Feministischer Kampftag 2021: Bücher, Dokus & Podcasts zum Thema Gleichberechtigung

08.03.2021 Buch, Feminismus

Letztes Jahr verbrachte ich den 8. März in Zürich. Ich sprach vor einem großen Publikum über Feminismus und aktuelle feministische Herausforderungen, anschließend signierte ich Bücher und umarmte Menschen. Klar, das Wissen, dass etwas Ganz und gar nicht in Ordnung ist, war da – mehrere meiner Veranstaltungen rund um den Weltfrauentag waren abgesagt worden und in Zürich forderten strategisch platzierte Flaschen mit Desinfektionsmittel die Besucher*innen auf, vorsichtig zu sein. Ein Jahr später, am 8. März 2021, stecken wir immer noch mitten in der Pandemie, und so verbringe ich zum ersten Mal seit Jahren den Weltfrauentag alias Frauenkampftag alias feministischer Kampftag in Berlin.

 

 
 
 
 
 
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Ein bisschen traurig bin ich darüber schon, schließlich fallen so die vielen bereichernden und interessanten Begegnungen weg, die dieser Tag mir sonst beschert. Nur gut, dass ich mich mit mehreren guten Büchern, Dokus und Podcasts zum weitläufigen und facettenreichen Thema Gleichberechtigung ablenken und inspirieren lassen kann – und dabei auch ein paar tolle Frauen entdecken.

Rebecca Buxton und Lisa Whiting (Hrsg.): Philosophinnen. Von Hypatia bis Angela Davis: Herausragende Frauen der Philosophiegeschichte (Mairisch Verlag)

Die Philosophie gilt immer noch als männlich geprägte Domäne. Zu Unrecht, wie Rebecca Buxton und Lisa Whiting in der von ihnen herausgegebenen Anthologie Philosophinnen feststellen: „Die Geschichte der Philosophie ist den Frauen nicht gerecht geworden.“Das wollen die beiden britischen Philosophinnen ändern und präsentieren in zwanzig Porträts große Denkerinnen von der Antike, übers Mittelalter und bis in die Neuzeit. Mit dabei sind viele bekannte Namen (Simone de Beauvoir und Hannah Arendt), aber auch viele unbekanntere (Ban Zhao, Diotima oder Sophie Bosede Oluwole). Und wer nach dieser erhellenden Lektüre Lust hat, weitere Philosophinnen zu entdecken, findet im Anhang eine umfangreiche Liste mit Namen. Bonuspunkt: Philosophinnen glänzt nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch: knallige Farben, modernes Design und ein Format, das gut in der Hand liegt und jedes Buchregal schmückt.

Rebecca Buxton und Lisa Whiting (Hrsg.): Philosophinnen. Von Hypatia bis Angela Davis: Herausragende Frauen der Philosophiegeschichte (Mairisch Verlag)

Beate Hausbichler: Der verkaufte Feminismus. Wie aus einer politischen Bewegung ein profitables Label wurde (Residenz Verlag)

Man mag es kaum glauben, aber vor gar nicht allzu langer Zeit war Feminismus noch etwas, mit dem sich kaum Geld verdienen ließ. Heute hingegen schreit einem „Empowerment“ aus nahezu jeder Werbekampagne mit der Zielgruppe Frauen entgegen, ist alles irgendwie feministisch und betonen Promi-Damen in jedem Interview, wie wichtig ihnen Gleichberechtigung ist. Die US-amerikanische Feministin Andi Zeisler hat dieses Phänomen bereits vor einigen Jahren in ihrem Buch Wir waren doch mal Feministinnen untersucht, nun folgt mit Beate Hausbichlers Der verkaufte Feminismus eine weitere Analyse. Die österreichische Journalistin und Leiterin von dieStandard – dem frauenpolitischen Ressort von derStandard – fragt „Wann wurde Feminismus zu Everybody’s Darling?“. Auf gut 200 Seiten legt sie dar, wie der Feminismus vom Kapitalismus gekapert wurde. Und dass bei vielem zwar fett „Feminismus“ draufstehen mag, meistens aber doch nur Selbstoptimierung und Konsum drinstecken.

Beate Hausbichler: Der verkaufte Feminismus. Wie aus einer politischen Bewegung ein profitables Label wurde (Residenz Verlag)

Teresa Bücker: Pandemie und Geschlechter. Ein Gespräch über eine feministische Zukunft (Dietz Verlag)

In seiner neuen Interview-Reihe rausgeblickt wirft der Dietz Verlag ein Schlaglicht auf Themen, die durch die Pandemie besonders in den Fokus gerückt sind. So spricht Gesine Schwan über Solidarität, Thomas Piketty über Ungleichheit – und Teresa Bücker über Gleichberechtigung. Wie gewohnt eloquent und pointiert. Auf übersichtlichen 64 Seiten erklärt die Journalistin, wie und warum Corona vor allem Frauen so hart trifft und warum das Thema Gleichberechtigung plötzlich zweitrangig zu sein scheint. Bücker wirft wichtige Fragen auf, für die Politik, die Gesellschaft, und für jede*n einzelne*n.

„Diese Frage stelle ich mir seit der Pandemie: Wie lange braucht eigentlich Veränderung? Wie lange müssen wir auch in den Familien leben in den neuen Situationen, bis sich substanziell etwas ändern kann?“

Teresa Bücker: Pandemie und Geschlechter. Ein Gespräch über eine feministische Zukunft (Dietz Verlag)

Die Zwanziger – das Jahrzehnt der Frauen (Arte)

Ach, was wurde Ende 2019, Anfang 2020 über die „goldenen Zwanzigern“ diskutiert! Man erwartete ein neues, goldenes Jahrzehnt – was man stattdessen bekam, war eine globale Pandemie. Anders als die aktuellen 20er Jahre, waren die 1920er Jahre tatsächlich ein gutes Jahrzehnt für Frauen, wie die Dokumentation Die Zwanziger – das Jahrzehnt der Frauen zeigt:

„Mit ihren skandalträchtigen Auftritten, ihrer unorthodoxen Lebensführung oder ihrem extravaganten Self-Styling leisten die Covergirls und Hollywoodstars der Zwanziger Jahre Pionierarbeit für ein Millionenheer namenloser Frauen. Denn was sich hier in Kleidung, Frisur und Attitude manifestiert, ist ein neues weibliches Selbstverständnis. Es ist der erste historisch wirklich ernsthafte länder- und klassenübergreifende Versuch von Millionen Frauen, aus dem Schatten des Mannes zu treten. Schon während des Krieges haben die Frauen die vakanten Arbeitsplätze der an die Front abkommandierten Männer besetzt. Nun ertrotzen sie sich das Wahlrecht, kämpfen um gesellschaftliche Teilhabe und sexuelle Selbstbestimmung.“

Die Zwanziger – das Jahrzehnt der Frauen (Arte)

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Echtes Leben: Jung, jüdisch, weiblich (ARD)

Dass Deutschland auch über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch ein Problem mit Antisemitismus hat, dürfte klar sein – der Anschlag auf eine Synagoge in Halle 2019 ist eine aktuelle und traurige Erinnerung daran, dass Menschen jüdischen Glaubens hierzulande immer noch auf Misstrauen stoßen, bedroht, beschimpft und diskriminiert werden. Und das, obwohl die meisten nichtjüdischen Deutschen gar nicht so richtig wissen, was das bedeutet: modernes Judentum. Für ihre Dokumentation Jung, jüdisch, weiblich haben Nicola Graef und Lena Scheidgen drei Frauen begleitet, die jüdische Traditionen und Glauben ganz unterschiedlich interpretieren. Was bedeutet es heute, als junge Frau das Judentum in Deutschland zu leben? Diese Frage beantworten die Autorin und säkulare Jüdin Linda, die orthodoxe Jüdin Rina und die angehende queere Rabbinerin Helen.

Echtes Leben: Jung, jüdisch, weiblich (ARD)

Alice Hasters über Rassismus und Aktivismus (COSMO)

Unter dem Motto „Kontrollverlust“ gab das Radioprogramm COSMO im Februar das Mikro an prominente Gäste weiter und ließ diese das Programm gestalten – darunter auch Autorin Alice Hasters (Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten) und Moderatorin Aminata Belli. Hasters nutzte ihre Sendezeit, um über die schwarze Frauenbewegung in Deutschland zu sprechen, ein Kapitel der deutschen Frauenbewegung, das faszinierend, wichtig und viel zu unbekannt ist.

Alice Hasters über Rassismus und Aktivismus (COSMO)

Macht’s gleich – weg mit dem Sexismus in den Medien! (ProQuote Medien)

 
 
 
 
 
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Seit Jahren setzt sich der Verein ProQuote Medien für eine Geschlechterquote in den Medien ein – und mittlerweile gibt es auch den passenden Podcast dazu. Für Macht’s gleich treffen die Journalistinnen und ProQuote-Vorstandsmitglieder Liske Jaax und Sarah Stendel Menschen, mit denen sie darüber sprechen, wie die Arbeitswelt für Medienschaffende gerechter gestaltet werden kann. Denn ob Equal Pay, sexuelle Belästigung oder Mansplaining in Konferenzen: Baustellen gibt es viele. Auf dem Programm standen in den bisherigen Folgen die gläserne Decke, die mangelhafte Repräsentation von Frauen in regionalen Medien und ungleiche Bezahlung. Für kommende Folgen angekündigt ist u.a. ein Gespräch über sexualisierte Gewalt sowie ein Gespräch mit der Journalistin Sibel Schick über Hass im Netz.

Macht’s gleich – weg mit dem Sexismus in den Medien! (ProQuote Medien)

Dr. Emilia Roig über Identität, Queerness und persönliche Befreiung (Role Models Podcast)

Für den Role Models Podcast treffen Isabelle Sonnenfeld und David Noël regelmäßig weibliche Vorbilder – Frauen mit unterschiedlichen Berufen, Lebenswegen und Erfahrungen. Aktuell war Dr. Emilia Roig zu Gast, Gründerin und Direktorin des Center for Intersectional Justice (CIJ) und Autorin des Bestsellers Why we matter. Das Ende der Unterdrückung. Im sehr persönlichen Gespräch geht es um eben dieses Buch, um Empathie und Schmerz. Weitere, hörenswerte Episoden, sind zum Beispiel die mit Laura Gehlhaar, Hadnet Tesfai, Aminata Touré, Esra Karakaya… und natürlich die mit Nike!

Dr. Emilia Roig über Identität, Queerness und persönliche Befreiung (Role Models Podcast)

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Feministischer Kampftag 2021: Bücher, Dokus & Podcasts zum Thema Gleichberechtigung

  1. Mara

    Weltfrauentag alias Frauenkampftag alias FEMINISTISCHER KAMPFTAG*
    nicht nur (cis-)Frauen leiden unter dem Patriarchat, sondern auch intersexuelle Menschen, nicht-binäre Menschen, transgender Menschen. Ich würde mir daher sehr wünschen, würde diese Terminologie verbreitet und genutzt werden.

    Antworten

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