Fair Friday // Von Freundschaft, Schmuck & Selbstfindung.
All Eyes on: Yakamozz.

09.12.2016 Fair Fashion

yakomozz

Ricci und Aylin, Sisters by Heart und Gründerinnen des Schmucklabels Yakamozz, haben nie einen Businessplan geschrieben, hatten nie vor, Schmuck zu designen und sind durch und durch selfmade. Von zerbrochenen Herzen zur Weltreise, von der Weltreise zur Reise zu sich selbst. Aus Freundinnen wurden Schwestern, aus Schwestern wurden Businesspartnerinnen und schließlich Schmuckdesignerinnen.

Die größte Herausforderung dabei: Arbeit und Freizeit zu trennen, Freundschaft und Traumjob „Schmuckdesignerin“ unter einen Hut bringen, zusammen zu wachsen, anstatt zu zerbrechen und sich heute immer noch gern zu haben, vielleicht mehr als jemals zuvor. Vergangenes Wochenende habe ich die Yakamozz Girls in ihrer aktuellen Wahlheimat Berlin getroffen und eigentlich vorgehabt, sie bis zum Gehtnichtmehr mit Fragen zu bombardieren. Genau genommen musste ich aber nur ein sanftes „erzählt doch mal“ in die Runde sprechen, um anschließend einer gut einstündigen, etwas verrückten, aber ziemlich erfolgreichen Story über Mädchenfreundschaft, Freiheitssehnsucht und Girlboss-Mentalität zu lauschen. Herausgekommen ist das hier, halb Interview, halb Erzählung unterlegt mit einer Menge Bilder der aktuellen Yakamozz Kollektion, made in Bali unter ethischen Arbeitsbedingungen und mit Liebe in Handarbeit.

This is Jane Wayne - Fair Friday - Yakamozz

Vor über sechs Jahren habt ihr euch in eurer Heimatstadt Mönchengladbach über Freunde kennengelernt. Wieso ist gerade aus eurer Begegnung resultiert, dass ihr einen so langen Weg gemeinsam geht?

Wir sind kurz nach unserer Begegnung beide durch ein einschneidendes Erlebnis gegangen und haben gemeinsam ins allseits bekannte Heartbreak Hotel eingecheckt. Dort angekommen ging bei uns beiden die so genannte „Quarterlife Crisis“ erst richtig los. Erst zu zweit merkten wir wirklich, dass wir uns intensiv mit uns selbst, unserem Wesen, unserem Verstand und unserer Seele beschäftigen müssen, wenn wir aus diesen Herzschmerzen wachsen und ein neues Kapitel in unserem Leben starten möchten. Anfänglich standen da endlose Gespräche, viele Bücher und Selbstfindungs-Therapien auf dem Programm, die dann schließlich eine Entwicklung ins Rollen brauchte, die immer mehr Relevanz in unserer beider Leben einnahm.

Je mehr uns bewusst wurde, wie unbewusst wir bisher existiert hatten und wie vieles wir gemacht, gesagt und getan hatten “weil man das eben so macht” und “weil sich das so gehört”, desto mehr stärkte sich der Wille, Dinge zu tun “weil sie sich richtig anfühlen” und “weil sie uns glücklich machen”. Wir wollten raus aus den festgefahrenen Mustern, bei denen man sich vor einem Schritt vorwärts immer erst mal nach rechts und links umschaut und Entscheidungen maßgeblich von Meinungen der Eltern, Freunde, Bekannten und der Gesellschaft abhängig macht. Wo bleibt da der Blick nach innen, der Blick auf seine ganz persönlichen Werte und die Entwicklung ganz eigener Spielregeln?

Sich all diesen Fragen zu stellen ist zu zweit ein gutes Stück leichter. Man ist eben nicht alleine, sondern teilt Ängste, Träume, Traurigkeit und Glück.

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Dann ging eure Reise zu euch selbst ja eigentlich erst so richtig los. Habt ihr Antworten auf diese ganzen Fragen gefunden?

Dieser ambitionierte Weg zu uns selbst lief gut, bis er plötzlich nicht mehr gut lief. Wir haben einiges versucht anders zu machen, uns unseren Ängsten und Träumen zu stellen und trotzdem kam immer wieder die Frage auf: Wieso bist Du immer noch unzufrieden?

Was sich im ersten Moment wie Undankbarkeit und Jammern anhört, war tatsächlich die Motivation und der Ehrgeiz, sich noch viel weiter entwickeln zu wollen. Wir konnten uns mit so einer Unzufriedenheit nicht anfreunden und wollten es auch nicht. Uns war eher nach noch mehr lernen, noch mehr spüren und in uns hineinhorchen, noch mehr kaputt machen und neu aufbauen. Und schließlich das Entscheidende: Raus aus den Routinen und aus der symbolischen Reise eine tatsächliche Reise machen.

“Wir müssen hier weg. Wir wissen nicht wohin und wir können euch auch nicht erklären warum. Aber wir haben euch lieb und kommen bald wieder” war der ungefähre Wortlaut an unsere Eltern, dicht gefolgt von einer dreitägigen Diskussion darüber, ob „das wirklich sein muss“. Ja es muss wirklich sein. Entscheidung getroffen. Job gekündigt, Studium pausiert, Wohnungen gekündigt, Auto verkauft. Das war im Januar 2014. Wo ist es gerade am wärmsten? Australien? Ok. Australien. One way Ticket gebucht und 3 Wochen später im Flugzeug konnten wir den Gedanken kaum fassen, dass wir gerade tatsächlich in unser Abenteuer starten. Da lies eine akut einsetzende Schnappatmung nicht lange auf sich warten.

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Australien also. Und dann? Nach drei Wochen zurück nach Hause?

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch noch eine groben Plan vor Augen, wie die Reise verlaufen könnte. Es sollten 2 Monate Australien werden, 3 Wochen Bali, dann Thailand, Kambodscha, Myanmar und Vietnam. Zwischendurch wurde mit Hawaii geliebäugelt. Rundherum klassische Backpacker Destinationen eben. Das Ganze hat dann auch die ersten 8 Wochen lang gut geklappt. Als wir aber im April 2012 in Bali ankamen fing aus heutiger Sicht unsere eigentliche Reise erst richtig an. Gleich am ersten Tage in Bali, wir hatten uns natürlich null mit der Insel beschäftigt und keine einzige Reisevorbereitung getroffen, landeten wir in einem ganz schrecklichen Hotel in der schlimmsten, lautesten, schmutzigsten Touri-Ecke, die es auf Bali gibt. Von “Eat, Pray, Love”, paradiesischen Stränden, grünen Reisfeldern, Meditation und Soul Searching keine Spur. Nach nur 3 Stunden haben wir angefangen nach Flügen zu suchen, um unsere Weiterreise direkt auf den nächsten Tag zu verlegen. Bloß weg von diesem asiatischen Ballermann. Auf Facebook entdeckten wir, dass ein großartiger Straßenmusiker, Dustin Thomas, den wir in Australien entdeckt hatten noch in dieser Woche auf Bali spielt. Um ihn noch ein mal live spielen zu sehen, wollten wir dann doch noch ein paar Tage bleiben, sind in den Ort Canggu gezogen und letztlich 1,5 Jahre dort geblieben.

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 Kam euch auf Bali auch der Gedanke, gemeinsam ein Schmucklabel zu gründen?

Ja, genau. Im August 2014 wollten wir uns beide mit Accessoires ausstatten und haben nach Silberschmuck gesucht. Wir dachten Bali, das Mekka des Silberschmucks, da wird es doch das leichteste sei,n genau das zu finden, was wir suchen. Naja, zu finden was man sucht, ist ja grundsätzlich, in jeder Lebenslage, nicht immer ganz einfach. Wohl oder übel mussten wir uns also mit dem Angebot zufrieden geben, was die Insel so für uns bereit hielt. Doch ein ganz bestimmtes Teil ließ sich einfach nicht finden: Es sollte eine ganz schlichte, filigrane, minimalistische Sterling Silberkette mit einem winzig kleinen Mond-Anhänger sein. Wir haben jeden Markt und jede Schmiede abgesucht, aber immer war irgendwas: Zu groß, zu klein, mit Steinchen und so weiter. Nach einer Weile gaben wir einfach auf und ließen uns schließlich zwei Mondketten anfertigen. Endlich hatten die Moon-Sisters ihren Talisman bekommen und trugen ihn von diesem Tag an zu jeder Tages- und Nachtzeit. Allerdings trafen die Ketten auf so viel Anklang von Freundinnen und Bekannten, dass uns in den Sinn kam, dass es vielleicht noch andere Moon-Sisters geben könnte. Es war eigentlich genau dieser Moment, in dem Yakamozz gegründet wurde. Gleich einen Monat später haben wir Stücke unsere erste Kollektion anfertigen lassen. Bali ist mit seiner in der Kultur verankerten Handwerkskunst des Silberschmuckes für uns einfach der ideale Produktionsort.

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Hat sich eure Freundschaft denn in irgendeiner Art durch die lange Zeit im Ausland verändert?

In einem Satz zusammen gefasst, hat die Reise aus zwei Freundinnen zwei Schwestern gemacht. Die größte Herausforderung, der wir mit dem meisten Respekt entgegen treten mussten, ist mit der engsten Freundin tagtäglich zusammen zu arbeiten und den Schalter zwischen beruflichem und privatem im Sekundentakt hin und her zu switchen. Und das 24/7. Das erfordert manchmal viel Kraft und immer Disziplin. Wenn man so eine unfassbar intensive Zeit zusammen verbringt, die auf so vielen verschiedenen Ebenen so extrem ist, ist die Wahrscheinlichkeit in der Regel groß, dass man sich einfach sehr voneinander entfernt und letztlich die Freundschaft daran zerbricht. Wir sind zusammen, alleine, miteinander und gegeneinander an viele Grenzen gestoßen, aber glücklicherweise immer wieder stärker aus den Situationen herausgegangen. Zusammen sind wir unser zuhause und fühlen uns nirgends einsam oder fremd. Gerade der letzte Punkt ist wohl auch der Grund, dass wir diese Reise überhaupt so lange machen konnten. Nach zwei Jahren auf und ab können wir jetzt ganz sicher sagen: Du bleibst für immer meine Schwester. Es ist das wertvollste, was wir uns bisher erarbeitet haben.

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Was bedeutet Yakamozz für euch?

Yakamozz ist unser Schicksal. Wir haben es weder kommen sehen, noch hätten wir es uns je erträumen lassen, dass wir zwei Jahre nachdem wir nach uns selbst gesucht haben, ein Unternehmen gegründet haben, von dem wir mittlerweile beide gut leben können. Jeden Tag aufzuwachen und mit der besten Freundin an einem solchen Passion Project arbeiten zu dürfen, ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Unser Start-Up ist im Grunde der fundamentalste Teil unseres Lebens, da wir alle Ressourcen wie Energie, Kraft, Arbeit oder finanzielle Mittel investiert haben. Im Gegenzug gibt es uns die Freiheit, unseren Alltag und unser Berufsleben so zu formen, wie wir es gerne hätten.

Unterm Strich ist es das Beste, was uns je widerfahren ist. Auch wenn es viele Momente gibt, in denen man die Waagschale mit all den positiven Seiten umwerfen möchte. Denn ständig frei, ungebunden und rastlos zu sein, hat eben auch seinen Preis.

Inwiefern habt ihr euch durch die Arbeit an Yakamozz verändert?

Yakamozz hat uns erlaubt, unser ganzes Leben so zu formen, dass es sich richtig anfühlt. Ohne Yakamozz hätten wir niemals diese völlig märchenhafte Zeit auf dieser zauberhaften exotischen Insel verbringen dürfen, niemals wären wir jetzt hier in Berlin, umgeben von den vielen inspirierenden Menschen und wir wären einfach nicht wer wir sind. Es hat jedes Atom in uns verändert. Wir haben zum ersten Mal in unserem Leben gelernt Verantwortung für etwas zu übernehmen, das uns wirklich wichtig ist.

Und die wichtigste Lektion, die ihr auf eurer Reise gelernt habt?

Egal was man im Leben erreichen möchte, das Wichtigste ist immer: Durchhaltevermögen.

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Es klingt ehrlich und echt, was Ricci und Aylin erzählen. Sie wirken auf eine gewisse Art und Weise so erschöpft von den Ereignissen, Lektionen und Abenteuern der letzten Jahre und gleichzeitig versprühen sie so viel positive Energie, dass man am liebsten heute noch einen Flug ins Nichts buchen möchte.

Das Leben der Yakamozz Girls spiegelt sich auch in ihren Designs wieder: Minimalistisch, clean, hochwertig, anspruchsvoll und freiheitsliebend. Der Schmuck hat keine festgelegten Linien und keine klassischen Kollektionen im saisonalen Takt. In jedem Unikat spiegelt sich ein Mix aus verschiedenen Stilen und Kulturen, die die beiden auf ihren Reisen kennengelernt haben.

Yakamozz wird unter fairen Bedingungen auf Bali gefertigt. Ricci und Aylin sind in ständigem Kontakt mit der Produktionsstätte, kennen die Produktionsleiterin persönlich und pflegen mittlerweile sogar zu allen Arbeitern der Fabrik ein sehr familiäres Verhältnis. Mindestens zweimal im Jahr besuchen die beiden die Produktion, um sich regelmäßig von der Einhaltung der Standards ein Bild zu machen.

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