Books that saved & shaped my life // Mit Johanna Warda

26.03.2018 Buch, box3

Johanna Warda ist ein Mensch, der ständig Dinge tut, die man selbst auch gern tun würde: Vor allem sehr schlangenschlau und sehr sauwitzig sein. Sie kann sogar beides gleichzeitig. Eine große Kunst ist das, wie ich finde, und vor allem eine, die überaus nützlich ist. Mit ihren Texten erreicht die glühende Feministin so nämlich vermutlich auch jene, die normalerweise dazu neigen, überhaupt gar keinen Bock auf Konfrontation zu haben. Die das böse F-Wort scheuen. Nun. An Frau Warda führt, einmal angelesen, aber kein Weg mehr vorbei. Und dann folgt meist sowas wie Erleuchtung. Oder zumindest Zustimmung. Ich habe „das Prinzip Warda“ selbst schonmal beobachtet, bei einem wirklich eingerosteten Bekannten, der plötzlich das Emma Stone Syndrom verstand. Danke nochmal, Johwa. Aber zurück zur Person.

Johanna war schon immer sehr internetaffin, weshalb sie einerseits zum „Overshare“ auf Instagram neigt und andererseits über Umwege in Berlin strandete, um Kulturwissenschaften zu studieren. Beides finde ich klasse. Während dieses Studiums pickte sich die Scheidé Révoltée Gründerin nämlich fortan möglichst aktuelle Themen heraus, zum Beispiel „die Transformation der Liebe durch die Digitalisierung“, woraus alsbald eine Bachelorarbeit entstand. Dinge über die Johanna neben der Netzkultur auch noch schreibt: Feminismus, Politik, Film und Popkultur. Bei Mit Vergnügen etwa dokumentiert sie den Kulturschock, den ihr der Master-bedingte Umzug von Neukölln nach München beschert(e), für ihre Langzeit-Freundinnen Amelie und Milena verfasst sie zudem prächtige Amazed-Schmankerl und beim Libertine Magazin mischt sie auch noch mit. Teil eines 3-köpfigen Dj-Teams ist Johanna natürlich obendrein, keine Frage. Fehlt also nur noch der heiß ersehnte Camper Van – den legt sie sich vermutlich im Sommer zu. Wir drücken alle Daumen!

 

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Watchmen – Alan Moore

Graphic Novels: Eine der unterschätztesten Kunstformen aller Zeiten! Ungefähr mit 17 kam ich zum ersten Mal mit dem Genre in Berührung und dachte wie die meisten Menschen erst mal an Superhelden, Pickel und Zahnspangen. Dabei sind an einigen Graphic-Novel-Autoren – und vermutlich allen voran Alan Moore – die allergrößten Poeten und Zeitkritiker verloren gegangen. ‚Watchmen‘ ist eines der intelligentesten Dinge, die ich je gelesen habe. Das ist so viel mehr als bloße Superheldenfiktion, das ist genial! Und jede*r sollte es einmal gelesen haben – um dann hoffentlich diesem ganzen, grandiosen Genre eine Chance zu geben. Andere geniale Graphic Novels sind zum Beispiel: ‚Y – The Last Man‘ von Brian K. Vaughan, ungefähr alles von Neil Gaiman, ‚Ghost World‘ (ja, die Vorlage zum Film) von Daniel Clowes oder Persepolis von Marjane Satrapi.

Warum Liebe wehtut – Eva Illouz

Vor knapp zwei Jahren habe ich meine Bachelorarbeit über ein Thema geschrieben, das mich schon viele Jahre beschäftigt hat: Die Transformation unserer Vorstellung von Liebe und Partnerschaft im 21. Jahrhundert. Was machen Kapitalismus und Digitalisierung mit unserer alten Idee von Partnerschaft? Stecken wir in veralteten Ideen fest, die mit der Gegenwart gar nicht mehr vereinbar sind? Und woher kommt diese Verunsicherung und diese ‚Beziehungsunfähigkeit‘, die unsere Generation angeblich befallen hat? Die unangefochtene Expertin in diesem Gebiet ist die grandios intelligente Eva Illouz. Sie schreibt in ihren Büchern derartig konzentriert derartig schlaue Dinge, dass einem fast der Kopf platzt. ‚Warum Liebe wehtut‘ ist der Wälzer, in dem ihre gesamte Überlegung auf den Punkt gebracht wird. Er führt einem vor Augen: Das Private ist politisch – und das gilt auch für die angeblich so unantastbare und zeitlose Liebe. Dieses Buch hat wirklich mein Leben verändert – und bietet eine Menge Antworten für alle, die in Bezug auf Partnerschaft Fragezeichen mit sich herumtragen (also circa jede Person der Erde).

Just Kids – Patti Smith

Es ist schwer zu glauben, dass Patti Smith auf demselben Planeten weilt wie du und ich. Ihre Welt ist magisch, poetisch und bedeutungsschwanger. Aus jedem scheinbar noch so banalen Detail kann sie mit Worten eine philosophische Essenz herausfiltrieren. Das gilt für alle ihre Texte – aber ganz besonders für ‚Just Kids‘. In diesem Memoir erzählt sie die Geschichte der Freundschaft zum inzwischen legendären Fotografen Robert Mapplethorpe: Eine überirdische Seelenverbindung und irgendwie auch eine tragische Liebesgeschichte. Im New York der späten 60er-Jahre lernen die beiden sich kennen und lieben, steigen gemeinsam in kreative Höhen, wachsen auseinander und wieder zusammen und werden schließlich gewaltsam voneinander getrennt. Patti Smith lesen und hören bedeutet sich erden: Und besinnen auf das, was wirklich Relevanz hat. Liebe, Loyalität, Punk! Für mich ist sie sowas wie eine Heilige.

Let’s Explore Diabetes with Owls – David Sedaris

“If you’re looking for sympathy you’ll find it between shit and syphilis in the dictionary.” 

Dieses Buch steht stellvertretend für alles, was der amerikanische Essayist David Sedaris je geschrieben hat – alle seine Texte sind genial. Sein Humor ist so schwarz, dass man sich jedes Mal ein bisschen schämen muss, wenn man das Buch kurz zur Seite legt, weil man vor Lachen nicht mehr atmen kann – und das passiert oft. Wer schon mal versucht hat, witzig zu schreiben, weiß, dass es sich dabei um die absolute Königsdisziplin handelt – und David Sedaris ist ein Meister seines Fachs. Dabei geht er an die Grenzen des Ertragbaren, macht vor allem vor sich selbst nicht Halt und hält einem einen Spiegel vor, der auch mal ganz schön überfordern kann. Menschliche Abgründe, Egos und Doppelmoral, die wir alle von uns selbst kennen, werden einem schonungslos um die Ohren gehauen – und trotzdem muss man lachen. Oder vielleicht gerade deshalb. Manchmal muss man lachen, um nicht zu heulen. Das ist Katharsis!

Steppenwolf – Hermann Hesse

„Daß jeder einzelne dies Chaos für eine Einheit anzusehen bestrebt ist und von seinem Ich redet, als sei dies eine einfache, fest geformte, klar umrissene Erscheinung: diese jedem Menschen (auch dem höchsten) geläufige Täuschung scheint eine Notwendigkeit zu sein, eine Forderung des Lebens.“

Dieses Buch hat meinen Kopf auf links gedreht – und bis heute hab ich ihn nicht zurück in die Ausgangsposition bekommen. Hesse ist nicht für jede*n, aber wenn man sich auf ihn einlassen kann, dann katapultiert er einen in eine Gedankenwelt, die man nur schwer in Worte fassen kann. Steppenwolf verhandelt zwischen Denken und Handeln, Leben und Sterben, dem Trivialen und dem Relevanten. Es geht um die Misere, die entsteht, wenn man alles hinterfragt und einem klar wird, dass das meiste, das wir als relevant betrachten, keine Relevanz besitzt – und die Frage, wie man leben kann, wenn man diese Wahrheit einmal an sich heranlässt. Hochphilosophisch und unrückkehrbar!

Unsagbare Dinge – Laurie Penny

“Feminism has never just been about liberating women from men, but about freeing every human being from the straitjacket of gender oppression.” 

Als ich vor Jahren das erste Mal Laurie Penny gelesen habe, war ich schon eine gestandene Feministin. Woran es mir gefehlt hat, war die angemessene Portion Wut. Denn vor lauter Angst, als hysterische Emanze abgestempelt zu werden, neige ich immer noch dazu, den Ernst der Lage zu verwässern. Dieses Problem hat Laurie Penny nicht, denn obwohl sie immer rational bleibt und in der Lage ist, alles, was schief läuft, messerscharf auf den Punkt zu bringen, scheut sie sich nicht vor klaren Worten. Auch, wenn Penny kontrovers ist: Dieses Buch ist ein kleines Manifest, das einem genau die richtige Portion Kampfgeist mit auf den Weg gibt, den es braucht, um Ungerechtigkeiten nicht länger kleinreden zu lassen.

Danke, Johanna! 

2 Kommentare

  1. Doreena

    Danke für diese tolle Rubrik, in diesem Fall waren es wirklich interessante Buchempfehlungen für mich. Ich musste mir gleich 3 davon bestellen (Moore, Illouz, Penny). Unbedingt weiter so!

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  2. Christine

    Ich finde diese Rubrik auf eurem Blog einfach fantastisch. Das erweitert mein Bewusstsein jedes Mal aufs Neue! Merci

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