Das Ende eines Berliner Labels –
Firma schließt die Pforten.

28.04.2014 Mode

firma

Wenn Herzprojekte aus und vorbei sind, trifft das doppelt hart. Wenn es sich dann auch noch um ein Berliner Modelabel handelt, hängen die Mundwinkel gleich besonders tief: Nach 17 Jahren ist für ein Label jedenfalls Schluss mit Mode: Das Berliner Brand Firma verabschiedet sich nach ihrer Herbst/Winter 2014 Auslieferung vom unbeständigen Modemarkt und hinterlässt ein ganz mulmiges Gefühl. Was passiert da bloß mit der deutschen Mode? Die einen setzen für ein paar Saisons aus, die anderen straucheln von Kollektion zu Kollektion und wieder andere gehen lieber nach Paris oder London als hierzulande auf den großen Tag zu warten.

Der Grund sei keinesfalls Insolvenz, so die Macher von Firma Daniela Biesenbach und Carl Tillessen im Interview mit der FAZ. Wiesoweshalbwarum dann? „Wir hören aus freien Stücken auf. Wir haben keine Lust mehr, uns schlecht behandeln zu lassen.“

Aufgeben nach 17 Jahren harter Arbeit – das klingt bitter und gleichzeitig verständlich. Weiter schreibt die FAZ, die Konkurrenz um H&M und Co. sorge dafür, dass der Einzelhandel immer weiter auf der Strecke bleibt. Mode wird immer günstiger, kleine Concept Läden haben’s immer schwerer. 

Auch das Verhältnis zwischen Boutique-Inhaber und Designer hat sich gewandelt. Einige Shops geraten selbst in finanzielle Not und Zahlungsschwierigkeiten gegenüber Lieferanten; nehmen Designerware auf Kommission an und geben unverkaufte Kollektionsteile am Ende der Saison an den Hersteller zurück. (Stylebook)

fuehlen-sich-schlecht-behandelt-daniela-biesenbach-und-carl-tillessen© MARTIN MAI via FAZ.

Mehr Infos zum Firma-Ende hat Alfons Kaiser für uns. Wir sind tatsächlich langsam etwas arg besorgt, wie das hier in Berlin eigentlich noch weiter gehen soll. Die Mercedes-Benz Fashion Week jedenfalls gerät langsam aber sicher ins ziemlich starke Wanken. Für den Berliner Modestandort jedenfalls ist dieses Ende kein besonders gutes Zeichen.

Wir jedenfalls drücken Daniela Biesenbach und Carl Tillessen ganz fest die Daumen für neue Projekte und sind gespannt, womit die zwei uns demnächst überraschen werden. Wir sind uns nämlich ziemlich sicher, dass da bestimmt trotzdem noch was kommen wird <3

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4 Kommentare

  1. Theresa

    Ganz schön hart sowas. Aber es wundert mich auch nicht: wenn solche Labels wie Primark immer stärker werden, wer kann denn da noch mithalten (preislich und vom Umfang her). Traurig, traurig…

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  2. anna

    Wirklich traurig und auch erschreckend. Leider gehrt der Trend doch irgendwie immer noch weiter zum Mehr & Billiger. Ich gelobe hiermit jedenfalls feierlich, weniger online und mehr in kleinen Boutiquen und bei kleineren Labeln einzukaufen. Qualität statt Quantität – das muss doch auch die Primark-Meute irgendwann schnallen, oder?!

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  3. franzel

    Die machen ganz hübsche Sachen, aber wer kann sich hier melden und sagen, dass er da regelmäßig einkaufen geht?

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  4. Lara

    Vielleicht ist ja auch einfach der Mode-Hype in Deutschland am Ende?
    In Paris und Co gab es immer ein großes Interesse an Mode, in Deutschland hat man sich aber selten groß dafür interessiert (Man bedenke, dass auch heute noch auf deutschen Mediengalas die Promis in Basler und C&A herumlaufen…). Das war Jahre lang so.
    Erst in den späten 2000ern fing Mode an, mit Kultur gleichgesetzt zu werden und auf einmal gab es in jedem Kuhkaff Fashion Week Derivate, weil man das eben haben musste. Man war schließlich urban und hatte eine ganz eigene Modeszene… Zeitgleich tauchten die Streetstye- und Modeblogs auf, um diese Aussage zu untermauern. An sich nicht schecht – die Demokratisierung der Mode. Aber eben – zumindest hierzulande – ein relativ neues Phänomen.
    Was anfangs nur die ganz Hippen gemacht haben, ist schon lange Mainstream. In jeder Kleinstadt gibt es Modeblogs, in jedem noch so kleinen Stadtkern findet man Teenager, die sich beim Schuhe anprobieren für ihr Instagram fotografieren. Ich finde das nicht schlecht. Aber die early adopter machen sich dann natürlich schnell aus dem Staub. Mit sowas möchte man nicht gleichgesetzt werden…
    Ein anderer Aspekt ist der Markendrang, der wieder so lebendig ist wie in den 90ern. Streetstyle, kleine Boutiquen und Einzelstücke konnten nur möglich werden, weil es damals mehr auf den Schnitt, die Kombi, den Style ankam, es ging um Alleinstellungsmerkmale. Seit ein paar Jahren dreht es sich wieder vermehrt um Logos, ob das nun der (scheußliche) grüne KENZO-Sweater in den Blogs waren oder klobige Nike Airs und protzige Michael Kors Uhren auf den Schulhöfen der Republik. Die Fähigkeit zu Kombinieren, Fantasie und Stilgefühl geraten in den Hintergrund, wenn man das gehypte Teil auf einmal „zu allem“ tragen kann, nur weil ein bestimmter Name draufsteht. Wo der Markendrang auflebt, stirbt das Besondere, von dem die kleinen Labels leben und dem die lokalen Fashion Events ihren Reiz verdanken. Mode kommt quasi aus der Mode.
    Aber Mode verläuft immer in Zyklen, warum sollte also nicht auch ihr Selbstverständnis diesem Gesetz unterliegen? Vielleicht führt das ja dazu, dass in Berlin die Second-Hand-Läden bald wieder etwas bodenständigere Preise haben 😉
    Langer Rede kurzer Sinn, vielleicht erzähl ich ja auch Quatsch, ist nur mein Gefühl bei der Sache.

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