AfroTreats // Wir haben 4 Frauen nach ihren „Natural Hair Habits“ gefragt

19.06.2018 Beauty

Um ganz ehrlich sein, und das war ich in dieser Rubrik ja schon häufiger, hatte ich offenbar lange absolut keine Ahnung von diesem gigantischen Afro-Kosmos. Es ist mir bis heute schleierhaft, warum meine Haare mal mehr, mal weniger funktionieren, wie ich es hinbekomme, dass mein Haarschutz über Nacht auf meinem Kopf bleibt und warum meine Haare einfach nicht mehr wachsen wollen. Was wäre ich ohne die Community? Instagram, Youtube & Co. ebneten mir den Weg hin zu ein bisschen Verständnis für die krause Locke – aber vor allem wurden all diese Kanäle auch zur großen Inspiration. Was ist möglich? Was ist neu? Was sieht todschick aus? Nicht nur auf Trendwatch ausgelegt, sondern aus vollem Interesse und Wohlwollen heraus, bestehen meine Social Media Kanäle inzwischen zu 50% aus Content von jungen schwarzen Frauen und deren Lebenswelt. Warum ich das so explizit erwähne? Weil es für mich lange keine Selbstverständlichkeit war, ich selbst Inklusion erst lernen musste und es somit unheimlich genieße, Menschen zu sehen, die nicht nur meine Probleme oder gelegentlich auch meinen Weltschmerz teilen, sondern die auch Frisuren tragen, von denen ich mich wirklich und wahrhaftig inspirieren lassen kann. Solche, die auch mit meinem Haar umzusetzen sind, oder eben Pflegetipps, die mich vom Hocker hauen. Ich habe also mal wieder das getan, was ich immer tue: Andere Frauen gefragt, wie sie es eigentlich mit ihren Haaren halten. Vier waren es an der Zahl. Und die haben ganz schön ausgepackt:

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem Haar?

Meine Haare und ich, das ist eine Story für sich. Ich liebe meine Haare. Und trotzdem hat sich aus den Bedürfnissen meiner Haare ein sehr intensiver Umgang mit ihnen entwickelt, der meinen Alltag prägt. Wash Days sind teilweise ein richtiges Wellness-Erlebnis für mich. Gott sei Dank habe ich den Dreh nach vielen Jahren “Übung” raus, merke aber auch, dass ich mit Ungenauigkeit oder Nachlässigkeit nicht davon komme – meine Afrolocken fordern eben viel Liebe und Hingabe. Aber die gebe ich ihnen heute, im Gegensatz zu meinen Kindheitsjahren, einfach gerne. Ich hab Spaß an meinen Haaren. Den ein oder anderen Frust-Moment eingerechnet.

 

Wer oder was hat den Umgang mit deinem „Natural Hair“ geprägt?

Wer? Als erstes natürlich meine Mutter. Sie hat mir und meinen Schwestern immer die Haare gemacht und sagte uns immer, dass sie unsere Haare liebt und sie wunderschön sind – auch wenn uns andere Kinder und Erwachsene meistens das Gefühl gaben, unsere “Krause” sei mehr Naturkatastrophe als Haar. Sie kam gut klar, dafür dass sie von null auf alles lernen musste. Aber durch’s stundenlange Kämmen und den manchmal erfolglosen Kampf gegen Knoten und Frizz, ist eine recht negative Assoziation mit meinen Haaren entstanden. Deshalb hat sich ein eher rabiater Umgang mit ihnen entwickelt – ich habe meine Haare geglättet, relaxed, ausgedünnt,

an ihnen gerissen und gerupft, sie versteckt und sie lieber einen ganzen Tag lang mit Kopfschmerzen im Afroshop flechten lassen, als sie offen zu zeigen. In meiner Familie väterlicherseits trugen die meisten Frauen Wigs, Relaxer oder Cornrows. Deshalb fand ich dort auch nicht wirklich die Tipps, die ich für meinen Lockentyp brauchte. Zu meinem positiven Umgang bin ich durch Instagram und YouTube gekommen! Ich fand damals Natural Hair Bloggerinnen aus New York, die mir endlich zeigten, wie ich meine Haare pflegen und stylen kann. Ich war süchtig nach Curly Hair Tutorials und endlich glücklich mit meinen Haaren. Plötzlich fielen mir auf der Straße auch mehr und mehr Mädels und Frauen mit wunderschönem Afrohaar auf und ich hatte ein ganz neues Gefühl der Zugehörigkeit.. und mit der Zeit auch einen viel liebevolleren Umgang mit meinen Haaren.. und mir selbst.

Wann gehen sie dir am meisten auf die Nerven?

Wenn es schwül oder regnerisch draußen ist und ich sie gerade erst frisch gewaschen und gestylt habe. Sie werden super frizzy und verknoten, wenn ich sie nicht sofort zu mache oder wieder neu wasche. Weiter offen tragen ist dann nicht. Dann muss ein geplantes Shooting mit offenen Haaren dann auch schon Mal platzen oder komplett umdisponiert werden. Das nervt im ersten Moment, lässt mich aber flexibler und einfallsreicher sein.

Welches Produkt hat deine Haarroutine revolutioniert?

Hand auf’s Herz: Mein selbstgemachter Leave-In Conditioner (Leinsamen-Gel mit natürlichen Ölen). Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Haare damit so schnell auf’s nächste Level an Gesundheit katapultieren kann. Oder besser gesagt: Ich wusste gar nicht, dass meine Haare so gut aussehen können. Sie wachsen seitdem endlich über ihre Bruchlänge hinaus. Das Leinsamen-Gel koche ich mir alle paar Monate in großen Mengen, friere es ein und taue mir dann vor jedem Wash n Go ein wenig auf. Nach dem Waschen und Kuren verteile ich es dann super gründlich Strähne für Strähne vom Ansatz bis in die Spitzen, lasse meine Haare ungestört lufttrocknen und hole mir dann am nächsten Tag mit einem Afropick mein Volumen zurück.

„Natural Hair“ in Deutschland – was müssen wir noch lernen?

Wie müssen erstmal alles, was wir glauben über Haarpflege zu wissen, verlernen. Denn was uns beigebracht wurde, stammt zum einen von irreführender Werbung und zum anderen von einer Gesellschaft, in der Afrohaar als “normales Haar” gar nicht wirklich anerkannt wurde oder wird. In den Regalen fehlen Produkte für unsere Haar-Bedürfnisse und in Magazinen dreht sich alles um die Pflege von glatten Haaren (bzw. Haartypen, die nicht Natural Hair sind). “Haselnuss-große Menge an Spülung auftragen”? Ähm, Ich mach’ dann Mal die halbe Flasche leer! Von Nuancen bei Pflegetipps für Afrohaare konnten wir nur träumen – wir tragen ja nicht alle automatisch den Afro Look der 70s (so wie es die Karnevals-Perücken für das tolle “Afrikaner-Kostüm” demonstrieren). Nochmal: Gott sei Dank für Plattformen wie YouTube oder Instagram. Wir haben einiges nachzuholen. Schaut man nach Amerika, kann man von einem regelrechten Natural Hair Movement sprechen. 

 

 

 

Einfach inspirierend! Und selbst dort drüben gibt es gesellschaftlich noch viel Fortschritt, der passieren muss. Deshalb werden Unterhaltungen über unsere Haare nie alt. Genauso wenig wie die Präsenz von Frauen und Männern, die sich für uns stark machen. Uns repräsentieren. Uns zu Wort kommen lassen. Ich wünsche mir ein neues Selbstbewusstsein für alle mit Natural Hair. Und dass wir eines Tages zu jedem Friseur gehen können und tatsächlich zufrieden aus dem Laden rausgehen – ohne hundert Euro extra zahlen zu müssen versteht sich. Vielmehr wünsche ich mir, Natural Hair nicht nur auf Plakaten und in Werbungen zu sehen, wenn etwas “grooviges”, “happy afro-mäßiges” oder erotisches verkauft werden soll. Oder weil der “urbane Look” gerade in ist. Wir müssen uns lieben lernen und uns trauen, die schwierigen Gespräche zu führen. Mit ehrlichen Dialogen und offenen Ohren und Herzen am anderen Ende sind wir auf dem besten Weg dahin. Am Ende des Tages ist es eine ermächtigende und heilsame Erfahrung, die wir genießen und zelebrieren können.

Alice aus Hamburg

Journalistin und Co-Produzentin des Podcasts Feuer & Brot (ITunes, Soundcloud, Spottify)

@feuerundbrot

„Natural Hair“ in Deutschland – was müssen wir noch lernen?

Im Vergleich mit meinen Erfahrungen, die ich 2005 in den USA gemacht habe, habe ich nicht das Gefühl, dass wir in Deutschland in erster Linie ein „Natural Hair Movement“ brauchen. Damals in Philadelphia wurde ich richtig schräg angeschaut, weil meine Haare nicht geglättet waren. Mir wurde gesagt, ich sei mutig, dass ich zu meinen natürlichen Haaren stehen würde. Solche Dinge habe ich in Deutschland nicht erlebt. Abgesehen davon, dass manche Schulen und Unternehmen in den USA  bis heute „Natural Hair Styles“ Schwarzer Menschen verbieten.
In Deutschland sehe ich ein anderes Problem. Hierzulande sollte so etwas wie Schwarze Deutsche Identität überhaupt erst einmal anerkannt werden. Dazu gehört auch die Anerkennung von Afrohaaren als etwas Normales – was nicht witzig, exotisch oder zum Anfassen ist.
Wenn Afrodeutsche ihre Haare nicht mögen, dann oftmals, weil sie niemanden in ihrem Umfeld haben, der so aussieht wie sie. Und sie wollen nicht auffallen, sondern reinpassen. Hier überschneiden sich auch USA und Deutschland. Denn viele Vorbilder für Schwarze Menschen kommen aus den USA. Wenn diese Menschen alle glatte Haare haben, dann macht das auch etwas mit einem. Und wenn man dann noch in Drogeriemärkten keine Produkte für die eigenen Haare findet, kann das sich das Gefühl verstärken, die eigenen Haare seien nicht normal. Ich glaube allerdings, dass es besser wird. Vor allem durch das Internet. Gerade im Netz findet man mittlerweile viele gute Tipps. Entweder auf Blogs (z.B. krauselocke.de) oder bei Youtube. Dank Onlineshopping kann man Produkte für Afrohaar in jedes deutsche Dorf bestellen.

Wie Trägst du dein Haar am liebsten?

Ich kann mit meinen Haaren eine Menge machen (wenn man einmal weiß, wie und was). Und gerade das mag ich so an ihnen. Am häufigsten trage ich sie einfach offen, nach einem „Wash and Go“. Oder ich habe sie teils oder ganz mit einem Haargummi aus meinem Gesicht geschafft (das, was dabei raus kommt, kann man meist nur schwer als Frisur bezeichnen). Und sonst schaue ich jeden Tag, wie meine Haare aussehen und was ich am besten mit ihnen machen kann. Wer Locken hat, sollte in der Hinsicht flexibel sein. Als Protective Style flechte ich sie auch gerne in zwei Braids, die ich in oft hinten wegstecke. Twists mag ich auch gerne. Ich würde gerne noch viel mehr machen. Zum einen fehlt mir jedoch die Zeit und zum anderen die Muße – aber auch der Mut. In einem weißen Umfeld fühlen sich manche Hairstyles an, wie krasse Fashion-Statements. Würde ich mit langen Braids oder einem Hairwrap zur Arbeit kommen, würde das erstmal auffallen (im Privaten wahrscheinlich auch, wenn ich so drüber nachdenke). Die Vorstellung ist mir unangenehm. Obwohl mein Arbeitsumfeld in der Hinsicht recht locker ist. Jeder darf kommen, wie er/sie mag. Es sind eher unausgesprochene Konventionen, an die man sich letztendlich doch anpasst. 

 

„Bad Hair day“ – Warst du schon einmal kurz davor raspelkurz zu gehen und „alles hinzuschmeißen“?

Ich hab’s schon hinter mir – im Sommer 2015. Allerdings nicht aus Frustration darüber, meine Haare nicht in den Griff zu kriegen. Einfach, weil ich mir langweilig vorkam. Ich hatte das Gefühl, meine Haare machten mich brav und lieb – Zuschreibungen von denen ich mich emanzipieren wollte. Außerdem hängt bei so vielen Frauen das Selbstwertgefühl an der Länge ihrer Haare. Das macht sie unglaublich unflexibel und verwundbar. Ich wollte mich daran erinnern, dass Haare das sind, was sie wirklich sind: Nur Haare. Sie können Ausdruck von Identität, Persönlichkeit und Femininität sein. Aber diese Dinge sollten nicht von ihnen abhängig sein. Sich davon zu befreien hat sehr gut getan. Letztendlich habe ich sie auch eher aus Passivität wieder lang wachsen lassen. Seitdem war ich nicht mehr beim Friseur (sollte ich vielleicht mal wieder). Doch gerade freue ich mich auch sehr an meinen langen Haaren. Ich komme mir auch nicht mehr „brav“ vor. Am Ende bestimmen Haare nicht, was oder wer du bist. Egal, ob lang oder kurz.

 

Thema Haare in der Kindheit: Unter was für einem Einfluss standen deine Locken?

Meine Mutter hat ihre Haare immer natürlich getragen. Ich bin die jüngste von drei Schwestern. Ich war also nie allein mit meinen Haaren. Ich glaube, das macht schon einen Unterschied. Ich weiß noch, dass ich als Kind oft gespielt hätte, ich sei eine blonde Prinzessin. Ich glaube, das lag jedoch eher daran, dass ich dachte, Prinzessinnen seien immer blond – nicht, weil ich meine eigenen Haare nicht mochte. Mit vier oder fünf Jahren waren ich meine Haare sehr lang und ich war stolz auf meine Mähne. Meine Mutter hat sie mir oft geflochten, damit sie beim Spielen nicht zu sehr verknoten. Zu ihrem Ärger habe ich sie oft wieder aufgemacht, während ich auf Bäume geklettert und durch Gestrüpp gerannt bin. Ich fand, ich sah aus wie Ronja Räubertochter oder Momo, Heldinnen meiner Kindheit. Ich kann mich allerdings noch an das unerträgliche Ziepen erinnern, wenn meine Mutter mir die Haare kämmte. Oder wie die strengen Zöpfe an meinen Schläfen gezogen haben. Wir hatten auch immer spezielle Haargummis mit zwei schweren Plastikkugeln an beiden Enden. Die sind beim Haare öffnen oft zurückgeschnappt und haben auf die Fingerkuppen geschlagen. Es gibt auch bestimmte Gerüche von damaligen Afroprodukten wie Olive Oil Cream, Indian Hemp, Pink Lotion oder Magical Grow.  Meine Mutter war oft einen ganzen Mittag damit beschäftigt, uns drei Kindern die Haare zu entknoten. Meine älteste Schwester hat mir oft die Haare geflochten, in viele kleine Zöpfe. Auf dem Boden zu sitzen, während eine andere Schwarze Frau dir die Haare macht, ist für mich immer noch ein wichtiger Bestandteil Schwarzer Kultur und Identität.    

Joanna

Fotografin aus Berlin

@joannalegid

www.lalegid.com

Wann geht dir dein Haar am meisten auf die Nerven?

Wenn ich tausend andere Dinge habe, die Priorität haben und keine Zeit habe, sie zu pflegen. Dann ärgere ich mich, dass ich nicht Haare habe, mit denen ich mich einfach so ins Bett legen könnte. In solchen Fällen mache ich mir Boxbraids und lasse sie circa einen Monat dran, so habe ich meine Ruhe.

Träumst du manchmal vom aalglatten Pferdeschwanz?

Nein, tatsächlich nicht. Ich liebe meine Locken. Ich träume dafür aber eher von eine Lockenmähne à la Joy Denalane.

© Stephanie Sian Smith

Deine waghalsigsten Haar-Experimente?

Mit 13 meine Haare blond zu färben und wie Kelis auszusehen. Meine Haare wurden Orange und ich sah eher aus wie Pumukl.

Werden deine Haare oft zum Thema gemacht?

Früher mehr als jetzt. Als ich nach Deutschland zog, hatte ich weiterhin die Gewohnheit, mir jede Woche eine neue Frisur zu machen. Dafür bekam ich am Gymnasium alle Möglichen Spitznamen – Von „Tingeltangeljo“ (Tingeltangelbob) bis hin zu „Kleopatra“. Heute mache ich eher meine Haare zu einem Thema!

Hast du eine „Natural Hair“ Ikone?

Solange Knowles hat eine ähnliche Struktur wie ich, wenn sie keine Weave trägt. Sie ist meine „Natural Hair Ikone“. Als ich sie mit kurzen Haare sah, habe ich keine Angst mehr gehabt, meine auch abzuschneiden.

Welches Produkt hat deine Haarroutine revolutioniert?

Shea Butter und das Shea Moisture „Coconut and Hibiscus Smoothie“ Beides vermische ich und teile abends meine Haare auf, bevor ich sie dann zu 6 dicken Cornrows flechte und ins Bett gehe. Am nächsten Tag mache ich sie auf und voilà!

Thema Haare in der Kindheit: Unter was für einem Einfluss standen deine Locken?

Ich bin in Rwanda geboren und in Burkina Faso aufgewachsen. Meine Mama, die aus Rwanda kommt, hat meine und die Haare meiner Schwester ständig gepflegt. Sie hat uns abends die Haare  gewaschen, dann hat sie die mit einem Faden in Zöpfe geteilt und am nächsten Morgen hat sie die Fäden weggemacht und wir hatten die schönsten Locken. Wenn sie keine Zeit hatte, sich der Pflege unserer beiden Haare zu widmen, hat sie eine Flechterin bezahlt, die uns die kleinsten Braids gemacht hat, die circa 6 Monate lang hielten. Eine Erinnerung aus meiner Kindheit, die festhängt, ist, als ich das erste Mal Boxbraids bekommen habe. Ich war 4 oder 5, saß 10 Stunden in unserem Garten in Rwanda auf der Matte und als ich aufgestanden bin, hatte ich Zöpfe bis zum Po! Ich habe mich so gefreut, aber gleichzeitig ging es mir eine Woche lang schlecht vom Ziehen und vom Gewicht der Braids. Als meine Mutter für 3 Monate weg war und mein verzweifelter deutscher Vater uns dreien (Meine Schwester, meinem Bruder und mir) die gleiche Frisur verpasste. Die von Fresh Prince aus Bel Air. Ich musste so weinen, weil er meine Mähne komplett abrasiert hatte.

 

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„Natural Hair“ in Deutschland – was müssen wir noch lernen?

Einiges. Aber vor allem, auch die Produkte auf den Markt zu bringen, die für Afrohaare nötig sind. Ich lebe jetzt seit 2009 in Berlin und habe bis vor zwei Jahre alle Produkte in Paris oder London gekauft. Als ich bei Rossman zum ersten Mal die Cantu Shea Butter Reihe entdeckte, dachte ich: WOW, endlich. Ich habe ja nur 30 Jahre darauf gewartet. Achja und noch was: Don’t touch my fucking hair. Period.

Mal was wagen oder stets die gleiche Routine und Frisur?

Momentan die gleiche Routine seit 2 Jahren. Ab und zu mache ich mir Boxbraids und schneide mir die Spitzen. Vor kurzem habe ich ausprobiert, meine Haare zusätzlich mit Reiswasser zu waschen. Das habe ich jetzt in meine Routine eingeführt und mache es einmal die Woche.

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem Haar?

Es ist eine Hass / Liebe. Die brauchen so viel Pflege und wachsen so langsam. Aber ich hatte immer mein Natural Hair, bis vor drei Jahren, als ich sie mit 27 zum ersten mal chemisch habe glätten lassen. Ich habe es 6 Monate ausgehalten, um sie dann ganz kurz zu schneiden. Seitdem wachsen sie wieder, allerdings nur sehr langsam.

Ein Go-To Friseur in Berlin den empfehlen kannst?

Ebony & Ivory für Spitzen schneiden, und das am besten bei der Gründerin. Sherina für das Föhnen und Glätten.

 

Rachel aus Hamburg

TV Produzentin

@marlenelast

Was hat den Umgang mit deinem „Natural Hair“ geprägt?

Definitiv das Internet. In meinem Umfeld gab es niemanden, mit dem ich mich über meine 3b Haare  (Anm.d.Red.: „Haartyp“ 3b) hätte austauschen können, also habe ich angefangen, im Internet zu recherchieren. Angefangen hat alles mit amerikanischen YouTube Channeln. Dort habe ich mir unterschiedliche Haarroutinen abgeschaut, Produkte, sowie den „natural hair Fachjargon“ kennengelernt und ehrlich gesagt auch Selbstbewusstsein getankt. Es tut immer gut, andere Frauen zu sehen, die ihre Afro-Haare mit Stolz tragen. Mittlerweile finde ich Inspiration für Frisuren etc. eher auf Instagram.

Ein Go-To Friseur dendu in deiner Stadt empfehlen kannst?

Leider nein, dafür aber einen super Afro-Shop in Hamburg – Grace’s World of Beauty.
Dort gibt es eine riesige Auswahl an internationale Produkten und man wird super nett beraten.

Hast du eine „Natural Hair“ Ikone?

Auf jeden Fall: Nikisha Riley @nikishariley, Sophia Roe @sophia_roe und Anna Akyerè @anna.akyere

https://www.instagram.com/p/BkC18-cnHrm/?taken-by=anna.akyere

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem Haar?

Ich bin in einer hessischen Kleinstadt großgeworden und war in meiner Schule die Einzige mit „natural hair“ – entsprechend war mein Verhältnis zu meinen Haaren. Lange und glatte Haare, die im Wind wehen, waren ein Ideal, was ich lange versucht habe zu erreichen. Es gab eine äußerst fragwürdige Zeit, in der ich nur meinen Pony geglättet und die restlichen Haare in einen winzigen Dutt gequetscht, oder ich meine Mutter bekniet habe, mir in stundenlangen Sessions die Haare glatt zu föhnen. Den Höhepunkt meiner „Ich-brauche-Spaghetti-Haare-Karriere“ habe ich Anfang 20 mit meinem Brazilian Blow Out erreicht. Schon nach zwei Wochen habe ich meine Locken tierisch vermisst. In meiner Studienzeit hat sich das Verhältnis zu meinen Haaren verändert. Nach dem Motto: „New city – new me“ habe ich angefangen, meine Haare offen zu tragen und an meinen Locken gefallen zu finden. Was größtenteils damit zusammenhing, dass ich endlich die richtigen Produkte für meine Afro-Haare gefunden und meinen Haaren Drogerie-Spülungen und Beachwave-Sprays erspart habe.

„Natural Hair“ in Deutschland – was müssen wir noch lernen?

Dass offene Afro-Haare keine Einladung zum Reinfassen sind – auch, wenn es einen brennend heiß interessiert, wie sie sich wohl anfühlen. Generell würde ich mich freuen, wenn Afro-Haare ihren „Exoten-Status“ verlieren würden. Zum einen ziehen Afro-Locken immer noch unheimlich Aufmerksamkeit auf sich und zum anderen habe ich oft das Gefühl, dass mit ihnen etwas „Jugendliches“, „Kreatives“ oder „Wildes“ verbunden wird. Von der Frisur auf Eigenschaften oder Fähigkeiten zu schließen, finde ich per se schwierig. Es würde mich tatsächlich freuen, wenn ich in Zukunft mehr „natural hair“ – egal ob Afro, Bantu Knots oder Marley Twists – auf der Straße und in corporate Umfeldern sehen würde. People of color gehören zur deutschen (Konsum-) Gesellschaft, Afro-Produkte sollten daher generell leichter zugänglich sein. Dass einige Cantu Produkte ins Rossmann Sortiment aufgenommen wurden, ist schon einmal eine super Entwicklung.

 

Welches Produkt hat deine Haarroutine revolutioniert?

Africa’s Best Organics Leave-In Liquid Hair Mayonnaise war für viele Jahre mein “Holy Grail”. Mittlerweile bin ich etwas flexibler geworden und switche Teile meine Haarroutine gerne mal durch – nichtsdestotrotz ist sie ziemlich basic: Obwohl mir das Haarewaschen beim letzten Afroshop-Besuch strengstens verboten wurde, wasche ich mir 1 x pro Woche die Haare mit dem Bergamot & Juniper Shampoo von Austin Austin. Nachdem mein Conditioner ein paar Minuten Zeit hatte einzuwirken, kämme ich mir noch unter der Dusche mit einem grobzinkigen Kamm die Haare. Danach versuche ich meine Haare so wenig wie möglich anzufassen, damit die Lockenstruktur nicht kaputt geht und möglichst kein Frizz entsteht. Ich trockne meine Haare nicht wirklich ab, vielmehr wringe ich nur das überschüssige Wasser raus und benutze dann entweder den Strenghthen & Restore Leave-In Conditioner von Shea Moisture, die Curls Whipped Cream oder die Cantu Curling Cream. Danach lasse ich sie lufttrocken – kein Diffusor, kein gar nichts – nur Luft. Wenn ich keine Lust auf Frizz am Ansatz, sondern auf Babyhair habe, benutze ich Aunt Jackie’s Dont Shrink Curling Gel und im Winter knete ich ein wenig Jojobaöl in die Spitzen, das macht sie schön geschmeidig.

– Ende –

AfroTreats // Wir haben 4 Frauen nach ihren „Natural Hair Habits“ gefragt

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