Von Platz eins auf Platz 453 – wie Serena Williams dafür diskriminiert wird, dass sie Mutter ist

Serena Williams ist, das kann man schon so sagen, eine Superfrau: Die 36-jährige Tennisspielerin gewann bisher 23 Grand-Slam-Turniere im Einzel, 14 im Doppel und zwei im Mixed. Sie hat zweimal alle vier Grand-Slam-Turniere eines Jahres gewonnen – neben Steffi Graf und Margaret Smith Court ist sie bisher die einzige Frau, die das geschafft hat. Williams hat mehrfach olympisches Gold gewonnen und ist mit bedeutenden Sport-Auszeichnungen nur so überschüttet worden. Ihr Sport hat Williams reich gemacht, sie gehört zu den Sportlerinnen mit dem höchsten Einkommen.

Läuft also bei Serena Williams. Läuft sogar sehr gut. Naja, es lief zumindest so lange, bis Williams eine Tochter, Alexis Olympia, bekam und dafür rund 14 Monate aussetzte. Die Geburt war nicht einfach, sie war sogar sehr schwierig: Erst musste das Baby per Notfall-Kaiserschnitt geholt werden, dann gab es Komplikationen nach der Geburt. In Williams Lungen wurden mehrere kleine Blutklumpen gefunden, ein Bluterguss hatte Williams Bauchraum geflutet. Es folgten mehrere Operationen sowie eine sechswöchige Bettruhe. 

Von Platz eins auf Platz 453

Im Februar 2018 kehrte Williams auf den Tennisplatz zurück, ihr letztes großes Turnier, die Australian Open, hatte sie 2017 schwanger gewonnen. Ja, Serena Williams ist eine Superfrau, aber auch Superfrauen sind nicht immun gegen Diskriminierung und Sexismus. Denn weil Williams auf die Teilnahme an den diesjährigen Australian Open im Januar verzichtete, verlor sie die letzten 2000 Punkte im Computerranking der Tennis-Weltrangliste. Bevor Williams ihre mehrmonatige Pause einlegte, stand sie auf Platz eins der Weltrangliste – jetzt wird sie an Platz 453 gelistet. Das bedeutet: Bei den gerade gestarteten French Open in Paris (bei der Williams selbstbewusst im Statement-Catsuit den Platz betrat) wurde sie nicht in die sogenannte Setzliste der 32 besten Spielerinnen aufgenommen und kann somit in der ersten Runde jeder möglichen Gegnerin gegenüberstehen, inklusive den aktuellen Top-Spielerinnen.

Kriegst du ein Kind, bist du erstmal raus – auch im Profisport. Statt Williams an der Stelle des Rankings zu setzen, die sie vor ihrer Pause innehatte, entschied man sich bei den French Open dafür, den Ranking-Regeln des Tennis-Weltverbands WTA zu folgen. Das ist nicht nur unfair, es ist vor allem sexistisch. Denn auch Tennisspielerinnen werden schwanger und bekommen Kinder, aber bisher gibt es keine Regelung, die die Sportlerinnen sowie deren Ranking während einer Babypause schützt. Wer wie Serena Williams ein Kind bekommt, eine Zeit lang aussetzt und dann auf den Tennisplatz zurückkehrt, muss sich mühsam wieder nach vorne arbeiten. Das findet auch die derzeitige Nummer eins der Weltrangliste der Frauen, die Rumänin Simona Halep, lächerlich: „Es ist normal, ein Kind zur Welt zu bringen. Es ist normal, ein geschütztes Ranking zu haben… Meiner Meinung nach ist es gut, das Ranking zu schützen, wenn jemand entbindet.“ Eine Petition mit dem Titel „Serena Williams is punished for having a baby“ fordert derweil die Organisator*innen der French Open auf, ihr System den „Spieler*innen und ihren Lebensentscheidungen“ anzupassen.

Unfair, sexistisch, diskriminierend

In der Vergangenheit mussten bereits Top-Spielerinnen wie die Belgierin Kim Clijsters oder die Weißrussin Victoria Azarenka nach der Geburt ihrer Kinder den Verlust ihres Rankings hinnehmen. Clijsters schaffte es 2009 sogar, als ungesetzte Spielerin nach der Babypause die US Open zu gewinnen. Weder bei Clijsters, noch bei Azarenka gab es damals große Aufregung über das unfaire System, Petitionen und mediale Empörung. Die jetzige Aufregung um Serena Williams ist deshalb vielleicht etwas scheinheilig, etwas aufgeblasen – was aber nichts daran ändert, dass das Ranking-System der WTA und der damit verbundene Umgang mit Müttern unfair, sexistisch und diskriminierend ist.

Das hat die WTA mittlerweile aber wohl auch eingesehen. Derzeit diskutiert sie darüber, Top-Tennisspielerinnen bei der Rückkehr aus der Baby-Pause in die Setzliste aufzunehmen. Dieses Jahr allerdings wird sich wohl noch nichts ändern, eine eventuelle Neuregelung könnte erst 2019 in Kraft treten. Dass sie in Kraft tritt, ist unumgänglich: Auch Top-Sportlerinnen werden schwanger und bekommen Kinder. Sie haben das Recht, diese Entscheidung zu treffen und sie sollten ebenso das Recht haben, dafür nicht bestraft zu werden. So wie Mütter in anderen Berufen auch.

26 Kommentare

  1. Judith

    Ich finde es schwierig von einer „Superfrau“ zu sprechen, einfach aus dem Grund heraus, dass man ja auch niemals einen Mann als Supermann oder Powermann beschreiben würde, einfach weil es selbstverständlich ist das Männer erfolgreich sind. Ich finde damit wird der Erfolg von Frauen sprachlich wie beinah überrascht von dem Erfolg von Männern abgegrenzt. 🙂

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  2. Lea

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Artikel höchstproblematisch finde. Das was Serena Williams widerfahren ist, würde auch jeder verletzten und jedem verletzen Spieler widerfahren. Genauso würde es all denjenigen Tennisspielern widerfahren, die aufgrund von Krankheit, familiärer Belastung, Trauer, Geschlechtsumwandlung und am Ende sogar einer Flugverspätung, an einem Turnier nicht teilnehmen können. Die Liste könnte man noch ewig weiterführen. Es ist nun mal eine Regel, dass wer an einem Turnier nicht teilnimmt, aus welchem Grund auch immer, hierfür keine Punkte bekommt und damit in der Weltrangliste nach hinten rückt. Das tolle an dieser Regel. Sie gilt für ALLE. Männer, Frauen, Transsexuelle, Sympathische und Unsympathische. Hier insofern von Diskriminierung zu sprechen ist daher schon recht problematisch. Aber das Wort Sexismus zu benutzen ist schlichtweg falsch. Sie wird nicht aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Sie verliert Punkte aufgrund einer Regel, die Geltung für alle Tennisspieler entfaltet.
    Was soll man darüberhinaus eigentlich den Frauen sagen die die ganze Zeit über spielen, Punkte gewinnen und am Ende im Ranking aber doch nicht so aufrücken können wie, weil Serena Williams nicht spielt aber ihr Ranking behalten kann oder dafür jemand aus der Setzliste rausfliegt. Klingt schon fast danach als wollte man Frauen die nicht schwanger sind dann diskriminieren, weil sie dann schlechtere Chancen haben. Achja und wieso soll es eigentlich keine Sonderregelung für andere Abwesenheitsgründe geben. Ist das nicht schon Diskriminierung gegenüber den männlichen Tennisspielern, weil diese biologisch bedingt nicht schwanger werden können. Ausnahme nur für Schwangere? Alles in allem muss ich sagen, dass ich es wirklich bedauerlich finde wie schnell Wörter wie Diskriminierung und Sexismus benutzt werden, ohne dass die Autorin ihre sprachliche Bedeutung zu kennen scheint. Es ist wichtig, solche Ausdrücke auch nur dann zu verwenden, wenn es Situation gibt bei denen sie passen. Sonst werden genau diese Situationen entwertet. Wenn alles Sexismsus, Diskriminierung oder Rassismus ist, ist es am Ende letztlich gar nichts mehr.

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    1. Nike Jane

      Liebe Lea. Wenn du eine Schwangerschaft mit „Krankheit, familiärer Belastung oder Trauer“ gleichsetzen möchtest, dann stimmen deine Argumente natürlich. Ich bezweifle nur, dass das richtig wäre. Vielleicht denkst du ja noch einmal drüber nach. Ganz viele Grüße!

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      1. Petra

        Hallo,
        möchte mich den Gedanken von Lea anschliessen.

        Kommerzieller Sport ist ein knallhartes Business … immer aktiv Hochleistung erbringen gehört dazu. Es ist immer Wettkampf und danach kommt das Resultat. Ich glaube, auch Serena Williams war dieses sicherlich bewusst bei ihrem Karrierestart. Superfrau … schwanger ein Turnier gewinnen? Sie hat viel erreicht und gezeigt das man weit kommen kann, Inspiration pur. Aber schwanger extreme Leistungen erbringen, dieses sieht man auch oft im Alltag (und leider, oftmals unter nicht sehr schönen Umständen oder mit Ängsten). Wenn Serena Williams ihr Recht bekommt, ist es dann auch automatisch gültig für die schwangere Küchenhilfe in einer Großküche … ?
        Ich finde es wichtig, daß weiterhin die Gleichberechtigung für Frauen vorangetrieben werden muss (bei Löhnen, soziale Punkte, Kita etc.) und dieses „eingeschlafene Problem“ wieder diskutiert und behandelt wird!
        Aber Gleichberechtigung hat für mich auch viel mehr Komplexität heutzutage. Der erste Schritt der „BH-Verbrennung“ wurde getan … nun sind wir im heute und müssen für uns das Thema angreifen. Gleichberechtigung ist für mich „Gleiches Recht Für Alle“, bzw. Chancengleichheit. Egal welches Geschlecht, Herkunft, sozialer oder familiären Stand, Behinderungen … und nicht zu vergessen das Alter.
        Es gibt noch viel zu tun für/bei uns und die sportliche Situation von Serena Williams ist für mich nicht unbedingt gleichzusetzen mit den Situationen der Frauen im „normalen Leben“. Wenn wir gleichberechtigt seien wollen, dürfen wir nicht andere ausklammern, z.B. kinderlose Frauen im Fall von SW … dann stimmt es wieder nicht ganz mit der Chancengleichheit.
        Aber dieses ist eine persönliche Einstellung. Wichtig ist nur, dass wir immer den Finger darauf halten, wo auch eine Wunde ist.

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        1. Carolin

          Sehe ich ähnlich. Serena Williams fängt in dem Sinne auch nicht wieder bei 0 an, da sie natürlich weiterhin Bekanntheit, Sponsoren (= Geld) hat. Statt eine Petition für eine Millionärin zu starten, sollte man vielleicht wirklich eher die prekäre Mutterschutz-/Elternzeit-Regelung selbst in westlichen Ländern wie den USA hinterfragen.

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          1. Geraldine

            Das ist dich aber auch bescheuert. Nur weil jemand reicht ist, heißt das ja nicht, dass man sich nicht einsetzen sollte. Auch hinter dem Hintergrund, dass so eine medienträchtige Geschichte wie diese mit Serena für Aufmerksamkeit sorgt, auch im Kleinen. Das ist in etwa so zweifelhaft wie die Aussage: Hier geht es uns doch super, also wieso für Frauenrechte in so einem privilegierten Land aufstehen?! Privilegiert? Klar. Gleichberechtigt? Nein. Und das gilt für Serena genau wie für die Mama ums Eck.

          2. Carolin

            Oh doch, liebe Geraldine. Ich finde, dass jemand, der arm oder in anderen Dingen benachteiligt ist und keine Stimme hat, weil er nicht im bekannt ist oder im Fokus der Öffentlichkeit steht, definitiv mehr unsere Aufmerksamkeit und Einsatz benötigt als Serena. Meinetwegen kann es die Petition für sie geben, aber trotzdem ist es wichtig im Diskurs darauf hinzuweisen, dass man andere, dringlichere Probleme (und die gibt es!) nicht außer Acht lassen sollte. Ich bitte dich, meine Meinung – mit der ich ja auch augenscheinlich nicht alleine dastehe – zu respektieren und sie nicht als „bescheuert“ abzutun.

    2. Suzie

      Ich finde Lea´s Ausführung und Bedenken gar nicht so falsch. Und ich kann hier im Zusammenhang mit Serena Williams wirklich kein Mitleid aufbringen.
      Und dieses „denk mal drüber nach“ abkanzeln, als wäre Lea ein Kleinkind, sehr fragwürdig.

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      1. Nike Jane

        Liebe Suzie, ich habe auf eine sachliche Kritik geantwortet und ebenfalls ein bisschen Kritik geäußert. Ich meine „Vielleicht denkst du ja noch einmal drüber nach“ genau so wie ich es schreibe. Nicht böse, nicht abkanzelnd. Wenn du das so verstanden hast, tut es mir leid. Ich bin nämlich wirklich interessiert an euren Meinungen, vor allem, wenn sie so weit auseinander gehen. Was meinst denn du? Ist es ok, etwa Krankheiten mit einer Schwangerschaft gleichzusetzen? Ich denke, es geht Julia darum, dass „Profisportlerin“ ein Beruf ist. Und in anderen Berufen sollte man auch nicht wieder „von vorn anfangen müssen“, sondern schlicht „weitermachen“ dürfen, meine ich. Oder?

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        1. Lea

          Ich habe keine Gleichsetzung betrieben, sondern lediglich Situationen miteinander verglichen. Das ist bereits sprachlich ein entscheidender Unterschied. Wie schade, dass ich darauf wieder einmal hinweisen muss. Ich muss sagen, dass deine Antwort leider noch problematischer ist. Was willst du denn damit sagen, dass man eine Ausfallsituation nicht miteinander vergleichen darf. Soll das etwa heißen, dass Menschen die unter Krankheit oder Trauer leiden etwa weniger schützenswerte sind. Ich würde sagen, wenn wir so argumentieren, dann ja wohl noch eher diese, da dies niemals auf einer freiwilligen Entscheidung beruht. Aber auf solche eine Argumentation möchte ich mich nicht einlassen, da diese tatsächlich diskriminierend werden könnte. Ich finde es entlarvend, dass keine entkräftenden Argumente gebracht werden, sondern wie häufig eine bewusste Fehldeutung meiner Äußerung vorgenommen wird um meinen Standpunkt moralisch zu entwerten. Achja und dieses oberlehrerhafte “ vielleicht denkst du darüber nochmal nach“ passt dann nur zu gut ins Bild. Eine moralische Überzeugung kann niemals den Diskurs allein bestimmen.

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          1. Nike Jane

            Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es mir schwer fällt, mit Menschen zu diskutieren, die aufgrund von Eitelkeiten oder fehl gedeuteten Aussagen der Empörung nahe sind, obwohl die Senderin bereits erklärt hat, dass es sich nicht um einen Angriff handelte. Wer kein „Denk noch einmal drüber nach“ verträgt, der kann ja nun auch nicht offen für Denkanstöße bleiben. Wo also führt ein solches „Gespräch“ hin? In eine Sackgasse. Ich versuche es dennoch: Kranke Menschen werden in sämtlichen Berufen auch geschützt, sollten sie jedenfalls, dafür gibt es das Arbeitsrecht. Es geht hier doch nicht darum zu sagen, dass jemand, der etwa an einer Depression leidet, ins gesellschaftliche Aus gekegelt gehört. Auch nicht im Profisport! Genau das bestärkt doch sogar die Annahme, dass gewisse Regeln neu gedacht werden müssen. Und: Situationen miteinander zu vergleichen, bedeutet doch, dass dabei am Ende entweder eine Gleichheit oder eine Ungleichheit erkannt wird, oder? Halten wir die Situationen also für „irgendwie gleich“ gilt meiner Meinung nach das gerade Gesagte. Es ist natürlich kompliziert. Ich neige aber dazu, einen verspäteten Flug tatsächlich nicht gelten zu lassen in diesem „Vergleich“, der ja nicht gleichsetzen soll. Was soll er dann? Ein letzter Versuch: Erkläre es mir, bitte.

  3. Sofia

    Ich bin jetzt ehrlich gesagt entrüstet beim Lesen der Kommentare von Lea. Lea, du drückst dich doch sehr klug aus, dann handle doch auch so und gib in einer wichtigen Situation nicht die Beleidigte. Auch das ist nicht böse gemeint, schwächt nur jedes Argument. Ich verstehe deinen Kommentar auf den ersten Blick, aber ich muss auch sagen, dass es gut wäre, nochmal darüber nachzudenken. Eine Schwangerschaft mit Schicksalsschlägen zu vergleichen kann eigentlich nur von einem Mann kommen oder von einer Frau, die sich nicht über den Sexismus in unserer Gesellschaft bewusst ist.

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  4. Maya

    Gerade bei schriftlich geführten Diskursen spielt Sprache eine immanente Rolle. Ein Raum für beidseitige Fehlinterpretationen streite ich dieser Grundsatzdiskussion nicht ab und auch möchte ich nicht, dass diese Diskussion von diesem Tenor dominiert wird. Sodass schlussendlich ein „aufeinander rumhacken“ im Gedächtnis der LeserInnen bleibt. Aber wie ich eingangs schon geschrieben habe, Worte haben eine große Auslegungsmacht und können nicht immer eine Deutungshoheit für sich beanspruchen. Denn lese ich genau, erkenne ich, dass auch Nike sich diesem Bemächtigungsinstrument bedient, welches Sie verurteilt und wiederum der Kommentatorin („[…] Eitelkeit oder aufgrund fehlgedeuteten Aussagen Empörung […]“) unterstellt. Daher wäre es um einer sinnstiftenden Korrespondenz willen erträglicher, sachlich zu formulieren, um Perspektiven aufzubrechen und zu erweitern.

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  5. Maya

    Und noch zu dem Punkt des Vergleichens verschiedener Situationen. Wir sehen hier wieder ein strukturelles Problem, den Feminismus betreffend. Es ist sehr schwer, die im Artikel genannten Szenarien einander gegenüberzustellen, da das Ranking System versucht, ein übergreifendes Regularium zu formulieren. So interpretiere ich das zumindest. Eine Schwangerschaft ist keine Schwachstelle, die man lapidar mit einem Krankheitsfall vergleichen kann und auch nicht umgekehrt. Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Ereignisse, die aus unterschiedlichen Kontexten resultieren. So auch, dass keine Schwangerschaft der anderen, wie auch keine Krankheit der anderen gleicht. Was ich sagen will und da bin ich bei Karen Offen; Wir müssen versuchen als Gesellschaft, sowohl individual- als auch beziehungsfeministische Modelle zu einem ganzheitlichen Modell weiterzuentwickeln, um auch wirklich allen Menschen, in ihrer Einzigartigkeit, gerecht zu werden. Und diese Einzigartigkeit wird von gesellschaftlichen Strukturen, Institutionen und Systemen, wie der Sprache, einfach noch nicht ansatzweise hinreichend gelebt, wie Judith Butler schon in den 90er Jahren kritisierte.

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  6. Geraldine

    Seie ich auch so. Aber das ist ja, was Nike Am Ende sagt, oder nicht? Ich musste jedenfalls auch schlucken, dass man nicht mehr sagen darf „denk doch nochmal drüber nach.“ Häh? Es ist schon sehr eitel, sich da angegriffen zu fühlen. Vor allem, wenn man so eine steile These in den Raum wirft, Schwangerschaften seien irgendwie vergleichbar mit Tragödien…

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  7. Maya

    Ich glaube, Lea vergleicht die Situationen nicht miteinander, sondern welchen Handlungsspielraum die WTA mannigfaltigen Ereignissen im Leben zuspricht. Da besteht meiner Meinung nach eine feine Differenz, die mit genauer Untersuchung der sprachlichen Formulierung zu Tage tritt. Bei dieser Art der Korrespondenz muss man auch gerade deshalb so „genau“ sein, um solche Missverständnisse auszuräumen, fernab jedem Interpretationsspielraums, a la: „Wer kein ‚Denk noch einmal drüber nach‘ verträgt, der kann ja nun auch nicht offen für Denkanstöße bleiben. “
    Denn die von Nike angesprochene Sackgasse reproduziert sie in diesem Moment selbst, auch wenn Sie anschließend nach einem Konsens sucht.
    Gerade deshalb ist in solchen Settings beidseitige Sachlichkeit so bedeutend, um nicht in eine persönlich motivierte Rechtfertigungskultur abzudriften.

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  8. Lea

    Ich schließe mich dem an was viele vor mir schon über die Auseinandersetzung geschrieben haben. Ich würde doch noch einmal gerne feststellen, dass ich nicht beleidigt bin. Ich fände es daher schön, mir daher vermeintlichen Gefühle nicht diktieren lassen zu müssen. Was ich fühle bleibt letztlich meine Entscheidung. Ein „denk nochmal darüber nach“ vertrage ich sogar sehr gut. Nur eher schlecht, wenn vorher meine Aussage wie bereits erwähnt und von anderen erkannt ganz bewusst fehlgedeutet wird und eine sachliche Diskussion damit verhindert. Es stimmt ich habe die beschriebene Zustände miteinander vergleichen. Das war sogar meine Intention. Allerdings nur aus einem Grund. Alle Situation bedingen eine fehlende Leistungsfähigkeit und damit eine fehlende Teilnahme an Turnieren. Nichts anderes habe ich geschrieben. Ich wollte ausschließlich darauf hinweisen, dass der Begriff von Sexismus und Diskriminierung bzgl. Serena Williams hier verfehlt und all denjenigen Bestrebung, die sich gegen Diskriminierung und Sexismus einsetzen abträglich ist. Natürlich ist es eine Diskussion Wert, dass in unserer Leistungsgesellschaft (trotzdem kann auch dies im Leistungssport anders sein) Menschen, die diese Leistung aus eben genannten Gründen nicht erbringen können tatsächlich eine nicht zu rechtfertigende Benachteiligung erfahren. Letztlich erfährt diese auch Serena Williams. Nur erfährt Serena Williams diese bestimmt nicht, weil sie eine Frau und schwanger ist, sondern weil sie nicht leistungsfähig ist.

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  9. Maya

    Und diese Leistungsfähigkeit, die Lea anspricht, äußert sich in diversesten Kontexten, sei es in Form von sexistischer, ethnischer, religiöser, physischer oder welcher gearteten Diskriminierung auch immer. Eben ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft, von dem sowohl Männer (denen ebenso eine Lobby fehlt) als auch Frauen betroffen sind. Damit soll keine Form der Diskriminierung heruntergewürdigt werden, vielmehr geht es um Parallelen, die vertikal wirken. Parallelen, die Frauen & Männer betreffen. Das Feminismus als bedrohliche Bewegung wahrgenommen wird, schwächt die Position der VerfechterInnen, weshalb die Gesellschaft sich intensivst damit auseinandersetzen sollte, anstelle Meinungen über medial ausgeschlachtete Diskurse, die sich gut verkaufen, weil sie eben doch ins klassische patriarchale Rollenbild passen, wie die #metoo-Bewegung, zu reproduzieren. Ich denke, mit einem solchen realistischem Ansatzpunkt lassen sich hierarchische Machtverhältnisse am ehesten umstrukturieren.

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  10. Rebecca

    hmmm also ich versteh das nicht so ganz. es gibt doch nichts faireres und demokratischeres, als die weltrangliste. ich spiele gut, ich krieg punkte. ich spiele nicht oder ich verliere, ich krieg keine. der grund ist doch erst mal völlig schnuppe: ganz egal, ob ich für ein paar jahre einfach keine lust habe, was besseres zu tun habe, schwanger werde, 5 jahre im himalaya einen yoga-kurs belege, ist doch völlig wurscht (muss ja auch nicht immer einen tragischen hintergrund haben). wo ist das problem?

    dass serena williams wegen ihres körpers ständig angegangen wird (von wegen so sieht keine frau aus), das finde ich viel problematischer.
    und auch dass sie so gepriesen wird, dass sie in den ersten wochen ihrer schwangerschaft noch ein grand slam gewonnen hat. das spielt viel mehr in das vorurteil, frauen sind nicht belastbar, etc in der schwangerschaft.

    aber, dass sie durch die schwangerschaft nach unten rutscht, weil sie in der zeit nicht gespielt hat, und deswegen frauen, die in ihrer pause an den turnieren teilgenommen haben, sich nach oben arbeiten konnten, empfinde ich jetzt nicht als problem.

    aber ich denke da auch gerne noch mal drüber nach 😉

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  11. Michelle

    Ist es nicht auch hier in Deutschland so, dass eine arbeitende Person nach der Elternzeit zwar einen Rechtsanspruch auf Weiterbeschäftigung, nicht aber auf den gleichen Arbeitsplatz hat?
    Bin ich also vor der Elternzeit leitende Person einer Abteilung x, dann heißt das nicht, dass ich das auch danach wieder sein werde – ich kann auch für weniger Gehalt eine andere Tätigkeit angeboten bekommen. Es gibt also letztlich keine Arbeisplatzsicherheit für Personen in Elternzeit.
    Wenn man sich also die Situation von Serena Williams anschaut, dann ist diese mit der in Deutschland für alle arbeitenden Personen (Mütter und Väter) zu vergleichen. Wir müssen also gar nicht in den Profisport schauen, um diese Ungerechtigkeit vorzufinden.
    Und ich wollte hier jetzt gar nicht gewichten, sondern nur darauf aufmerksam machen.

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    1. Luzie

      Hm, man hat, so weit ich weiß, Anspruch auf eine „gleichwertige“ Weiterbeschäftigung. Also sollte man auf leitender Position gearbeitet haben, dann kann man vielleicht an anderer Stelle im Unternehmen, aber nicht für weniger Gehalt auf schlechterer Position wieder weiterarbeiten. Allerdings muss man das auch erstmal durchsetzen, wenn sich der Arbeitgeber nicht daran hält…

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  12. Amelie

    Ich kann viele der vorangegangenen Argumentationen verstehen. Für mich geht es im Grunde aber darum, dass man heutzutage als Frau was den Beruf oder die Karriere angeht, immer noch viel zu hohe Abstriche machen muss, weil man sich für ein Kind entscheidet. Und das zieht sich durch fast alle Berufsfelder. Ob es sich hier um eine Spitzentenissspielerin oder um eine Erzieherin handelt, ist doch völlig egal. Ich finde es positiv, dass auf diesen Missstand durch jemanden der nun einmal in den Medien steht, aufmerksam gemacht wird. Kein männlicher Tennisspieler steht vor diesem Problem. Das macht für mich die Ungerechtigkeit an der Thematik aus. Ich erlebe in meinem Umfeld ständig, dass Frauen Jahre lang harte Arbeit in ihre berufliche Entwicklung gesteckt haben, um dann wieder von Null anfangen zu müssen, nachdem sie sich für ein Kind entschieden haben. Nur wenige Männer sehen sich da in der gleichwertigen Verantwortung oder nehmen Abstriche in ihrer beruflichen Entwicklung in Kauf. Ich hoffe ganz stark, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändert.

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  13. Amelie

    Noch ein Denkanstoß dazu: Roger Federer wurde 2009 zum ersten Mal Vater von Zwillingen und hat im selben Jahr, wenn ich mich richtig erinnere sogar in der selben Woche die French Open gewonnen und kurz danach Wimbledon.

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  14. Vivi

    Ich finde den Artikel ebenfalls etwas problematisch. Der einzige Nachteil aus dem Verlust der Weltranglistenpunkte dürfte die Tatsache sein, dass sie eventuell in der ersten Runde gleich gegen topgesetzte Spielerinnen antreten müsste. Da sehe ich ganz klar den Fehler bei den OrganisatorInnen der French Open, die dafür hätten sorgen müssen, dass Serena Williams ebenfalls gesetzt wird.
    (Auf der anderen Seite: Was ist mit den Spielerinnen, die sich die letzten Monate Punkte erkämpft haben und deshalb gesetzt wurden? Wäre es fair, wenn diese in der ersten Runde gegen andere Topspielerinnen spielen müssten?)

    Dass es bezüglich der Setzliste in der Zukunft eine einheitliche Regelung geben soll, finde ich gut. Ein Überwälzen auf die Weltrangliste (S.W. behält ihre Punkte bei der Schwangerschaft) fände ich eher weniger gut, da das dazu führen würde, dass anderen Spielerinnen geringere Chancen auf eine richtig gute Platzierung haben.

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