„The Future is female“ – Hat Strenesse viel falsch oder alles richtig gemacht?

17.01.2018 Mode, Feminismus

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, könnte man jetzt einfach mal scharf in den Raum werfen, während man darauf warten würde, was geschieht, wie das Publikum, so ganz im Allgemeinen, reagiert. Was ich sagen will: Es muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass sich die (Mode-)Geister an der jüngst gezeigten Strenesse Präsentation früher oder später scheiden würden. Noch nicht einmal an der Optik, die ist viel zu klassisch, um sich überhaupt daran stoßen zu können, sondern vielmehr am dazugehörigen Titel: „The Future is Female“.

Die einen werden ihn feiern. Audi Zeisler aber, die Verfasserin des Buches „Wir waren doch mal Feministinnen“, hätte aber wie viele andere vermutlich schon in Anbetracht der Namensgebung mit dem Kopf geschüttelt und den Ausverkauf einer ganzen Bewegung betrauert. Vielleicht ja sogar zu Recht. Denn irgendwie, so vermute ich, scheint die Intention, ja die eigentliche Geschichte dieses Ausrufes in den Hintergrund zu rücken, nein, irgendwie egal zu sein – stattdessen zählt nur noch die rohe Aussage: Die Zukunft ist weiblich. Nun. Klingt ja eigentlich ganz gut. Vielleicht bin ich also völlig zu Unrecht skeptisch, denn, da hat Julia ja recht: Popfeminismus kann wichtig sein. Nein, er ist es! Denn Feminismus ist endlich wieder „cool“. In aller Munde. Salonfähig. Und das ist ein gewaltig guter gefühlt vierunddreißigster Schritt in die richtige Richtung. Schade wird es nur, wenn lieber laut gerufen als wirklich gehandelt und eben nachgedacht wird – zum Beispiel über die, die mit dabei waren, als Frauenrechte noch überhaupt rein gar nichts mit Profit zutun hatten. Zum Beispiel Liza Cowen, die „The Future is Female“ mithilfe eines T-Shirts erst groß machte – damit aber dennoch etwas ganz anderes meinte als dreißig Jahre später etwa Cara Delevingne, die im gleichen (geklauten) Aufdruck durch New York spazierte:

Besagtes Shirt nämlich wurzelt im Jahr 1975, als wir noch an einem ganz anderen Punkt standen als heute. Damals eröffneten Jane Lurie und Marille Rios in New York City den allererste Buchladen für Frauen: „Labyris Books“ – das T-Shirt Design wurde eigens für deren Projekt erdacht und später von der lesbischen Fotografin Liza Cowan an Freundin Alix Dobkin, die ihres Zeichens Musikerin war, in Szene gesetzt. Das Bild ist mittlerweile legendär, genau wie der dazugehörige Slogan:

„(…) it has lasted through the decades and is reemerging as an empowering statement for all, as female-identified bodies and rights remain under attack. Inflexibile and compulsory sexual and gender binaries are used to oppress and deny people their humanity and agency. Otherwild believes in an inclusive, expanded and fluid notion of gender expression, identities and feminisms. We support liberation, embrace our trans sisters, and call for the end of patriarchal ideology, domination, oppression and violence. We believe that “The Future is Female” is the past, the present and the future, and is language that resonates.“

Moment mal. Dann ergäbe das Weiterverbreiten dieser wichtigen Message am Ende ja doch noch Sinn. Möglich. Ich stoße mich dennoch an deren Gebrauch, denn ich finde, Strenesse hat Mut bewiesen, Strenesse ist modern geworden, Strenesse hat begriffen, was uns wichtig ist. 

 

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Wieso um alles in der Welt also gerade jetzt an fremden Früchten bedienen, statt eigene zu sähen? Oder, was ich mir am allermeisten gewünscht hätte: Wieso nicht einen Titel wählen, der weder „Female“ noch „Feminism“ beinhaltet? Warum können wir nicht einfach so weit sein, im Jahr 2017 eine wunderbare Kollektion wie diese zu zeigen, in der Frauen Anzüge und Kleider und Krawatten und Bundfaltenhosen tragen, kommentarlos, wieso müssen wir dem Gezeigten durch den Titel die Stärke, die Beiläufigkeit, die Selbstverständlichkeit nehmen?

Vermutlich, weil Gleichstellung vielen noch immer große Angst macht, sie aber mindestens verunsichert. Am Ende hat Strenesse also vielleicht doch noch alles richtig gemacht: Drauf schreiben, was drin ist. Damit es auch die Letzten kapieren.

-Alle Bilder: PR – 

7 Kommentare

  1. Claudia

    Liebe Nike, Liebe Leser,

    ich bin da ganz bei Dir. Ich finde es auch etwas fragwuerdig, wenn auf jedem beliebigen T-Shirt von H&M und Co. ‚The future is female‘ prangert. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich kurz erschrocken bei dem Anblick der Bilder oben im Text. In meinen Augen sehen die Models aus, wie Frauen bzw. Maedchen in Maennerkleidung verkleidet um nun auch (endlich) im Maennerbusiness mitzuspielen. Und das finde ich noch viel schlimmer, wenn Frau sich an diese Tristesse von Kleidung anpasst. Es gab dazu vor Kurzem einen sehr lustigen Artikel bei Zeit:

    http://www.zeit.de/arbeit/2017-12/dresscode-arbeitsplatz-kleidung-sexismus-stil

    Ich weiss natuerlich, dass Mode Geschmacksache ist und wir zum Glueck selbst bestimmen, was wir wie und wo anziehen moegen. Jedoch finde ich es (auch an mir leider) manchmal traurig, dass viele Frauen eher down-sizen in ihrer Klamottenwahl als nochmal ‚oben drauf‘. Ich bin Wissenschaftlerin und bei jeden Vortrag oder Konferenz frage ich mich, ob es heute angebracht waere den kuerzesten aller Roecke anzuziehen – und ich liebe Minis! Das aergert mich manchmal arg, dass auch ich mich un- aber auch bewusst an gewisse Normen anpasse und ich finde, in diesem Hinblick ist die oben gezeigte Kollektion eher ein Rueckschritt im Bereich Gleichberechtigung. Sollte nicht eher gelten, egal wie Mann oder Frau sich kleidet, relavant sind die Ideen und Leistungen und nicht Aeusserlichkeiten?

    Viele Gruesse,
    Claudia
    (tut mir leid, wegen den Umlauten, ich habe hier nur eine englishe Tastatur)

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    1. Hannah

      Liebe Claudia,
      genau das habe ich mir auch gedacht als ich die Bilder der Kollektion gesehen habe. Nichts gegen Hosenanzüge, ich finde die sehen auch wirklich gut aus, aber dennoch finde ich es schwierig eine Kollektion „the future is female“ zu nennen und dann klassische Männermode zu machen und sie Frauen anzuziehen. Die Assoziation ist fur mich dann doch eher: Frauen können nur stark/erfolgreich/.. sein, wenn sie sich an Männer anpassen. Frauen können aber auch stark sein wenn sie Kleider oder Röcke tragen. Gleichberechtigung ist es nur dann, wenn jede*r sich nach eigenen Wünschen anziehen kann.
      Aber vielleicht kann man das auch irgendwie anders interpretieren… wenn jemand Ideen hat, dann würde mich das interessieren.

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  2. Carolin

    Ich bin Feministin durch und durch, aber dieses ewige „Future is female“-Statement-Gedöns nervt nur noch. Das haben wir doch gar nicht nötig! Außerdem fände ich „The Future is equal“ so viel besser und richtiger.

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  3. Zane

    Totally agree with the readers above. We do not need a t-shirt to show our power or even gain it. Inner strength and transformation makes a person powerful. We have to work on ourselves to become noticed, and from there the acknowledgement and equality will follow!

    Rock Renee Blog

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  4. M.

    Ehrlich gesagt hätte mich schon eine Bewertung / Vorstellung der Strenesse Präsentation interessiert.
    Das gilt auch für andere Schauen, die hoffentlich nicht aufgrund von “ Modemüdigkeit“ (das war doch schon 2017?) hinten über fallen.
    Vlt erschließt sich mir dann auch besser, was eine Linie in der Frauen in Männeranzüge gesteckt wurden in deinen Augen „wunderschön“ macht.
    Ich selbst sehe es eher kritisch , wenn die Zukunft so ausgemalt wird , dass Frauen nur noch männliche Attribute übernehmen und dann damit / deswegen „endlich “ erfolgreich sind.

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  5. Lia

    Ich finde es traurig, wie sehr der Begriff vom weiblich/feminin/ frausein immer mehr zur Platitüde mutiert.Wenn ich diese Bilder sehe könnte ich schreien.Wenn das „female“ bedeutet dann nein danke, denn wie schon von den anderen Leser*innen angemerkt soll und darf das frausein ein weites feld sein.Eines in dem man mal stark, mal erotisch, mal verletzlich usw. auftreten darf. Was mich aber am meisten an dem angeblichen Zugeständnis an der weiblichen Stärke in der Mode so stört ist, die Tatsache, dass die meisten Designer (noch) nicht imstande sind Diversität abzubilden.Frauen gibt es nicht nur ausschließlich in der Konfektionsgröße xs. Menschsein umfasst da noch einige Facetten mehr.Dünne wie dicke Frauen und Männer und ganz wichtig, solche dazwischen.Essstörungen und Feminismus gleicherhand zu propagieren scheint mir gefährlich. Der Hauptpunkt ist doch sich und andere mit seinem jeweiligen Körper und seiner Sexualität sowie Weltanschauung zu akzeptieren.Von sich und anderen immer dazu zu lernen sich und andere immer wieder neu definieren zu können. Bis jetzt scheint mir der Feminismus in der Mode zwar als Spielart des Feminismus wenn man so will, jedoch als solcher der die Grundprinzipien noch nicht verstanden zu haben scheint.

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