Nachgefragt // Einkäuferin & Retail Managerin Charlotte Kraska über Interior-Schätze, die beste Doku & ihre Beauty-Favoriten

21.02.2020 box2, Interview

In unserer „Nachgefragt“-Interviewreihe widmen wir uns Personen, die wir besonders spannend und inspirierend finden. Dieses Mal hat sich Charlotte „Charly“ Kraska unseren neugierigen Fragen gestellt.

Oberflächlich gesprochen, ist Charlotte eine dieser Frauen, deren Garderobe man gerne stehlen möchte, weil alles an ihr so nonchalant, so natürlich, wirkt. Kein Wunder also, dass sie als Einkäuferin und Retail Managerin für den Hamburger Concept Store Anita Hass arbeitet. Doch auch außerhalb der Mode hält sie einige ganz wunderbare Tipps bereit — wir haben mit ihr über ihre Interior-Schätze, die beste Doku und ihre Beauty-Favoriten geredet.

Welche Bücher konntest du nicht mehr aus der Hand legen?

1. The Course of Love von Alain de Botton

Es ist eine Leihgabe meiner Freundin Louisa. Die Lebens- und Liebesgeschichte eines britischen Paares aus beiden Perspektiven betrachtet und zwischendurch humorvoll, analytisch zusammengefasst. Quasi Fachliteratur für mich als Hobby-Psychologin 🙂

2. Der Roman Sag den Wölfen ich bin Zuhause von Carol Rilke Brunt

Die Geschichte spielt in den 80er Jahren in New York aus Sicht der jungen June, die Arten von Liebe und Trauer verarbeitet und mich mehrmals zu Tränen gerührt hat.

3. Three Women von Lisa Taddeo

Aktuell in meiner Tasche: Three Women von Lisa Taddeo, die die Geschichten von drei Frauen erzählt, die sie über viele Jahre begleitet hat. Ich habe es noch nicht fertig gelesen und kann noch nicht abschließend sagen, ob ich es supergut finde. Aber es entertaint mich und ich habe mich sofort in die Frauen hineinversetzt, obwohl ihre Erlebnisse nichts mit meinem Leben zu tun haben.

Wann bist du mit deiner Arbeit so richtig zufrieden?

Bei unserer Arbeit ist Balance das Wichtigste: Kundenbedürfnisse befriedigen, Kompetenz durch den eigenen Geschmack zeigen, innovativ sein, aber authentisch bleiben, lange im Voraus „planen“ was der Kunde haben will und trotzdem im Moment reagieren können, zum Beispiel auf Wetter und gesellschaftliche Trends. Wenn ich in Balance, die Balance zwischen „Emotionen kreieren“ und „wirtschaftlich erfolgreich sein“ hinbekomme, bin ich kurzfristig zufrieden. Im Handel ist ja jeder Tag wie ein neues Projekt, das macht es so spannend.

Wie gehst du mit Rückschlägen um?

Die brauche ich für den Flow und Motivation. In dem Moment kann es aber passieren, dass ich ganz kurz mich und ALLES andere infrage stelle.

Wovon lässt du dich inspirieren?

Lebenslust inspiriert mich! Diese Momente, in denen ich mich richtig lebendig fühle, inspirieren mich total und ganz lange. Das sind nicht immer nur happy Momente…

Wann ist ein Trend für dich relevant?

Als Einkäufer entscheidet man sich ein halbes Jahr vorher für die Teile, die man dann im Store präsentiert. Bei Trends müssen wir uns immer fragen: Will man das in ein paar Monaten noch haben? Oder ist es nur ein kurzer Hype, der absolut nicht nachhaltig ist? Darum bin ich Trends gegenüber sehr kritisch, versuche aber, mich da ein bisschen locker zu machen und nicht so pseudo-streng zu sein: Was gut ist, ist eben gut, ob Trend oder nicht.

Was motiviert dich jeden Morgen, aufzustehen?

Zum Aufstehen muss ich mich gar nicht motivieren. Zum Aufstehen vor 8 Uhr schon, dafür motiviert mich strahlende Sonne und Sport.

Wie fängt für dich ein guter Morgen an?

Absolut ohne Zeitdruck, mit einer großen Tasse Earl Grey und nicht wissend wo mein Handy gerade ist.

Zeigst du uns deine Interior-Schätze? 

1.

Die Kommode habe ich von meiner Oma geerbt. Ordnung zu halten, ist für mich eine relativ große Herausforderung, weil ich ein bisschen Chaos liebe und lebe. Alle Dinge, die mir wichtig sind, haben jedoch einen festen Platz in diesen Schubladen.

2.

Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich an der Glasbläserei vor dem Tramuntana Gebirge auf Mallorca vorbei gefahren bin, bis mein Freund und ich vor ein paar Jahren spontan gehalten und diese Gläser gekauft haben, die mich sehr glücklich machen. Mich motiviert es total, in skurrilen Geschäften etwas zu finden, das man nicht überall bekommt. Außerdem ist Hydration meine zweite Herausforderung und schöne Gläsern helfen.

3.

Art Deco und davon inspirierte Einrichtungen und Objekte sprechen mich ästhetisch so an, wie eine kleine Romanze. Diesen Spiegel finde ich einfach richtig sexy!

Wie verbringst du einen freien Tag am liebsten?

In der Natur und ohne Handy!

Wann bist du so richtig entspannt?

Völlig “passed out“ bin ich immer bei meinen Skin Treatments bei Antonina Gern (mein Geheimtipp). Relaxed bin ich beim Wäschemachen und tiefenentspannt beim Social Media Detox.

Welches Lied läuft bei dir auf Repeat?

Passionfruit von Benny Sings.

Was würdest du immer wieder tun?

Alleine verreisen.

Und was hättest du lieber anders gemacht?

Nicht, dass ich mich als Kind bewusst dagegen entschieden habe, aber ich bereue es sehr, von meiner Mutter kein Polnisch gelernt zu haben.

Welches sind deine liebsten Modemarken?

Im Moment Khaite, Nili Lotan, Totême und wieder Isabel Marant. Ich liebe es, sie mit Vintage zu kombinieren und Styles zu mixen, die Brands passen mir einfach sehr gut und bilden für mich die perfekte Basis aus Basics und Highlights.

Wer oder was ist deine größte modische Inspirationsquelle?

Alte Filme (z.B. Casino und American Gigolo), mein Freund & französische Magazine.

 

Was steht zurzeit auf deiner Wunschliste?

Die weißen Fransen-Loafer von Celine (geil!) und ein verspiegeltes Vintage Sideboard.

Was tust du für deinen Körper?

Ich mag ihn und versuche nicht, ihn ständig zu optimieren oder zu reglementieren. Im Moment lerne ich aber, besser auf ihn zu hören, z.B. wie er auf Stress und bestimmte Lebensmittel reagiert. Außerdem mache ich seit fast einem Jahr regelmäßig Sport. Das habe ich davor wirklich nie konsequent gemacht und die Arbeit immer als Ausrede genutzt. In Hamburg gehe ich zu bionic.fit und hicycle, HIT Training in Kursen. Mein Körpergefühl ist seitdem viel besser, mein Geist entspannter und ich habe viel weniger Kopfschmerzen als früher.

Welche drei Stücke aus deinem Kleiderschrank möchtest du nicht mehr missen?

Die Auswahl fällt mir gar nicht so leicht, da ich gerade an dem Punkt bin, an dem ich eigentlich nur noch Favoriten im Schrank habe und alles mit allem zusammenpasst. Aber diese drei Teile sind unter allen Umständen Keeper in meinem Schrank:

1.

Wegen dieser Jacke freue ich mich immer wieder auf den Winter. Es ist eine alte Chevignon Fliegerjacke und ich bin wahnsinnig froh, dass meine Mutter sie nie weggegeben hat. Style und Farbe sind perfekt, wobei ich mir, in einer Zeit in der ich oversized noch nicht gecheckt habe, die Ärmel schmaler genäht habe.

2.

Meine schwarze Samthose mit Pferdestickerei von Chloé. So special und so super unkompliziert für mich, denn ich kann sie einfach mit einem weißen Shirt und Biker Boots tragen und fühl mich super angezogen.

3.

Als ich vor zwei Jahren unter dem Label Crasca ein paar Teile designt und produziert habe, stand natürlich auch die perfekte Evening-Bluse auf meine Liste. Dabei ist dieser Prototyp entstanden (witzigerweise noch mit zwei unterschiedlichen Ärmeln, da ich mir nicht sicher war, wie ich es haben wollte). So wie sie jetzt ist, trage ich sie sehr gerne.

Was bedeutet für dich Schönheit?

Wenn ich an Schönheit denke, schwirren Tausende Bilder, Situationen und Mensch in meinem Kopf rum. Ich kann gar nicht genau sagen, was diese Bilder Schönes gemeinsam haben. Was ich aber andersrum immer wunderschön bei Menschen finde, sind: Lachen und Leidenschaft!

Wie fühlst du dich dabei, älter zu werden?

Grundsätzlich fühle ich mich super gut dabei und beobachte gespannt, wie ich mich verändere, vor allem in dem letzten Jahr. Bisher habe ich eher von Tag zu Tag gelebt, nicht viel geplant und habe mir nicht vorgestellt, wie mein Leben mit 40, 50, 60 sein soll. Je älter ich werde, desto öfter frage ich mich, wie mein Plan aussieht, ob ich überhaupt einen brauche oder ob mein Konzept ist, keinen Plan zu haben? Das heißt, Älterwerden finde ich toll, aber es bringt mehr Fragen mit sich, auf die ich Antworten suche.

Wovor hast du Angst?

Ich bin kein wirklich ängstlicher Mensch und habe ein tiefes Urvertrauen, dass Dinge so kommen, wie sie kommen sollen.

Was liegt/steht auf deinem Nachttisch?

Augentropfen, mein aktuelles Buch und drei Steine: ein Türkis (für Kraft), ein Amethyst (für Energie) und ein Rauchquarz (für Balance).

Die beste Doku?

Amazing Grace! Ich liebe Soul!

Auf welches Rezept greifst du immer wieder zurück, wenn du zu Hause bist?

Apfelpfannkuchen.

Was hat dir in letzter Zeit richtig gute Laune bereitet?

Tanzen!

Lieblings-Snack?

Quinoa Flips

Wo shoppst du am liebsten für Interior?

Bei Ebay Kleinanzeigen & Pamono kann ich mich richtig verlieren, aber ich schlage selten zu. Instagram inspiriert mich gerade total für Handwerksarbeiten: restaurierte Einzelteile, Holzarbeiten, Keramikarbeiten — zum Beispiel von @Keramik.ndrsn.

Wie verbringst du deinen Samstagabend am liebsten?

Dinner & Drinks mit Freunden oder zu zweit in Hamburg im Vienna, Carmagnole, Il Vagabondo oder in der Brücke.

Und was hilft dir beim Einschlafen?

Ganz tief ein- und ausatmen & kuscheln.

Auf welche Beauty-Produkte möchtest du nicht mehr verzichten?

1. & 2. 

Ich schwöre auf das Antioxidant Vitamin E Öl von Ryoko. Ich benutze es seit sechs Monaten morgens und abends für mein Gesicht, Hals und Dekoltee und ich hatte noch nie so gute Haut wie im Moment.

Das Velvet Hydration Spray von Le Pure, einer organic Beauty-Marke aus Spanien. Für Glow am Morgen und Extrapflege am Abend ist es perfekt und riecht so gut.

3.  & 4.

Die Body Butter von Weleda. Da sie sehr reichhaltig ist, benutze ich sie am liebsten abends vor dem Schlafengehen vor allem für die Beine und Füße im Winter. Manchmal mische ich sie mit dem Anti-Stress Balm von Ryoko.

5. & 6. 

Die Boy Brow von Glossier, it’s the best! Oft besteht mein Make-up nur aus definierten Augenbrauen und etwas Cloud Paint auf den Wangen, Augenlidern und den Lippen. Wie man den Tuben ansieht, benutze ich sie regelmäßig.

Wann warst du zuletzt traurig?

Hormonell bedingt bin ich jeden Monat ein bisschen traurig, meistens ohne wirklichen Grund, aber es muss raus und das tut gut!

Was tust du, wenn du dich absolut nicht motivieren kannst?

Ich versuche, eine stupide Arbeit zu erledigen, dann kommt der Flow meistens von alleine.

Was ist dein Beitrag zu einer besseren Gesellschaft?

Ich bin in der Regel sehr positiv und fröhlich und bilde mir ein, damit andere im Alltag anzustecken und zu motivieren. Meine Freundin hat letztens gesagt: Man könnte mir 100 echt beschissene Situationen geben und ich würde in fast jeder etwas Positives finden. Das kann natürlich auch sehr nerven, aber in unserer Gesellschaft in der non-stop gemeckert wird, bin ich gerne ausgleichend 🙂

Mit welchem Schmuck behängst du dich am liebsten?

Das Gliederarmband mit Brillanten (ein weiteres Erbstück meiner Oma). Ich bekomme den Verschluss gar nicht mehr auf, weil ich es seit ca. 3 Jahren nicht abgemacht habe. Und mein Croissant Ohrring von Sophie Bille Brahe. Ein Geburtstagsgeschenk von meinem Freund versteckt in einer Apple TV Box, über die ich mich auch schon gefreut hatte. Außerdem liebe ich meine Kette von Celine. Sie ist mir an einem Abend vom Hals gefallen und alle Einzelteile haben sich auf der Straße verstreut. Die heutige Version ist darum kürzer.

Zu welchen Accessoires greifst du immer wieder?

1.

Gürtel. Ich habe eine wirklich große Gürtelsammlung, viele davon Vintage. Jede schicke Hose wird mit Gürtel etwas rockiger, jede Jeans wirkt mehr wie ein Outfit und locker fallende Kleider kriegen eine Taille, die ich gerne betone.

 

2.

Zu einer Sonnenbrille.

3.

Red Lips. Immer abwechselnd YSL 13 Rouge Pur Couture (rot-orange), Dior 651 Ultra Fire (klassisch rot) und Chanel Rouge Allure Liquid Powder 962 (korallen-rot).

4.

Ah, und im Sommer jede Art von tragbarem Stroh: Körbe, Taschen, Hüte!

In welchem Outfit fühlst du dich am wohlsten?

High Waist Denim, Loafer, eine oversized Jacke und frisch gewaschene Haare plus hellroter Lippenstift.

Was würdest du tun, wenn du Königin von Deutschland wärst?

Ich würde mich für eine bessere Integration von behinderten Kindern und Erwachsenen einsetzen. Manchmal vergessen wir unser unmittelbares Umfeld bei den ganzen Nachrichten aus aller Welt. Alle Kindergärten würden integrativ sein, damit von Anfang an Toleranz und Akzeptanz selbstverständlich sind. Und ich würde die Bürokratie aufs Minimum vereinfachen. Was für ein Aufwand und eine Zeitverschwendung sehr viele Abläufe in Deutschland sind.

Vielen Dank! 

Nachgefragt // Einkäuferin & Retail Managerin Charlotte Kraska über Interior-Schätze, die beste Doku & ihre Beauty-Favoriten

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