Corona-Kater, oder: Die Welt dreht sich auch weiter, wenn du eine Pause machst.

14.05.2020 Leben, Kolumne

Ich will jetzt seit etwa einer Stunde mit dieser Kolumne beginnen, euch irgendetwas Wichtiges mit auf den Weg geben; der bedeutungsschwangere Inhalt erstreckte sich kurz zuvor noch klar wie ein Glas Vodka vor meinem inneren Auge, aber dann kam da nur gequirlte Scheiße raus.

Also schaute ich rechts rüber, durch das kleine Fenster neben meinem Schreibtisch, das die Sicht zum Balkon freigibt. Ein fetter Rabe landete gerade ganz selbstgefällig auf dem frisch gepflanzten Vergissmeinnicht und starrte mich an, als hätte er noch nie im Leben einen Menschen gesehen. Opa?, dachte ich und ob das wohl als mahnender Arschritt von oben gemeint sei. War es nicht. Der Rabe war bloß dabei, eine saftige, goldgelbe Pommes in meinen Blumen zu verstecken. Sogar ein Häufchen Erde schaufelte er mit seinen Krallen darüber, bevor er mir noch einen letzten Pablo-Escobar-strengen Blick zuwarf. Als ob ich wirklich scharf auf diese einsame Pommes und mutig genug wäre, es mit ihm aufzunehmen. 

In Wahrheit bin ich gerade auf gar nichts scharf, außer auf Schlafen. Ich habe nämlich einen Corona-Kater, das habe ich bei Ohhhmhhh gelernt. Fühle mich wie besoffen, nur ohne lustigen Beigeschmack. Vermutlich dachte ich deshalb für einen kurzen Augenblick, jetzt hätte der blitzgescheite Vogel mich tatsächlich durchschaut. Gemerkt, dass ich gerade echt wenig in der Birne habe. Für feministische Debatten etwa fehlt mir momentan nicht nur die Zeit, sondern auch der Schneid. Stattdessen mache ich es mir auf meinem Instagram-Kanal mit Popocorn-Spiegeln und Mushroom-Lampen bequem.

Das Gefühl, das damit einher geht, diese spürbare Unzulänglichkeit, ist übrigens auch als Impostor-Syndrom bekannt. Das kennen eigentlich alle, die irgendeinen Job machen. Ist bis zu einem gewissen Grad auch ganz normal. Man fragt sich dann: Was mache ich hier eigentlich und mit welcher Berechtigung? Wann fliege ich auf? Wann merken die, dass ich nur halb so gut bin wie mein Ruf? 

Die britische Journalistin Yomi Adegoke kommentierte die systemischen Ursachen des sogenannten „Hochstapler“-Syndroms bezogen auf die weibliche Psyche sogar einst wie folgt: „Es wird Zeit, dass wir das Problem nicht darin sehen, dass Frauen nicht an sich selbst glauben, sondern darin, dass wir in einer Welt leben, die sich weigert, an Frauen zu glauben.“

Gleichzeitig verlangt die Welt auch ganz schön viel von uns. Immer, aber auch jetzt in der Krise. Engagiert euch, seht hin, bleibt solidarisch, kümmert euch um die Kinder, beschwert euch nicht. Stattdessen: Macht das Beste draus. Aha, ja klar. Nur wie?

Nachdem ich vor einigen Tagen Julias Artikel über typografisch brilliant in Szene gesetzte Zitate, die unser Leben angenehmer machen sollen, verschlungen hatte, stolperte ich alsbald über genau einen solchen Instagram-Beitrag aus dem Schlund der digitalen Motivations-Reden, auf den ich mich schließlich voll und ganz einlassen konnte:

She believed she could, but she needed
a break so she said no.

Ich fühlte mich ertappt, aber auch bestärkt. Klar kann ich, wenn ich dringend muss. Aber muss ich überhaupt? Das ist es doch, was derzeit so munter gepredigt wird: Locker bleiben, dem Selbstoptimierungswahn den Stinkefinger zeigen, einfach mal aufgeben, obgleich das ein oder andere körpereigene Notstromaggregat sicher noch anzuzapfen wäre, die Eier baumeln lassen. Besser mal gar nichts machen als am laufenden Band nur Halbgares nach draußen zu posaunen. Klingt doch umsetzbar. Und gesund, fast schon heilsam.

Was aber, wenn es für Menschen wie mich in Wahrheit nichts kräftezehrenderes gibt, als ebendiese Kunst des Liegenlernens inmitten einer globalen Krise, die längst zu einer persönlichen Sinnfrage gewachsen ist? Ich meine ja nur. Denn selbst wenn gar nichts mehr geht und mein Hirn sich aufgrund des alltäglichen völlig monotonen Entenmarschs bereits ausgeklinkt hat, geht das Gedankenkarussell sogar noch einen Schritt weiter und dreht sich, bis mir schwindelig wird:

Eine Mutter schickte mir heute Morgen etwa eine Anekdote aus ihrer Homeschooling-Hölle zum Thema Redebegleitsätze: „Warum machst du so ein nachdenkliches Gesicht?“, fragte der Mann. „Mir gefällt es besser, wenn du lächelst.“ Kann das 2020 denn noch wahr sein? Was, wenn mein Sohn im Sommer in die Schule kommt? Drehe ich dann am Rad? Fange ich Streit an? Und will ich eigentlich ein zweites Kind? Und wie schräg ist es, dass ich ständig Ausmalbilder von Teilchenbeschleunigern im Internet suchen muss? Ich hatte noch nichts davon zu Ende gedacht, da machte die Amadeu Antonio Stiftung mich auf den Anstieg stark antisemitischer Verschwörungsmythen im Kontext des Corona-Virus aufmerksam – ihr wisst schon, all die reptiloiden Wesen, die nach der Weltherrschaft streben. Hashtag glaubnichtalles. Wie aber können wir vorgehen gegen solche saudummen Leute?  Wie bietet  man Stimmen die Stirn, die Covid-19 noch immer für eine „harmlose Grippe“ halten, denen es egal ist, wenn „ältere Menschen dann eben etwas früher sterben“? Und haben die Leute durch die Lockerungen den Verstand verloren? Wie werden wir ab kommender Woche eigentlich mit den vier Kita-Stunden am Tag zurechtkommen? Muss ich den Wecker stellen? Am 14. geht es los.  Aber Moment, am 17. Mai steht außerdem der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie im Kalender. Ist eine neue Anleitung zum Alleyship vonnöten? Wie können wir als Medium diverser und intersektionaler werden? Und wie bringe ich meinem Sohn bei, dass die Menstruationstasse kein Raumschiff für Lego-Figuren ist? Während ich mich eigentlich noch mit Fragen wie diesen zu beschäftigen versuchte, hatte Pro Sieben allerdings wieder einmal seine Hausaufgaben nicht gründlich genug gemacht und in einem gut gemeinten 15-Minuten-Beitrag gemeinsam mit Joko und Klaas auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht, dabei aber einen zu 99% weißen Cast zu Wort kommen lassen und noch dazu gemeinsame Sache mit Terre des Femmes gemacht, einer überaus streitbaren Organisation, die in Deutschland durch Islamophobie glänzt. Habe ich den Typen, der mich vor Jahren im Schlaf gefingert hat, eigentlich angezeigt? Und wieso wird besoffenes Pöbeln im Freundeskreis eigentlich noch immer so gern verniedlicht? Habe ich noch Alkohol im Haus? Soll ich endlich LSD ausprobieren? Und warum schaut man auf Acid besser nicht in den Spiegel? Fast hätte ich den Gedanken zu Ende denken können, aber dann grätschte mir schließlich auch noch der Kulturwissenschaftler und Autor des Buches „Vertrauter Fremder“ Stuart Hall dazwischen, in dem er mich mit seinem Zitat „Identität, im Singular, wird niemals abschließend erlangt. Identitäten, im Plural, sind die Mittel des Werdens.“ geistig auf Trab hielt. Wer bin ich? Und was? Jüdin, Katholikin oder nichts, weil ich vor allem Atheistin bin? Wo ist die Pommes? Und was, wenn er davon auf die Blumen bricht?

Da war er also wieder, der Kater, der vom Raben in den Schwanz gebissen wurde. Und die Einsicht, dass sich nicht nur die Welt weiter dreht, ganz gleich, wie matsche du bist, sondern dass eben auch der Kopf weiter rattert, egal wie platt du auf dem Boden liegst. 

Es wundert es mich also nicht im Geringsten, dass so viele von uns gerade anfangen, komische Dinge zu tun. Um sich abzulenken. Um etwas Schönes zu machen. Etwas, das greifbar und spürbar und wahrhaftig ist. Dass plötzlich Brote gebacken werden, die neununddreißig Mal gewendet werden müssen, dass Fimo Knete in jedem zweiten Haushalt zum abstrakt geschwungenen Kerzenständer mutiert, dass die Leute schon wieder massenhaft in Marie Kondo-Manier ihre Schränke beackern oder tatsächlich lernen, zu coden. Macht doch. Macht das alles. Alles, was gut tut. Denn mit der  aktuell so viel besprochenen toxischen Selbstoptimierung hat diese Art von Rastlosigkeit nun wirklich ungefähr rein gar nichts am Hut.

Ich zum Beispiel, ich kann jetzt Tarot-Karten legen. Weil mein Gehirn kleine Pausen braucht, aber bitte keine Ruhe – sonst kriegt es nämlich schon wieder die Krise in der Krise

 

 

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24 Kommentare

  1. Dino

    Warum sollte Covid19 gefährlicher als die „normale“ Grippe sein? Erklär mal mal bitte wie Du Deinen Familienmitgliedern Covid19 erklärst bzw. wie Du gegen die Einstellung Deiner Familienmitglieder unternimmst. Würde mich sehr interessieren.

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Dino, ich habe das „harmlos“ jetzt mal in Anführungsstrichen gesetzt, damit es nicht übersehen werden kann. Habe auch nirgends geschrieben „gefährlicher“. Es geht hier um jene Gruppe von Menschen, die zum Beispiel so argumentiert: „Wozu all die Einschränkungen, Influenza bringt doch auch voll viele Leute um“. Was daran kritisch zu betrachten ist, muss ich ja hoffentlich nicht erklären. Ganz liebe Grüße.

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      1. Dino

        Liebe Nike, zunächst möchte ich die lieben Grüsse erwidern.
        Was mir Sorgen macht ist, dass -unabhängig von der Faktenlage- jegliche Diskussionsmöglichkeiten mittlerweile aufgrund einer medial-unterhaltenen Massenhysterie oder einer Diffamierungskampagne gegen Andersdenkende unterbunden ist. Dabei stellt die sachliche Diskussion einen Grundpfeiler für unsere Gesellschaft dar. Ähnliche Zustände gab es beispielsweise bei der Frage um die Abtreibung, wo jegliche Argumentation aufgrund einer Massenfrömmigkeit untersagt war und jegliches Pro-Argument im Keim erstickt wurde. Abtreibungsbefürworter waren seinerzeit a priori als *Mörder* abgestempelt genauso wie heutzutage die Kritiker der sog. Corona-Massnahmen als *unsolidarisch bzw. asozial* abgestempelt werden. Nochmals: WIR brauchen die Möglichkeit einer offenen Diskussion!
        Gruß Dino

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        1. Mayan

          Hi Domi, ich finde es toll, dass du sachlich argumentiert. Umso mehr ärgert es mich, dass du dich am Ende doch demaskierst. Ich wurde gar keine Diskussion im Keim erstickt, weil noch gar keine begonnen wurde. Du bist also, wie viele KritikerInnen schon darauf gepolt, dass hier irgendwer gegen dich ist. Keiner sagt, DU bist asozial. Keiner hat gesagt, dass Kritik ungerechtfertigt ist. Was da passiert ist, war einzig und allein das Aufzeigen von Aussagen, die eben nicht auf sinnvollen Argumenten basieren. „Die sind ja alt“ geht hoffentlich nicht als Argument durch, oder doch? Glaube nicht, dass alles andere nicht diskussionswürdig ist. Das hat Nike sogar selbst schon geschrieben. Stichpunkt: Häusliche Gewalt und soziale Ungerechtigkeit, z.B für Kinder aus bildungsfernen Familien.

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      2. Anna

        Huhu Nike, ich bin zwar in vielen Punkten der selben Meinung wie du, finde aber, dass du deine Ansichten teilweise etwas unglücklich-harsch formulierst. („Wie aber können wir vorgehen gegen solche saudummen Leute? Wie bietet man Stimmen die Stirn, die Covid-19 noch immer für eine „harmlose Grippe“ halten, denen es egal ist, wenn „ältere Menschen dann eben etwas früher sterben“? Und haben die Leute durch die Lockerungen den Verstand verloren?“).. solches „Auskotzen“ und das Degradieren anders Denkender hat uns doch noch wirklich gar nie weiter gebracht. Mir ist das auch schon oft aufgefallen, wenn über Nazis oder Abtreibungsgegner geschrieben wurde. Du kannst ja deine Ansicht haben und die für die einzig Richtige halten – aber damit setzt du dich doch genau auf die selbe Stufe herab, wie die, die du als „saudumm“ bezeichnest..Diskurs ist jedenfalls so nicht mehr möglich, und zwar von beiden Seiten 🙂

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        1. Nike Jane Artikelautor

          Liebe Anna, verstehe total, was du meinst, aber das hier ist eine Kolumne, also ein Meinungsartikel und der kommt dann auch nicht ganz ohne Meinung aus. Ich weiß, dass das wichtige Themen sind, zum Beispiel „mit Nazis reden“, aber einiges davon will ich nicht mehr. So zum Beispiel beim Thema „Abtreibungsgegner“. Kann ich erwarten, dass sie mir mit Samthandschuhen begegnen? Nö, die schreien „Mörderin“. Halte ich für meine Meinung aber gerne aus. Und denke, vor allem in diesem Beispiel hier, dass ein „saudumm“ noch zur harmlosen Art des „Luftmachens“ zählt. Danke trotzdem, wirklich. Nur könnte ich persönlich nicht mehr halbwegs „frei“ schreiben, wenn ich mit jedem Satz auch auf jede Befindlichkeiten all jener Acht geben würde, die wirklich ganz, ganz weit sind von meinen (politischen) Überzeugungen herum bummeln. Diskurs ist doch super. Man kann dann auch gern mit mir motzen und sich an meiner Meinung reiben, am Ende lernen dann ja vielleicht beide Seiten dazu. Ich werde jedenfalls darauf achten, nicht mehr „saudumm“ zu sagen, da hast du vielleicht recht. Außer, naja, es geht um Nazis. Aber die sind ja noch viel mehr als das.

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          1. Anna

            Hey Nike, cool vielen Dank für deine schnelle Antwort. Ich wollte das hier nur einmal ansprechen, da ich das Gefühl habe, in letzter Zeit wird hier auf dem Blog sehr viel in Stereotypen gedacht. Wer sich kritisch über die Flüchtlingspolitik äußert ist ein Nazi, wer von der Corona-Krise anders denkt ist „saudumm“. Wenn du sagst, das ist deine Meinung die du gern äußern würdest, verstehe ich das. Nur äußerst du diese Meinung ja nicht nur am heimischen Küchentisch sondern auf einer mehr als öffentlichen Plattform. Manchmal habe ich das Gefühl, es geht hauptsächlich darum, bestehende Meinungen zu verhärten. Und ich finde das, ehrlich gesagt, nicht schön zu lesen. Ihr könntet ja auch Mal den Spieß umdrehen und „Anders-denkende“ zu Wort kommen lassen, vllt. sind das doch nicht so Stereotypen-behaftete Menschen, wie man denkt. Sondern Menschen mit eigener Geschichte, persönlichen Gründe, die sie zu ihren Ansichten bringen. Damit könnte man vllt. ein Stückchen hin zu einer Toleranz gegenüber Menschen mit anderen Überzeugungen und müsste sich nicht über jeden aufregen, der anderer Meinung ist als man selbst 🙂

  2. Anna

    … was mir Sorgen macht ist eher dass sogar unter einem solchen Beitrag, der selbst ja garkeine Stellung bezieht, diese Diskussion losgeht. Auch wenn ihr auf euer „Andersdenken“ noch so stolz seid, haut es doch bitte nicht immer und überall jedem um die Nase.
    Ich habe es nämlich sehr genossen diesen Text zu lesen, der eben gerade nicht den Anspruch erhebt irgendetwas (besser) zu wissen oder verstanden zu haben, sondern ehrlich beschreibt was in einem klugen und dennoch auch mal ratlosen Kopf vorgeht.

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  3. hirndiva

    Also ich habe einen Chef, der seine Schutzbefohlenen, meine Kolleginnen und mich mit seinen persönlichen Coronatheorien gefährdet. Das Robert Koch – Institut in Frage stellt, die Maskenempfehlung mit dem Hinweis auf schmerzende Ohren aushebelt und fast täglich mit Holunder – oder Selleriesaft Theorien um die Ecke kommt. Vitamin D Statistiken und Selbstheilungsliteratur nicht zu vergessen. Das Stofftaschentuch wandert ständig von Nase zu Hosentasche hin und her….
    Das Alles macht mich traurig und wütend und ich fühle mich ausgeliefert…..
    Spätestens wenn er mit dem Aluhut zum Dienst erscheint werde ich über einen Stellenwechsel nachdenken müssen.
    Wenn Menschen die Verantwortung für Andere tragen, ihre persönlichen Theorien und Einstellungen zur Prämisse und Leitlinie erklären wird es gefährlich ( ich spreche hier vom öffentlichen Dienst).
    Privatmeinung hat in verantwortlicher Position nichts verloren.
    Ich bin ziemlich verzweifelt, obwohl, oder weil ich eine mutige Frau bin.

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  4. hirndiva

    P.S. : Wir arbeiten mit Kindern im Grundschulalter und ich glaube, die Eltern wehren sich nicht,weil sie so dankbar sind einen Notbetreuungsplatz „ergattert“ zu haben. Es ist halt so wütendmachend wenn die Personen, sprich Frauen ,die sich versuchen besonnen zu verhalten, als hysterische Weiber abgetan werden. Das ist eine Spirale von Abhängigkeiten, die in dieser Krisensituation erst richtig deutlich wird.
    Puuuhh, ich bin so wütend…..

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  5. Bea

    Hi Anna,
    tut mir leid, ich verstehe was du sagst, aber dann wäre das halt keine Kolumne mehr. Und ich wäre anders herum schockiert, wenn hier Meinungen zu Wort kommen würden, die entgegen allen Überzeugungen sind. Außer bei so spitzen Themen kommen hier echt viele Meinungen zu Wort. Die Janes sind ja schon sehr unterschiedlich. Aber du willst doch nicht echt sagen, dass du zu denke gehörst, die Rechten, Verschwörungstheoretiker und Abtreibungsgegnern noch immer eine Plattform bieten sollten. Lies mal Nikes letzten Text über Schwangerschaftsabbrüche. Viel toleranter kann man nicht sein… Ist vielleicht nur dein subjektiver Eindruck gerade?

    Antworten
    1. Anna

      Man gibt ihnen doch gerade dann eine Plattform, indem man sich immer wieder darüber aufregt, immer wieder thematisiert wie doof die anderen mit anderer Meinung sind. Ein bisschen mehr Aussitzen (und ja ganz gezielt auch bei Meinungen, bei denen man denkt es könnte einem der Kopf explodieren) würde uns allen (m.E.) einfach echt gut tun..

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    2. maja

      Danke Bea, genauso sehe ich das auch. Erschreckend ist doch wie unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit und Toleranz menschenverachtende Gedanken und Äußerungen immermehr in den gesamtgesellschaflichen Diskurs einfließen und/oder bewusst gestreut werden, und somit die Gesellschaft nachhaltig verändern. Nazis, Veschwörungstheoretikern und Menschen, die mit ihrer Meinung gegen den gesunden Menschenverstand, die Wissenschaft und die Menschlichkeit verstoßen wird ihr Recht auf Meinungsäußerung nirgendwo in diesem Land genommen, aber das Recht auf Meinungsfreiheit beinhaltet eben nicht, dass man diesen „saudummen“ Meiningen zuhören muss, nein, man darf sie hinterfragen, muss sich kritisch damit auseinandersetzen und hat die Pflich demokartie- und menschenfeindliches Tun und Sagen anzukreiden und dagegen zu steuern. Ich möchte ehrllcherweise hier auf Jane Wayne weder Gespräche mit Nazis o.ä. lesen, noch diese auf andere Art zuWort kommen lassen. Der Kommentarbereich ist ja offen, auch wenn es wie gesagt erchreckend ist, dass auch hier Versuche unternommen werden menschenverachtende Meinungen als ganz normalen Teil des Dikurses darzustellen. Wichtiger als eine Meinung ist es doch eine Haltung zu haben und diese zu zeigen und zu verteidigen, in diesem Sinne: Danke Janes.

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      1. Anna

        Liebe Maja, direkte Frage an dich: du findest es erschreckend, von mir zu lesen, dass ich für mehr Toleranz gegenüber anderen Ansichten plädiere, dass keine Beleidigungen gegenüber anders denkenden Menschen ausgesprochen werden? Nur, dass ich dich richtig verstehe.
        Ich merke nämlich, diese Diskussion, wenn auch online, driftet genau dahin ab, wie jegliche andere Diskussion zu diesem Thema offline.
        Nicht jeder Mensch kann der selben Ansicht sein, manche Menschen haben nun mal andere Ansichten zu z.B. Abtreibungen, ohne dass sie jemandem damit Schaden zufügen. Es ist einfach nur deren Meinung. Darauf beleidigend und degradierend zu reagieren ist so viel tödlicher für den öffentlichen Diskurs, den wir bräuchten, als andere Meinungen einfach anerkennen zu lernen

        Antworten
        1. Julia

          Zur Meinungsfreiheit gehört, dass man aushalten muss, dass andere Deine Meinung saudumm finden & das auch sagen.

          Antworten
        2. maja

          Hallo Anna,

          ich finde nichts von dem erschreckend, was du schreibst. Jeder darf denken, sagen und machen was er möchte (natülich im rechtlichen Rahmen), ebenso wie jeder anders (der eine schneller/der andere gar nicht) auf Beleidigungen oder Kontra reagieren darf, das ist alles absolut individuell und das Ergebnis persönlicher Erfahrungen, wie du selber schreibst, jeder is anders. Und weil man nicht von sich auf andere schließen sollte, sollte man bei den Erwartungen an andere auch nicht vorschnell sein. Dazu gehört z.b. auch mal seine Meinung für sich zu behalten (aus welchen Gründen auch immer), andere Meinungen auszuhalten und eben auch mal ohne eine Antwort oder Reaktion stehen gelassen zu werden. Und ja, ich bin für eine gewisse Intoleranz gegenüber Intoleranten, mal mehr mal weniger, abhängig von meiner Laune, dem Tag usw.

          Antworten
        3. Sarah

          Naja, gegen Dummheit (unfassbar wieviele Leute mittlerweile den Eindruck nach außen geben, dass sie einen Abschluss in Biologie und somit Kenntnisse in Virologie hätten) kann man dann auch nichts mehr machen.

          Antworten
  6. tülay

    könntest du bitte näher erläutern, inwiefern Terre des Femmes islamophob ist? habe selbst muslimischen Hintergrund und kann die Kritik nicht wirklich nachvollziehen.

    Antworten
      1. Nika

        Inwiefern ist denn aber ein Verschleierungsverbot für kleine Mädchen (das heisst für Mädchen die 6-10 Jahre als sind und noch nicht in der Pubertät sind), oder ein Gesichtsverschleierungsgebot (kein Kopftuchverbot!!) „islamophob“?
        Meinst du nicht, dass kleine Mädchen nicht als sexuelle Objekte kategorisiert werden sollten, die schon mit 6 Jahren vor männlichen Blicken „verhüllt“ werden müssen, nur damit sie sich daran gewöhnen und sich später nicht gegen ein Kopftuch entscheiden?
        Und zum Thema Gesichtsschleier (und ich habe absolut nichts gegen Kopftücher einzuwenden): Kann denn eine Gesellschaft nicht selber entscheiden, dass bei uns Mimik und Augenkontakt zur normalen Kommunikation dazugehören? Wie viele dieser Frauen möchten sich tatsächlich freiwillig das Gesicht (und teils sogar die Augen verhüllen), oder machen dies nur auf Anweisung ihrer Ehemänner oder Familien? Wie viele Mädchen hegen mit 6 Jahren tatsächlich den Wunsch ihr Haar zu verhüllen und so schon in der Grundschule teils „Aussenseiter“ zu sein?
        Dies als „islamophob“ zu bezeichnen finde ich absolut kurzsichtig.

        Antworten
        1. Nike Jane Artikelautor

          Liebe Nika,
          ich habe zu Beginn genau so argumentiert wie du und kopflos drauf los geredet, weil alles doch so klar erschien. Aber dann habe ich verstanden, dass es hier nicht um mich und meine persönliche Meinung geht. Also habe ich angefangen, zuzuhören. Und zu verstehen. Zu recherchieren und dazu zu lernen. Ich lehne Terre des Femmes nicht ab und sehe viele Teilgebiete der Arbeit dieser Organisation als wichtig an. Einige Standpunkte (zum Beispiel zum Thema Sexarbeit) empfinde ich im Kontext eines Anspruchs an einen Feminismus, der intersektional sein muss, allerdings als sehr streitbar. Warum durch das von dir benannte „Verbot“ Islamfeindlichkeit weiter befeuert wird und im Zweifel die Falschen trifft, lässt sich etwa hier nachlesen:
          https://www.ufuq.de/nein-zu-einem-kopftuchverbot-fuer-minderjaehrige-eine-migrationspaedagogische-stellungnahme/

          Antworten
  7. tülay

    Es tut mir leid, die Argumentationen der in den Artikeln genannten Befürworter der Kopftücher erschließen sich zumindest mir persönlich, die genau mit diesen kulturell / religiös bedingten „Traditionen“ jahrzehntelang zu kämpfen hatte, überhaupt nicht! Ich möchte nicht zu weit ins Detail gehen, aber ich begrüße jede oppositionelle Debatte um dieses Thema absolut.

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