Bald im Kino: „Extrem laut und unglaublich nah“ – der Trailer

30.09.2011 Allgemein, Film

Jonathan Safran Foer ist ein Genie der Worte, ein Grübler und Melancholiker, einer der hervorragendsten Schriftsteller der Jetztzeit. Mit gerade einmal 25 Jahren erschien sein Debütroman „Alles ist erleuchtet“ – ein Buch, das mehr ist als ein fader Hype, mehr als ein massenkompatibler Bestseller. Mit seiner Geschichte über den urainischen Übersetzer und „Helden“ Alex, der sich auf die Suche nach jener Frau begibt, die seinem Großvater während des zweiten Weltkriegs das Leben gerettet hatte, schrieb er sich an die Spitze der begabtesten Wortkünstler, die nicht nur mir bisher auf den Nachttisch kamen. Foer gilt als Liebling der Kritiker. Spätestens nach seinem zweiten Werk „Extrem laut und unglaublich nah“ kam man nicht umher, geradezu nach weiteren Ergüssen des Amerikaners mit jüdischen Wurzeln zu gieren. Und auch „Tiere essen“ konnte den Zauber nicht zerstören.

Anfang nächsten Jahres, vorraussichtlich im Januar, wird es nun die zweite Foer-Geschichte auf Leinwand zu bestaunen geben. „Alles ist erleuchtet“ mit Elijah Wood in der Hauptrolle kam nah an das Gefühl des dazugehörigen Romans an, diesmal kommen wir ob des Trailers allerdings ins Zweifeln.

Trailer „Extrem laut und unglaublich nah“:

Das Buch hat sich so fest in die Köpfe all jener hereingebrannt, die es gelesen haben, noch nie habe ich auch nur eine einzige negative Stimme über diese tragisch-schöne Erzählung vernehmen können. Der neunjährige Oscar verliert seinen Vater durch die Anschläge des 11. Septembers und ist seither traurig, sehr traurig. Beim Kramen in dessen Nachlass  stößt der überaus schlaue und selbsternannte „Erfinder, Goldschmied, Amateur-Entomologe, Frankophile, Veganer, Origamist, Computer-Spezialist und Sammler“ schließlich auf einen ominösen Schlüssel, dessen Bedeutung etliche Fragen aufwirft. Fortan häuft sich ein ganzes Sammelsorium an Einfällen und Gedanken an, die den kindlich-durchdachten Protagonisten und Ich-Erzähler während der Suche nach der Vergangenheit seines Vaters durch ein bedrohlich-schönes, aber vor allem surreales New York führt, dass ihn, Oscar, auf märchenhafte Gestalten und dessen skurrile Biographien treffen lässt und auch uns, die Leser, von Zeile zu Zeile entführt, uns mitreißt und den dringenden Wunsch danach, herauszufinden, in welches Schloss der Schlüssel passt, ins Unermessliche steigert.

 

Viel mehr soll gar nicht gesagt werden, denn wer das Buch nicht selbst liest oder gelesen hat, der sollte dies schleunigst nachholen und sich gefasst machen auf eine erdrückende Gefühlsexplosion, auf Höhen und Tiefen, auch rührende Passagen und schreiend-schreckliche, auf den kleinen Oscar, der schlauer und weiser ist, als die meisten Erwachsenen, auf eine Geschichte, die bleibt.

Wie aber soll man das, was Foer und abertausend sensible Worte verpackt hat, nun angemessen auf Leinwand bringen? Zu früh möchten wir noch kein Urteil fällen, der Trailer aber hat Ernüchterung hinterlassen. Sandra Bullock als Mutter? Nichtmals Oscar selbst haben wir uns so vorgestellt. Was meint ihr – kann das was werden?

Trailer „Alles ist erleuchtet“:

5 Kommentare

  1. jen

    Klar wird das was. Aber ein Film hat es noch nie geschafft, ein Buch zu ersetzen. Ich finde sehr gut, dass der Hauptdarsteller nicht zu niedlich ist. Der Sixth-Sense-Jungen-Look wäre grausam gewesen. Sandra Bullock und Tom Hanks können eigentlich beide was, und haben hier eh nur Nebenrollen. Dafür: John Goodman! Max von Sydow! James Gandolfini! Jeffrey Wright! Und das Wichtigste: Der Regisseur. Stephen Daldry muss seit The Hours nix mehr beweisen. Trailer sind halt immer für das breite Publikum gemacht und daher oft furchtbar cheesy (allein U2 als Musikhinterlegung, oh my God). Aber das wird was. Ich glaube es ganz fest.

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  2. Nike Artikelautor

    oh ja, ich hab ganz vergessen zu erwähnen, dass wirklich nur gute leute an der produktion des filmes beteiligt waren. und u2 hatten sie sich auch schon für den letzten trailer ausgesucht, herrje. aber vielleicht hast du recht, zu niedlich wäre auch nicht gut. ich bleib trotzdem ein bisschen skeptisch. aber hoffen tu ich auch!

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  3. Marlen

    Ich denke schon, dass der Film gut wird. Vielleicht, mit etwas Glück, auch sehr gut, an das Buch kommt, wie oben schon erwähnt, ja nie ein Film heran. Trotzdem freue ich mich, obwohl die Stimmung, die bisher im Trailer transportiert wird, nicht ganz mit der übereinstimmt, die ich beim Lesen empfand.

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  4. Ines

    oooh, ich finde den trailer leider auch ziemlich enttäuschend. sieht nach hollywoodkino par exellence aus. (u2 geht ja mal gar nicht…) und der teil der geschichte, der mich am meisten beeindruckt hat – die geschichte von oscars großvater und dessen liebe zur einen und leben mit der anderen frau – die scheint irgendwie verloren gegangen zu sein. aber ich glaube, den zauber des buches wird sowieso nur schwerlich ein film transportieren können. wer erinnert sich nicht an die seiten mit den rot eingekringelten wörtern unter denen man krampfhaft die fehler zu entdecken versuchte? oder die seiten über und über bedeckt mit einem zahlencode, als oscars großvater vom flughafen aus telefoniert? oder die stelle, an der die schrift des buchs mehrfach übereinander gedruckt ist, und zwar so lange, bis man einfach gar nichts mehr lesen kann? hach, dieses buch birgt so viele rätsel und geheimnisse für den leser. ich glaube, ein film wird mcih sowieso nie zufrieden stellen können… :/
    außerdem: mein oscar sah irgendwie anders aus…

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  5. Paula

    Ich muss Ines da leider zustimmen.Während „Alles ist erleuchtet“ wirklich noch eine schöne Verfilmung war, sieht das viel zu sehr nach Hollywoodkino aus.

    Und:
    „Mit seiner Geschichte über den urainischen Übersetzer und “Helden” Alex, der sich auf die Suche nach jener Frau begibt, die seinem Großvater während des zweiten Weltkriegs das Leben gerettet hatte,“

    Ich hasse unnötiges Rumkriteln, aber bei dieser Geschichte tut es fast in der Seele weh eine so falsche Zusammenfassung zu lesen.

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