The Power Of Social Media // Drei wichtige Videos, die uns gerade berühren

Früher habe ich morgens im Bad Radio gehört, heute schaue ich beim Zähneputzen Videos – vielleicht ist das ein Laster meiner Generation, aber zugegebenermaßen liegt das auch daran, dass ich tatsächlich nur im Bad eine gute Wlan-Verbindung habe. Manchmal ist das aber gar nicht so schlecht, denn immer wieder merke ich: Meine Generation ist nicht nur Banane. Sondern auch politisch! Heute morgen etwa haben mich drei Videos begleitet, die ich mit euch teilen möchte (falls ihr sie denn nicht längst kennt). Ich habe nämlich vor lauter Aufregung über Rechtsradikale Pirouetten der Wut gedreht, ein junges Mädchen und ihr Engagement bejubelt und mich außerdem an einer E-mail Aktion beteiligt:

1. Emma Gonzalez

Emma Gonzalez ist wahrscheinlich unsere Heldin der Woche. Sie ist das Gesicht einer jungen Generation, die sich gegen den freien Verkauf von Waffen in den USA engagiert. Vor allem aber ist sie jetzt auch Überlebende des Amoklaufs in Florida, bei dem am Valentinstag 14 Schüler*innen und drei Lehrer*innen ums Leben kamen.

In einer wirklich emotionalen Wutrede, die sie auf der Rückseite eines Notizzettels während dem Politikunterricht niedergeschrieben hat, thematisiert die 17-jährige Amerikanerin die tiefliegenden Probleme der USA in Bezug auf Gun Control und Lobbyismus. Sie wischt Politikerfloskeln wie „Waffen sind genauso gefährlich wie Messer“ aus dem Weg und spricht die Spendengelder an, die Mr. Trump im Wahlkampf offenbar von der NRA erhielt – nämlich etwa 30 Millionen US Dollar. Ich hoffe wirklich sehr, dass diese neue, laute Bewegung, der nun auch die Republikaner Gehör schenken müssen, nicht so schnell wieder einschläft und die USA, kulturelle Verankerung von Waffen und Spendengelder hin oder her, endlich den Schritt hin zu strengeren Waffenkontrollen wagt. Auf Social Media hat Emma Gonzalez auf jeden Fall längst etwas bewirkt – mit den Hashtags #emmagonzalez #westandwithemma und #wecallBS zeigen unfassbar viele Menschen weltweit ihre Solidarität. Das erhöht auch den dringend notwendigen Druck auf die Politik.

Mehr zu Emma Gonzalez gibt es hier.
Mehr zu Gun Control und NRA gibt es hier.
Und ob Trump sich tatsächlich offen für neue Waffengesetze zeigt, könnt ihr hier nachlesen.

 

2. 120db …und mir kommt das Mittagessen hoch

Weil wir Rechtsradikalen eigentlich keinen einzigen Klick schenken wollen, hier vorab das Anti-Rechts-Video als Antwort auf 120db: 

Ich kenne die rechte „Identitäre Bewegung“ schon aus diversen Dokus, mir war also klar, dass ich beim Anschauen des gerade kursierenden 120db-Videos den Stressball rausholen muss. Auf so etwas perfides war ich jedoch trotzdem nicht gefasst. Ein YouTube-Video, aufgebaut wie der typische Sitdown-Chat eines Vloggers, in dem unterschiedliche  Frauen vorgeben, im Sinne der #MeToo Kampagne auf Gewalt aufmerksam zu machen und dabei nichts anderes tun, als diese wichtige Bewegung für ihre braunen Ansichten zu missbrauchen, ebenjene ganz subtil einer breiteren Masse schmackhaft zu haben. Ganz schön clever. Und ganz schön pervers. Rechter Schein-Feminismus, der auf einer immens emotionalen Schiene versucht, neue Anhänger*innen für sich zu gewinnen – da will man laut schreien. Die Masche, das muss man diesen Frauen lassen, ist durchaus gewieft: „120 db, das ist die Lautstärke einer Taschensirene, die man zum Schutz mit sich tragen kann“.

Mit Feminismus hat das, ich wiederhole mich ganz deutlich, allerdings rein gar nichts zu tun. Während Feminismus sich für den Schutz aller Frauen und für Menschenrechte, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion einsetzt, geht es den Identitären ausschließlich um die „Töchter Europas“, um die deutsche und die europäische Frau. Es fallen Sätze wie „Wir sind keine Kriegsbeute, kein Kollateralschaden“ oder „Abends Joggen gehen ist für uns die gefährlichste Sportart geworden“. Wenn man das schwarze Layout und die dramatische Musik betrachtet, könnte man zu Beginn aber tatsächlich fast meinen, es ginge um die ursprüngliche Metoo-Bewegung oder sogar Time’s Up. Fatal – Hört man nämlich weiter zu, übermannt einen recht schnell nur noch Wut und Empörung.

Nachdem ich meinen ersten Aufreger wieder tief in der Emotionskiste verstaut habe, um das Hirn wieder arbeiten zu lassen, überlege ich mir nun, was wir wohl trotz allem aus dem grässlichen Video mitnehmen können. Die Angst vor dem Fremden, vor Übergriffen und Geflüchteten, sie ist existent und verhilft den Identitären dazu, als rechte Bewegung neben oder mit der AfD zu wachsen. Vielleicht brauchen wir also noch viel mehr Integration – über Kultur, ein bundesweites Programm, in dem Flüchtlinge an diversesten Orten in Deutschland auch mit Alten, Frauen, Konservativen & allen anderen Menschen Zeit verbringen können, damit sich beide Seiten kennenlernen können anstatt zu co-existieren. Irgendetwas muss jedenfalls passieren. Sonst sind braune Kohlköpfe wie die Identitären in Zukunft nicht mehr die Ausnahme. Die Berlinale wurde nämlich auch schon von 120db gestürmt.

Wer mehr zum Thema lesen möchte, kann sich zum Beispiel hier informieren.
Und hier geht es zur Petition.

3. Weg mit §219a !

Ein Video, dass auch schon ohne Worte alles sagt.

Ich gebe es zu, dass das Ausschreiben von Abtreibungen für Ärzte verboten ist war mir bis vor einem Jahr nicht bewusst, ich hatte es für selbstverständlich angenommen, dass so etwas erlaubt ist. Es war der Fall Kristina Hänel der bei mir für Aufklärung gesorgt hat, denn der Paragraf verhindert,  dass Frauen in Notlagen sich eigenständig und unabhängig von Beratungsstellen über eine Abtreibung informieren können und genau für diese Informationsgebung wurde Kristina Hänel angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nun soll der Paragraf gestrichen werden und wie man sich bei unserem bunten Bundestag auch schon gut denken konnte, sind nicht alle dafür. Die SPD, Grüne und Linke stehen im Zeichen der Abschaffung während CDU, CSU und AFD dagegen stimmen. Jetzt hängt alles an der FDP die sich momentan noch unschlüssig ist.

Wenn ihr also liebste Leser*innen das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung unterstützen, mir ihrer „Weg mit §219a„-Kampagne, unterstützen wollt, dann teilt doch das Video und/oder macht mit bei der E-mail-Aktion für §219a die hunderten FDP-Abgeordneten bei der richtigen Entscheidung helfen soll. Mehr zur Kampagne gibt es auf der Website

 

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