Lunas Fashion Week Diary // Meine allerzweite Fashion Week, auf der ich die erste Show meines Lebens sah

18.01.2018 Mode

Mit 14 Jahren besuchte ich meine allererste Fashion Week. Und das kam so: Es war ein kalter Februar und ich hatte gerade ganze vier Tage London mit meiner Mutter gebucht, um eine ihrer alten Studienfreundinnen zu besuchen. Und weil ich schon damals begeistert von der Mode war, musste ich gleich nachschauen, ob besagter Besuch womöglich in die Londoner Fashion Week fällt – Bingo! Das tat er tatsächlich. Noch in Deutschland habe ich fortan fast abendlich meinen Kleiderschrank auf den Kopf gestellt, um irgendeinen spektakulären Look zu kreieren, mein Teenager-Gedankenkarussell drehte sich, das könnt ihr euch sicher denken, nur noch um das nahende Event. Im Internet habe ich dann die Location der Topshop Show rausgesucht und so machten sich eine Woche später schließlich eine Mutter in einer schwarzen Frieda und Freddies Daunendecke mit Trekkingrucksack und eine Tochter in einem hellblauen Plissee-Vintage Rock, einem gold-schwarz-gestreiften Rolli, schwarzer Lederjacke, orangefarbenen Rucksack,  spitzen High Heels im Cowboy-Style und auffälliger Sonnenbrille auf den Weg ins Somerset House. Ich sollte dann, man glaubt es kaum, einem asiatischen Fernsehsender ein Interview geben, für ein Modemagazin meinen Look beschreiben und anschließend sogar meinen Namen verraten, denn man wisse eindeutig, ich sei ein Star, bloß käme man momentan partout nicht auf meinen Namen! Alles davon, habe ich – vor lauter Aufregung, rudimentärer Englischkenntnisse und dem Gedränge meiner Mutter, die eigentlich nur kurz ein paar Fotos knipsen und dann wieder verschwinden wollte – einigermaßen vermasselt. Ich schaffte es zwar zur Fashion Week, so ganz im Allgemeinen. Aber nicht auf die Show. 

Dies galt es nun 4 Jahre später nachzuholen. Gestern dann war es endlich so weit. Ich besuchte meine allerzweite Fashion Week, um meine allererste Show zu erleben: Hallo, David Tomaszewski!

 

Meine Gefühle davor:

Ich hatte am Sonntag mit meiner Freundin Julia ein Gespräch, während ich im morgendlich-verschlafenen Berlin zum Landwehrkanal gedümpelt bin. Ich habe ihr von meinem kommenden Showbesuch, meiner Vorfreude, Nervosität vor dem Unbekannten und meiner Angst, die Organisation des Montags (Praktikumsarbeit, Mittagessen & Abendessen mitnehmen, Look mitnehmen, Umziehen, zur Show fahren) durch meine verträumte Ader zu vermasseln. Vor allem hatte ich aber Angst! Angst, vor einer perfekten Modebranche! Ich hatte Angst, dass ich vergesse, meine Nägel zu lackieren, Angst, dass auffällt, dass ich kein professionelles Make-Up oder Beauty-Treatment vor der Show hatte und außerdem überhaupt keinen It-Look trage.

 

 

 

Ich glaube, im Grunde genommen, habe ich mich vor allem dafür gefürchtet, realisieren zu müssen,  dass ich in meinen einstigen Kindheitstraum als heutige Linda Luna, so wie ich zum jetzigen nunmal Zeitpunkt bin, gar nicht reinpasse.

Das Outfit:

Kurz nach dem Gespräch mit Julia, habe ich meinen Schweine-Angst-Hund jedenfalls überwunden und mich ans Kreieren des Outfits gemacht. Eine Stunde später stand das Outfit dann endlich fest und ich musste mal wieder feststellen, dass die Panik vor dem Schrank-voller-Kleider-aber-nichts-zum-Anziehen völlig unbegründet war. Dass es wirklich immer besser ist, bei sich zu bleiben, als zu versuchen in irgendeine Schublade zu passen, wie jemand anderes zu sein. Komplett angezogen, in meinen eigenen Kleidern, fühlte ich plötzlich wieder wohl. Und jegliche Ängste waren mit einem Mal verflogen. Was blieb, war die Aufregung. Und noch mehr Vorfreude!

 

Mein finaler Look:

Ein weißes Shirt mit Dinoapplikation aus Pailetten, eine schwarze Leggings mit einer weiten schwarzen Crepehose drüber (eine Luxusversion des neuen Fitnesslooks wie ich finde), meine Lieblingslederjacke von einer Kleidertauschparty in Mannheim, ein goldenes Paar Kittenheels, die ich im Asos-Sale abgestaubt habe, eine Vintage-Tasche aus meinem Lieblings-Rote-Kreuz-Laden in Neuseeland, handgemachte Goldohrringe aus Jerusalem, für die ich mein ganzes Geld, 4 Tage vor Abflug, rausgeballert habe (nicht zu empfehlen, wenn man nicht wie ich damals 900% verliebt in etwas ist) und eine filigrane Halskette mit kleinen Strasssteinen, die ursprünglich zu meinem Abiballoutfit gehörte. Ich war happy und feierte mich ein bisschen für die Idee, den allseits gesichteten Leggings-unter-Sport-Shorts-Look zum Abendlook gemogelt zu haben. 

Der Abend:

Was mir bereits am Eingang direkt auffiel und verwundert hat, war der rote Teppich mitsamt der Logo-Wand im Hintergrund. In Bunte, Gala, Grazia & Co bekommt man immer den Eindruck, dass dieser Teppich DAS HEFTIGE DING ist. Wars aber nicht. Er lag irgendwo an der Seite und von Zeit zu Zeit ist immer mal jemand rüber gestolpert, um sich sekundenkurz fotografieren zu lassen. Der normale Teppich, der zum Eingang führt, liegt andächtig daneben und ist wohl eigentlich der wahre Star des Abends, den manch einer pitschnass und tropfend von der Anreise begann. 

Aber dann, zwanzig Schritte weiter und einmal um die Ecke, erwartete mich schon ein Champagnerempfang, den ich geschickt übersah, verzweifelt nach dem WLAN-Passwort suchend. 

Man kann ja von Champagnerempfängen denken, was man will, aber ich, als eigentliche Kokoswasserfanatikerin, war von dem Geschmack überraschenderweise echt ein bisschen angetan – eventuell auch vom schnell darauffolgenden Effekt, das sei jetzt einfach mal so dahingestellt. Während des Empfangs stand ich auf einmal nicht nur neben mir, sondern auch neben Leuten, die ich sonst nur aus dem Fernsehen oder von Fotos kannte (Boris Entrup, Marina Hoermanseder, Riccardo Simonetti, Christiane Arp) was wirklich amüsant war, aber Linda Luna nicht zu einem kreischenden Fan katapultiert hat. Ich war eher stille Beobachterin und fasziniert von dem Treiben, das zuweilen nach Zeitlupe aussah. Vielleicht lag es an der Atmosphäre, die war nämlich fast schon familiär, niemand drängelte, alle plapperten und schienen sich längst zu kennen. Ein Empfang unter Freunden? Gut möglich. Von all meinen Befürchtungen und Vorurteilen jedenfalls keine Spur.

Ja, wirklich. Meine Angst vor einer makellosen, unechten Modebranche war völliger Käsekuchen. Ich war erstaunt darüber, wie unterschiedlich die Leute rausgeputzt waren, wie besonders, oder auch normal manche Menschen zur Show kamen. Ich glaube sie kamen, wie sie auch sonst rumlaufen. Nach der Show ist der engere Blogger-und Modekreis noch kurz geblieben, hat gequatscht während sich der Rest schon auf den Heimweg gemacht hat. Egal wie ernst und cool die Bilder mancher Modeblogger*innen wirken mögen –  als sie dort am Ende alle zusammenstanden, wirkten sie fröhlich, charmant und ganz normal, so, als könne man sich einfach zu ihnen dazu gesellen – was ich, obwohl ich sehr offen bin, bei meiner ersten Fashion-Show trotzdem lieber bleiben ließ.

Die Show:

Die Herbst-/Winter Kollektion 2018/2019 von Dawid Tomaszewski trägt den Namen „Overture“ und ist inspiriert von dem Europa der 40-er Jahre. Dieses Jahrzehnt kombiniert Dawid aber geschickt mit den Mustern und Materialen des japanischen Garten und zieht von dort aus eine Verbindung zum, schon aus vorherigen Kollektionen bekannten, Bauhaus-Print. Die vielen kleinen Strassteine, die Tomaszewski dazu noch benutzt, haben den Effekt einer köstlichen Cherry on the Top. Ich weiß jetzt auch, was die Leute meinen, wenn sie von der Wichtigkeit des Drumherums sprechen: Hypnotize You von N.e.r.d. katapultierte das Früher durch nur wenige Töne ins Jetzt.

Ich habe mich ganz besonders in die kleinen, bunten Fell-Details an den Stiefeln, sowie die großen, in Fell eingefassten Kreolen verliebt, da ich im Jahr 2018 ganz, ganz fest davon ausging, dass heute wirklich niemand mehr, der Verstand besitzt, Echtfell benutzt. Im Nachhinein wurde ich jedoch eines Besseren belehrt – eine klitzegroße Enttäuschung, die trotz der Euphorie einen traurigen Beigeschmack hinterlässt.

Meine Lieblingslooks:

 

Die gesamte Kollektion:

Mein superduperstylisches Fazit:

Es war ein wirklich toller Abend, in einer Welt, die mich so fasziniert hat, dass ich fast meine Tasche mit den Wechselschuhen in der Garderobe vergessen hätte. 

Ich habe versucht, mir diese erste Show mit sehr offenen Augen anzuschauen, Kommunikation und Dynamiken zu begreifen, um zu wissen, was ich nächstes Mal besser machen kann. Z.B. „Lieber 5 scharfe, als 10 unscharfe Fotos schießen“. Im großen Ganzen fühlte sich der Abend simpler und normaler an, als zuvor gedacht und trotzdem war da ganz viel Glamour in der Luft. Eine, wie ich finde, ganz wunderbare Mischung. Das Event war für mich eine kleine (große) Motivation, um sich in Zukunft noch mehr anzustrengen und irgendwann auch Einladungen zur Fashion-Week zu erhalten. Bis dahin bin ich einfach unendlich dankbar dafür, durch thisisjanewayne überhaupt solche Events besuchen zu können <3 Danke!

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