Ocean’s 8: // Brauchen wir wirklich eine weitere „weibliche“ Version eines „männlichen“ Filmklassikers?

Im Juni ist es so weit und statt George Clooney, Brad Pitt und Co wird diesmal ein Team von Frauen den perfekten Raub planen: Ocean’s Eight erzählt die Geschichte von Danny Oceans (Clooney) Schwester Debbie, die, gerade aus dem Gefängnis entlassen, eine Gruppe kriminell veranlagter Frauen um sich schart und auf Raubzug geht. Steven Soderberghs originale Ocean’s Reihe (auf Ocean’s Eleven von 2001 folgten zwei weitere Filme) war von Anfang an eine ziemlich männliche Angelegenheit: Zwischen all den Georges, Brads und Matts gab es zwar auch mal eine Julia oder Catherine, im Mittelpunkt standen aber eindeutig die Dudes. Das war damals eben normal und erinnert uns noch einmal daran, dass es noch gar nicht sooo lange her ist, dass die Themen „diversity“ und „representation“ auch und endlich in Hollywood diskutiert werden.

Nun also Ocean’s Eight, ein Film, der einige der derzeit coolsten Frauen im Filmgeschäft versammelt: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Mindy Kaling, Rihanna, Helena Bonham Carter, Sarah Paulson, Awkwafina und Anne Hathaway. Unter anderem. Der Trailer sieht super aus, die Story klingt fantastisch – die von Bullock angeführten Gaunerinnen wollen Daphne Kluger (Hathaway) auf der New Yorker Met Gala um eine millionenschwere Halskette erleichtern – und generell kann man sich vor dieser geballten women power nur verbeugen. Ich werde mir den Film definitiv anschauen und bin mir jetzt schon sicher, dass er unterhaltsam und lustig sein wird. 

Gleichzeitig frage ich mich aber: Brauchte es das jetzt wirklich? Brauchte es eine weitere „weibliche“ Version eines „männlichen“ Filmklassikers?

Manchmal subversiv, manchmal nicht

Wir erinnern uns an die Kontroverse um die weiblichen Ghostbusters 2016. Hardcore-Fans und Männerrechtler sahen das Ende der Welt gekommen, und das nur, weil statt der orginalen Gespenster-Jäger um Bill Murray und Dan Aykroyd nun Frauen in diesen Rollen auf der Leinwand zu sehen waren. Letztendlich waren die weiblichen Ghostbusters nicht annähernd so erfolgreich wie erhofft, sowohl aus finanzieller als auch aus kritischer Sicht – was gewisse Männer natürlich in ihrem Vorurteil bestätigte, Filme mit und über Frauen wolle sowieso niemand sehen. Bei Ocean’s Eight sieht die Ausgangslage etwas anders aus, weil der Film kein klassisches Remake ist, sondern die Geschichte aus der Perspektive einer Frau – Danny Oceans Schwester Debbie – weitererzählt wird. Sexistische Reaktionen und Angriffe von Trollen blieben natürlich trotzdem nicht aus.

Ich freue mich auf Ocean’s Eight und würde mir trotzdem wünschen, dass es endlich mehr Hollywood-Filme gibt, die eine originelle Geschichte aus Frauensicht erzählen. Und mit originell meine ich: Filme, die kein Remake „männlich“ besetzter Filme sind und, die aus Männercharakteren einfach Frauencharaktere machen und das dann als wahnsinnig innovativ und feministisch gilt. Natürlich: Das Ganze kann innovativ und feministisch sein und ich kann den Impuls, ein „weibliches“ Remake zu machen, gut verstehen – es geht ja auch darum, dass Frauen sich mit männlichen Kultcharakteren identifizieren sollen können. Und das klappt eben am besten mit einem „weiblichen“ Remake. Manchmal ist das subversiv, manchmal eben aber auch nicht. 

Warum diskutieren wir seit einer gefühlten Ewigkeit darüber, dass wir dringend einen weiblichen James Bond brauchen? Ich brauche diesen weiblichen Bond sicher nicht (wenn allerdings endlich mal jemand Idris Elba als neuen Bond casten würde, fände ich das sehr unterstützenswert). Was ich mir persönlich wünschen würde, ist stattdessen eine neue Geschichte, eine originelle Geschichte über eine Agentin, die eben nicht nur eine weibliche Version von 007 ist.

Frauen als Risiko

Letztendlich stecken in der ganzen Diskussion über all female-Remakes und weibliche Charaktere verschiedene Problematiken. Erstens: Die generelle Besessenheit Hollywoods mit Remakes und Fortsetzungen. Statt auf etwas Neues zu setzen, neue Geschichten zu erzählen, wird auf Altbewährtes gesetzt, auf Dinge, die das Publikum schon kennt. Und das sind eben – genau, Remakes und Fortsetzungen. Wonder Woman ist hier ein interessantes Beispiel, weil der Film einerseits Teil eines bereits bekannten Cinematic Universe ist (das DC-Universum, in dem sich auch Batman und Superman tummeln), andererseits aber für sich alleine steht und die Superheldin hier mal nicht der Sidekick war, sondern die Hauptrolle.

Zweitens: Frauen gelten im Filmgeschäft immer noch als Risiko. Was ich 2016 schrieb, trifft auch heute noch zu: „Wenn ein Film, mit männlichem Regisseur und männlichen Hauptdarstellern schlecht läuft, ist das halt so. Der nächste Film dieser Art kommt bestimmt. Auf Filme von Frauen mit Frauen trifft das nicht zu – jeder Film von einer Regisseurin und/oder mit weiblichen Hauptdarstellern wird zur Abstimmung darüber erklärt, ob Filme von bzw. mit Frauen überhaupt jemand sehen will und ob diese gut sind. (…) Mit Männern ist man bereit, ein Risiko einzugehen. Mit Frauen nicht. Beziehungsweise: Männer gelten einfach generell nicht als Risiko, Frauen schon.“

Lieber alt als neu

Es ist sehr viel risikoarmer und erfolgsversprechender, eine beliebte Reihe mit Frauenfiguren fortzusetzen oder einen beliebten Film mit Frauen in den Hauptrollen neu aufzulegen, als das Publikum mit etwas völlig Neuem zu konfrontieren. Und so lange das so ist, werden wir vermutlich noch einige Remakes oder Weitererzählungen bekommen, mit weiblichen Ensembles, aber immer basierend auf dem, was es bereits gibt. Das ist nicht unbedingt schlecht, es ist vermutlich sogar ziemlich unterhaltsam – aber eben auch ein bisschen langweilig.

Bilder: © Ocean’s 8

Ocean’s 8: // Brauchen wir wirklich eine weitere „weibliche“ Version eines „männlichen“ Filmklassikers?

  1. Iridia

    Ich meine: wir brauchen sie. Mir ist das selber erst klar geworden, als ich „Black Panther“ gesehen habe – fast komplett schwarzer Cast – und mir auffiel, dass andere Hautfarben das immer so sehen mit uns Weißen. Wie ungewohnt das ist. Ich denke, wir müssen auch erst mal durch und gefühlt zu viel präsent sein. Das „zu viel“ ist das Gewohnte bei Männern. Männer sind auch „zu“ präsent, aber für uns fühlt es sich normal an. Für mich spielt aber ein anderer Punkt eine größere Rolle: Es ist toll, Frauen zu sehen, die nicht nur die Freundin des Helden geben, so lange männliche Superstars selten der Freund der Heldin sind. Sandra Bullock im All und George Clooney als Nebenrolle in „Gravity“ – das hatte schon was und wertete beide auf. Solche Filme sollte es auch geben und sie sollten genauso normal wie das andere Paar sein, das wäre geschlechtergerechter. Bei „Wonder Woman“ gefiel mir als ganz wesentlicher Punkt, dass sie ja trotzdem sehr feminin wirkte – auch innerlich. Frauen in klassischen Männerrollen haben in der Tat das Problem, oft nur Maske für dasselbe Verhalten zu sein, was schade ist und wieder das männliche Prinzip zur Richtschnur macht. Überhaupt mal Weiblichkeit zuzulassen, unabhängig von Männern als Partner, das fände ich toll. Weibliche Verhaltensweisen und Mentalitäten nicht untergeordnet zu sehen, sondern durchaus anders, diese Farbe hätte ich gern ab jetzt dazu. Wenn das Drehbuch bei Fortsetzungen das berücksichtigt, soll es mir recht sein, wenn Frauen die unvollkommeneren Männer geben, dann nicht.

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