Dürfen wir vorstellen? Das schönste Upcycling-Label für unsere Köpfe: New Kids in the House!

20.12.2021 Accessoire, Tiny Jane

Im vergangenen Sommer öffnete ich nicht nur ein Päckchen mit zwei ziemlich schönen Sommer-Caps für meine Kinder, ich fand darin auch einen handgeschriebenen Brief mit Worten, die ins Herz trafen und die ich so positiv und schön fand, dass mir diese Caps und natürlich dieses Label gleich noch ein Stückchen mehr ans Herz wachsen sollten. Die Rede ist von New Kids in the House, dem Nürnberger Upcycling Brand von Sarah und Flo, die seit 2017 aus schönsten Reststoffen noch viel schönere Kappen kreieren, bereits mit Labels wie Bobo Choses gemeinsame Sachen machten und für 2022 noch ganz viel mehr planen.

Mein Herz hängt also längst an den furchtbar guten Designs der NKITH-Macher*innen und weil ich bereits all meinen Freund*innen von diesem besonderen Fund erzählt habe, müsst ihr es heut natürlich erst recht erfahren. Grund genug also, mir Mitgründerin Sarah in der wohl trubeligsten Zeit des Jahres zu schnappen, um mit ihr über die Idee zu NKITH zu sprechen und mehr über die Menschen hinter der Marke zu erfahren. Zeit hat sie sich trotz der verrücktesten Saison weit und breit genommen und Antworten gegeben. Und die lest ihr hier:

JW: Liebe Sarah, ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich zu meiner ersten Bestellung einen handgeschriebenen Brief von dir im Paket fand, der mich so berührt hat, das ich die Designs von dir und deiner Truppe gleich noch viel lieber mochte. Magst du unseren Leser*innen verraten, was drin stand?

Aber klar! Es war Herbst 2016 als ich Hamdi bei einer Ausstellung von Geflüchteten kennenlernte. Ich steckte mitten im Studium der Sozialen Arbeit und hatte ein paar Jahre vorher meine Ausbildung zur Schneiderin fertig gemacht. Von einer Freundin wusste ich, dass Hamdi ebenfalls Schneider ist und in Syrien eine große Textilproduktion geleitet hat. Wir verstanden uns sofort und hatten den selben Humor. Ihm fiel die Decke auf den Kopf während er auf den Nachzug seiner Frau und den vier Kindern wartete und so fingen wir aus Zeitvertreib an, gemeinsam zu nähen.

Zusammen mit anderen engagierten Menschen haben wir dann Nähworkshops für Flüchtlinge organisiert. Parallel haben Hamdi und ich Kinderkleidung aus alten Stoffen genäht. Florian hat sich dann auch immer mehr eingebracht und Logo, Labels und Co für uns gestaltet und so wurde langsam aus dem Projekt eine kleine Firma. Anfang 2017 haben wir dann New Kids gegründet. Hamdi war unser erster Mitarbeiter und Florian hat dann Ende des Jahres seinen Job gekündigt, um auch voll mit dabei sein zu können.

 

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

 

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

 

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

JW: Ich glaube, es ist diese Mischung aus „Machen“ und aus eurem Selbstverständnis heraus, sozial UND nachhaltig zu arbeiten, das mich ziemlich schnell um den Finger gewickelt hat. Nun gut, irre schön sind eure Caps natürlich auch. Warum eigentlich Caps?

Sarah: Der Kern unseres Projektes war schon immer Upcycling. Wir haben mit Hosen für unsere Kinder angefangen und irgendwie kam ich auf die Idee, auch mal eine Mütze aus alten Stoffen zu nähen. Die Ohrenklappen-Mütze im Colorblock-Design entstand dann an einem sonnigen Montag. Ich werde nie vergessen, wie ich damals hüpfend durch das Büro gesprungen bin, um allen diese neue Süßigkeit zu zeigen. Daraufhin nähten wir unzählige Muster und uns kam die Erkenntnis, dass wir bei Mützen aufgrund der kleinen Schnittteile auch größere Auflagen aus unseren Reststoffen herstellen können. Es folgte ein sehr gut besuchter Stand in Berlin am Voodoo Market und uns wurde klar, was die Welt braucht.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von NEW KIDS IN THE HOUSE (@newkidsinthehouse)

JW: Und woher bekommt ihr die ganzen Stoffe?

Sarah: Unsere Stoffe sind Abfall aus der Hotellerie und werden durch Überproduktionen und Resten aus der Textilindustrie ergänzt. Unser Ziel ist es, Müll zu vermeiden – und das beeinflusst auch unsere täglichen Entscheidungen. Ohne uns wären diese kostbaren Baumwolllaken wahrscheinlich im Abfallcontainer gelandet und im besten Fall wären ein paar Putzlappen daraus entstanden. Für die Produktion von Baumwolle werden Unmengen an Wasser verbraucht. Um diese wichtige Ressource zu schonen setzten wir auf Upcycling.

JW: „New Kids in the House“ steht für mich vor allem für Spaß und Leichtigkeit, für grandios gute Farbzusammenstellungen und haptische Träume: Bist du eigentlich dafür verantwortlich? Und wenn ja, wie gehst du hier vor?

Sarah: Ich freue mich sehr, dass die bunte Leichtigkeit ankommt – genau so soll es sein! An unserer Marke und auch den Designs arbeiten Florian und ich gemeinsam. Meist macht einer den ersten Schritt hin zu einer neuen Idee und dann entwickelt sich alles weitere im Ping Pong zwischen uns. Das funktioniert ziemlich gut und wir sind selbst immer überrascht wie sehr sich das Design über den Prozess verbessert. Manchmal dauert es auch einfach, bis alles richtig sitzt. Unterstützt werden wir von einem grandioses Team aus Schneider*innen und Helfer*innen, die auf diese verrückte Reise mit uns gehen.

JW: Momentchen Mal, du hast es eben schon kurz angedeutet, aber: Wie sieht eigentlich dein beruflicher Hintergrund aus? Und: War für euch schon immer klar, zu gründen?

Sarah: Ich bin gelernte Modeschneiderin und habe Soziale Arbeit (fast fertig) studiert. Florian ist Grafikdesigner und hat zuletzt eine Agentur geleitet. Dort haben wir auch gegründet und ein freies Zimmer zum Nähen bezogen. Für Florian und mich war schon lange klar, dass wir etwas eigenes schaffen wollen.

Tausend und eine Geschäftsidee später sind wir bei dem, was wir jetzt tun und wir freuen uns beide die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

JW: Ihr sitzt in Nürnberg: Chance oder extra viele Stolpersteine?

Sarah: Eher Chance. Wir sind beide in Nürnberg geboren und aufgewachsen. In unseren 20ern sind wir nach Barcelona gezogen und haben dort gemeinsam zwei Jahre gelebt. Nach einer wunderbar bunten und sehr feierreichen Zeit mit kurzen Arbeitspausen hat es uns doch wieder in die Heimat gezogen. Wir haben in Nürnberg ein großes und verlässliches Netzwerk an Freund*innen und können uns jederzeit schnelle Hilfe suchen. Auch unsere Familien leben hier und unterstützen uns mit den Kindern. Ohne Sie würden die vielen Nacht- und Wochenendschichten nicht möglich sein, die unser Projekt mit sich bringt.

JW: Ihr hattet und habt bereits mehrere Zusammenarbeiten mit „Bobo Choses“ hingelegt und verkauft über „Smallable“ und andere, ziemlich grandiose Online Stores. War all das von Anfang an, also seit 2017, so geplant und wurde akribisch darauf hingearbeitet oder hat sich irgendwie alles anders entwickelt, als gedacht?

Sarah: Ich würde es nicht als geplant sondern als „geträumt und gewünscht“ bezeichnen. Mein Traum war es mit Bobo Choses eine Collab zu machen – und so kam es auch. Auch liebe ich das Lunch Lady Magazin selbst so sehr, dass ich Louise, die Gründerin dieses bunten, australischen Magazins für Food und Family schnell begeistern konnte etwas mit uns zu machen. Ich glaube fest daran, dass wenn man sich etwas ganz stark wünscht und sich schon in die Situation hineinversetzt, bevor sie eingetroffen ist, dann hat man eine reelle Chance das auch zu erreichen. Und wenn nicht, dann ist es gesund, sich besonders kurz darüber zu ärgern oder zu grübeln und sich auf die nächste Idee einzulassen.

JW: Wie müssen wir uns einen „ganz normalen“ Tag in eurem Arbeitsalltag vorstellen?

Sarah: Kinder in Schule und Kita bringen, Studio um 9 Uhr aufsperren, Kaffee kochen, E-Mails checken und die Näher*innen begrüßen, die entweder schon da sind oder gerade eintrudeln. Dann rattern die Maschinen, das Bügeleisen dampft und die Morgenrunde mit der lieben Anna und unseren Praktikanten leitet weiter den Tag ein. Dann wird wie von Zauberhand gebügelt, genäht, zugeschnitten, sortiert, gewogen, gepackt, verschickt, bedruckt, geplant, verworfen, Zeit verschwendet oder Plan B kommt zum Einsatz und am späten Nachmittag ist der Spuk schon wieder vorbei und alle verlassen vergnügt das Studio und tingeln nach Hause.

JW: Klingt schön wuselig, aber woran würdet ihr gern noch mehr feilen? Was passt dir gegenwärtig nicht so sehr?

Sarah: Ich würde so gern neue und mehr Produkte anbieten können. Wir haben einen so hohen Anspruch an die Qualität und die damit verbundenen Testphase, dass wir es auch zeitlich noch immer nicht geschafft haben, eines unserer unzähligen Samples Verkaufsfertig zu machen. Das soll sich 2022 definitiv ändern!

JW: Das klingt spannend, also: Wovon träumst du als nächstes? Wir können es nämlich kaum erwarten, es zu hören!

Sarah: Tatsächlich heißt es für das kommende Jahr einfach „nur“ viele, neue Produkte aus Upcycling Materialien zu entwickeln. Wir nähen im Januar riesige, überdimensional große Vorhänge aus Frottee Handtüchern für ein Café.

Dafür haben wir mit einer befreundeten Illustratorin zusammen gearbeitet. Vielleicht werden wir ja zur Vorhangmanufaktur! Wir sind da ganz offen für alles was kommt und folgen unserem Herzen.

JW: Vorhänge, das klingt nach einer richtig guten Marktlücke! Ich habe erst kürzlich eine Umfrage auf Instagram dazu gestartet und die spannendsten Accounts gesucht. Apropos Instagram: Welche Accounts möchtest du uns hier ganz besonders empfehlen?

Sarah: Nach meiner täglichen Dosis @lovis_messerschmidt, die mich wie in einer meditativen Wolke aus schönen Momenten umgibt, folge ich besonders gern dem @hellolunchlady Magazin und der lustigen Family-Party der Gründerin Louise. Ihre Stories machen gute Laune und sind immer ein bisschen witzig und auch ehrlich und klug zugleich. Die liebe Lea von @donnerstagsonntag bewundere ich für ihre Farbwelten, Keramik und ihre tollen Kinderbuchtipps, die sie mir privat in einer unserer Quatschstunden am Telefon so gibt. @nanda_schwarz liebe ich für ihren vintage Stil und für die süßesten Hundegassi Bilder. Nicht zu vergessen ist meine Lieblings Berlin Bande bestehend aus @oneword_maria, durch die ich mich ein bisschen zur Großstadt dazu gehörig fühle und meiner Verbundenheit zu der großartigen Illustratorin und Autorin Sarah von @gretasschwester. Auch dabei ist Jules @herz.und.blut die mich täglich mit ihren Interior Bildern und Good Vibes verzaubert.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von esther ☆ (@ourlifeinthealps)

JW: Welche Playlist soll jetzt am liebsten im Hintergrund des Interviews laufen?

Sarah: Flo stellt gerade eine New Kids Playlist zusammen, die wir bald mal teilen wollen. Sie läuft die letzten Tage rauf und runter und tut einfach gut 🙂 Happy Holidays! Und ganz viel Harmonie für 2022 – das wünsche Ich mir!

Liebe Sarah, dann wird die hier so schnell wie möglich ergänzt – und: Das wünschen wir euch und eurem schönen Label erst recht. Danke, dass es euch gibt und danke dir für eure Zeit. Nur das Liebste, die andere Sarah.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mehr von

Related