How to survive the Wintertief //
Mit Miriam Kugland

31.01.2017 Menschen, Leben

leaodette miriam KuglandOhje, der Januar ist vorbei und da sind wir nun – vollends angekommen in Schneetreiben und Neujahrspleite und voller heißer Vorfreude auf wärmere Tage, mehr Sonne und im besten Fall ein bisschen Urlaub. Während ich zwischen Bibliothek und Schreibtisch switche, ertappe ich mich dabei, immer mal wieder auf gängigen Flugseiten nach Feriendomizilen für die vorlesungsfreie Zeit Ausschau zu halten. Diese scheinen allerdings angesichts wachsender To Do Listen und anstehender Klausuren noch meilenweit entfernt.

Auch mithilfe von Instagram kann man sich zumindest gedanklich ganz leicht an warme Strände,  blaue Poolsides oder hübsche Städtchen katapultieren, sollte einem das Einheitsgrau in der Welt da draußen dann doch einmal zu viel werden. Genau so bin ich vor knapp zwei Jahren auch auf den wundervollen Feed von Miriam Kugland aka. Leaodette gestoßen. Die Urberliner Pflanze mit kameruneschen Wurzeln hat nicht nur ein Händchen fürFotografie und einen hervorragenden Geschmack, sie ist für mich auch immer wieder eine Inspirations- und Motivationsquelle, wenn es um ‚Equal Rights‘, soziales Engagement und die ‚Black Lives Matter‘ Bewegung geht.

Auf der Suche nach einem Outlet für all ihre Gedanken und Gefühle, schafft sie es, ihre Message in kurzen Bildern und Sätzen via Social Media auf den Punkt zu bringen und plädiert dabei stets für einen bewussteren und und sensibleren Umgang mit Mitmenschen und Umwelt. Ein wundervolles Interview mit der Studentin der Europäischen Medienwissenschaften gibt es außerdem bei positiv/negativ zu lesen.

„Brown girl your skin is gold“. Hach Miriam ich warte noch immer auf ein nonvirtuelles Kennenlernen und hoffe, dass wir schon bald in deinem Charlottenburger Kiez ein Käffchen trinken gehen. Aber jetzt bist erst einmal du dran – erzähl uns mal, wie du durch den Winter kommst.

Was magst du am Winter besonders wenig?

Dass ich so lange alles (ver-)missen muss, was ich am Frühling und Sommer so unendlich liebe.    

Was kannst du der kalten Jahreszeit dann doch noch abgewinnen?

Einige meiner liebsten Menschen haben da Geburtstag! Auf genau dieses Glück, dass es sie gibt, konzentriere ich mich, wenn mich die Tristesse zu sehr mitreißt.

Holt dich das Wintertief jedes Jahr aufs Neue ein?

Ich würde es nicht unbedingt Tief nennen, sondern vielmehr eine Sehnsucht nach den sonnigeren Tagen, aber ja, die holt mich definitiv jedes Jahr wieder ein.

Welches Buch liest du auf dem Sofa?

Alles von Chimamanda Ngozi Adichie. Zuletzt habe ich Amerikanah und Half of a Yellow Sun gelesen. Beides sind so wunderbare Bücher – total unterschiedlich, aber gleichermaßen mitreißend.

Nicht nur in ihren Büchern, auch außerhalb davon inspiriert sie mich unendlich und spricht mir in vielerlei Hinsicht aus dem Herzen.

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Welcher Musik lauscht du beim faul sein während der kalten Jahreszeit?

Momentan: Coloring Book – Chance the Rapper. Ist so positiv und melodisch, das geht auf jeden Fall immer als Stimmungsaufheller. Außerdem A Seat at the Table von Solange Knowles. Passt perfekt, wenn ich deep in my emotions bin. Vor allem die Tracks‚ ‚Cranes in the Sky‘ und ‚Don’t touch my hair‘ höre ich rauf und runter. Von den Visuals des Albums fang ich gar nicht erst an…Unglaublich schön und eine Hommage an Black Womanhood <3 

Gaumenfreunde an grauen Wintertagen?

Chai Latte und Sweet Potatoe Pie gebacken von meiner besten Freundin – mit Vanillesoße!

Was gönnst du dir gelegentlich, wenn es darum geht, dich selbst ein bisschen aufzuheitern?

Schönes für die Wohnung. Im Winter gerne mit der Ausrede, dass man ja eh mehr Zeit drinnen als draußen verbringt, aber Geld für Interior ausgeben kann ich eigentlich immer.

I got a thing for KORB 🍃🍁🌿🍂 #home #interior #vsco #vscocam

Ein von Miriam Lea Odette (@leaodette) gepostetes Foto am

  Gerade habe ich mir das „Porträt der Adele Bloch Bauer II“ von Gustaf Klimt in der Küche aufgehangen, nicht im Original versteht sich. Irgendetwas an dem Bild berührt mich sehr. Gustav   Raus ins Graue oder schwups unter die warme Bettdecke – Wo lenkst du dich am liebsten ab? In meinem Bett beim Binge Watching.   Treat yourself – ein Beauty-RItual um sich selbst ein bisschen zu pempern?   Beauty Ritual zum Pempern ist auf jeden Fall die Pflege meiner Haare. Alle Girls mit Locken, krausem Haar und Afro werden es kennen.. meine Haare mögen die Kälte nicht und brauchen vor allem im Winter besondere Pflege. Da die passenden Produkte für Natural Hair in Deutschland, selbst in Berlin, schwer zu finden und wenn dann recht kostenintensiv sind, passt der Begriff Treat Yourself wirklich ganz gut.  Meine Lieblingsprodukte sind von Shea Moisture, Cantu und Camille Rose. Wenn ich viel Zeit habe benutze ich dann am liebsten die „Manuka Honey & Mafura Oil Intensive Hydration Masque“ von Shea Moisture. Die kommt ins nasse Haar und bleibt dann so lange wie möglich drin. Währenddessen lackiere ich mir die Nägel und schaue Serien. Das ist so richtig random und macht so richtig glücklich.   

Tipps für den Serienmarathon?

Ich stehe total auf Serien, von daher beschränke ich mich der Einfachheit halber auf Netflix Originals. Da habe ich zuletzt The Get Down und The Crown gesehen. Beides super gute Serien, mit tollem Cast. Unbedingt im Original angucken .

 

Ein Film, der dich zurzeit in einen gemütlichen Kinosessel lockt?

Obwohl ich echt ein krasser Film Nerd bin, freue ich mich momentan am meisten auf die nächste und letzte Staffel GIRLS. Ich verehre Jemima Kirke <3

 

Der perfekte Ort in deiner Stadt um einen Tag außerhalb der eigenen vier Wände zu verbringen?
Ich bin Charlottenburgerin mit Herz und See. Mm den Stuttgarter Platz gibt es wirklich immer mehr gute, kleine Cafés. Von der Pizzarei bis zum Waffelladen kann man sich da im Eck wunderbar durchschlemmen und danach bei einem Spaziergang die schönen Altbauten bestaunen. Vorne auf der Kantstraße gibt es dann natürlich noch Camera Work, wo es immer tolle Fotografie Ausstellungen gibt. Wenn man das Herz dann noch ein wenig höher schlagen lassen möchte, himmelt man durch das Schaufenster noch die traumhaften Interior Sachen von Dopo Domani an.

Ultimativer Tipp gegen das Tief?
Wenn es das Budget irgendwie zulässt: weg fliegen. Irgendwohin, wo es noch nicht ganz so kalt ist. Bei milden Temperaturen eine neue Stadt erkunden ist einfach das beste – Städte Trips for life! Im November war ich mit meinen besten Freundinnen auf Malta und es war traumhaft schön. 

longing for sun and walking through cities of distant countries 💭 #tb #malta #vsco #vscocam   Ein von Miriam Lea Odette (@leaodette) gepostetes Foto am

  Sonst: Zeit mit Freunden verbringen und so viel Lachen wie möglich. Geht auch immer, kostet nichts und hilft gegen fast alles.   Liebstes Kuschel-Outfitt für einen Tag auf dem Sofa?     Darf man im Winter auf Sofas etwas anderes tragen, als Jogger, Wollsocken und Oversize Pullis? Ich glaube nicht!       Was nervt dich so am Winter?  Es wird spät hell und früh dunkel. Es ist also eigentlich irgendwie immer dunkel. Geht gar nicht!     Und was regt dich im Moment außerdem besonders auf – los, lass es raus:     Abgesehen von dem allgemein beängstigenden Zustand der Welt, regt es mich besonders auf, dass es immer noch eine unglaubliche Attraktion zu sein scheint, wenn ich meine Haare offen, also als Afro trage. Es war ein langer, manchmal wirklich schwieriger Weg für mich, zu erkennen, dass meine Haare schön sind. Genau so, wie sie mir aus dem Kopf wachsen, ohne, dass ich sie glätte, relaxe oder sonst irgendwie versuche, etwas aus ihnen zu machen, was sie nicht sind. Nicht alle Blicke sind negativ und nicht jeder ungefragte Griff in mein Haar ist böswillig, aber es macht mir doch immer wieder deutlich klar, dass ich als anders wahrgenommen werde. Nicht nur etliche Reaktionen auf meine Haare, auch andere Erlebnisse in meinem Leben zeigen mir immer mal wieder, dass meine Hautfarbe eine Rolle spielt. Ich glaube ganz fest daran, dass alle Menschen mit offenen Herzen wissen, dass man Menschen nicht nach ihrem Aussehen beurteilt. Ich wünsche mir für die Zukunft aber auch ganz viele offene Augen, ein Bewusstsein dafür, dass wir leider in einer Welt leben auf der in schwarz und weiß gedacht wird und People of Colour leider nicht immer die gleichen Chancen, Rechte und Sicherheiten haben. Das ist traurig, sehr sogar, aber es ist eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Sie immer abzustreiten, nur weil sie unbequem ist, verhindert leider auch jeden positiven Fortschritt.    

 

  My crown too heavy like the Queen Nefertiti🎶 #janellemonae #erykahbaduh #queen🎶 #afro #crown #naturalhair #vsco #vscocam Ein von Miriam Lea Odette (@leaodette) gepostetes Foto am

 

Danke Miriam – für das tolle Interview!

How to survive the Wintertief //
Mit Miriam Kugland

  1. Kerstin

    Merci für das tolle Interview und die vielen Inspiration!
    Beide Serien und die Literaturempfehlung zu Amerikanah kann ich auch wärmstens empfehlen.
    Half of the yellow moon setzte ich gleich auf meine Leseliste. 🙂

    Antworten

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