Wie Amber Tamblyn gegen Missbrauch und Belästigung in Hollywood kämpft

Amber Tamblyn ist sowas wie eine Superheldin. Sie ist seit kurzem Mutter, hat beim Film Paint it black zum ersten Mal Regie geführt und findet auch noch die Zeit, sich politisch zu engagieren – online und offline. Ob es um Politik geht, um Sexismus oder sexuelle Belästigung: Die amerikanische Schauspielerin, Regisseurin und Dichterin macht stets eloquent ihre Position klar.

Offener Brief an James Woods

Momentan dreht sich alles um Harvey Weinstein (hier hatten wir berichtet), doch schon Wochen bevor der Skandal ausbrach, sprach Tamblyn öffentlich über sexuelle Belästigung in Hollywood. Sie warf dem Schauspieler James Woods vor, sie als 16-Jährige angemacht und nach Las Vegas eingeladen zu haben. Als sie ihm gesagt habe, dass sie erst 16 sei, habe seine Antwort gelautet: „Umso besser“. Tamblyn reagierte damit auf einen Twitter-Austausch zwischen Woods und Armie Hammer. Letzterer spielt im Drama Call me by your name einen 24-Jährigen, der eine Beziehung mit einem 17-Jährigen hat. Woods fand diesen Altersunterschied so skandalös, dass er sich auf Twitter darüber empörte – woraufhin Hammer antwortete: „Hast du nicht eine 19-Jährige gedatet, als du 60 warst…?“. Tamblyn, die mit Hammer befreundet ist, schaltete sich in das Gespräch ein und bestätigte Woods Vorliebe für sehr junge Frauen. Laut Woods lügt Tamblyn, er habe nie versucht, sie anzumachen.

Falls James Woods dachte, damit sei es getan, lag er falsch – Amber Tamblyn hat genug davon, dass Frauen nie geglaubt wird, wenn sie sexuelle Belästigung und Missbrauch öffentlich machen. Also schrieb sie in der Teen Vogue einen offenen Brief an Woods:

„Der traurigste Teil dieser Geschichte betrifft nicht einmal mich, sondern betrifft die Geschichte der allgemeinen Frau. Der schädliche Narrativ dieses Landes, Frauen vor allem erst einmal nicht zu glauben. Von ihnen zu verlangen [ihre Anschuldigungen] zu untermauern oder Beweise zu liefern oder sicherzustellen, dass wir es nicht falsch in Erinnerung haben oder die Konsequenzen des Sprechens zu bedenken oder zuerst Männer Stellung beziehen zu lassen oder geistige Gesundheit an letzter Stelle kommen zu lassen.“

Ein lauter Chor

In einem Beitrag für die New York Times (Titel: I’m done with not being believed) legte Tamblyn wenige Tage später nach:

„Für Frauen in Amerika, die mit Geschichten über Belästigung, Missbrauch und sexuellen Übergriffen an die Öffentlichkeit gehen, gibt es nicht zu jeder Geschichte zwei Seiten, so nobel dieses Prinzip auch scheinen mag. Frauen wird keine Seite zugestanden. Ihnen wird eine Befragung zugestanden. Zu oft werden sie gnadenlos danach befragt, ob ihre Seite berechtigt ist. Insbesondere wenn diese Seite einen berühmten Mann beschuldigt […]. Ich habe jahrelang Angst davor gehabt, mich über Männer in machtvollen Positionen zu äußern oder etwas von ihnen zu verlangen. Was ich als eine Schauspielerin erlebt habe, die in einem Branche arbeitet, dessen Beruf es ist, Frauen zu objektifizieren, ist beängstigend.“

Amber Tamblyn konnte nicht ahnen, dass sich einige Wochen später so viele verschiedene Frauen mit ihren Geschichten über Belästigung und Missbrauch in Hollywood zu Wort melden, dass der Hashtag #metoo weltweit trenden würde. In einem Interview sagte Tamblyn, sie habe es satt, nur über James Woods zu sprechen. In ihrem offenen Brief habe sie alles Nötige gesagt, aber sie habe diese „umfassendere Unterhaltung“ darüber führen wollen, wie Frauen geglaubt wird und wie sie an sich selber glauben.

 

Tamblyn selbst glaubt offenbar an sich: Sie ist ein Risiko eingegangen und hat öffentlich über ihr Erlebnis mit James Woods gesprochen. Wie sie in der New York Times schreibt: „Wir lernen, dass, je mehr wir unsere Münder öffnen, desto mehr werden wir ein Chor. Und je mehr wir ein Chor werden, desto mehr ist die Melodie dazu gezwungen, sich zu ändern.“ Gesprochen wie eine wahre Superheldin.

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