Reminder // „She’s beautiful when she’s angry“ ist eine der besten Dokumentationen aller Zeiten

18.09.2018 Film, box3, Feminismus

Normalerweise achte ich penibel darauf, mich nicht zu wiederholen. Nach acht Jahren mit This is Jane Wayne verknotet sich dabei aber hin und wieder das Hirn, das kann ich euch sagen. Deshalb breche ich heute auch ausnahmsweise mal mit dieser selbst auferlegten Regel und reibe euch erneut „She’s beautiful when she’s angry“ unter die Nase, denn:

 

Wenn es um das Thema Feminismus geht, dann weine ich manchmal laut, jedenfalls innerlich. Entweder vor Verzweiflung über die Borniertheit realitätsverweigernder GegnerInnen dieser elementaren Geisteshaltung, oder aber vor Glück. So wie vor etwa zwei Jahren, als ich zum ersten Mal „She’s Beautiful When She’s Angry“ sah, Mary Dores Werk über die Second Wave Feminists der späten 60er Jahre – ein längst überfälliges Stück Geschichte im Bewegbild, das es auf die großen Kinoleinwände der Welt geschafft hat. Ganz im Gegensatz zu den allermeisten Frauenrechtlerinnen übrigens, dabei gäbe es ausreichend Stoff und Sensationen für mindestens zwanzig Streifen. Oder hundert. Diese inzwischen frei zugängliche Dokumentation (Netflix!) über jene Heldinnen, die in den USA den Gleichberechtigungs-Stein ein zweites Mal zum Rollen brachten, über die verschiedenen Ansätze und Ausprägungen der weltweiten Bewegung, über Mut und Protest und innere Konflikte, entschädigt uns zumindest ein Stück weit für alles bisher Unverfilmte.

Nach 90 Minuten mit Originalaufnahmen von früher und aktuellen Interviews mit den Protagonistinnen von damals kann ich nicht nur auf unzählige Gänsehaut-Momente, etliche Wut-Knoten und feuchte Augen ob des überschäumenden Kampfgeistes der gezeigten Aktivistinnen zurück blicken, sondern ertappe mich außerdem überaus angesteckt von der inspirierenden Kraft, die Regisseurin Mary Dore mit ihrem Werk auf uns los lässt. Man möchte irgendetwas tun und bewegen, endlich wieder viel lauter werden. Und all jene vor den Bildschirm setzen, die doch tatsächlich immer noch nicht verstanden haben, was Feminismus bedeutet. Dass die Welt  endlich, endlich ausschließlich aus Feminist*innen bestehen sollte. Und dass es mehr als hundert Gründe gibt,erhobenen Hauptes aufzustehen und zu betonen: Ich bin Feministin! Oder eben Feminist. 

4 Kommentare

  1. Elena

    Liebe Nike,
    ich habe gestern angefangen, die Doku zu schauen und wurde richtig emotional. Es war ein Gefühlschaos aus Bewunderung für all die tollen Frauen, Wut auf das patriarchale System und eine Mischung aus Aussichtslosigkeit und sofortigem Tatendrang. Ich werde mir morgen Abend den Rest der Doku anschauen und bin wirklich gespannt, wie sich meine Gefühle im Laufe der gesamten 90 Minuten entwickeln werden. Danke für diesen grandiosen Tipp, gerne mehr davon. Hab eine fantastische Restwoche!

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Oh, das freut mich so sehr, liebe Elena, und genau diese Gefühle, die diese Doku auslöst, machen sie meines Erachtens so unsagbar wichtig und stark <3

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    2. Mareike

      Liebe Elena,
      mir erging es ähnlich. Ich musste Rotz und Wasser heulen! Besonders berührt hat mich ein Beitrag gleich zu Beginn, der in etwa lautete: „All diese schönen Frauen konnten aussehen wie Miss America und trotzdem fragten sie sich, was stimmt nicht an mir?“. Ich habe mich so ertappt gefühlt. Das war Ende der 60er und heute mache ich mir als junge Frau, die sich als Feministin bezeichnen würde, auch genau solche Gedanken? Wie kann das nur sein?? Auch: Was ist daran Unsicherheit und was ist „sozialisiert“?
      Ich habe oft das Gefühl, es gibt in meinem Umfeld viel zu wenig Solidarität unter uns Frauen*. Die Doku macht definitiv Lust, sich zu organisieren, finde ich!
      Vielen Dank, liebe Nike, für den Tipp.
      Mareike

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