oberflächliche freuen, weil es keineswegs meinen Lebensmittelpunkt darstellt. Es bereitet mir zum Beispiel Freude, meine Wohnung einzurichten, aber noch mehr, darin zu leben, mit meiner Familie und meinen Freunden. Und ich gönne mir ganz bewusst 1-2 Designerhandtaschen im Jahr, weil Mode meine Leidenschaft, mein Hobby und mein Beruf ist. Andere sammeln mit Sicherheit Spannenderes, das bestreite ich ja gar nicht. Ich sehe allerdings einen drastischen Unterschied im Umgang mit diesem Konsum. Soll heißen: Wenn ich mir mit fast 30, nach sieben Jahren der Selbstständigkeit, irgendeinen Quatsch kaufe und es mir nicht weh tut, dann ist das eine andere Geschichte als wäre ich gerade einmal 20, mitten im Studium und todtraurig darüber, dass ich mir dieses oder jenes nicht leisten kann. Und ich war auch mal 20 und hatte keinen müden Cent. Bloß hatte ich das Glück, immer über ausreichend Selbstwertgefühl zu verfügen, um Bilder von Luxus überwiegend als Inspirationsquelle statt als Kaufaufforderung zu betrachten. Ich möchte nicht weniger Luxus konsumieren, um anderen besser zu gefallen. Ich bin ja ich und mag nunmal, was ich mag. Aber ich finde nicht, dass das im Kontrast zu meinen Worten steht. Dialoge sind doch wichtig. Und irgendwie muss klar werden, dass ein Outfit, in dem eine rosafarbene Gucci Tasche platziert ist, nicht aussagt: Du bist nur toll, wenn du eine Tasche von Gucci trägst. Sondern: Leute, ich glaube, eine rosafarbene Tasche ist gar keine schlechte Idee. Meine Schwester zum Beispiel hat kurz darauf in einem 2ndHand eine gefunden und sich den Hintern abgefreut. Sie differenziert zwischen ihr und mir und begreift, dass wir zwei unterschiedliche Menschen sind, die sich aber durchaus inspirieren können. Darum soll es auch hier vordergründig gehen. Und nicht darum, unseren Leserinnen zu verklickern, man bräuchte exakt dieses oder jenes Statussymbol. Nein. Braucht man nicht. Aber wer sich, wie wir, für Mode interessiert, der soll sich beflügeln lassen können. Wer etwa auf der Suche nach neuen Winterschuhen ist, findet sie vielleicht in unseren Vorschlägen. Aber sollte im besten Fall auch ganz klar sagen können: Urgh, nee, das ist nichts für mich, danke. Ich glaube, in den meisten Fällen ist das auch so. Unsere Leserschaft ist im Schnitt zwischen 25-32 Jahren und wirklich nicht auf den Kopf gefallen.

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      2. pi

        ich finde nicht, dass nike sich hier rechtfertigt und moralisch ueber andere stellt.
        vielmehr stellt sie sehr selbstkritisch die idee des mode- und lifestyleblogs, der konsumankurbelung und des zelebrierens des schoenen scheins zur diskussion und gibt sehr realistische einblicke in das leben einer erfolgreichen bloggerin, die aus der perspektive vieler „alles hat“. sie zeigt immer wieder auf, dass aussendarstellung nie der ganzen realitaet entsprechen kann, dass sie fuer erfolg und „materielle belohnungen“ auch viel arbeiten und einige opfer bringen musste und das das streben nach erfolg und dem picture perfect instagram-leben allein nicht erfuellend ist und nicht alles sein kann, fuer einen menschen mit hirn, herz und intaktem moralischen kompass. sie regt diskussionen und nachdenken an und macht sich dabei auch selbst angreifbar, und das alles, obwohl sie sich hier mit sarah ein imperium aufgebaut hat, und sich auch einfach auf ihren lorbeeren ausruhen und business as usual machen koennte. wenn das nicht authentisch und menschlich ist, was ist es dann?

        wir alle sind doch alle hin- und hergerissen zwischen der liebe nach schoenem und nach wahrem, zwischen selbststaerkung und selbstueberwindung.

        ganz davon ab, dass mode auch eng mit kultur und gesellschaftlichem wandel verwoben ist, haben auch aesthetik, selbstbelohnung und das zelebrieren toller designer und kuenstler, roben und accessoires einen wert und eine berechtigung! man sollte nur nicht mehr hineininterpretieren, als es ist, at the end of the day: netter, schicker klimbim, der das leben ein wenig aesthetischer und schicker machen kann und dadurch die laune heben und ein bischen glitzer abfaerben kann. na klar kann man sich mal was goennen. wenn man allerdings zu sehr auf schicke oberflaeche als schoenmacher des lebens setzt, wirds traurig und leer, fuer sich selbst, das direkte umfeld und die vom hyperkonsum am schlimmsten betroffenen menschen. viele andere dinge haben groesseres potential, das leben fuer sich UND ANDERE schoener zu machen, was das ist, muss man innen suchen und nicht in der schoenen instagram welt. genau daran erinnert nike hier.

        die janes haben ihre liebe zu kunst, kultur und mode zum beruf gemacht und bewegen sich in diesen sphaeren, wo sie auch die MENSCHEN hinter diesen schicken designs treffen, da ist es natuerlich klar, dass sie noch mehr erfuellung aus diesem leben ziehen koennen und dass sich ihr leben ein wenig mehr um mode und statement pieces dreht, als das fuer reine konsumenten der fall ist. dass sie trotzdem auch kritische diskussionen anregen und zulassen ist wirklich sehr gross und mMn viel authentischer als blogs, die sich nicht trauen, zwiespalte und negative aspekte des mode- und menschenlebens zu thematisieren und daher ganze themenbereiche wie nachhaltigkeit, soziale gerechtigkeit, mediales brainwashing etc. einfach ausklammern oder schoenreden. die haben dann vielleicht ein stimmigeres gesamtbild, aber eine perfekte inszenierung und profilierung sollte man nicht mit authenzitaet verwechseln.

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  5. Juliana

    Liebe Nike,
    ich freue mich endlich mal einen Beitrag wie diesen zu lesen. Danke!
    Ich selbst wache morgens mit Instagram auf und gehe abends mit Instagram zu Bett. Ein altbekannter Instagram-Suchti eben. In meinem Feed habe ich alle möglichen Accounts abonniert. Bunt gemischt. Und auch die von dir genannten Influencer und „Designerhandtaschen-Inszenierer-(Blogger)“. Schon lange beobachte ich diese Entwicklung, die sich meiner Meinung auch nicht zum Besten gewendet hat. Mal abgesehen davon, dass jemand seine Persönlichkeit nur durch seine Designertaschen definiert bzw. zur Schau stellt und sich eventuell auch nur dadurch die große Beliebtheit im Netz/Social Media erhofft, was alles andere als schön ist. Gibt es noch einen weiteren bitteren Beigeschmack: das verlorene Verantwortungsgefühl und der Verlust des Realitätsbewusstsein. Es macht mich immer wieder wütend, wenn ich bekannte InstagramerInnen, mit einer Vielzahl an jungen Abonnenten, die sie/ihn bewundern, sehe, die mit keinem Bildpost ohne Chanellogo auskommen. Jedes Bild so perfekt inszeniert haben: mit den teuren Rosenbouquets, der YSL-Tasche und den Gucci-Loafern in vierfacher verschieden farbiger Ausführung. Na gut, jedem das Seine möchte man meinen, aber wenn es dann schon soweit kommt, dass man dann sein Neugeborenes, was man auch Stolz präsentieren möchte, neben seine dazu passende Chaneltasche inszeniert, dann hat es vielmehr als nur Grenzen überschritten. Das Verantwortungsgefühl, das junge Mädchen, die sie bewundern und nacheifern, dadurch in einer Blase der Unwirklichkeit und Konsumgeilheit hineinwachsen, scheint manchen nicht mehr bewusst zu sein. Und das macht mich verdammt traurig. Schließlich sollte man nie vergessen, wenn man eine gewisse Bekanntheit anstrebt, dann geht man auch ein Verantwortungsbewusstsein ein und zwar für all die Menschen, die man mit sich, seiner Persönlichkeit und seinem Status, den sie in die Öffentlichkeit stellen, beeinflusst.
    Was ich mir wünsche, ist nicht nur, dass nicht nur die Betrachter daran denken sollen, dass man sich nicht von dieser Utopie verblenden lässt, sondern, dass auch die Gestalter dieser Instagramaccounts, Blogs etc. ihrer Verantwortung bewusst sind und bleiben und diese Art von Schaustellung immer in Rahmen halten bzw. klarstellen, dass dieser Konsum keine Wertigkeit besitzt, sondern nur ein Trend ist. Wertigkeit definiert jeder anders. Labels und Designer sind nur eine Möglichkeit von tausend + gewiss nicht die Wertvollste.

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    1. anna

      genau, die verantwortung liegt auf beiden seiten!!
      mehr kreativität, mehr ideen an stelle von logos & konsumanheizen!

      eine ehrlich gemeinte nicht-zynische frage: wenn du die taschen alle selber kaufst, warum steht dann bei der tasche im folgenden post: thanks to sandro?

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  6. Laura

    Weiss nicht, ob es einem irgendwann selbst nicht mehr auffällt, dass es auf einmal zwei Prada Taschen und zwei Chanel Taschen und fünf (überspitzt gesagt) Céline Taschen sind. Da kann man dann auch nicht mehr nur von „kleinen Glücklichmacher-Belohnungen“ sprechen. Das ist schlichtweg wahnsinniger Konsum. Ist ja auf diesem Blog noch vergleichsweise wenig vordergründig. Muss man aber nicht immer rechtfertigen, als wär es nicht so. Und auch die Suche nach dem perfekten Bett, dem perfekten Tisch und dem perfekten Klodeckel ist ungebremste Lust am Konsumieren, nichts für Ungut.

    Und: zu meiner Vorrednerin: Ich glaube Nike meinte mit „selbstgekauft“ die Designer-Taschen, die sich im Preissegment der Gucci Tasche befinden. Also weit über 1000 Euro.

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  7. Laura

    Ach und: „Die meisten von ihnen müssen für diesen Luxus nämlich noch dazu einen (nicht in Geldscheinen abzählbaren) Preis bezahlen, den die allermeisten Menschen überhaupt nicht zahlen wollen würden“
    Welchen denn? Das angegriffen werden meinst du? Oder die Privatssphäre? Oder sich der Konsumkritik ausgesetzt wissen, obwohl man es sich selbst so gern recht machen möchte?
    Ich möchte es wirklich gern verstehen : )

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Was ich sagen will: Kaum jemand würde das eigene Leben gegen das einer Caro Daur tauschen wollen. Das wird bei all dem Herumgehacke sehr, sehr gern vergessen. Ich glaube, die meisten können sich gar nicht vorstellen, wie kräftezehrend all das ist. Was klar ist, aufgrund der inszenierten Heile-Welt-Bilder. Hinter all den Fotos und Designertaschen steckt oft ein ziemlich hoher Preis. Nämlich der, dass solche Menschen höchstens vier Tage im Monat im eigenen Bett schlafen können, das heißt, es bleiben auch nur vier Tage im Monat Zeit für die Familie oder echte Freunde. Jeder Tag beginnt etwa um acht Uhr, ist vollgestopft mit mindestens fünf Terminen und einem Shooting, das letze Event endet meist erst gen Mitternacht. Am nächsten Morgen steht um sechs Uhr schon wieder das Shuttle zum Flugzeug parat, das einen an einen Ort bringt, wo wieder nur Fremde warten. Ganz zu schweigen von der Privatsphäre, die sich auf wenige Momente im Hotelzimmer beschränkt. Das nur als minikleinen Ausschnitt. Ihr lacht jetzt vielleicht und denkt „Luxusprobleme“. Aber damit macht man es sich meines Erachtens wirklich zu leicht. Und deshalb finde ich: Es mangelt an Transparenz. Natürlich will niemand Fotos von der fertigen Instagrammerin nach einer Horrorwoche sehen. Oder eher: Ich kann verstehen, dass das Unschöne für eine Instagrammeirn selbst nichts auf Fotos verloren hat. Deshalb wäre Transparenz so wichtig. Hin und wieder ein paar Worte dazu, Erklärungen, die an die Followerschaft gerichtet sind, die klar machen: Leute, da ist mein Beruf. Nicht mein glamouröses Spaßleben.

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      1. Kristiane

        Aus meiner Sicht fehlt es wirklich viel zu häufig an Transparenz. Damit meine ich aber nicht nur den Umstand, dass ich – neben vielen anderen – nur eine leise Ahnung vom Alltag eines professionellen Bloggers oder IG-Influencer habe und mir deswegen ein unvollständiges oder gar falsches Bild mache.

        Zumal eingeschoben sei: Bei Deiner Schildung denke ich keineswegs an ‚Luxusprobleme‘. Vielmehr lasse ich diese ‚Probleme‘ als solche erst gar nicht gelten. Das hört sich vielleicht erstmal hart an, aber ich denke hierbei daran, dass es sich um einen selbst gewählten Weg handelt, der eben schöne und unschöne Seiten hat. Nehmen letztere überhand, so liegt es in der eigenen Hand einen anderen Weg einzuschlagen. Jeder hat auch eine Verantwortung sich selbst gegenüber und ich glaube fest daran, dass man immer eine Wahl hat.
        Deswegen empfinde ich es persönlich als ermüdend wenn Blogger XY seinen/ihren anstrengenden Alltag als Argument heranzieht um aufzuzeigen, dass es sich (ja wirklich!) um einen ernstzunehmenden Beruf handelt. Oder um zu zeigen, dass hinter der Fassade eben nicht alles schöner Schein ist. Das geht mir persönlich nicht weit genug und führt am Kern meines Interesses vorbei. Alle paar Wochen ein #realitycheck ist zwar lobenswert, ich zweifle aber an einem nachhaltigen Effekt solange nicht weitere Mittel eingesetzt werden.

        Letztendlich denke ich nämlich, dass es auf Seiten der Blogger viele ungenutzte Möglichkeiten gibt um für mehr Transparenz zu sorgen und um Verantwortung für das eigene Tun und eben auch für die Follower zu übernehmen. Vielleicht kann ein #realitycheck hier und da ein Baustein sein und ergibt im Zusammenspiel mit anderen Mitteln ein runde(re)s Bild.

        Warum werden zB gesponsorte Blog und IG Posts immer noch von den wenigsten als solche gekennzeichnet? Und wenn, dann oftmals versteckt, oder erst am Ende des Artikels welches man erst via Klick erreicht? Warum entledigen sich so wenige ‚Blogger‘ dieser leidigen Diskussion, indem sie offen und plakativ über Sponsoren&Co informieren? Dann könnte endlich über wichtigeres gesprochen werden, als über die Frage ob Tasche xy nun selbst bezahlt wurde oder nicht. Warum gibt es zB keinen Kodex, der die blog-eigenen Regeln festhält und der zugleich den Lesern zugänglich ist?
        Die Perspektiven von Autoren und Lesern sind so wahnsinnig unterschiedlich. Warum also nicht dafür sorgen, dass der Einblick der anderen Seite größer wird, wenn doch damit zugleich einige Fragezeichen aus dem Weg geräumt werden? Und ja, die Bringschuld liegt nicht nur auf der einen Seite. Denn natürlich tragen auch die Leser/Konsumenten Verantwortung: Informiert Euch. Hinterfragt. Wechselt die Perspektiven. Bleibt kritisch. Nehmt hin und wieder Abstand. Und lernt Eure eigenen (Wert)Ansprüche von denen anderer zu unterscheiden, ohne sie jedesmal in Frage oder gar unter Angriff zu stellen.

        Eines möchte ich zum Schluss noch anmerken: Es wird so häufig von den ‚jungen Mädchen‘ gesprochen, die mit Instagram&Co überfordert sind und dadurch einem ’schädlichen Einfluss‘ ausgesetzt sind.
        Ich selbst denke, dass dieses Problem völlig unterschätzt wird indem man es einer Altersgruppe zuschreibt, die gern als ‚leicht beeinflussbar‘ oder ’nicht gefestigt‘ beschrieben wird. In meinen Augen handelt es sich um ein Problem, von dem sich die wenigsten – und das unabhängig vom Alter – frei machen können und das deswegen deutlich mehr Beachtung verdient hat.

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        1. Kristiane

          Irgendwie lesen sich meine Zeilen zu Beginn wie ein Angriff auf Dich Nike. Ich hoffe aber, dass Du das anders wahrnimmst. Denn eigentlich vermute ich, dass wir gar nicht so weit entfernt voneinander Position beziehen 😉

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        2. Nike Jane Artikelautor

          Liebe Kristiane. Kannst du denn dann überhaupt berufliche „Probleme“ wirklich gelten lassen? Oder machst du da Unterschiede? Würdest du mir etwa empfehlen, meiner Freundin, die Ärztin ist und manchmal auf dem Zahnfleisch geht, weil sie Nachtschichten schiebt, entgegen zu schleudern: Tja, selbst Schuld? Vermutlich nicht, denn sie macht ja etwas „richtiges“. Und hier liegt ja schon das erste Problem begraben. Dass das Bloggen und Instagrammen nicht als das angesehen wird, zu dem es inzwischen herangewachsen ist, nämlich zu einem ernstzunehmenden Beruf. Der eben nicht nur Zuckerschlecken, sondern wirklich auch sehr viel Arbeit ist. Wie viele andere Berufe auch. Mehr wollte ich nicht, denn eine Caro Daur beschwert sich ja gar nicht und will auch kein Mitleid für zu viele Events. Es geht mir eher darum, dass ich fürchte, wenn sich Betrachter*innen diesen Umstand zunächst bewusster machen würden, also einfach dass man da nunmal keinem „Mädchen von Nebenan“ folgt, dann wäre immerhin ein erster Schritt getan. Denn bisweilen meinen die meisten doch, die meisten Influencer würden eine einzige Party feiern und ohne große Mühen tonnenweise Geld verdienen. Alles, was ich sagen will: So ist das nicht. Ganz und gar nicht. Die Selbstbestimmtheit, von der du in diesem Zusammenhang sprichst, wäre natürlich löblich, aber darum geht es ja gar nicht. Jeder kann seinen Job kündigen, wenn es zu anstrengend wird. Aber bei den meisten Menschen ist dann eben klar: Der hatte einen Job und der war zu anstrengend und deshalb wird jetzt gekündigt. Bei einer Instagrammerin sähe das doch ehrlich gesagt anders aus. Da sagt man eher: Die führt ein Luxusleben und wenn ihr die ganzen Events jetzt zu viel werden, muss sie halt damit aufhören, selbst Schuld und wie kann die sich da überhaupt beschweren. Das ist meines Erachtens falsch.

          Und zum Thema #realitycheck: Ich verstehe, wenn so jemand nicht NOCH MEHR Einblicke in das eigene Privatleben akzeptieren will. Ein Model zeigt sich auch ungern völlig fertig beim Netflix schauen, denn es gehört ja zu ihrem Beruf, eben nicht wie der letzte Penner auszusehen. Salopp gesagt. Stichwort: Es handelt sich bei den ganz großen Instagrammerinnen eben tatsächlich um einen knallharten Job und nicht um eine Reality Soap. Und hier kommen die „Geldgeber“ also Kunden dann ins Spiel. Viele entscheiden sich inzwischen dazu, sich nicht nur in Modemagazinen, sondern auch auf Blogs und in diversen Instagram Feeds zu platzieren. Es ist fast das gleiche Business, nur auf unterschiedlichen Plattformen. Und das Problem ist: In Magazinen werden die allermeisten Produkteinbindungen nicht gekennzeichnet. Das läuft alles über Werbeanzeigen und die Leserin bekommt davon meist ja gar nichts mit. Es ist also nicht so, als säßen die Redakteurinnen zusammen und würden sich komplett unabhängig überlegen, welcher Pullover jetzt in die Collage gepackt wird. Man muss also auch noch immer noch viele Gespräche mit Kunden führen und erklären: So geht das nicht. Und die fragen dann wieder: Ja, aber warum denn nicht? Alles ist noch so neu und ich bin gespannt, wie die Sache mit der Transparenz gelöst werden wird.

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          1. Kristiane

            Da liegt wohl mindestens ein Missverständnis vor. Mit meiner Aussage, dass ich die genannten (Luxus-) Probleme nicht gelten lasse, habe ich nichts darüber aussagen wollen, ob der Beruf des Bloggers/Influencers ein ‚richtiger‘ ist.
            Diese Frage stelle ich mir so nicht, oder anders formuliert: Für mich ist Beruf erstmal Beruf. Im schlichten Sinne, es ist das was man tut um den eigenen Lebensunterhalt zu bezahlen. Und im Idealfall steht eine bewusste Entscheidung dahinter.

            Der Umstand, dass es Berufe – wie den Arztberuf – gibt, die weitaus mehr Regularieren und Zwängen unterliegen, die der Ausübende nicht oder nur schwer selbst beeinflussen kann, steht ausser Frage. Und ja, wahrscheinlich würde ich trotzdem – sofern sich Deine Freundin über ihre Arbeitssituation beklagt – in Frage stellen ob der Preis, den sie bereit ist zu zahlen, nicht vielleicht überschritten wird und ob es nicht etwas gibt, dass sie dagegen tun kann.
            Vielleicht ist das anmaßend, aber für mich geht es immer wieder um ebendiese Frage. Auch in beruflichen Dingen: Ist es mir das wert, bin ich bereit diesen Preis zu zahlen? Wertet es mein Leben auf? Wenn nicht, muss ich an Stellschrauben drehen oder an der eigenen Akzeptanz arbeiten.
            Aber das führt wohl nun noch mehr in die falsche Richtung. Denn wie Du schon schreibst, darum geht es hier nicht.

            Ich kann selbst nicht einschätzen wie die übliche Reaktion des Gegenübers ausschaut wenn das Gespräch auf den Beruf kommt und die Frage mit ‚Blogger‘ oder eben ‚Influencer‘ beantwortet wird. Leider ist das ja oftmals die erste Frage in einem meist oberflächlichen Gespräch.
            Aber anhand Deiner Reaktion vermute ich mal, dass die Reaktionen in der Regel in irgendeiner Form abwertend sind. Und? Ich persönlich tue mich schwer damit das als echtes Problem anzunehmen. Ich bin seit Jahren selbständig tätig und sehe mich immer wieder damit konfrontiert, dass das als solches schon nicht ernst genommen oder argwöhnisch betrachtet wird.
            Wie könnte es in einer Gesellschaft, in der alles auf den 0815 Weg (Schule – Ausbildung/Studium – Angestelltendasein) ausgerichtet ist, auch anders sein? In einem Land in dem die Regierung bis heute den Stellenwert des Internets nicht annähernd verstanden hat. Wie sollen da ‚Internet-Berufe‘ von der breiten Massen Anerkennung finden?

            Aber, wem müsst ihr denn etwas beweisen? Ich frage, denn ich habe scheinbar immer noch nicht verstanden warum dieser Umstand so häufig als Problem benannt wird. Beeinflusst das tatsächlich Euer Tun oder Eure Einstellung zur eigenen Arbeit? Erkläre mir das doch bitte. Und das meine ich ohne jeglichen Unterton sondern einfach aus Interesse.

          2. Sarah

            Ich verstehe deinen Punkt. Aber du gibt’s wahnsinnig viel Einblick in dein Leben. Ich weiß zB, wie dein Wohnzimmer aussieht-jede Ecke. Ich weiß wie dein Schlafzimmer aussieht, dein Bett. Deinen Balkon kenn ich auch. Nur Bad und Küche wurden noch nie gezeigt-ich glaube weil du es evtl als noch nicht durchgestylt genug empfindest und dementsprechend weniger likes bekommen würdest. Kratzt halt am Ego.
            Ich würde sogar deinen Sohn erkennen. Dein familienhaus (cooles Wohnzimmer!), deine kleine Schwester. Du gibt’s schon unwahrscheinlich viel privates her. Ist das auch der Job des Bloggers? Ich glaube es wird schwer zu differenzieren: nike Jane oder Nike van dinther-Mutter,Tochter,Schwester, es Freundin von dem skatertypen.
            Für mich bist du zwar Bloggerin, aber irhebdwie offenbarst du soviel dass du den kleinen Voyeur in jedem von uns an der Stange hälst.

  8. Stephanie

    Warum ihr das ein oder andere Designerteil anhäuft geht niemanden etwas, denke ich. Ich finde es aber gut, dass sich Nike mit der Oberflächlichkeit von Instagram auseinandersetzt. Das ist für Blogs dieser Größenordnung nicht selbtverständlich, schließlich ist auch TIJW ein Teil der professionellen Instagram-Welt. Ich folge absolut niemandem auf Instagram und muss sagen, mit etwas Abstand wirken diese unglaublich inszenierten Bilder (mit den ewig gleichen Motiven) und dieser zur Schau gestellte Lifestyle einfach lächerlich. Aber damit bin ich wohl in der Minderheit und ich sehe auch, dass junge Mädchen mit dieser oberflächlichen Scheinwelt überfordert sind.

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  9. Pingback: STRYLINKS #99 - stryleTZ

  10. A

    Das ist ein wichtiger und differenzierter Text. Und wenn sich dank dieses Denkanstoßes der oder die eine oder andere beim Betrachten schöner Instagram-Bilder daran erinnert, sprich, sich die Bilderdaraufhin etwas differenzierter ansieht und sie einordnen kann, ist sogar viel getan.

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  11. Hannah

    …ich persönlich kann das automatische Verknüpfen von Mode und Designernamen nicht nachvollziehen. Für mich hat das eine mit dem anderen kaum was zu tun.

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    1. Hannah

      + auch Stilempfinden, Sinn für Ästhetik, die ausgeprägte Liebe für schöne Sachen und Details (meist ein Argument missbraucht) haben nichts mit Designerkram zu tun eher was mit der eigenen Phantasie und die kann man sich nicht kaufen.

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      1. pi

        hi hannah, ich persoenlich sehe das genauso wie du, weil ich als privatkundin und nachhaltigkeits-/selfexpression-jongleurin eher auf second hand und individuelle kleidung abseits bekannter statussymbolik stehe, und es einfach nicht einsehe, soviel geld fuer materielle gimmicks auszugeben, nur um dann so auszusehen wie viele andere, die sich dann „in crowd“ nennen duerfen. ABER ich kann auch verstehen, dass modeblog-maedchen, die sich persönlich in diesen kreisen bewegen und sich intensiv mit diesem thema beschaeftigen, mehr in designerteilen sehen als statussymbole und insignien ihrer (wunsch) peer group. also wirklich die spannende unternehmenstradition, das meisterliche handwerk und großartige designer. da stehen ja auch echte menschen dahinter. natuerlich kann das auch als pseudo-argument rausgeholt werden, auch vor sich selbst, aber das alles spricht nike ja auch an und sie hilft dabei, den marken- und logo-zauber kritisch zu reflektieren und nicht zu mehr hochzustilisieren, als er wirklich ist.

        ich finde, eine offene diskussion wie diese hier ist sehr erhellend und angebracht, aber dazu muss man auch unterschiedliche realitaeten anerkennen und respektieren. wenn man andere automatisch verurteilt, nur WEIL sie marken und logos spazieren tragen, ist das auch eine form des statuswettbewerbs und materialismus.

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  12. Laura

    Voll toll, dass du dich immer dem Diskurs stellst, Danke für diese Rubrik Nike. <3
    Hoffentlich einen schönen Tag!

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Aber das mach ich doch gerne. Danke, du. Dafür komme ich aber auch sonst nicht zu viel heute – außer zum Collagenbauen für die tollen Artikel unserer Autorin Julia Korbik (siehe oben) 😀

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  13. juloxyy

    Danke für diese ehrlichen und wichtigen Worte. <3

    Und ich bin stark dafür der guten Pi(a) eine eigene Rubrik zu widmen. Freue mich immer wieder Ihre Kommentare oder den erst jetzt entdeckten Beitrag zu lesen.

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  14. Rieke

    Ich wollte nur einmal danke sagen, an dich Nike, für diesen Artikel!
    Ich lese seit längerem euren Blog und bei diesem Artikel hatte ich das erste Mal das dringende Bedürfnis, mich einzumischen.
    Ich gehöre zu dieser obskuren Gruppe der Anfang 20jährigen, die sich keinesfalls eine Gucci-Tasche im vierstelligen Eurobereich leisten könnten.
    Ich studiere Medizin und arbeite mir, salopp und norddeutsch gesagt, den Mors ab. Um die Klausuren zu bestehen, um mir nicht nur alle arteriellen Abgänge der Aorta merken zu können, sondern um irgendwann im Ernstfall die richtige Diagnose zu stellen und, wie so schön plakativ gesagt wird, „Leben zu retten“.

    Ich arbeite also auf etwas hin, was allgemein als „wichtig“ und „richtig“ angesehen wird. Niemand ist irritiert oder vorwurfsvoll, wenn ich den dritten Samstagabend hintereinander in der Bibliothek mit der Pathologie frühkindlicher Leukämie verbringe oder wieder einen Sonntagnachmittag im Café absage, weil die EKGs unterschiedlicher Herzinfarkttypen wiederholt werden müssen. Irritation schlägt mir vielmehr entgegen, wenn Kleidung für mich mehr als nur „was zum Anziehen“ ist. Wenn ich im H&M stehe und die Bluse nicht „hübsch“ sondern „Miu Miu“ nenne. Wenn ich stundenlang nach einer qualitativ hochwertigen aber bezahlbaren Alternative zu Clare Waight Kellers Geniestreich suche, nur um sie dann eh unter einem Laborkittel verschwinden zu lassen.
    Mein Freund nennt es liebevoll „Mode gucken“. Menschen, die mich nicht so gut kennen, halten mich auf einmal für oberflächlich oder unreflektiert, ja manchmal sogar für leicht dümmlich, obwohl sie eine Stunde zuvor noch voller Bewunderung für meinen Fleiß und meine (Gehirn)Leistung im Studium gewesen waren.

    Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn mich Mode und Design begeisterten. Wenn ich über die Neuausrichtung von Gucci genauso inbrünstig diskutieren konnte und wollte, wie über die Zukunft der EU.
    Die „schönen Dinge im Leben“ (und Mode gehört für mich definitiv dazu) sind für mich nur die Kirsche auf einer Torte voller Labormief, Pathologienotizen und Klausurpanik, aber Ihr, du Nike und Sarah, habt mir das schlechte Gewissen an den schönen Dingen genommen. Dank eurer Leidenschaft, solcher Artikel, Reflexionen und Kategorien. Danke!

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  15. Nike Jane Artikelautor

    Liebe Kristiane,
    ich glaube, wir reden aneinander vorbei.
    Ich persönlich treffe meist nämlich sogar auf sehr interessierte Menschen.
    Es geht mir nicht darum, ob der Beruf Blogger nun als anstrengend gewertet wird oder nicht, belächelt oder ernstgenommen. Ich meine nur: Ich befürchte, es gibt da draußen sehr viele, denen es gar nicht erst in den Sinn kommt, dass es sich dabei (und irgendwie rede ich hier wirklich von Instagrammern und nicht von Bloggern, da ist es nämlich noch schwerer zu greifen), tatsächlich nicht um ein reines Vergnügen , sondern überhaupt um einen Beruf handelt. Und zwar in Bezug auf die Komplex-Problematik. Wenn ich also als Betrachtender annehme, hinter dem Bling Bling stecke kein Beruf, sondern ausschließlich Vergnügen, fällt es mir schwerer, mich von dieser Person zu differenzieren, sie nicht als Identifikationsmedium zu betrachten, das in mir den Wunsch auslöst, all die Statussymbole auch tragen zu wollen. Nehmen wir als Beispiel Hollywood Stars: Die haben auch gefühlt alles, alles kaum jemand würde da in Trauer verfallen, weil er oder sie nicht mithalten kann. Weil es so weit weg ist, all das. Nun sind diese Instgrammerinnen oft aber auch Stars. Mit Fans, die Fotos wollen und all dem. und trotzdem denken viele: Wieso habe ich nicht, was sie hat? Verstehst du jetzt, was ich meine?

    Antworten
    1. Jen

      Finde das auch einen guten und wichtigen Artikel, danke Nike!
      Was ich noch dazu beitragen kann/möchte…
      Ich will gar nicht bestreiten, dass ein Influencer viel zu tun hat. Aber ganz ehrlich: Den Beruf ernst zu nehmen, kleine quadratische Fotos mit Produkten drauf und dem immer schicken Gesicht in einer App zu posten… also vorsichtig gesagt, finde ich es eher gesund, dem skeptisch gegenüber zu stehen.
      Mag sein, dass man damit reich wird. Aber es ist auch ganz schön wenig im Ergebnis, nämlich nur ein kurzer Moment, der gleich weitergescrollt wird. Dass wir in einer Welt leben, in der man mit sowas ein Megastar werden kann, darf man schon schlimm finden. Wie hat der Nobelpreisträger für Wirtschaft Oliver Hart so schön gefragt… wer oder was ist ein Kardashian?
      Ohne eine Person dafür zu verurteilen, sich diesen Umstand zu nutze zu machen, darf ich die Entscheidung dazu trotzdem negativ bewerten. Und nicht aus Neid oder Misgunst. Einfach aus einer Haltung heraus, dass man sein Gehirn und sein Leben für mehr Inhalt einsetzen sollte. (ich rede immernoch nur über Instagram, ist klar ne).

      Denn Blogs finde ich geben deutlich mehr her und sind doch schlicht die (Frauen-)Magazine des neuen Jahrzehnts. Da gibt es auch oberflächlichere und tiefgehendere (danke Janes!). Und ja, ich muss auch zugeben, ich lasse mich von diesen personifizierten Werbeträgern deutlich mehr beeinflussen, als es in meiner Jugend die Allegra konnte. Was ich schon alles nachgekauft habe, weil Jessie, Sarah/Nike oder Claire es anhatten… und es so habenswert wirkte, und so passend im richtigen Leben, und so besonders und einfach gut. Das geht in die Tausende. Und ich bin Mitte 30! Das hat bei mir schon dazu geführt, weniger zu kommentieren, seltener zu gucken, einfach bewusster offline zu leben. Schlimm, dass ich das nicht eh kann. Ich weiß. Aber wenn die Leser mal alle ehrlich sind… ist das gar nicht so leicht.

      Antworten
  16. Anna

    Würde ich so unterschreiben. Danke, dass Du hier das eine oder andere Thema mal wieder zurecht rückst. Ich bin großer Fan Eurer Brain Blah Reihe und finde es außerdem super beeindruckend, was Ihr hier neben Kindern und was die Selbstständigkeit noch so alles mit bringt an Content raushaut. Hut ab. Das findet man mit Abstand in keinem der anderen üblichen Blogs, die man so nebenher konsumiert.

    Antworten
  17. Rosine

    Zitat „[…] dass wir Logo-Käuferinnen allesamt gehörig einen an der Waffel haben, aus unterschiedlichsten Gründen, ist klar wie Kloßbrühe.“ Ich bin eine – wie Du es nennst – „Logo-Käuferin“, möchte allerdings ungern in Sippenhaft genommen werden: An der Waffel habe ich keinen, alles in Ordnung bei mir im Oberstübchen!

    Antworten
  18. Anja

    ich finde, den Artikel sehr gut und auch die Gedanken dazu, denn es wird deutlich, dass ihr Eure Arbeit und hier dann eben die Präsentation von hochpreisiger Mode oder Designerlabels reflektiert. Und ich finde genau da ist der Knackpunkt: einige Leserinnen konsumieren die Blog-einträge nur. Sie hinterfragen sie nicht oder stellen sie in Verhältnis zu den Personen, die sie schreiben bzw. in den Kontext, in dem geschrieben wird.

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  19. Julia

    Liebe Nike,
    ich finde die Diskussion hoch spannend und bin leider erst jetzt darauf gestoßen. Aber nachdem mich schon der Instagram-Post zum selben Thema ratlos zurück gelassen hat, bin ich ehrlich gesagt, auch nach dem Lesen des Textes und der vielen Kommentare hier nicht schlauer. Mir scheint, dass es da einfach einen Wiederspruch gibt, der sich nicht wirklich auflösen lässt.
    So viel habe ich verstanden: Modebloggerin bzw. Instagrammerin zu sein, ist ein Job. Und für viele, und dazu zählst auch du, ist es Teil dieses Jobs, Fotos ihrer Wohnung, ihres Kindes, ihres Urlaubs etc. zu posten. Das macht ja gerade den Charme aus – im Vergleich zu Modemagazinen etwa – dass man es hier mit einer vermeintlich echten Person zu tun hat.
    Aber kann man dann den Followern vorwerfen, dass es schwer für sie ist, zwischen Privat- und öffentlicher Person zu unterscheiden?
    Ihr sogenannten Influencer verdient doch euer Geld gerade damit, andere zum Kauf von Dingen zu verleiten. Deshalb gibt es ja Kooperationen und Sponsoren – die Firmen nutzen euren Einfluss, weil sie wissen, wenn Nike dies und das trägt, dann löst das Begehren aus, dann wollen das sehr viele andere auch. Das ist dein Job. Und das will ich auch gar nicht kritisieren, aber wenn du hoffst, mehr Transparenz könnte die in eurem Job per se angelegten Widersprüche auflösen – Leserinnen sollen den Unterschied zwischen Oberfläche und wahrem Kern erkennen, sich vor dem Einfluss der Bilder schützen, nicht dazu verleiten lassen, etwas zu kaufen, dass sie nicht brauchen/sich nicht leisten können – , dann versuchst du glaube ich die Quadratur des Kreises.
    Herzliche Grüße
    Julia

    Antworten
  20. Pingback: Cherry Picks #48 - amazed

  21. Caro

    Ich selbst würde eher in meine neue Wohnung in HH investieren und in das ganze interior und in Reisen, die mich echt glücklich machen als in eine überteuerte Designertasche. Wie ich mich kenne, würde ich sie kaum tragen, da sie mir zu schade wäre. liebe grüße!

    http://www.redchillilounge. com

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