Weekend Reads // Über rechte Frauen, unsere Nachnamen, Murat, der Prinzessin spielt, GNTM, & die Musik unserer Jugend

18.02.2018 Buch, Gesellschaft

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

Schämen Sie sich, Trump

Am Mittwoch hatte ein 19-Jähriger an seiner früheren Schule in Parkland mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen getötet. Bei einer Anti-Waffen-Demonstration in Fort Lauderdale blieb eine Rede besonders im Gedächtnis: Die der Schülerin Emma Gonzales, die auch über den Einfluss der US-Waffenlobby NRA auf die Politik sprach.

Arbeit wurde nicht erfunden, um uns glücklich zu machen

„Jobanzeigen sind ein bisschen wie Instagram: Zuerst schüttle ich den Kopf ob des menschlichen Bedürfnisses, banale Aktivitäten wie frühstücken als Hochglanzfotostrecke zu inszenieren. Aber dann wurmt es mich doch ein bisschen: Warum haben alle anderen schönere Möbel, schönere Sonnenuntergänge, schönere Müslis? Mit Stelleninseraten ist es ähnlich. Da wird Verstärkung für ein „junges, engagiertes, gut gelauntes Team“ gesucht oder „erfüllende wie herausfordernde Arbeit“ angeboten. Dass die Jobbeschreibung wohl genauso viel mit der Realität zu tun hat wie ein Instagram-Leben mit dem echten, ist mir schon klar: Bei dem ersten zitierten Angebot handelt es sich um einen Job im Tierheim, bei dem zweiten um ein Gesuch für eine Haushaltshilfe im Kindergarten.“ Eine Kolumne von Wlada Kolosowa.

Die Frauen von heute haben den feministischen Kämpferinnen von gestern viel zu verdanken

„Emanzipierte Frauen unterscheiden nicht mehr zwischen Männer- und Frauenthemen, sondern wollen selbstverständlich in jeder politischen und gesellschaftlichen Debatte gleichberechtigt mitreden. Doch mussten Frauen Themen, die sie angehen, überhaupt erst besetzen. Lesbische Liebe, Rechte von Prostituierten, Vergewaltigung in der Ehe – im gesellschaftlichen Diskurs spielte das keine Rolle. Über Geburt und Abtreibung tauschten sich Fachleute aus, also Männer, die Meinung von Frauen spielte kaum eine Rolle. Frauen, die mit ihrem Gynäkologen über die Methoden der sanften Geburt sprechen wollten, mussten sich anhören: „Ich habe schon 100 Kinder auf die Welt gebracht, Sie noch keins.“ Von Helene Brubrowski.

Not Heidis Girl 

 

Pinkstinks hat in Zusammenarbeit mit Schülerinnen aus Hamburg eine Kampagne (#notheidisgirl #keinbildfürheidi) gegen das Format GMNT gestartet (wie auch die Vulvarines!)-  Mit Stickern, Videos und einem selbst komponierten Lied. Natürlich rieselt es da auch Kritik, Pinkstinks reagiert jedoch souverän und antwortet in Folgeartikeln: „Außerdem hat sich die Sendung ja tatsächlich verändert. Man kann Heidi Klum und ihrem Team nicht vorwerfen, dass sie nicht auf Kritik reagieren würden. Die Reaktion mag kontraproduktiv und beschwichtigend sein, aber sie erfolgt. In den Staffeln 2013 -2015 drehte es sich zum Beispiel viel darum, möglichst ostentativ zu essen. „Döner macht schöner“, „Zeit für Happa Happa“ oder „Wo bleibt denn der Kuchen für Wolfgang?!““ Mehr dazu bei PinkStinks. Ruth Schneeberger hat außerdem eine lesenswerte Kritik verfasst.

 

Models erheben schwere Missbrauchs-Vorwürfe

Neue Missbrauchsvorwürfe in der Modebranche: Mehr als 50 Frauen beschuldigen mindestens 25 Männer der Modewelt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Sie sprechen damit ein Jahrzehnte altes Problem der Branche an. Hier entlang.

 

Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben

In Berlin soll eine neue Broschüre erstmals über LGBTQ an Kitas aufklären. Das ist einzigartig in Deutschland (und wunderbar!). Edition F hat alle Fakten. Aber: CDU und AfD kritisieren so viel Fortschritt und Vielfalt natürlich. Zu Unrecht. Übrigens kann eine Transfrau jetzt erstmals ihr Kind stillen. Hier entlang!

 

Wie sinnvoll ist natürliche Verhütung?

„Wenn junge Frauen zum Gynäkologen gehen und sich nach Verhütungsmitteln erkundigen, wird ihnen oft die Pille verschrieben. Viele von ihnen haben danach mit Nebenwirkungen zu kämpfen: keine Lust auf Sex, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen. Hormonelle Verhütungsmittel können aber auch Depressionen, Thrombosen oder Bluthochdruck hervorrufen. Immer mehr Frauen wollen deshalb keine Hormone zur Verhütung verwenden. Um trotzdem nicht schwanger zu werden, setzen einige auf natürliche Familienplanung. Sie beruht darauf, dass Frauen nur an bestimmten Tagen während ihres Zyklus’ schwanger werden können: rund um den Eisprung. An den anderen Tagen kann man ungeschützten Sex haben, ohne schwanger zu werden.“ Von Alissa Hacker.

 

Deniz Yücel ist nicht frei

„Yücels Entlassung ist kein Freispruch, solange ihm eine Verurteilung droht. Seine Freiheit ist eine Gegenleistung für die Normalisierung deutsch-türkischer Beziehungen.“ Von Katrin Kinzelbach.

 

Dark Social – wir tippen im Dunkeln

„Meine These: Es findet ein großer digitaler Rückzug ins Private statt. Das Private ist immerhin nicht politisch – auf die Weise, wie „Politik“ in öffentlichen sozialen Medien so absurd anstrengend sein kann. Öffentlichkeit hat sich für die meisten Menschen offenbar nicht als wertvoll erwiesen.

Junge Menschen sind heute zwar äußerst aktiv im sozialen Netz, allerdings sehr viel intensiver dort, wo soziale Medien nicht öffentlich oder halböffentlich sind: in privaten digitalen Räumen, allen voran WhatsApp, ab Werk nichtöffentlichen Messengern und Gruppenchats.“ Von Sasha Lobo.

 

Keine Frauenrechte, sondern rechte Frauen

Rechte Gruppen wollen in der „Me Too“-Debatte den Kampf für Frauenrechte kapern. Das kann niemals Feminismus sein, knüpft aber an Vorurteile aus der Mitte der Gesellschaft an. Von Julian Dörr.

 

Ich werde nie wieder Musik so lieben, wie die, die ich mit 14 gehört habe

Am liebsten hören Menschen Lieder, die aus ihrer Pubertätszeit stammen. Bei Männern ist die prägendste musikalische Phase die zwischen 13 und 16 Jahren, bei Frauen zwischen 11 und 14 Jahren.

„Ich liege auf dem Bett, starre an die Decke. Alles tut weh, aber von innen. Ich bin 14 und habe das erste Mal in meinem Leben Liebeskummer. Mit dabei: Tom DeLonge von Blink-182. „Come on let me hold you, touch you, feel you“, singt er in mein Ohr, und ist in diesem Moment der einzige, der mich wirklich versteht.“ Von Helene Flachsenberg

 

Einsamkeit – das Bridget Jones Phänomen

Einsam sind nur die Alten? Nicht ganz. Rebecca Nowland forscht über die Ursachen und Gefahren von Einsamkeit und sagt: Gerade die 20- bis 30-Jährigen haben ein Problem. Ein Interview von ZEIT Campus: „Social Media kann Einsamkeit in der Tat beeinflussen – interessanterweise aber in beide Richtungen. Auf der einen Seite bauen Plattformen wie Instagram eine falsche Welt auf, in der alle perfekt wirken wollen. Gerade bei Teenagern haben wir in Studien außerdem festgestellt, dass Freundschaft quantifiziert wird – man ist mehr wert, je mehr Freunde man auf Facebook hast. Aber 800 Facebook-Freunde zu haben, macht nicht unbedingt weniger einsam, wenn zu keinem dieser Freunde eine enge Bindung besteht.“ 

Bitte die Hoden behalten

Viele halten #MeToo lediglich für einen Hashtag. Doch wenn selbst Ex-Trump-Berater Bannon darin eine Bewegung sieht, ist schon viel gewonnen auf dem Weg in eine Gesellschaft, die am Ende allen guttut: „Das ist mächtiger als Populismus. Es ist tiefer. Es ist grundlegend. Es ist elementar.“ Von Margarete Stokowski.

 

Wozu braucht man eigentlich einen Mann?

Männer! Wie sehen wir sie heute, da wir uns so selbstständig fühlen wie noch nie? Was finden wir männlich? Und was sagt es über mich, wenn ich mal in Michael Jackson verknallt war? Am Tisch sind drei Generationen vertreten: eine 24-jährige Studentin, die seit einem Jahr liiert ist. Eine 29-Jährige, die als Marketingleiterin arbeitet und seit über einem Jahr Single ist. Eine 42-jährige Journalistin, verheiratet, Mutter von zwei kleinen Kindern. Und eine 69-jährige Lehrerin im Ruhestand, seit 36 Jahren verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Großmutter von vier Enkeln. Ihre Namen stehen hier nicht, damit das Gespräch so stattfinden kann, wie Frauen es sonst nur führen, wenn sie unter sich sind. Von Claire Beermann und Ilka Piepgras.

 

Hochzeit – Behaltet eure Namen!

Ich hasse meine Freundinnen. Ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag. Weil sie im Standesamt nicht nur leere Sektflaschen zurücklassen, sondern auch ihre Nachnamen. Private Statistik: Von zehn Freundinnen, die in den letzten Jahren geheiratet haben, haben nur zwei ihren Namen behalten, eine hat gemeinsam mit ihrem Mann den Geburtsnamen ihrer Mutter angenommen. Sieben von zehn Freundinnen, alle berufstätige, selbstbewusste, kritische junge Frauen haben den Nachnamen ihres Mannes angenommen. Meine private Statistik entspricht dem, was eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK besagt: Mit 18,8 Prozent  bleibt nur jede fünfte Frau bei ihrem Familiennamen. Einige hatten sicher nachvollziehbare Gründe. Verständnis habe ich für ihre Entscheidung dennoch nicht. Von Mareike Niberding.

Plastik-Sucht

„Francesca Miazzo will eine Sucht bekämpfen. Allerdings geht es ihr nicht um Alkohol, Drogen oder Glücksspiele – ihre Baustelle ist die kollektive Sucht nach Plastikkonsum, die unsere Gesellschaft seit langem befallen hat. Die junge Gründerin der Stiftung CITIES und der Initiative WASTED versucht das Problem an der Wurzel zu packen, indem sie die Bewohner ihrer Wahlheimat Amsterdam mit ihrem eigenen Plastikverbrauch konfrontiert, aufklärt und mit demselben lockt, was sie überhaupt erst zu Plastiksüchtigen macht: Geld.“ Weiterlesen beim Libertine-Mag.

 

Das Glück ist ein entfernter Onkel

„Das Lebensziel so vieler Menschen lautet: glücklich sein. Doch in der unendlichen Wahlfreiheit sieht alles schnell aus wie eine große Enttäuschung.“ Eine Kolumne von Ronja von Rönne.

 

Warum Black Panther Geschichte schreiben wird

„Ein fiktives afrikanisches Land, das einen afrofuturistischen Traum verkörpert ist ein „Fuck you“ an all die Rassisten, die uns gesagt haben, wir sollen zurück nach Hause in unsere Lehmhütten gehen.“

Weiterlesen bei i-D.

 

Der Buch-Tipp der Woche kommt von Viertel/Vor:

 

8 Kommentare

  1. Daniela

    Ich verstehe den Titel der Kita-Broschüre nicht. Inwieweit ist es ein Hinweis auf irgendwas, wenn Murat Prinzessin spielt? Das er gerne ein Mädchen wäre? Will meine Tochter ein Junge sein, wenn sie Baggerfahrer spielt? Und was ist, wenn sie dabei ein Tütü anhat?
    Sollen in der Broschüre Geschlechteridentitäten an Rollenklischees verdeutlicht werden? Ein Kind ist doch kein Mädchen, weil sie Prinzessin spielt…

    Antworten
      1. Lilli

        Ich vermute mal, dass in dieser Lektüre steht, dass es völlig normal und ok ist, wenn Kinder in unterschiedlichste Rollen schlüpfen und, dass es eben nicht heißt, dass Murat ein Mädchen sein möchte sondern, dass das ein Teil der völlig normalen kindlichen Entwicklung ist :). Das ist ja leider noch nicht bei jedem angekommen.

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  2. Louisa

    Also ich habe bei meiner Hochzeit meinen Nachnamen mehr als gern abgegeben und den meines Mannes angenommen. Ich betrachte das als den Beginn einer neuen Lebensphase und 32 Jahre lang durfte ich mich ja schon an meinem „Mädchennamen“ erfreuen 😉 Ich finde nicht, dass mein Nachname automatisch meine Identität bestimmt und fühle mich jetzt mit neuem Nachnamen nicht wie eine fremde Person, sondern vielmehr wie eine Einheit, vorallem jetzt noch mit Kind. Dass das für viele so ein Riesenthema ist, kann ich irgendwie nicht nachvollziehen…

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    1. Anna

      Das ist ja auch an sich keine falsches Argument. Dennoch würde mich mal interessieren, warum dein Mann beispielsweise nicht deinen Nachnamen genommen hat und warum das (statistisch) auch die Regel ist? Ich persönlich verbinde mit meinem Nachnamen sehr stark Identität, meine eigene Familiengeschichte zB, und könnte mir nicht vorstellen auf einmal anders zu heißen.
      Viele Grüße

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    2. Jen

      Siehste, das ist völlig legitim und ich gratuliere! Ich aber z.B. hätte meinen Namen niemals abgeben können, weil ich ihn tatsächlich stark mit meiner Identität verbinde (ich hab allerdings auch einen besonderen Nachnamen, der oft Nachfragen provoziert und somit immer eine Rolle gespielt hat). Zum Glück hat mein Mann damals gesagt, dann nehm ich halt deinen. Jetzt heißen wir alle gleich, aber eben wie ich. Auch schön!

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  3. Melanie

    Also ich habe auch einen besonderen Nachnamen, den jeder mit etwas Schönem verbindet und nachfragt, ob ich denn wirklich so heiße. 🙂

    Mein Freund hat ebenfalls einen „positiven“ Nachnamen.

    Wenn wir heiraten, möchte ich seinen Nachnamen annehmen. Weil ich dies möchte und ich will auch, dass unsere zukünftigen Kinder denselben Nachnamen wie ihre Eltern haben.
    Wieso ich seinen Namen annehmen möchte? Vielleicht ist es Tradition, das weiss ich nicht so genau. Ich freue mich jedenfalls darauf, zukünftig seinen Nachnamen „tragen zu dürfen“.
    Wahrscheinlich wäre es etwas anderes, wenn mir sein Nachname nicht gefallen würde. Dann würde ich meinen behalten wollen.

    Meine Schwester wird bei einer Heirat ihren Nachnamen behalten. Sie will diesen ein Leben lang tragen.

    Wieso muss man dies so kritisch hinterfragen? In Deutschland wird denke ich keine Frau gezwungen, den Nachnamen ihres Mannes anzunehmen. (Ich selbst bin Kroatin und auch dort heissen Eheleute anders, sofern sie dies wollen.)

    Ich finde, es gibt viel wichtigere Themen, mit denen wir Frauen uns auseinander setzen sollten,
    wie z. B. Bodypositivity, gegenseitiges Unterstützen und Fördern im Beruf, Frauen die in ihrer Partnerschaft geschlagen werden, zu helfen und zu unterstützen. (auf welche Weise auch immer)

    Ich bin die „Karrierefrau“ in unserer Familie, im Gegensatz zu meiner jüngeren Schwester. Trotzdem will ich bei einer Heirat den Nachnamen meines Mannes annehmen. Meinem Freund ist dies egal, er würde in jedem Fall seinen behalten. Bestimmt spielt auch die Erziehung und die jahrhunderte alte Tradition eine Rolle.

    Aber ich finde dies überhaupt nicht schlimm. 🙂 Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung und dies ist denke ich die Hauptsache. Niemand zwingt mich dazu.

    Herzliche Grüße aus München

    Melanie

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  4. Mila

    Ich bin auch der Ansicht, dass man die Namenswahl vielleicht nicht (auch noch) so ideologisch überfrachten sollte. Für mich persönlich wäre es nie infrage gekommen, einen anderen Namen anzunehmen. Ich hätte tatsächlich das Gefühl, dass mir ein Stück Identität genommen würde. Unsere Kinder heißen auch so wie ich, nur mein Mann trägt einen anderen Namen. Er hat kurz überlegt, ob er meinen annimmt, sich dann aber aus rein pragmatischen Gründen dagegen entschieden. Uns macht die „Namensungleichheit“ nicht weniger zu einer Einheit, als wenn wir alle gleich hießen. Aber das empfindet eben jede/r anders – gut, dass Frau/Mann die Wahl hat.

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