Wir haben fünf Frauen gefragt: Wie arbeitet ihr in Zeiten von Covid-19?

24.03.2020 Gesellschaft

Wie lebt und arbeitet es sich in Zeiten, in denen kaum mehr der nächste Tag geplant werden kann? Wenn es um das Arbeiten geht, aber auch um finanzielle Sicherheit und die Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeiterinnen, sind die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie für alle spürbar. Wir haben mit Menschen aus fünf unterschiedlichen Branchen darüber gesprochen, was ihnen momentan am meisten Angst macht und wie sie Hoffnung schöpfen.

 

Nicole Peltzer, Inhaberin von CAMON COFFEE Berlin

 
 
 
 
 
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„Ich bin Inhaberin und Betreiberin des Cafés CAMON COFEE in Berlin Neukölln auf der Sonnenalle. Uns gibt es seit Oktober 2015. Neben Specialty Coffee haben wir Brunch und Frühstück, kaufen von Anfang an fast ausschließlich Bio-Ware ein und versuchen unser Business konsequent nachhaltig und fair zu führen. Das bedeutet: So viel wie möglich wiederverwerten, so wenig wie möglich wegwerfen. Unser Anspruch ist es, hierbei auf Qualität und faire Bezahlungen unserer Lieferant*innen zu achten und unseren Standard stets hochzuhalten. Wir leben von der Nachbarschaft und von dem Leben im Kiez und versuchen für die Menschen im Stadtteil da zu sein.“

 

Wie ist die Lage bei euch?

Wir hatten einen sehr guten Start ins Jahr. Rückblickend wurde das Thema bei Kund*innen und uns eher belächelt. Als es am Montag ernster wurde und Covid-19 medial mehr stattfand, wurden hier die Stimmen lauter, die Aufregung größer und auch das Thema unter unseren Kundinnen wurde stärker besprochen. Krasse Umsatzeinbußen haben wir seit Dienstag vergangene Woche. In der letzten Woche hat es sich stark verschlechtert.“

Wo musst du dich gerade akut einschränken?

„Wir haben den Innenbereich geschlossen und machen nur noch Take-Away. Vergangene Woche haben wir angefangen, unsere restlichen Lebensmittel zu verkaufen, weil wir einfach nicht wussten, was passieren wird, aber auch nichts wegwerfen wollten. Im Prinzip warten wir seit dem 17. März darauf, dass die Regierung eine Ansage macht und endlich alles schließt. Liegt es in unserer Verantwortung, auch zuzumachen? Können wir es uns leisten, zuzumachen? Wenn ich freiwillig schließe, greifen für mich die Soforthilfen und Mittel von der Regierung?

 
 
 
 
 
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Die Mitarbeiterinnen, die bei mir arbeiten, sind jetzt in Kurzarbeit. Es ist absolut gruselig, weil so viel Verunsicherung herrscht und man nicht weiß, wie lange es dauert und wann gegebenenfalls Hilfen kommen. Es gibt so viel Redebedarf bei Gästen und Mitarbeiter*innen. Entscheidungen treffen, funktioniert für uns nur Day by Day.

Ich habe die Bank, das Finanzamt, den Vermieter und die Krankenkassen angeschrieben und sie darum gebeten, die Beiträge stunden zu können und die Zahlungen auszusetzen, weil ich einfach gerade nicht einschätzen kann, wann es wieder Geld gibt. Ich habe bislang noch keine Antwort bekommen. Bei der Agentur für Arbeit und beim Finanzamt haben sie das Telefon ausgestellt. Es gibt gar keine Information und wir wissen überhaupt nicht, wie es weitergeht.“

Was ist deine größte Sorge?

Meine größte Sorge ist, dass wir das als Unternehmen nicht schaffen. Ganz abgesehen davon, ob ein Shut-Down vernünftig ist oder nicht, weiß ich nicht, wie hoch die Bereitschaft der verschiedenen Institutionen ist, uns zu unterstützen und, ob es von dieser Seite überhaupt die Möglichkeit gibt. Soforthilfe via Kredit, also eine Neuverschuldung, macht für uns absolut keinen Sinn. Zum einen bin ich noch mit dem aktuellen Kredit verschuldet, aber wieder etwas auf mich nehmen, für etwas, das ich nicht beeinflussen konnte, würde mich finanziell noch mehr belasten, vor allem auf lange Sicht. In der Gastronomie gibt es diesen Nachholeffekt eben nicht. Ein Essen, das wir jetzt nicht verkaufen, werden wir ja auch in zwei Monaten nicht los. Ungenutzte Räume, wie im Hotel, oder Ressourcen wie bei uns, sind immer erst einmal Mehrkosten. Ich kann mich eben nicht darauf verlassen, dass Menschen in Zukunft wieder mehr Geld hier lassen. Das sind alles verlorene Tage.

Wie nimmst du die Stimmung gerade wahr?

„Die Stimmung ist abgefahren. Auf der einen Seite habe ich Existenzängste hoch zehn sowie Zukunftsangst und auf der anderen Seite gutes Wetter und Sonnenschein und man ahnt, dass sich sich die Leute am Ufer und auf dem Tempelhofer Feld einen reinstellen. Nachdenklich, zurückhaltend, kurz angebunden. Ich drehe mich im Kreis, komme gar nicht so richtig da raus und erlebe das auch mit den Gästen, die vorbeikommen. Es ist fast ein bisschen so, als wäre die Zeit angehalten oder als wäre es die Ruhe vor dem Sturm. Ich versuche die nun eingekehrte Ruhe, ganz abseits von meinen Sorgen, auch für die Weiterentwicklungen meines Business zu nutzen. Neue Konzepte, Strategien, Rezepte, für die ich jetzt Zeit habe. Klar ist man immer wieder dabei, alles durchzudenken und auch mit Freundinnen zu zerreden, aber ich habe angefangen, diesen Status Quo auch als Chance zu verstehen.“

Ihr könnt das Café Camon via Start Next unterstützen!

Runa*, Sozialpädagogin

„Ich arbeite als Sozialpädagogin in einer Schutzeinrichtung für Mädchen und zusätzlich in der zentralen Notaufnahme lokaler Frauenhäuser. Das ist ein kurzfristiger, sicherer Ort für gewaltbetroffene Frauen, wo geprüft und evaluiert werden kann, wie es für Betroffene weitergehen könnte. Beide Jobs zeichnen sich dadurch aus, dass die Frauen rund um die Uhr betreut sind. Es gibt Kolleginnen die Tag und Nacht vor Ort sind und die Stationen besetzen. Kontinuierliche Beziehungen zu gewährleisten, ist vor allem in der Wohngruppe superwichtig, weil hier im Bezugsystem gearbeitet wird.“

Wie hat sich die Lage in den letzten Tagen entwickelt?

„In der Wohngruppe sind noch mehr oder weniger alle Mitarbeitenden da. In der Notaufnahme sieht dies, aufgrund von Kontakt mit Leuten aus Risikogebieten etc. , etwas anders aus. Viele Kolleginnen fallen da raus und sind vorerst krankgeschrieben. Hier ist Angst ein enormer Faktor. Angst davor, dass die Dienste in den folgenden Wochen bei Mehrkontakten mit Betroffenen und eventuellen Quarantäne-Maßnahmen nicht besetzt werden können. Das ist im Bezug auf diese Veränderung auch in der Wohngruppe gefährlich, weil die konstanten Bezugspersonen so unfassbar wichtig für die Bewohnerinnen sind. Die Qualität der Arbeit würde enorm darunter leiden, dass hier gegebenenfalls Stellen vertreten werden müssten. Die Mädchen sind auf die Kontinuität angewiesen, kommen teilweise aus prekären Verhältnissen oder haben Traumata und Gewalt erlebt.“

Mit welchen Ängsten setzt du dich oder die Institution sich auseinander?

„Was passiert mit den Menschen, die zum Beispiel auf die Notaufnahme angewiesen sind und sie bei Bedarf nicht nutzen können? Es gibt so viele Frauen, die beispielsweise von häuslicher Gewalt betroffen sind. Sie brauchen eine Möglichkeit, um sich 24/7 an eine Beratung oder Schutzmaßnahme zu wenden, wenn sie sich in einer persönlichen Krisensituation befinden. Wir müssen auch bedenken, dass es durch das Zurückziehen ins Häusliche und die vermehrte Isolation von der Außenwelt, für Personen die in Gewaltbeziehungen sind, schwieriger wird, der Situation kurz- oder langfristig zu entkommen.“

Nebenan knallt es. Was kann ich tun?

1. Hinschauen: Augen auf, Ohren auf! Nicht ignorieren! Jetzt ist mehr denn je die Nachbarschaft gefragt.

2. Informieren: Drucken Sie Zettel mit der Rufnummer des bundesweiten Hilfetelefons 08000 116 016 aus und hängen Sie diese im Hausflur auf oder werfen Sie diese in alle (!) Briefkästen des Hauses.

3. Deeskalieren: Nur, wenn die eigene Sicherheit nicht gefährdet ist: unterbrechen Sie Konfliktsituationen mit einem harmlosen Anliegen. Wenn die Nachbarn schreien, gehen Sie klingeln und fragen nach Mehl.

4. Kontaktieren: Nehmen Sie Kontakt zu Betroffenen auf (Achtung: Nicht vor dem Täter!) und bieten Sie an, zuzuhören, Hilfe zu vermitteln, ein Telefon zu benutzen. Nicht wundern, wenn die Betroffene alles abstreitet.

5. Alarmieren: Wenn es hinter der Wand richtig knallt, dann zögern Sie nicht und rufen Sie die Polizei unter 110. Der Anruf kann ein Leben retten!

Quelle: Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser e.V.

Der gewalttätige Partner verlässt das Haus eventuell nicht. Du übernimmst vielleicht zuhause die Betreuung und bist so eingebunden, dass kein Ausstieg aus dieser Situation möglich ist. Diese Realitäten müssen mitgedacht werden und das Risiko für diese Personen muss besprochen und auch im Kontext von Kapazitäten mitgedacht werden.“

Hast du konkrete Forderungen an Regierung und Politik?

„Es ist wichtig, dass Politik und Regierung auf diese Lebenswelten aufmerksam machen und dies in die Öffentlichkeit bringen. Es muss perspektivisch geschaut werden, wie Jobs in der sozialen Arbeit von der Behörde besser finanziert werden können. Förderungsanträge von autonomen Frauenhäusern dürfen nicht weiter infrage gestellt werden. Eine gute Entlohnung und konsequente Beschäftigung von Mitarbeitenden muss hier als notwendig und unterstützenswert anerkannt werden. Besonders in Zeiten wie diesen.“

Was besorgt dich persönlich?

Wir müssen bedenken, dass gewisse Dinge medial keine Rolle mehr spielen. Solidarisch sein, ist wichtig, von Nachbarschaftshilfe bis zuhause bleiben. Mir macht es große Sorge, dass Themen wie die humanitäre Katastrophe in Moria oder die EU Außengrenzen durch den Rückzug ins Häusliche, die Auseinandersetzung mit dem Eigenen, noch weniger Beachtung finden. Sorgen macht mir auch, wie diese Diskussion im Zusammenhang mit stärkeren Grenzkontrollen nationalistische Tendenzen befeuern könnte, weil es ja stets darum geht, sich zu schützen, zurückzuziehen und nationale Sicherheit zu gewährleisten.

 

 
 
 
 
 
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Marlene*,  Assistentin in der Kommunikation (Marketing & PR) in einem Privattheater

Wie ist die Lage bei euch? Wie hat sie sich in den letzten Tagen entwickelt?

„Wir haben schon länger gemerkt, dass sich die Pandemie auf den Theaterbetrieb auswirkt. Wir haben auch heftige Reaktion von Kund*innen mitbekommen, die ihr Unverständnis lautbar gemacht haben – vor allem unseren Kassenmitarbeiter*innen gegenüber, weil die staatlichen Theater schon früher geschlossen hatten. Wir hätten auf eigene Faust schon vorher schließen können, aber dies passiert natürlich auch nur auf das eigene Risiko. Wir haben eigentlich vorletzte Woche nur auf weitere Anordnungen gewartet und uns dabei mehr Support von der Kulturbehörde gewünscht, auch wenn sich alle bewusst waren, wie wenig die Allgemeinheit auf die Situation vorbereitet ist.

 

 
 
 
 
 
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Wir bzw. die Geschäftsführung hat sich am Freitag, den 13. März 2020, dazu entschieden, den Spielbetrieb einzustellen. Dies geschah, im Gegensatz zu der Schließung der staatlichen Bühnen, erst einmal ohne direkte Anordnung der Kulturbehörde. Eine Allgemeinverfügung zur Eindämmung des Coronavirus wurde dann schließlich am 15. März 2020 durch die Behörde ausgesprochen: Sämtliche öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen sind nun untersagt. Die Anordnung gilt zunächst bis zum 30. April 2020. Mit der Schließung des Theaters und dem damit einhergehenden erheblichen Arbeitsausfall war ebenfalls abzusehen, dass die Arbeitszeit von uns Arbeitnehmer*innen (enorm) verringert werden muss – Stichwort Kurzarbeit. Viele von uns befinden sich bereits in Kurzarbeit bzw. wird diese durch die Geschäftsführung in Rücksprache mit dem Betriebsrat derzeit noch abgewickelt. Meine Arbeitszeit wurde bspw. auf 0 Stunden reduziert, das bedeutet 60% des Gehalts.“

Von wem erfährst du Support und wie sieht dieser aus? 

„Support und Solidarität erfahre ich in erster Linie von meinen Freund*innen und aus meinem Familienkreis. Es tut wahnsinnig gut, in so engem Austausch mit vielen Leuten zu stehen, die schließlich alle auf irgendeine Art und Weise von dieser Krise betroffen sind. Wir tauschen uns aus, halten uns auf dem Laufenden und sprechen uns Mut zu – das ist Gold wert! Auch betriebsintern unter den Kolleg*innen versuchen wir, uns gegenseitig zu unterstützen und die schwierige Situation gemeinsam zu meistern – ich persönlich kann mich über eine tolle Abteilungsleiterin freuen, die für mich da ist und von der ich mich unterstützt & wahrgenommen fühle.“

Wie geht es dir persönlich?

„Ich habe das Gefühl, dass ich feststecke. Ich habe konstant das Gefühl, mich informieren zu müssen, aktiv zu werden oder mich weiterzubilden, aber stehe oft nur ratlos da. Ich habe so viele Fragen an das Arbeitsamt, aber auch an andere Institutionen, die grundsätzlich für diese Unsicherheiten zuständig wären. Ich könnte mit den 60% meinen Grundbedarf decken, sprich Miete zahlen und die Fixkosten begleichen, aber für den Rest bin ich auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen, auch wenn das natürlich keine Dauerlösung ist.“

 

 
 
 
 
 
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Tupoka Ogette –  Antirassismus Coach, Aktivistin und Autorin

„Mein Mann Stephen Lawson und ich sind freiberuflich und bieten Workshops, Trainings und Beratungen zum Thema „Rassismuskritisch denken und lernen“ an. Das machen wir bundesweit, aber auch in der Schweiz, Österreich und Südtirol. Es findet in allen möglichen Branchen und Bereichen statt und betrifft Firmen, Parteien, Redaktionen, Theater aber auch Einzelberatungen. Seit drei Jahren sind wir zudem mit meinem Buch „Exit Racism“ deutschlandweit auf Lesetour unterwegs.“

Wie ist die Lage bei euch? Wie hat sie sich in den letzten Tagen entwickelt?

„Die Lage war vor 2-3 Wochen super. Wir waren total ausgebucht und hatten sehr viele Aufträge. Vor einer Woche sind bis zum Sommer dann all unsere Aufträge weggebrochen. Wir arbeiten sehr sehr viel, schon in den letzten Jahren haben wir unsere Kapazitäten und Ressourcen überstiegen und haben es trotzdem nicht geschafft, Rücklagen zu bilden, sodass wir jetzt vor einer finanziellen Katastrophe stehen, die mit sehr vielen Sorgen und Ängsten verbunden ist.“

 
 
 
 
 
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Was musst du gerade akut einschränken und verändern?

„Wir haben eine Assistentin eingestellt, die wir natürlich weiterhin bezahlen möchten. Zusätzlich bin ich dabei, Termine zu verschieben. Dabei stellt sich natürlich die Frage: auf wann verschieben? Eigentlich ist unser Jahr voll, aber wir wissen eben nicht, wie lange diese Krise anhält. Zwei, drei Monate würden wir klarkommen, aber danach haben wir einfach existenzielle Sorgen. Wir versuchen, einige unserer Seminare auf Webinare umzulegen und uns einzuarbeiten, was aber wiederum mit Mehrkosten verbunden ist. Viele Plattformen sind nicht kostenfrei. Zudem sind wir auf der Suche nach Sponsor*innen für unseren Podcast „Tupodcast“.“

Wir wünschen uns für Freiberufler*innen und Selbständige wie uns, aber auch für Menschen in prekären Situationen, ein sofortiges Grundeinkommen. Für alle, die ihre Tätigkeiten nicht mehr ausüben können. Ganz ohne größere bürokratische Hürden. Ganz akut auch eine Reduktion unserer Steuervorauszahlung sowie eine Verringerung der Miete. Auch eine Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge wäre eine große Hilfe.“

Von wem erfährst du Support und wie sieht dieser aus?

„Wir versuchen, alle virtuell zusammenzuhalten. Onkel, Tanten, Eltern, Freundinnen − wir telefonieren häufig und versuchen, uns Mut zuzusprechen und Kraft zu schenken. Die Veranstalterinnen sagen uns nicht böswillig ab, sind selber verunsichert, aber gleichzeitig gewillt mit zu überlegen, wie man gemeinsam eine Lösung für Ausfälle finden kann. Freund*innen bieten mir an, uns bei der Mietzahlung zu unterstützen und auch in unserem Haus erfahre ich Solidarität, was mich sehr berührt. Ich bin selber Risikopatientin und muss ein wenig aufpassen, weil ich eine Lungenkrankheit habe. Trotzdem versuchen mein Mann und ich, uns in unserem Umfeld solidarisch zu verhalten.“

Was sind größere Sorgen, die dich Plagen? Wie kompensierst du diese?

„Wie gesagt – zwei, drei Monate können wir mental und wirtschaftlich in unserem Zuhause mit unserem Sohn gut überstehen. Viele Ängste sind da. Aus wirtschaftlichen, aber auch mentalen Gründen. Ich habe generell im Leben mit vielen Ängsten zu kämpfen und muss einfach auch in diesem Fall gut auf mich aufpassen. Sorgen um die Familie spielen hier natürlich auch eine Rolle. Meditation, Sport zu Hause und schöne Musik helfen bei der Kompensation. Da ich ein Workaholic bin, stürze ich mich zudem in die Arbeit und versuche, hier weiterhin aktiv zu bleiben und zudem auch Themen wie Gesellschafts- und Rassismuskritik nicht außen vor zu lassen.“

Fühlst du dich momentan gut beraten?

„Ich fühle mich nicht gut beraten. Ich versuche, so viele Informationen, wie es geht, im Netz zu finden. Momentan widersprechen sich diese allerdings häufig. Ich warte auf Informationen und Angebote für Selbstständige, wüsste aber noch nicht, an wen ich mich wenden kann.“

 
 
 
 
 
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Für eine Steady Mitgliedschaft geht es hier entlang. Direkten Support via Paypal ist über info@tupoka.de möglich. Tupoka und Stephen sind außerdem auf der Suche nach Sponsor*innen für den Podcast!

 

Maria Popov, Redaktionsleitung bei Auf Klo

„Ich bin Maria Popov, 27 Jahre alt und Redaktionsleitung und Moderatorin für das Format Auf Klo – eine feministische Talkshow, die auf Youtube stattfindet, in Auftrag gegeben vom jungen Netzwerk Funk. Wir produzieren öffentlich-rechtlich und genießen das Privileg, noch weiter bezahlt zu werden. Zusätzlich sind wir ein Online-Format, was natürlich im Gegensatz zu Live-Studio Sendungen noch etwas anders produziert wird. Inhaltlich leite ich unser Team, in der Regel sind wir sieben bis zehn Menschen, die ich mit einer tollen Teamkollegin gemeinsam anleiten darf.

 
 
 
 
 
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In den letzten Tagen haben wir alle im Homeoffice gearbeitet. Wir lassen keine Drehs mehr im Studio stattfinden und entwickeln gerade Wege, dies im Remote von Zuhause zu realisieren. Interviews führen, Videos drehen, eben ohne, dass jemand das Haus verlassen muss. Unser Format lebt davon, dass wir Menschen eine Plattform bieten. Das ist jetzt natürlich wichtiger denn je, aber sehr schwierig, wenn unsere Gäste nicht unseren Safe Space, die Klokabine, für die oft sensiblen Interviewthemen, aufsuchen zu können. Dass wir diesen momentan nicht haben, macht es natürlich schwieriger.“

Was musst du gerade einschränken und verändern?

„Für die festangestellten Kolleginnen verändert sich der Switch zum Homeoffice, der definitiv psychisch belastend sein kann. Für mich bedeutet das, dass ich für mein Team für genau diese Belastungen ein offenes Ohr haben muss und auch will.

Wir arbeiten auch mit freien MItarbeiter*innen zusammen, deren Jobs wir vor allem im Kontext Produktionsteam und „On Set“ nicht sichern können, was die große Verantwortung ist, die ich nur als schwer aushaltbar empfinde. Für unserer Zuschauer*innen verändert sich tatsächlich nur unser Look. Unsere Zielgruppe darf sich freuen, weiterhin von unseren Videos bei Laune gehalten werden.“

Was wünscht du dir von der Regierung?

„Ich wünsche mir eine eindeutige Ausgangssperre. Ich möchte mich auf Ansagen von oben verlassen können, um nicht individuelle Entscheidungen nach Vernunft treffen zu müssen. Das fühlt sich nicht allumfassend und ausreichend an. Genug ist, wenn alle Menschen angehalten sind, das Gleiche tun zu müssen, und das ist nur bei einer Ausgangssperre gewährleistet. Ich fühle mich nicht gut beraten. Meine Quellen sind die Tagesschau und das Robert Koch Institut. Das ist  gut, aber die generelle Nachrichtenflut empfinde ich als belastend. Ich finde es sehr schwierig, dass, solange wir keine Ausgangssperre haben, auf die Vernunft und die Bildung jedes Einzelnen gesetzt wird. Klar habe ich eine Grundbildung, aber in Lagen wie diesen, fühle ich mich nicht ausreichend gebildet, um komplexe Zusammenhänge nachvollziehen zu können.“

Wie erfährst du Support?

„Ich erfahre Support von meinen Kolleginnen und Freundinnen, aber hier ist ein klarer Unterschied zu verzeichnen zwischen denen, die momentan noch arbeiten und denen, die aktuell nicht arbeiten können oder dürfen. Diejenigen, die aktuell zuhause sitzen, haben ein klares Bedürfnis nach emotionaler Nähe, was ich momentan nicht bedienen kann, weil ich so viel arbeite. Meinen eigenen Support bzw. meine eigene Solidarität bringe ich momentan durch Selbstisolierung zum Ausdruck.“

Welche Sorgen plagen dich?

„Es macht mir Angst, nicht zu wissen, wie lange wir das noch durchhalten müssen. Ich kompensiere das natürlich mit dem Austausch und der Nähe zu Freundinnen und Familie, bereite mich aber auch darauf vor, dass es noch lange so gehen kann. Ich überlege zum Beispiel, wo ich mich befinden möchte, sollte es eine längerfristige Ausgangssperre geben. Es hilft mir, mich darauf einzustellen und auch meine Zukunftsvision darauf anzupassen.“

 

 
 
 
 
 
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Ein von @maria.popov geteilter Beitrag am

*Namen von der Redaktion geändert.

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3 Kommentare

  1. Svenja

    Zu den Stundungen, Ansprüchen auf Hilfe, Kontakt zum Finanzamt usw. Hier ist ein gute Steuerberater essenziell!! Mein Mann zB ist Stb, das einzige, das er derzeit, und zwar auch spätabends und am Wochenende tut, ist, hier Unterstützung zu leisten. Leider kennen sich nicht alle Berater aus, wenn jemand mag, kann ich da gern Kontakt herstellen. Wir sind zB auch in Berlin vertreten.

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