Books that saved & shaped my life // Mit Julia Carevic

23.08.2019 Buch, box1

Bücherempfehlungen anderer Menschen hüte ich meist wie einen Schatz, denn so ein Buch, das kann durchaus nicht nur den eigenen Horizont erweitern, sondern auch gänzlich neue Sichtweisen eröffnen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als Nike mich neulich antippte und fragte, ob ich denn nicht auch meine Leseliste einmal teilen wolle − keine Frage, natürlich will ich, und zwar ganz unbedingt, denn vielleicht zählt eines der Bücher, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht, ja auch bald zu einem eurer Schätze.

Natürlich könnte ich nun davon erzählen, dass mich die Reihe rund um Harry Potter jahrelang aus der Realität flüchten ließ oder dass ich noch heute manchmal davon träume, eine Mädchenbande à la Cornelia Funkes Die Wilden Hühner gehabt zu haben, und ich bin mir sicher, dass es ganz viele von euch gibt, denen es ähnlich geht. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – möchte ich heute lieber von jenen Büchern erzählen, die mich seit meiner Volljährigkeit beeinflussten, begeisterten oder schier nicht mehr losließen.

In Plüschgewittern (Wolfgang Herrndorf)

Vermutlich muss ich nicht mehr davon schreiben, welch großartiger Autor Wolfgang Herrndorf war, immerhin stammten Romane wie Tschick und Bilder deiner großen Liebe aus seiner Feder. In Plüschgewittern drückte mir einmal eine gute Freundin in die Hand und ich verbrachte wohl die darauffolgenden zwei Tage damit, das Buch zu verschlingen. Es handelt von einem etwa 30-jährigen, orientierungslosen Ich-Erzähler, der sich in die restliche Welt nicht einzuordnen weiß und kurz nach der Trennung seiner Freundin nach Berlin reist, um dort für einige Tage oder Wochen zu verweilen. Hier fühlt er sich verstanden, umgeben von Menschen, die mindestens genauso verloren sind, wie er, und sich zunehmend mit dem Schmerz der Welt, vor allem aber mit sich selbst auseinandersetzen – ganz so, wie man es von Berlin erwartet, vollgesaugt mit Klischees, die von Partys in Altbauwohnungen und selbst ernannten Philosophen handelt, aber eben auch von der Liebe. Und vielleicht ist es genau die, die In Plüschgewittern so anders macht.

Bonjour Tristesse (Françoise Sagan)

Ich glaube, es gibt kein anderes Buch, welches das Gefühl des Sommers so sehr einfängt, wie Bonjour Tristesse. Schon alleine deshalb hat sich die Erzählung über die Jugendliche Cécile, die ihre Sommerferien gemeinsam mit ihrem Vater Raymond und dessen Geliebter im Süden Frankreichs verbringt, in mein Herz katapultiert. Während des Urlaubs geht Cécile ein unbekümmertes Verhältnis mit einem jungen Jurastudenten ein und lebt in den Tag hinein. Als sie schließlich von einer Freundin der verstorbenen Mutter besucht werden und diese verkündet, Raymond heiraten zu wollen, wird Cécile von einer brennenden Eifersucht erfasst und versucht, sich gegen die vermeintliche Störenfriedin zu wehren. Bonjour Tristesse erzählt die Geschichte von der Leichtigkeit der Jugend, einer Sommerliebe, Eifersucht und Leichtsinn und hüllt die Leser*Innen in eine herrliche Melancholie.

Fates and Furies (Lauren Groff)

Dass es immer zwei Seiten einer Geschichte gibt, beleuchtet der Roman Fates and Furies von Lauren Groff: In zwei separaten Teilen berichtet ein junges Paar über das Leben und eine Ehe, die von außen betrachtet schier zu glänzen scheint. Lotto gibt sich als erfolgreicher Dramatiker, dessen Drehbücher auf Theaterbühnen zu triumphieren scheinen, während seine Frau Mathilde ihren Zorn hinter einem schönen Lächeln verbirgt. Auf etwa 400 Seiten, die sich anfangs – zugegeben – ein wenig schleppend lesen, (Durchhaltevermögen wird belohnt!) ermöglicht Groff einen Blick hinter die Kulissen einer Beziehung und erinnert daran, dass auch im wahren Leben nicht immer alles so ist, wie es scheint. Fates and Furies begleitete mich vor einigen Jahren durch meinen Urlaub und beschäftigte mich auch danach noch eine ganze Weile.

Wasted (Marya Hornbacher)

(Triggerwarnung: Das Buch handelt von Essstörungen)

Ich habe Marya Hornbachers Wasted vielfach gelesen, oft geliebt und mindestens genauso häufig verflucht, denn ehrlicherweise gibt es kein anderes Buch, das mich so sehr einhüllte, bewegte und vor allem dazu führte, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. In ihrem ersten autobiografischen Roman erzählt Hornbacher von ihren schweren Essstörungen, ohne Fakten zu verdrehen oder Tatsachen zu schönen. Sie schreibt unverblümt über elendige Momente, manipulatives Verhalten und Zeiten, in denen alles auseinanderzubrechen drohte und nicht einmal das zu einem Umdenken führte. Wasted behandelt Essstörungen als das, was sie sind: Zerstörerische, komplexe und ernst zu nehmende Erkrankungen, die ganz sicher keinen Funken Romantik oder Wohlwollen an sich haben und zuweilen innerhalb kürzester Zeit Beziehungen, Gesundheit und Leben ruinieren.

Ebenfalls sehr lesenswert: Marya Hornbachers zweiter autobiografischer Roman Madness.

Panikherz (Benjamin von Stuckrad-Barre)

Auf Panikherz wies mich eine Freundin hin und natürlich kann man von Benjamin von Stuckrad-Barre nun halten, was man möchte, weil er doch wirklich gut darin ist, sich in seiner selbst zu suhlen. Mich jedenfalls faszinierte und schmerzte der Einblick in sein Leben gleichermaßen. Ich lauschte dem Hörbuch in jeder freien Minute und verschlang kurz darauf auch das Buch, gefesselt von seiner Art zu schreiben, immer mit ein wenig Selbstironie und Gedankensprüngen, aber auch der Fähigkeit, Sätze so zu formulieren, dass man sie sich direkt markieren möchte. Stuckrad-Barre erzählt von seiner Vergangenheit, inklusive Drogensucht und Essstörung, von seinen beruflichen und privaten Erfolgen und Misserfolgen und immer wieder von Udo Lindenberg, woran man sich zunächst vielleicht ein wenig gewöhnen muss, bevor man es zu schätzen weiß.

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