Plauderei mit Leslie Clio, O-Saft und Lebensweisheiten

„Hochschwanger“, bereit für den heutigen Tag und somit mehr als bereit für ihr erstes Album-Release: Leslie Clios Baby heißt Gladys und verspricht, sich in unseren Ohrmuscheln zu verkrümeln, nicht mehr rauskommen zu wollen und mit uns in den Sommer zu starten. Wir kannten sie bislang nur aus dem Radio, erinnerten uns an die unbekümmerten Soul-Popmelodien und ihre Inhalte über Herzschmerz und das Starksein. Eine O-Saft-Verabredung sollte das ändern und wurde zur unkomplizierten Plauderei über die vergangenheitsverliebte Leslie, eigene Lebensweisheiten, ihre Wahlheimat Berlin und die Frage „Was derzeit überhaupt ihre Aufmerksamkeit kriegt?“.

Sie ist frech, forsch, lustig und ganz viel Mädchen und macht sich so erfrischend geheimnisvoll, dass wir noch immer hunderte Fragen zum WiesoWarumAhaWirklich? im Kopf haben und sie damit löchern könnten. Liebe Leslie, wir drücken dir ganz fest die Daumen, dass Gladys nicht nur von 5 Leuten gekauft wird, auch wenn du sagst, dass das für dich nicht so schlimm wäre.

Aber wer bereits jetzt schon als deutsche Adele gehandelt und mit der verstorbenen Amy verglichen wird, der hat’s verdient, dass man sich die Musik der gebürtigen Hamburgerin irgendwo zwischen Retroverliebtheit, einer starken Stimme, rauen Nuancen und Unbändigkeit und Facettenreichtum etwas genauer anhört. Die Musik von Leslie Clio ist nicht nur großartigst geeignet für eigene Performances unter der Dusche, sondern dürfte zum sympathischen Gegenentwurf ihrer deutschen Kolleginnen avancieren – ohne durch Eigenarten irgendwann wahnsinnig zu nerven oder durch Kantenlosigkeit durchs Raster zu fallen. Und dafür wäre wohl jeder mehr als dankbar!

Aber hört und seht selbst: Eine Plauderei mit Leslie Clio, O-Saft und Lebensweisheiten!

Das Album gibt’s natürlich wie immer bei den gängigen Download-Dealern wie iTunes oder im Allesladen Amazon!

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Wir hören seit Wochen nur deine Stimme im Radio. Aber wer bist’n denn eigentlich?

Leslie: Ich bin Leslie Clio, gebürtige Hamburgerin, wohne seit 5 Jahren in Berlin und ich habe ein Album aufgenommen, das heute erscheinen wird.

Du bist gerade auf Promo-Tour: Was erwartet uns denn genau beim ersten Studio-Album „Gladys“?

Leslie: Euch erwartet Soul-Pop. Es ist schon ein bisschen Retro-Soul mit einem Twist ins Kantigere und Roughere. Hörenswert und spannend. Ich schreibe, was ich ästhetisch schön finde, was sich toll anhört und was mich persönlich betrifft – ausschließlich autobiografisch und ich. Das ist meine Musik.

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Aufgeregt?

Leslie: Nö, gar nicht. Freudig, sehr freudig: Es wird Zeit, denn das Album ist schon seit zwei Jahren fertig. Es liegt da rum und ich bin überschwanger. „Told you so“ ist über zwei Jahre alt und es kann jetzt endlich weiter gehen.

Du hast vor zwei Jahren damit angefangen, Gladys zu beginnen, zu schreiben, auszutüffteln und daran herumzuwerkeln. Aber wie hat’s dich überhaupt dahin getrieben?

Leslie: Ich wollte schon immer Sängerin werden, habe das aber irgendwann gar nicht mehr verfolgt, habe nach dem Abi meinen Rucksack gepackt, alles verkauft und bin erst mal durch die Gegend getingelt. Hier und da mal mit Leuten am Strand Gitarre gespielt, viel geschrieben und gelesen und ich habe mich viel treiben lassen. Ich hatte den Kopf frei und konnte dadurch viele Puzzleteile sammeln.

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Zurück bei der Mama hatte ich meinen Flug nach Australien eigentlich schon gebucht, traf aber auf eine alte Freundin, die mir von ihrer einjährigen Gesangsausbildung erzählte. Total unvorbereitet ging’s dann zum Vorsingen und tatsächlich haben sie mich ganz überraschend genommen. Ein ziemlich emotionaler Moment, denn der Wunsch wurde echt lange unterdrückt. Schon komisch, mit einem Mal hat ihn das Schicksal einfach wieder zurück geholt.

Dann ging’s auch schon nach Berlin, wo ich eh schon irgendwie immer war und dort habe ich genetworked, gesocialized und vorgesungen. Ja, und kurz bevor ich auch schon das Handtuch werfen wollte, denn man wird ja auch nicht jünger, habe ich tatsächlich noch mit einer soliden Ausbildung geliebäugelt. Im letzten Moment habe ich aber dann Nikolai Potthoff (Anm. d. Red. Bandmitglied von Tomte) kennen gelernt: und das war Magie – love at first side. Menschlich und fachlich. Ein Selbstläufer. Eine Probeaufnahme und schon war klar: Das wird ein Album!

Stichwörter „Vorbilder“ – gibt’s DIE Lady, die es dir angetan hat?

Leslie: Ich habe mich schon immer wahnsinnig viel mit Musik beschäftigt und mit 12 Jahren kam der erste AHA-Moment mit Lauryn Hill und mein persönlicher Hype. Da ist der Vorhang gefallen und ich hab fortan meine Zeit in Plattenläden verbracht. Musik, Musik, Musik. Allen voran Soul, Jazz und Motown.

Gibt’s gegenwärtig Mädels, die dich schwer beeindrucken. Stichwort: Girls Power?

Leslie: Ich lebe tatsächlich irgendwie immer noch in der Vergangenheit, aber natürlich gibt es viele „Girls“, die ich großartig finde: Ich bin ein großer Fan von Santigold oder M.I.A. Ich finde, Frauenpower ist gerade vor allem in der Musik super präsent, gefühlt präsenter als in anderen Bereichen, z.B der Wirtschaft und der Politik.

Wo wir beim Thema sind: Hast du eine Pro- und Contra-Liste, dein Fazit, was die Frauenquote angeht?

Leslie: Ich hab’ da viel drüber nachgedacht und finde, es ist beides richtig. Und doch: Jetzt gerade macht’s Sinn. Jetzt für die Zeit. Nicht für immer, aber für den ersten Durchbruch. Denn klar ist es auch wieder irgendwie unfair und Leistung müsste an erster Stelle stehen und doch ist’s eine Männerwelt – stehe den Mann, hieß es einst! Heute stehen wir die Frau, und das ist oben in den Etagen noch nicht so angekommen. Und damit das passiert, brauchen wir eine Frauenquote. Denke ich. Das denken ist in Kleinenstädten ja auch noch mal ganz anders als in größeren Städten.

Apropos: Du bist Wahlberlinern. Warum eigentlich?

Leslie: Billig, alle kommen her und hier passiert gerade alles. London und New York sind einfach zu teuer und von Hamburg aus ist’s ziemlich nah. Außerdem steckt hier hinter jeder Ecke eine neue Welt. Hinter jeder Wand eine andere Wohnung. Man kann quasi in Berlin Urlaub machen, weil’s hier immer etwas zu entdecken gibt.

Wo trifft man dich in Berlin?

Leslie: In meinem Bett, in meiner Badewanne und im Büro meines Managers. Geheimtipps verrate ich nicht! Aber ich liebe die grünen Flecken Berlins inklusive Umland und davon gibt’s ’ne Menge!

Dein Stil spricht Berlin: Nike Air Max, der Dutt und die Bomber Jacke. Aber: Wie würdest du ihn denn beschreiben?

Leslie: Ich bin niemand, der es einsieht, nach dem Motto „Sex sells“ zu handeln. Ich habe das an, was ich privat auch trage. Leslie Clio ist Leslie Clio. Sie ist bequem, will sich wohlfühlen und bewegungsfrei sein. Ich liebe Weekday-Hosen und Nike-Sneaker, ein bisschen Schmuck und fertig.

Im Video „I couldn’t care less“ sehen wir eine Lala Berlin Bluse und einen Muschi Kreuzberg Pullover. Wie wichtig ist dir der Berlin Support der Berliner Labels, die ja nun unterschiedlicher nicht sein könnten?

Leslie: Das war tatsächlich in erster Linie Zufall. Schön gefunden und gekauft! Aber: Es ist schon ganz witzig, dass die prägnantesten Stücke von Berliner Designern sind. Ziemlich gutes Zeichen für die, was?

Entdeckt und gekauft. Klingt easy. Wie kriegt man sonst deine volle Aufmerksamkeit?

Leslie: Indem man genauso aussieht wie mein Freund. Und das lasse ich jetzt so stehen.

Zugegeben, das ist jetzt schon ein bisschen Zucker.
30 Minuten sind gleich um, die Kollegen dort hinten warten schon. Es wird ganz kurz:

 

Hip Hop oder House?

Hip Hop, natürlich!

Kaffee oder Tee?

Beides.

Vegetarier oder Alles-Esser?

Vegetarier!

Konzert oder Festival?

Konzert. Oder Festival mit Hotel.

Pink oder Blau?

Ich bin ein roughes Girl ganz in Pink. Daher beides.

Kino oder Theater?

Theater.

Restaurant oder selber kochen?

Restaurant und Lieferservice.

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Was hast du bisher erreicht?

Leslie: Ich hab ’ne Platte gemacht. Hört sich wenig an, was?

Was willst du erreichen?

Leslie: Das war alles so unerwartet, dass es gern so weiter gehen kann. Ich bin ready!

Und herumgesponnen: in 20 Jahren – was hast du dann geschafft?

Leslie: Warte mal, in 20 Jahren bin ich auch schon älter, nicht wahr? Da ist fast schon Menopause, oder?

Ja. Hm, vielleicht. Wenn du Glück hast, noch nicht. Aber ziemlich sicher.

Leslie: Hmm. Ich hätte gern ein kleines Häuschen auf einer Insel und eine Wohnung in der Stadt. Für meine verschiedenen Facetten, sozusagen.

Was finden wir gerade auf deinem iPod?

Leslie: Ich hab’ als Spätzünder jetzt erst Spotify für mich entdeckt und habe Listen angelegt für Songs, für die ich noch nicht ausreichend Zeit hatte und die dringendst angehört werden müssen.

M People, Ton Steine Scherben, da kenn ich nämlich auch noch nicht alle Alben von. Dann Mina und Patty Pravo, die italienischen Sängerinnen. Außerdem Maria Maqueva, die alten Platten vor allem, Robert Plant und dann findest du da noch Roxy Music Alben und Jack Bug.

Dein Lebensmotto:

Leslie: Entscheide dich nicht zu schnell und triff keine voreiligen Entscheidungen und lass dich nicht überrumpeln, sondern überlege genau und nimm dir einen Moment, um herauszufinden, was du willst. Denn wenn du weißt, was du willst und wer du bist, dann kann dir nichts passieren. Eigene Fehler zu machen ist ok, aber mit fremdgesteuerten Fehlentscheidungen zu leben ist scheiße. Wenn „Gladys“ nur 5 Leute kaufen, ist das in Ordnung. Weil es zu 100 Prozent ich ist und ich damit überglücklich bin!

 

Und ab April geht’s auf Tour:

15.04.2013        Wien, WUK

17.04.2013        Zürich, Plaza

18.04.2013        Stuttgart, Keller Klub

20.04.2013        Frankfurt, Zoom

21.04.2013        Köln, Werkstatt

22.04.2013        Dortmund, FZW

23.04.2013        Münster, Gleis 22

25.04.2013        Leipzig, Moritzbastei

26.04.2013        Hamburg, Molotow

27.04.2013        Berlin, Festsaal Kreuzberg

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