Wir haben 5 Menschen gefragt, wie es ist, 2019 gläubig zu sein

18.06.2019 Leben, Gesellschaft, box1

Christlich sozialisiert – ein Attribut, das auf viele Menschen aus meinem Freundeskreis zutrifft und sich seit früher Kindheit durch unser aller Leben schlängelt. Sporadische Kirchenbesuche an Feiertagen, obligatorische Konfirmation mit 13, aus der Kirche austreten wenn man merkt, dass man ordentlich draufzahlt und mit alldem eh nichts mehr am Hut haben will. Eine christliche, buddhistische, jüdische, muslimische oder hinduistische Sozialisation (um nur die fünf „Weltreligionen“ zu nennen), gestaltet maßgeblich den Alltag vieler Menschen, auch jener, die sich ganz bewusst zu keinem Glauben bekennen wollen. Religionen sind verantwortlich für Tagesabläufe, Rituale oder unser Moralverständnis. Die Rede ist zum Beispiel von 45,12 Millionen Christ*innen, 4,25 Millionen Muslim*innen und 99.000 Menschen jüdischen Glaubens, die sich laut einer deutschlandweiten Umfrage von Statista 2018 zumindest (oder sogar) auf dem Papier zum Glauben bekennen. 2019 ist dieses Bekennen, das tatsächliche Praktizieren, dennoch auf dem absteigendem Ast. Vielleicht liegt es an dem vielen Wissen über die zerstörerische Kraft extremer Auslegungen unterschiedlicher religiöser Lebenskonzepte, vielleicht sind es auch die Medien, oder die Geschichte,  die immer mehr Menschen zweifeln lässt, oder zumindest dazu beiträgt, dass sich nicht wenige vom klassischen Glauben abgrenzen wollen. Und dann kommt noch dieses Gefühl der Überlegenheit hinzu, längst nicht mehr auf eine höhere Institution angewiesen zu sein. Was es aber zweifelsohne braucht, auch vonseiten Agnostikerinnen wie mir, ist (endlich wieder) mehr Akzeptanz gegenüber jenen, die aus tiefstem Herzen glauben, gegenüber verschiedensten Glaubensrichtungen und Lebenswelten, die unseren Alltag tatsächlich immer wieder positiv bereichern und so furchtbar wertvoll für ein interkulturelles Miteinander sind. Deshalb wollen wir heute wissen: Wie fühlt es sich eigentlich an, 2019 gläubig zu sein?

Sahara ist 30, lebt in Tunis und ist jüdischen und muslimischen Glaubens

Ich habe mich dazu entschieden, an dieser Schreibaufgabe teilzunehmen, weil ich mich derzeit an einem Wendepunkt befinde und mir hierdurch Klarheit erhoffe. 2019 fühlt es sich sonderbar an, gläubig per se zu sein. Es ist eine Zeit, in der die Menschen in Europa zu einem großen Teil atheistisch oder agnostisch sind. Eine Zeit, in der es besonders und oft beneidenswert ist, glauben zu können. Andererseits wird mir oft das Gefühl vermittelt, ich wäre dumm, an Gott glauben zu können, wo doch die Wissenschaft existiert. Ich frage mich, wo der große Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft liegt und wieso beides nicht kompatibel ist. Beides basiert auf Annahmen, auf Theorien, Auslegungen und Axiomen. Für mich persönlich ist die Wissenschaft der Beleg Gottes, die Erklärung schöpferischer Elemente, eine Variante und Sparte der Religion.

Mein Glaube wurde mir in die Wiege gelegt. Ich bin das Kind zweier nordafrikanischer Muslime, die der sunnitisch-malikitischen Rechtsschule angehören. Der Islam in Nordafrika ist sehr sufisch und spirituell geprägt und hat hier lange und zahlreiche Tradition. Das kann ich gut mit meiner afrikanischen Identität und meinem Black Spirit kombinieren. Gleichzeitig bin ich mütterlicherseits jüdisch-berbischen Ursprungs und somit ethnisch gesehen Jüdin. Da ich aber als Muslima ohnehin an Moses und die Thora, an Jesus und die Bibel, sowie an David und die Psalmen, „Friede sei mit ihnen“, glaube, ist es für mich absolut kompatibel und ich fühle mich nicht hin und hergerissen zwischen den Religionen und Kulturen. Der Glaube ist für mich mein Monotheismus, Religionen sind das How To, der Wegweiser, die Anleitung, how to believe. Ich glaube nicht, weil es gut tut sich nicht alleine zu wissen oder ein Anker im Leben zu haben. Ich glaube, weil es für mich das absolut Sinnvollste und der Inbegriff von Logik ist, an Gott zu glauben.

Religionen stehe ich dennoch kritisch gegenüber; momentan überdenke ich, inwiefern mich die islamische oder überhaupt Religion erfüllt, überzeugt und mich repräsentiert. Meine islamische Erziehung hat mir sehr viel an Menschlichkeit und Toleranz mitgegeben, viel an Barmherzigkeit und Erbarmen. Dennoch steht sie für mich in Widerspruch zu anderen Aspekten, die mein Hirn einfach nicht begreifen will; beispielsweise die Tatsache, dass Sklaverei im Islam erlaubt ist, wenn auch nur unter bestimmten Bedingungen und auf erbarmungsvollere Weise, ich bin dankbar, dass viele Muslime dennoch strikt dagegen sind. Dennoch: Sklaverei ist Sklaverei und ist für mich im Leben nicht mit dem Bild des allgerechten Schöpfers zu vereinen. Ich habe mich schon oft mit Religion kritisch und monierend auseinandergesetzt, weil ich nicht dogmatisch den von meinen Eltern vorgelebten Glauben praktizieren wollte. Wie die Gesellschaft mit mir und meinem Glauben umgeht? Scheiße und unmenschlich! Was ich mir für die Zukunft wünsche? Menschlichkeit und Gerechtigkeit! Ist das zu viel verlangt?

Svenja ist 19, kommt aus Hannover und ist evangelisch-lutherisch

Auf dem Papier bin ich Evangelisch-lutherisch. Meine Eltern gehören dieser Konfession an und so wurde es auch an mich weitergegeben. Als ich klein war, besuchte ich einen evangelischen Kindergarten, es gab eine Bibelwoche und ich sang im Kirchenchor. Die Institution Kirche ist für mich in allererster Linie ein Ort, an dem ich Gemeinschaft erfahren habe. In der Kleinstadt, aus der ich komme, gehören die meisten Leute, die sich als gläubig bezeichnen, zu dieser einen evangelischen Gemeinde. Bei Veranstaltungen, wie etwa Konzerten oder Familiengottesdiensten, bin ich umgeben von Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich fühle mich willkommen und ermutigt mitzumachen.

Und doch denke ich, dass nur ein Teil der Werte, die ich als meinen Glauben bezeichnen würde, von dieser Kirche kommt. Ich versuche mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Dabei hat sich mein Glaube über das hinaus entwickelt, was in der Bibel steht oder von Pastor*innen gepredigt wird. Ich möchte nicht für alles stehen, für das die Kirche steht. Ich glaube, dass es das Recht einer Frau ist, über ihren Körper zu bestimmen, wenn es um das Thema Abtreibung geht. Genauso glaube ich, dass die sexuelle Orientierung von Menschen keinen Einfluss darauf hat, wie sehr sie geliebt werden oder lieben können. Das sind Teile meines Glaubens, die ich vielleicht mehr als gesellschaftlich fundiert, als christlich fundiert bezeichnen würde. Das bedeutet für mich allerdings nicht, dass der christliche Grundsatz der Nächstenliebe sie ausschließt, sondern viel mehr, dass die Interpretationen der Schriften in diese Richtung noch nicht ausreichend sind.

In den letzten Jahren wurde ich vermehrt mit anderen Glaubensauslegungen im Christentum und mit anderen Religionen konfrontiert. Während eines Schuljahres in den USA hatte ich viele christliche Freunde, die konservativere Ansichten hegten als ich. Manchmal hat mich das frustriert. Es sah für mich mehr aus wie das blinde Folgen einer Ideologie, als wie das Entwickeln eines eigenen, durchdachten Glaubens. Aber letztendlich ist Glauben meiner Meinung nach zu persönlich, um ihn zu beurteilen, solange niemand zu Schaden kommt. Während meines einjährigen Aufenthalts in Indien habe ich durch meine Arbeit vermehrt anderer Religionen kennengelernt. Was für mich dabei besonders herausstach war, dass sich die ideologischen Gerüste und Werte der verschiedensten Religionen durchaus ähnlich sind. Wenn es allerdings zur Füllung und Ausübung dieser Gerüste kommt, werden die Unterschiede deutlicher. Ich habe für mich mitgenommen, dass Glaube oder vielleicht viel mehr Religion, ein starkes Instrument sein kann, um Menschen zu spalten. Aber es hat eben auch die Macht, Menschen zu vereinen. Jeder hat die Verantwortung, seine eigene Rolle darin zu finden und ich hoffe, dass die Einigkeit überwiegen wird.

 
 
 
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Bella ist 25, kommt aus München und hat über Yoga Philosophie und Meditation zur Spiritualität gefunden

Als Kind habe ich irgendwie an Gott geglaubt, aber noch mehr an Magie, Fabelwesen und Wunder. Mit der Jugend ist mir das abhandengekommen und ich war stolz darauf, ein Mensch zu sein, der Dinge kritisch und rational betrachtet, nur wissenschaftlich belegte Fakten als Basis für Überlegungen anerkennt und gefühlsgeleitetes Handeln als Schwäche sieht. Gott, und die mit praktiziertem Glauben einhergehende tiefe Hoffnung und Vertrauen, war für mich etwas, das nur schwache Menschen brauchen, die nicht mit der Realität umgehen können, dass das Leben keinen spirituellen Sinn hat und wir irgendwann einfach tot und weg sind. Anfang 20 fand dann Spiritualität in mein Leben und ließ mich letztlich mit einem Paradigmenwechseln zurück, der seinesgleichen noch sucht. Angefangen hat es mit Yoga und Meditation und einer Art New Age/Selbsthilfe Spiritualität, die an ein großes Ganzes und das Universum glaubt und daran, dass irgendwie alles verbunden ist. Große Religionen standen für mich immer noch für Gehirnwäsche und rückständigem Denken, an Gott habe ich auch nicht geglaubt. Irgendwann während einer Meditation erschien mir dann Gott das erste Mal. Was ich empfunden habe, ist nicht beschreibbar. Aber das Gefühl der Glückseligkeit und des Friedens, das allein von innen gespeist wurde, ließ absolut keinen Zweifel, dass ich mich einem göttlichen Bewusstsein gegenüber fand.

Noch nie im Leben war ich mir einer Sache so sicher. Ja, Gott existiert. Verändert hat dieses Wissen mein Leben auf viele verschiedene Wege. Selbsthass und fehlender Selbstwert sind Geschichte. Ich bin achtsamer und lasse mich von äußeren Umständen weniger beeinflussen. Religion empfinde ich als etwas Wunderbares, und auch wenn ich mit vielen Ideen und kulturellen Ausprägungen nicht übereinstimme, sehe ich, warum Menschen Teil einer Religion sind und freue mich darüber. Selbst fühle ich mich, dank Überschneidungen mit der Yoga- Philosophie, dem Hinduismus am meisten verbunden. Göttliche Hingabe, Gewaltlosigkeit, Güte und jedem Menschen Respekt und Liebe entgegenzubringen, sind Werte, nach denen ich heute lebe. Gleichzeitig bin ich viel politischer geworden und fühle mich oft erschlagen, voller Weltschmerz und Traurigkeit, wenn ich sehe, in was für einem Zustand sich unsere Welt und Gesellschaft befindet. Mein Freundeskreis hat sich verändert und ich merke, wie ich mich von manchen Menschen entferne, die mir wichtig sind. Göttlichkeit ist nicht messbar, sondern nur individuell erfahrbar und wer diese Erfahrung nicht machen möchte, wird mit Glauben auch nicht viel anfangen können. Aber mich hat Glaube zu einem besseren Menschen gemacht. Ich bin sehr viel glücklicher, weiß wie ich mit wirklich allem, was das Leben bringen wird, umgehen kann. Mein Leben dreht sich weniger um mich und meinen Vorteil oder meine Probleme, mehr um das Gemeinschaftliche und wie ich anderen Menschen helfen kann. Ich weiß, dass ich genau die Person bin, die ich sein „soll“ und nichts, was mir je passieren wird, könnte mir diesen inneren Frieden nehmen.

Rachel ist 25, kommt aus Köln und ist jüdischen Glaubens

Wie fühlt es sich an, 2019 gläubig zu sein?

Ich bin Traditionalistisch erzogen worden, was bedeutet, dass ich die wichtigsten Feiertage einhalte, aber mehr auch nicht. Tatsächlich bin ich wortwörtlich hineingeboren worden. Wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wird, dann überträgt sich der jüdische Glaube automatisch aufs Kind. 

Was verbindest du damit?

Das Judentum ist Teil meiner Identität. Ich bin in der Gemeinde groß geworden, habe den jüdischen Kindergarten besucht, die jüdische Grundschule, war sowohl als betreuende Person als auch Betreuerin im jüdischen Jugendzentrum. Ich habe Freund*innen, die ich aus der Gemeinde kenne, deren Freundschaft seit Jahren hält. Das Judentum ist meine Vergangenheit, meine Gegenwart als auch hoffentlich meine Zukunft. Mir ist es sehr wichtig, dass ich das Jüdisch-sein weiterhin sehr präsent in meinem Leben habe.

Was macht der Glaube mit dir und deiner Community?

Gegenüber meinen nicht-jüdischen Freund*innen bin ich die Exotin, diejenige die keine Weihnachten oder Ostern feiert, aber dafür ganz viele andere Feiertage, die ein Mysterium sind. Bei meinen jüdischen Freund*innen fühle ich tiefe Verbundenheit. Ich kenne die meisten seit meiner frühen Kindheit.

Wann ist es besonders wertvoll, gläubig zu sein?

Wenn ich das besondere Bedürfnis verspüre, an irgendeinem Ort der Welt beispielsweise am Shabbat (Freitag Abend) Gebet teilzunehmen, kann ich, egal wo ich gerade bin, in eine Synagoge und mitbeten, da ich die Lieder und Melodien der Gebete kenne.

Stehst du du deinem Glauben auch kritisch gegenüber?

Ich hinterfrage vieles. Es heißt beispielsweise, dass die Frau hierarchisch über dem Mann steht, aber insbesondere im orthodoxen Judentum fühle ich mich als Frau oft ausgeschlossen. Hier wird behauptet, dass wir Frauen schon in so weit weiterentwickelte Wesen sind, dass wir es durch das Gebet gar nicht nötig hätten, eine intensivere Verbindung mit Gott aufzubauen – im Gegensatz zu den Männern. Über den Gebetsraum haben die Frauen zum Beispiel eine Empore, sodass sie von oben beim Gebet zuschauen können. Wir seien dafür da, im Hintergrund stattzufinden, uns zurückzuhalten, die Familie aufrecht zu erhalten. Tatsächlich haben mir diese Ansichten, vor allem bei extrem orthodoxen Familien, nie das Gefühl gegeben, dass die Frau gleichwertig oder gar höhergestellt ist. Ihre Aufgaben sind klar definiert und patriarchal ausgerichtet. Hier ist auch oft die Periode der Frau ein Problem – sie gilt als unrein, weil sie währenddessen keine Kinder zeugen kann und ihre Pflicht vorher schon nicht erfüllt hat. 

 

 
 
 
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Viele Sachen sind hier schlichtweg noch ziemlich problematisch und passieren dennoch hinter dem Deckmantel, die Erhabenheit der weiblichen Glaubensmitglieder zu wahren, während der Mann den ganzen Tag betet und die Frau sich um Haus und Familie kümmern soll. Letztendlich profitieren viele Männer genau davon. Aber es ist leicht, auch hier den direkten Vergleich zu der Auslegung anderer Religionen zu ziehen. Diese patriarchale Struktur ist auch etwas, was beim Studieren vieler stark traditionalistisch oder fundamentaler Glaubensausrichtungen auffällt.

Wie geht die Gesellschaft mit deinem Glauben um?

Jüdische Menschen sind nach wie vor eine marginalisierte Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft. Einerseits wollen insbesondere Deutsche, dass ein jüdisches Leben hier wieder unbeschwert möglich ist – das ist allerdings noch ein sehr langer Weg. Es wird jüdischen Menschen immer noch geraten, ihren Glauben nicht offen preiszugeben und Hinweise wie Kippa und Davidstern nicht öffentlich sichtbar zu tragen.

Arua ist 27 Jahre alt, kommt aus Wien und ist gläubige Muslima

2019 gläubig zu sein bedeutet auch, sich ständig dafür rechtfertigen zu müssen. Warum spielt die Existenz Gottes denn so eine große Rolle in unserem Leben? Leute gehen davon aus, dass gläubige Menschen schwach wären. 

Ich bin in einer muslimischen Familie aufgewachsen und war also dem Islam mein Leben lang ausgesetzt. Deswegen verbinde ich vor allem die Gemeinschaft damit. Als kleine Kinder besuchten meine Geschwister und ich die Moschee, um dort Arabisch zu lernen. Das war aber nur ein Vorwand, um mit unseren Freund*innen Zeit zu verbringen, die wir bis heute noch kennen. Das Zusammenkommen während Ramadan, zum Eid-Fest, religiöse Arbeitskreise ab und zu – das sind alles Gelegenheiten, an denen sich immer Leute versammeln. Wenn ich im Ausland bin, schaue ich auf Google immer, wo es eine lokale Moschee gibt und gehe dort hin, damit ich neue Menschen kennenlerne und vertraue oft darauf, dass mir dort geholfen wird, wenn ich Hilfe brauche. Hat bis jetzt immer geklappt! Natürlich stehe ich meinem Glauben auch kritisch gegenüber. Zu glauben bzw. religiös zu sein ist ein Prozess; das bedeutet, dass ich nicht auf einmal alles lerne und mich danach ausruhe – im Gegenteil. Ich muss mir ständig neues Wissen aneignen und manchmal kommt es vor, dass es dann Themen gibt, bezüglich derer ich einfach anderer Meinung bin oder dem, was gelehrt wird, nicht zustimmen kann. Es gab auch viele Phasen in meinem Leben, in denen es mal auf, mal ab ging. Es ist kein linearer Weg und deswegen ist es schwer zu sagen, “wann” man glauben sollte. Für mich ist das sehr unterschiedlich. Mir persönlich hat der Glauben in den schönsten, aber auch in den schlimmsten Phasen meines Lebens geholfen. Durch meine Religion lerne ich Dankbarkeit und Bodenständigkeit. In besonders guten Zeiten wurde ich daran erinnert, dass ich nicht alleine bin. Aber gleichzeitig war es ein ähnliches Gefühl während Break-Downs, immer dann, wenn ich dachte, dass das Leben so nicht mehr weiter gehen kann. Dadurch lernte ich aber Geduld und Hoffnung zu haben. So gesehen ist es also immer wertvoll, gläubig zu sein. 

 

 
 
 
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In der österreichischen Gesellschaft ist es sehr schwer, sichtbare Muslimin zu sein. Man stößt sehr schnell an die Grenzen der Toleranz und Akzeptanz. Wer die Nachrichten mitverfolgt, weiß auch, dass rassistische Politik auf unserem Rücken ausgetragen wird. Es gibt keinen Wahlkampf, keine politische Rede, keine*n Politiker*in, der oder die nicht mindestens einmal das Kopftuch erwähnt, unabhängig davon, welche Rolle es überhaupt in den spezifischen Fällen spielt. Als Lehrerin wünsche ich mir, dass wir Kinder zu einer antidiskriminierenden, demokratischen, kritisch denkenden, umweltbewussten und feministischen Zukunft erziehen. Denn nur so können sich alle in unserer Gesellschaft wohl fühlen. 

10 Kommentare

  1. Eva Parke

    Es ist interessant zu erfahren, wie der Zugang zur jeweiligen Glaubensgemeinschaft von religiösen Menschen erklärt wird. Zum Glück sichert die Verfassung uns allen zu, an das zu glauben, woran wir glauben wollen, oder auch, nicht zu glauben. Dafür stehe ich ein, das werde ich immer verteidigen, auch wenn ich nicht an Gott glaube, aber katholisch getauft wurde und aus der Kirche nicht austrete.

    Mich stört an Religion, dass jede Glaubensgemeinschaft daran arbeitet, den anderen Weltreligionen das Gefühl zu vermitteln, überlegen zu sein, den einzig wahren Glauben gepachtet zu haben. Bis hin zur Verunglimpfung der Andersgläubigen. Ich glaube, damit sollten wir uns auf der Höhe der Zeit kritisch auseinandersetzen. Religion war in der Vergangenheit, ist heute und vermutlich auch in Zukunft oft Auslöser von Diskriminierung und „Rechtfertigung“ für Gewalt. Und ich finde es schlimm, dass es für die allermeisten unter den Gläubigen immer noch undenkbar ist, jemand zu heiraten, der anderen oder keines Glaubens ist. Das ist Diskriminierung.

    @Arua

    Der Islam ist in Österreich mit Inkrafttreten des Islamgesetzes seit 1912 anerkannte Staatsreligion. Das bedeutet, dass es seit mehr als 105 Jahren das verbriefte Recht der Muslime ist, ihre Religion gleichberechtigt mit allen anderen Religionen auszuüben. Dies ist in keinem anderen westlichen Land der Fall.

    „In der österreichischen Gesellschaft ist es sehr schwer, sichtbare Muslimin zu sein. Man stößt sehr schnell an die Grenzen der Toleranz und Akzeptanz.“ Ungebildete, „Deppen“ und ähnlich gestörte Mitmenschen gibt es rund um den Erdball, das ist leider kein rein österreichisches Problem.

    Du hast das Privileg, wie ich auch, aus einer fantastischen Stadt zu kommen, noch dort zu leben, wo Integration traditionell gut funktioniert, da die österreichischen Gesellschaft sich dadurch auszeichnet, eine Mischung aus Vorfahren der Nachbarländer der ehemaligen K&K Monarchie zu sein. Alle Familien sind in irgendeiner Generation gemischt.

    Ich stimme Dir insoweit zu, dass es unerträglich ist, was vonseiten der Akteure der FPÖ kommt. Mag sein, dass auch Vertreter der ÖVP unbedacht argumentieren (Du kannst es ja mal mit der AFD versuchen oder der hier in Deutschland immer noch nicht verbotenen NPD!); das ändert aber nichts daran, dass mir in Deutschland 100 von 100 Personen mit der Aussage begegnen: Wie toll, Du bist aus Wien … und so weiter.

    Manchmal hilft es auch, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen. Du bist nicht für die Stimmungen, die sich gegen radikale Muslime richten, verantwortlich, so wie der größte Teil der Muslime das, wovor Menschen Angst haben, nicht zu verantworten hat. Man kann aber trotzdem mal 1 und 1 zusammenzählen und glücklich darüber sein, nicht in Brandenburg, Teilen von Berlin, Berlin und Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und so weiter (unvollständig), sondern aus Wien zu stammen … In Deutschland nennt man das Jammern auf hohem Niveau.

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    1. Fabienne Sand Artikelautor

      Liebe Eva,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Leider finde ich ihn zum Ende hin etwas undifferenziert. Was beschrieben wird sind Erfahrungen aus der Lebenswelt einer jungen Muslima. Wie, wann und wo sie Dirkiminierung erlebt, kann nur sie als Leidtragende identifizieren und Werten. Jeder „offensichtlich“ gläubige, nicht-weiße Mensch kann heute froh sein, nicht in Regionen zu leben, in denen rechtes Gedankengut politisch legitimiert wird. Das heißt jedoch bei weitem nicht, dass er sich mit dem status quo in seiner Heimat zufrieden geben muss bzw. seine Erfahrungen relativiert werden können.

      Liebst, F.

      Antworten
      1. Eva Parke

        Liebe Fabienne,

        ich schätze Deine interkulturelle Kompetenz sehr, sehr hoch ein, meine aber nicht minder …

        Naturgemäß hat Arua jedes Recht, Dinge aufzuzeigen, die für sie nicht zu akzeptieren sind. Aber wenn es um Religion geht, sollte man keine verkürzenden Schlüsse ziehen, erst recht nicht in Zeiten, in denen aus vorgeblich religiösen Gründen Menschen weltweit getötet, hingerichtet, ethauptet werden. Mein Blick ist deshalb ein anderer, weil ich Menschen gut kenne, die wegen ihres Glaubens oder Unglaubens getötet werden sollten. Das muss man auch mal reflektieren, wenn man an Gott glaubt und für sich in Anspruch nimmt, dadurch guter Mensch zu sein. Und ja, das ist als Denkanstoss gemeint.

        Wien ist erst recht im Vergleich mit anderen Städten dieser Größenordnung in jeder erdenklichen Hinsicht ein Paradies … wenn ich alle paar Jahre wieder zu besuch bin, fühle ich mich in meiner Geburtsstadt, in der ich lange Zeit gelebt habe, wie in einer Art schräger Disney World, so bizarr aufgeräumt, reich und lebenswert sind die etwas unrealistischen Verhältnisse dort. Das muss man nicht mögen, man darf die Stadt auch ganz blöd finden. Sie schlecht zu reden, weil dort wie anderswo Rechte mitregieren oder mitregiert haben, ist schlichtweg falsch, da allzu einfache Umkehrschlüsse ungeeignet sind, die tatsächlichen Lebensbedingungen wieder zu spiegeln.

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        1. Flo

          Liebe Eva, zu sagen „Sie [Wien] schlecht zu reden, weil dort wie anderswo Rechte mitregieren oder mitregiert haben, ist schlichtweg falsch“ ist ein ganz schoen hartes Statement. Arua beschreibt ihre Lebensrealitaet in Wien/Oesterreich. Es mag ja sein, dass „100 von 100 Personen“ in Deutschland ganz neidisch darauf sind, dass DU aus Wien kommst, und DU persoenlich Wien als „Disney Land“ empfindest, aber was hat das mit Aruas Empfinden und Erfahrung zu tun? Mit Sicherheit rechtfertigt es nicht, ihre Lebensrealitaet zu relativieren oder es als jammern „auf hohem Niveau“ abzutun. Sagen wir mal ich werde in Wien hart homophobisch angegriffen, soll ich dann schlichtweg denken „Na ja, zum Glueck lebe ich ja immerhin nicht in Sachsen“?

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    2. Dami

      „mimimi in sachsen und brandenburg ists aber viel schlimmer“… na und? als ob jemanden irgendetwas weniger trifft, nur weils anderswo schlimmer ist.
      obdachlose haben nicht weniger hunger, nur weil in 3. welt ländern kinder verdursten, lesben müssen es nicht akzeptieren, in bussen geschlagen zu werden, nur weil irgendwo anders homosexualität unter todesstrafe steht und muslimas in wien fühlen sich nicht weniger von diskriminierung verletzt, nur weil anderswo die abneigung gegen kopftuchtragende frauen noch höher ist.
      find deine kommentare hier wirken erschreckend un-empathisch! wahrnehmungen sind immer subjektiv und wer bist du, dass du menschen ihre absprechen darfst?

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  2. Eva Parke

    „In der österreichischen Gesellschaft ist es sehr schwer, sichtbare Muslimin zu sein. Man stößt sehr schnell an die Grenzen der Toleranz und Akzeptanz.“ Ungebildete, „Deppen“ und ähnlich gestörte Mitmenschen gibt es rund um den Erdball, das ist leider kein rein österreichisches Problem. Ich denke, ich hatte klargemacht, dass ich strikt dagegen bin, irgendjemand des Hidjabs wegen zu diskriminieren. Nirgends steht, dass es keinerlei Rassismusprobleme gibt.

    Aus der Kenntnis der Haltung des überwiegenden Teils der Bevölkerung, halte ich es für übertrieben, zu behaupten, es sei (generell) sehr schwer, sichtbare Muslimin zu sein. Ganz sicher steht es Arua zu, für sich zu entscheiden, ob sich die Menschen ihr gegenüber faslch verhalten. Dabei kommt es nur auf ihre Wahrnehmungen und Empfindungen an. Aber ein Werturteil über Österreich zu verfassen, ist einfach falsch und übertrieben.

    Wenn in Frankfurt jemand zu einer Muslima Kopftuchschlampe sagt, können wir uns darüber aufregen und dem entschieden entgegen treten (ich tue das!), aber es wäre falsch, das auf ganz Deutschland zu münzen. Den meiste Menschen Österreichs ist das wie in Deutschland ziemlich egal, aber es gibt eben auch jene, die übergriffig werden. Dieses Verhalten ist nicht zu dulden.

    Manchmal denke ich, hier kann man echt keine Meinung kundtun, die nicht dem entspricht, was gerne über Menschen, Völker, etc. behauptet wird. Und niemand stört anscheinend, dass keine Auseinandersetzung mit den Problemen stattfindet, die Religion Menschen, die anders leben wollen, mitunter macht. Wir werden uns doch nicht wegen ein paar lächerlicher Enthauptungen aufregen … und wer sind diese Leute überhaupt?

    Antworten
    1. Flo

      Ei, Eva, vielleicht waere es einfacher, diese Diskussion in Person zu fuehren. Es geht doch genau darum, was du hier schreibst: „Aber ein Werturteil über Österreich zu verfassen, ist einfach falsch und übertrieben.“

      Du verbietest hier jemandem, der einer Minderheit in Ö angehoert und seine Lebensrealitaet beschreibt, schlichtweg den Mund. Du nimmst dir, als – ich nehme an – nicht-muslimische Oestrreicherin das Recht, besser und akkurater ueber die Behandlung von Muslimen in Oesterreich urteilen zu koennen als die Person, die tatsaechlich tagtaeglich in dieser Realitaet lebt. Natuerlich kannst du schreiben „Meine Erfahrung in Wien ist, dass die Stadt sehr weltoffen und tolerant ist“ – voellig ok. Aber anderen zu sagen, dass ihre Erfahrung und ihr empfundenes Urteil „falsch“ oder „uebertrieben“ ist, ist ziemlich hart (und meiner Meinung nach auch gefaehrlich). Der erste Schritt sollte doch zuhoeren und annehmen sein, dann auch diskutieren, aber doch nicht direktes Relativieren und Negieren?

      Wenn der Vergleich hilft: Wenn ich einem Mann erzaehle, dass ich mich waehrend meiner PMS so fuehle, als muesste ich sterben, und quasi zwei Tage komplett flach liege und mich vor Schmerzen nicht bewegen kann, ist es dann ok fuer den Mann zu sagen „Meine Freundin und Mutter hatten noch nie ein Problem mit ihrer PMS, eigentlich alle Frauen die ich kenne auch nicht, ich glaube du uebertreibst und liegst falsch“?

      Antworten
  3. Eva Parke

    Hallo Flo,

    vielen Dank für Dein Feedback.

    Natürlich wäre es absolut nicht OK, wenn man Dein Problem mit Schmerzen, Krämpfen, etc. infolge des PMS mit einem solchen Kommentar zu relativieren versucht.

    Ich ging davon aus, meinen Kommentar bzw.die Diskussion in Person zu führen. Und es ist ganz gewiss nicht die Tatsache, dass ich aus der Stadt komme, die mich dazu hingerissen hat, diesen etwas konterkarierenden Kommentar zu verfassen, der dazu anregen wollte, einen differenzierten Blick auf die Bevölkerung zu werfen. Egal wo rund um den Erdball, gibt es immer solche und solche und die Anständigen sind in der Überzahl. Oder bist Du etwa der Meinung , dass wegen der AFD und der noch immer nicht unter ein Verbot gestellten NPD in Deutschland die Rechten, die Muslime ablehnen, in der Überzahl sind?

    Das bedeutet nicht, dass Arua irgendwelche Übergriffe, Frechheiten, Bemekungen hinzunnehmen hat. Ganz im Gegenteil. Ich bin alles andere als eine Patriotin, sehe vieles kritisch, allerdings auch die Tatsache, dass wegen der unsäglichen Typen in der nun aufgelösten Regierung, Österreich mal wieder das Epizentrum der starammen Rechten, Ewiggestrigen gewesen sein soll …

    „Dass man als Muslimin in Österreich schnell an seine Grenzen stößt“ (Zusammenfassung), ist für mich ein Gemeinplatz. Der so nicht zutrifft. Aber ganz sicher ist jeder Übergriff einer zuviel. Meinre Frage ist, was tun wir alle dagegen?

    Ich engagiere mich neben einem Job seit 2013 in der Flüchtlingshilfe, kenne viele hundert Geflüchtete, zähle eine ganze Reihe zu meinen Freunden, konnte mit ihnen sprechen, tue dies regelmäßig und erfahre, dass es diese schrecklichen Einzelfälle gibt (jeder einzelne ist einer zu viel), aber es gibt kein generelles Problem mit dem Hidjab oder dem Islam. Vermutlich stößt es Arua sauer auf, dass in Österreich an Grundschulen der Hidjab verboten ist. Wir (meine Freiwilligen-Kollegen und -Kolleginnen und ich sehen das als Sexualisierung von Kindern an; sind generell der Meinung, dass es die Männerwelt da Draussen nichts angeht, ob ein Mädchen menstruiert … Das sollte man einfach aushalten, dass jemand ma anderer Meinung ist.

    Das war’s dann von mir an dieser Stelle, Arua sucht ja keinen Dialog, was OK ist.

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