Nachgefragt: Grafikdesignerin Mona Osterkamp über ihre Interior-Schätze, Berlin-Tipps & das beste Rezept

01.10.2021 Mode, Interview

In unserer „Nachgefragt“-Interviewreihe widmen wir uns Personen, die wir besonders spannend und inspirierend finden. Dieses Mal hat sich die Grafikdesignerin Mona Osterkamp unseren neugierigen Fragen gestellt.

Eine angenehme Ruhe strahlt Mona in ihren Bildern und mit ihrer Art aus, fast so, als könne man selbst für einen Moment durchatmen. In unserem Nachgefragt-Interview teilt sie ihren liebsten Cafés und Restaurants in Berlin, spricht über ihre Ängste, stellt ihre Interieur-Schätze vor und macht obendrein auch noch Lust auf Blumenkohl: 

Wann bist du mit deiner Arbeit so richtig zufrieden?

Ich bin Perfektionistin und tue mich daher oft schwer, richtig zufrieden zu sein. In den letzten Jahren bin ich allerdings selbstbewusster geworden und versuche weniger kritisch mit mir und meiner Arbeit zu sein. Auch positives Feedback von anderen hilft mir dabei, die richtige Balance von kreativem Anspruch und dessen Umsetzung zu finden.

An welche berufliche Erfahrung erinnerst du dich noch heute besonders gerne zurück?

Zusammen mit meiner Freundin und ehemaligen Kollegin Anna eine Ausgabe des DUMMY-Magazins gestalten zu dürfen. Und die letzten Kampagnen-Bilder für JUKSEREI zu fotografieren. Die Fotografie hat in den letzten Jahren wieder einen größeren Stellenwert für mich eingenommen, sodass es mir umso mehr Freude macht, dies auch beruflich umsetzen zu können.

Und wie gehst du mit Rückschlägen um?

Ich versuche, mich nicht entmutigen zu lassen, sondern aus den Situationen zu lernen und mich dadurch weiterzuentwickeln. Im besten Fall werden sie zum Auslöser, um Dinge konkret zu verändern oder dienen als Denkanstoß für neue Perspektiven. Letztendlich sind es eben oft genau diese Misserfolge, die uns uns selbst aber auch anderen näher bringen können und einen langfristig im Leben voranbringen. In meinem Schlafzimmer habe ich ein Ausstellungsplakat der Hamburger Kunsthalle mit dem Titel „Besser scheitern“ hängen, welches ein Bild des Künstlers Bas Jan Ader ziert. Es zeigt einen Fahrradfahrer, der geradezu zielstrebig in einen Kanal in Amsterdam fährt. Ich glaube, wir alle sollten einfach viel öfter mal mit gutem Gewissen „falsch abbiegen“.

Welche Bücher konntest du nicht mehr aus der Hand legen? 

1. Francoise Sagan – Bonjour Tristesse

Ein absoluter Klassiker und schon seit meiner Jugend eines meiner Lieblingsbücher.

2. Patti Smith – Just Kids

Dieses Buch habe ich letzten Sommer in gefühlt einem Rutsch auf dem Balkon gelesen und mir dabei gewünscht, es würde niemals enden.

3. Banana Yoshimoto – Kitchen

Yoshimotos Bücher sind zutiefst melancholisch und wundersam tröstlich zugleich. Wer gerne japanische Literatur liest, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

4. Joyce Johnson – Zaunköniginnen

Ein toller Roman basierend auf den Erlebnissen und Erinnerungen der Dichterin Joyce Johnson über das turbulente Leben der Beat-Generation im New York der 50er Jahre.

Wovon lässt du dich inspirieren?

Von allem, was mich umgibt. Kunst, Kultur, Natur, Filme, Musik, Bücher, Gespräche mit Freund*innen, gemeinsame Abendessen oder ein bestimmtes Ambiente. Oft hilft mir ein Ortswechsel dabei, auf neue Ideen zu kommen und spannende Eindrücke zu sammeln.

Was motiviert dich jeden Morgen, aufzustehen?

Die Gewissheit, abends wieder wohlverdient ins Bett fallen zu können.

Und wie fängt für dich ein guter Morgen an?

Mit frischem Kaffee mit Hafermilch, blauem Himmel und einem guten Song, um in den Tag zu starten.

Auf welche Beauty-Produkte möchtest du nicht mehr verzichten? 

Da ich versuche, auch im Badezimmer möglichst auf unnötige Verpackungen und Zusatzstoffe zu verzichten, bin ich vor einiger Zeit auf feste Seifen für Haare & Körper umgestiegen. Die schwarze Aktivkohle-Seife von BINU nutze ich jeden Morgen. Sie eignet sich gut für meine zu Akne und Unreinheiten neigende Haut und mein Gesicht fühlt sich anschließend angenehm gereinigt und weich an. Seit Kurzem verwende ich nach der Haarwäsche noch das Arganöl von MERME Berlin, da sich meine Haare leider sonst oft trocken und spröde anfühlen. Ansonsten liebe ich den frischen, blumigen Duft des Eue de Parfums 003 von Bon Parfumeur und wenn ich mal etwas Zeit für mich (und meine Haut) möchte, mache ich mir eine Green Clay Maske von ROWSE.

Was bedeutet Schönheit für dich?

Unbeschwertheit, Verletzlichkeit, Zärtlichkeit. Und sowohl innerlich als auch äußerlich mit sich selbst im Einklang zu sein.

Wie fühlst du dich dabei, älter zu werden?

Mal ziemlich gut, mal ziemlich überfordert. Allgemein finde ich es aber schön, älter zu werden.

Wovor hast du Angst?

Ich war schon als Kind vergleichsweise zurückhaltend und vorsichtig, was sich auch noch bis heute in meinem Leben widerspiegelt. Als introvertierte Person musste ich mich schon von klein auf zu alltäglichen Dingen oder Situationen überwinden, was mir im Laufe der Zeit und durchs Älterwerden mittlerweile aber zum Glück deutlich leichter fällt. Oft geht es bei meinen Ängsten um Themen wie Gesundheit, Verlust oder um das Bedürfnis nach Stabilität und emotionaler Sicherheit. Auch mit der Angst vor Einsamkeit habe ich mich nach dem Umzug in eine neue Stadt einige Zeit herumgeschlagen.

Zeigst du uns deine Interior-Schätze? 

Das hellgraue HAY Eiffel Regal habe ich mir nach einigem Sparen für meine erste eigene Wohnung gekauft, wo es seither als Schauplatz für Dinge, die mir Freude bereiten, dient: gesammelte Mitbringsel und Souvenirs von bisherigen Reisen, schöne Bücherfunde, selbst getöpferte Keramik und Geschenke von Freund*innen und Familie.

Den Stuhl aus recyceltem Holz habe ich 2015 auf der Absolvent*innen-Ausstellung der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg für einen Euro erworben. Er war Teil einer Abschlussarbeit und Performance, in der die Stühle vor den Augen der Besucher*innen nach und nach zusammengefügt und geleimt wurden. Die Nachfrage war riesig und ich freue mich noch heute darüber, dass ich einen der 100 Stühle ergattern konnte.

Die Nesso Tischleuchte von Artemide ist für mich ein wahrer Hingucker und ich liebe ihr abgerundetes Design in Pilzform. Sie sieht nicht nur toll aus, sondern macht auch sehr gemütliches Licht, was für mich eine große Rolle spielt.

Wie verbringst du einen freien Tag am liebsten?

Mit Buch im Café oder in der Sonne im Park zum Picknicken (innerhalb Berlins am liebsten im Körnerpark oder bei Sonnenuntergang auf dem Tempelhofer Feld).

Wann bist du so richtig entspannt?

Wenn ich mir Zeit ganz für mich allein nehme: sei es zum Kochen, Töpfern, Spazieren, Lesen oder Faulenzen.

Wann warst du zuletzt traurig?

Ein bisschen Melancholie trage ich eigentlich ständig mit mir herum.

Und wann warst du zuletzt so richtig glücklich?

Vor ein paar Wochen beim Sonnenuntergang am Meer in Frankreich. Ich könnte manchmal über Stunden in den Himmel schauen.

Was liegt/steht auf deinem Nachttisch?

Aktuell „Sex and Lies“ von Leila Slimani und eine Postkarte der Malerin Anita Rée („Halbakt vor Feigenkaktus“).

Was ist dein Beitrag zu einer besseren Gesellschaft?

Anderen Menschen respektvoll und auf Augenhöhe zu begegnen, sich gegenseitig wertzuschätzen und zu unterstützen, veraltete Konventionen und Denkmuster zu hinterfragen. Darüber hinaus versuche ich meinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Diese Werte sind mir auch bei meiner Arbeit als Gestalterin wichtig.

Zu welchen drei Accessoires greifst du immer wieder?

Diesen Sommer: die gestreifte Samsoe Samsoe Korbtasche. Allgemein habe ich eine große Vorliebe für Taschen mit kurzen Henkeln, in denen sich allerlei verstauen lässt (von analoger Kamera bis Einkaufsbeutel, Büchern, Kalender, Picknickdecke, Sonnencreme und mehr).

Kein sonderlich modisches Accessoire, aber da ich hauptsächlich mit dem Fahrrad unterwegs bin, verlasse ich ohne Helm in der Regel meist nicht das Haus.

Ansonsten: Scrunchies. Allerdings meistens nur dann, wenn ich keinen Helm auf dem Kopf trage.

Was tust du, wenn du dich absolut nicht motivieren
kannst?

Mittagsschlaf.

Die beste Doku?

„Finding Vivian Maier“ und „Jenseits des Sichtbaren – Hilma Af Klint“.

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Was würdest du immer wieder tun?

Alleine zu verreisen.

Und was hättest du lieber anders gemacht?

Um ehrlich zu sein nichts. Alle Fehler oder schlechte Erfahrungen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

In welchem Outfit fühlst du dich am wohlsten?

In weiten Jeans und mit extravaganten Ohrringen.

Welche drei Stücke aus deinem Kleiderschrank möchtest du nicht mehr missen? 

Mein quietsch-grünes PARROT Shirt von IT’S A SHIRT. Ich hatte schon immer ein Faible für weite Hemden und ausgefallene Shirts und habe mich sofort in die coolen Unisex-Schnitte und den besonderen Stil des griechischen Labels verliebt. Vor allem aber mag ich die nachhaltigen Werte, die ausgewählten Materialien und Ideen & Konzepte, die hinter dem Projekt stehen. Zumal die kleinen Kollektionen visuell immer unglaublich schön umgesetzt werden.

Den Midi-Jeansrock von Levi’s habe ich zufällig bei einem meiner Streifzüge bei neuzwei entdeckt. Er lässt sich super mit farbigen Socken, Penny Loafers oder auch einfach schlicht mit lässigen Turnschuhen kombinieren und dadurch sowohl im Frühling, Herbst und Sommer tragen.

Die schwarzen JOYCE Stiefeletten von VAGABOND zählen schon seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsschuhen. Ich trage sie gerne zu lässigen Outfits, um ihnen dadurch das gewisse Etwas zu verleihen.

Wer oder was ist deine größte modische Inspirationsquelle?

Schwer zu sagen. Ich glaube, es ist eine ziemlich bunte Mischung. Von Eindrücken auf Instagram, Ikonen aus Musik, Film & Kunst und Menschen, die mir alltäglich auf der Straße über den Weg laufen.

Welches sind deine liebsten Modemarken?

Ich mache mir eigentlich nicht allzu viel aus großen Marken, sondern kaufe lieber Secondhand oder versuche wenn möglich kleine Labels zu entdecken und zu unterstützen. Nichtsdestotrotz hängt natürlich aber auch bei mir das ein oder andere Markenteil im Schrank.

Welcher Song läuft bei dir auf Repeat? 

Ich höre meistens eine bestimmte Playlist rauf und runter, bis sie mir buchstäblich aus den Ohren heraushängt. Zurzeit ist es gerade diese hier:

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Und was steht zurzeit auf deiner Wunschliste?

Ich bin Anfang des Jahres 30 geworden und habe mir zwei Dinge vorgenommen: Mir mein erstes eigenes Kunstwerk zu kaufen und Winterbaden zu gehen. Ansonsten hoffe ich eines Tages einen Feigenbaum (und im besten Falle den dazu passenden Garten) zu besitzen.

Auf welches Rezept greifst du immer wieder zurück, wenn du zu Hause bist?

Ofengemüse mit Kartoffeln, Möhren, Fenchel, roten Zwiebeln, Rosmarin & Cherrytomaten. Orzo-Nudeln mit mariniertem Feta und Fenchelsamen aus dem Simple- Kochbuch von Ottolenghi (allerdings als vegetarische Variante ohne Garnelen). Und nicht zu vergessen: Blumenkohl aus dem Ofen. Entweder im Ganzen oder am Liebsten nach dem Rezept meiner Freundin Nele (@nelapri), mit der ich Anfang des Jahres den Cauliflower Club ins Leben gerufen habe. Lecker dazu: grüner Salat und Couscous.

Lieblings-Snack?

Oliven, Pistazien und Chips. Und im Sommer: Aprikosen.

Was hat dir in letzter Zeit richtig gute Laune bereitet?

Draußen in der Natur zu sein.

Dein liebstes Restaurant / Café?

Morgens zum Kaffee und Croissant ins Five Elephant in der Reichenberger, nachmittags ins Two And Two Café auf ein Stück Tokyo Cheesecake und Matcha Latte oder zu Kaffee & Kuchen ins Greens auf der Weserstraße. Anschließend zum Aperitivo ins Barettino und abends gehe ich gerne ins Kitten für Blumenkohl, Hummus und Aubergine oder direkt um die Ecke auf eine Pizza zu Gazzo. Für besondere Anlässe: das FREA in Mitte.

Mit welchem Schmuck behängst du dich am liebsten? 

Es kommt ziemlich selten vor, dass ich das Haus ohne Schmuck verlasse. Schon vor meiner Arbeit als Art Direktorin bei JUKSEREI habe ich wahnsinnig gerne Ohrringe getragen, meist allerdings eher bunt und aus nicht sonderlich hochwertigen Materialien. Heute lege ich mehr Wert auf Qualität und die Verarbeitung des Schmucks und variiere je nach Stimmung mal eher schlichte und mal etwas ausgefallenere Schmuckstücke zu meinen Outfits. Auch Ketten gehören dabei für mich mittlerweile häufig dazu. Der „Alles wird gut“-Ring gehörte zuvor meiner Mutter, die ihn mir während einer schwierigen Phase in meinem Leben schenkte. Ich trage ihn seither jeden Tag, zusammen mit dem COCO und CARMEN Ring von JUKSEREI.

Wo shoppst du am liebsten für Interior?

So wie vermutlich alle Großstädter*innen auf Ebay Kleinanzeigen.

Wie verbringst du deinen Samstagabend am liebsten?

Mit Freund*innen beim Abendessen oder gemütlich auf dem Sofa.

Und was hilft dir beim Einschlafen?

Ich gehe in der Regel früh ins Bett und habe keinerlei Probleme einzuschlafen. Manchmal höre ich zum Einschlafen aber auch gerne mal eine Folge „Die drei ???“. Und wenn ich gestresst oder sehr angespannt bin, hilft es mir, mich zur Entspannung vor dem Schlafengehen im Bett auf meine ShaktiMat zu legen.

Was würdest du tun, wenn du Königin von Deutschland wärst?

Mich für eine längst überfällige starke Klima-Politik einsetzen.

Vielen Dank, liebe Mona! 

Nachgefragt: Grafikdesignerin Mona Osterkamp über ihre Interior-Schätze, Berlin-Tipps & das beste Rezept

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