Filmtipps // Die liebsten Filme der JW Redaktion

25.03.2020 Film

In Zeiten, in denen wir gezwungen sind, mehr Zeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen, ist Unterhaltung und Ablenkung relevanter, denn je — nicht zuletzt, um den eigenen Gedanken zu entkommen und einen Moment der Ruhe zu finden. Weil ich nicht nur ständig auf der Suche nach neuen, mir unbekannten Filmen, sondern auch noch ziemlich neugierig bin, habe ich unser gesamtes Team so lange genervt, bis mir am Ende sogar fast alle ihre Lieblingsfilme verraten haben. Die Antworten habe ich euch, samt Trailer, zusammengestellt — Happy Binge Watching! PS: Wir freuen uns natürlich riesig, wenn ihr auch eure Lieblingsfilme in den Kommentaren mit uns teilt.

Julia Korbik

Manche mögen’s heiß (1959)

Diesen Film schaue ich mindestens einmal pro Jahr, eher zwei- oder dreimal. Ich kenne ihn in- und auswendig, und trotzdem fallen mir bei jedem Schauen neue Details auf. Manche mögen’s heiß hat alles: Marilyn Monroe, Tony Curtis (der meiner Meinung nach schönste Mann, der jemals auf dieser Erde wandelte), Jack Lemmon und eine Handlung, die in den Roaring 20’s angesiedelt ist: Die zwei Chicagoer Musiker Joe (Curtis) und Jerry (Lemmon) beobachten zufällig ein Massaker der Mafia. Um den Killern zu entkommen, heuern sie als Frauen verkleidet bei einer Damenkapelle an, die auf dem Weg zu einem Gig im Seminole Ritz in Miami ist. Auf der Zugfahrt verlieben sich sowohl Joe als auch Jerry in die naive Ukulele-Spielerin Sugar (Monroe), was, natürlich, zu Problemen führt… Manche mögen’s heiß ist voller Charme und Witz und niemals langweilig. Man sollte ihn schon allein deshalb gucken, um endlich zu verstehen, woher der Ausdruck „Nobody’s perfect“ kommt, oder welche Stelle aus dem Film die Ärzte in ihrem Hit Ein Schwein namens Männer sampelten. Das Beste ist: Der Film passt immer. Egal, ob man sich ablenken will, Aufmunterung braucht, sich nach ein bisschen Romantik sehnt oder sich einfach langweilt. Oder den Eindruck hat, zu wenige Film-Klassiker gesehen zu haben.

 

Der Name der Leute (2010)

Für mich der ultimative Feel-Good-Film: herzerwärmend, lustig, und dann auch noch mit politischer Botschaft. Der Name der Leute handelt von Bahia (Sara Forestier), Tochter einer linksaktivistischen Mutter und eines illegal eingewanderten Algeriers. Bahia möchte die Welt verbessern und kämpft entschieden gegen alles, was rechts ist (oder was sie als rechts empfindet). Ihre Methode der Wahl: Beischlaf mit Rechten, um diese in Linke zu verwandeln. Frei nach dem Motto „Make love, not war“. Als Bahia Arthur (Jacques Gamblin) trifft, einen nüchternen Beamten, der für den Seuchenschutz arbeitet und gegen die Vogelgrippe kämpft, ist sie davon überzeugt, dass auch er zu den „Faschos“ gehört. Schnell stellt sich aber heraus, dass Arthur eine mindestens ebenso komplizierte Familiengeschichte hat wie Bahia: Seine Mutter ist die Tochter von eingewanderten griechischen Jüd*innen, die im Zweiten Weltkrieg deportiert wurden. Ein Film, der von Rassismus, Rechtsnationalismus, sexualisierter Gewalt, dem Holocaust und Frankreich heute handelt, könnte leicht überladen und gewollt wirken. So viele Botschaften, die es unterzubringen gilt! Der Name der Leute ist aber, erstaunlicherweise, leicht und luftig, voller skurriler aber liebenswerter Charaktere. Ihn sollte man gucken, wenn man aufgrund der politisch-gesellschaftlichen Lage frustriert und traurig ist und Bestätigung braucht, dass eine bessere Welt, trotz allem, möglich ist. Oder wenn man den Hype um den ziemlich schlichten Multikulti-Hit Monsieur Claude und seine Töchter nicht verstehen konnte (so wie ich).

Nike

Ich habe wirklich, wirklich lange überlegt, welche beiden Filme ich euch an dieser Stelle nun auftischen werde. The Big Lebowski vielleicht, weil ein bisschen Banane sein in Zeiten wie diesen ebenso wichtig wie wohltuend wirkt, Toni Erdmann, weil ich damals im Kino wirklich Tränen gelacht und auch mal geweint habe, oder auch It’s kind of a funny story dicht gefolgt von Little Miss Sunshine wegen des schwarzen Humors, der bei mir ins Schwarze trifft, und so weiter und so fort. Ein bisschen kam ich mir auch vor wie damals in der Schule, als man beim Ausfüllen diverser Freundebücher manchmal ganz klammheimlich gar nicht das beste, sondern das eindrucksvollste Album in die Kategorie „Lieblingsmusik“ kritzelte. Für heute scheiße ich also auf Credibility-Punkte durch Call Me By Your Name & co und bin ganz ehrlich: Wenn ihr gerade nicht groß nachdenken, sondern unterhalten werden wollt, dann schaut doch bittesehr einen dieser drei Filme:

The Craft (1996):

Als ich „Der Hexenclub“ zum ersten Mal mit meiner Freundin Betty ansah, saßen wir ziemlich gebannt in meinem Kinderzimmer und gruselten uns gemeinsam, weil wir gerade erst in die 6. Klasse gerutscht waren und außerdem jüngst aufgehört hatten, uns gegenseitig die Haare zu flechten. Stattdessen schauten wir, wenn die Luft rein war, Filme von älteren Geschwistern, stoppten bei der Pimmel-Szene in Fight Club jedes Mal die VHS Kassette, um Brad Pitts Dödel aus nächster Nähe zu betrachten und träumten von der Pubertät. All die Schwarze „The Craft“ Magie hielt uns also auch an diesem Tag nicht davon ab, altersungerechte Sequenzen zu suchten und so kam es, dass wir die vier Hexen (von denen eine später grausam und eine andere ziemlich mächtig werden würde) fortan zu unseren persönlichen Stilikonen erhoben. „The Weirdos“ waren wir schließlich selbst mit großem Vergnügen. Ach, und der Soundtrack war damals ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Schaut diesen Film, wenn es draußen regnet und ihr Tortilla Chips zu euren Füßen stehen habt. Ihr werdet euch vielleicht wieder mit eurem 16-jährigen Ich verbünden. Und anschließend womöglich tagelang versuchen, sämtliche Gegenstände mithilfe von Gedankenkraft zu verrücken.

Les Jeux d’Éntfants (2003)

Der Titel des französischen Films Les Jeux d’entfants wurde derart bescheuert übersetzt, dass ich „Love me if you dare“ oder „Liebe mich, wenn du dich traust“ für gewöhnlich verschweige, wann immer ich eine Chance darauf haben will, dass mein Filmtipp erhört werden möge. Das glaubt einem ja sonst niemand, dass dieser Film zwar der Schublade „leichte Lost“ zugeordnet werden kann, aber dennoch nicht komplett verballert, sondern sogar sehr sehenswert ist. Schön schnulzig geht es hier zu, aber eben auch sehr rau und mitunter verträumt à la Amelie. Gut, ich trage vielleicht auch eine ordentliche Portion Identifikationspotenzial mit diesem Freundes-Paar in meinem Herzen, aber auch, wer das Phänomen der Hassliebe selbst nicht am eigenen Leibe erfahren musste, wird sich hier sicher nicht langweilen, sondern für einen Augenblick unterhalten fühlen. Dieser Film eignet sich hervorragend zum Vergessen des Draußens und Einmummeln in dicke Decken mit viel Eiscreme.

The Dreamers (2003)

Hier halte ich jetzt meinen Mund, weil ich ja eigentlich nur zwei Filme vorschlagen darf. Nur so viel: Wer „The Dreamers“ noch nicht gesehen hat, verschwendet mit dem Akt des Nachholens keineswegs Lebenszeit, nein, ganz im Gegenteil:

Fabienne

Marie Antoinette (2006)

Seit ich vor Jahren Marie Antoinette mit Kirsten Dunst geschaut habe, bin ich ihr irgendwie verfallen. Ob Virgin Suicides oder Melancholia – die Frau hat es einfach drauf. Die Geschichte der jungen französischen Königin ist der feuchte Traum eines jeden Kostümfilm-Junkies, nur in besser. Der Soundtrack, die Bilder, die tragische Story einer Teenagerin die (beinahe) plötzlich Prinzessin wird und eigentlich nur feiern, flirten und glücklich sein will, ist für mich Seelenheil in 123 Minuten. Mich als Comfort Watcher wird man einmal im Jahr (mindestens) dabei erwischen, wie ich verträumt im Laptop-Bildschirm versinke und danach laut den Soundtrack anstimme.

Moonlight (2017)

Nicht weniger tragisch, als das Ende von Marie Antoinette, ist die Handlung von Moonlight. Es ist ein Film, der mich über alle Maßen mitgenommen und bewegt hat. Ein großartiger Cast, kaum erträgliche, sensible Bilder, eingefangen mit einer Vehemenz, die den Film selbst schwer erträglich, wuchtig, aber sanft zugleich erscheinen lassen. Moonlight muss man fühlen wollen. Dann ist er großartig.

Julia 

In Sachen Filmen bin ich ziemlich wählerisch, aber über die Jahre haben sich dann doch so einige Lieblingsfilme angesammelt. Habe ich erst einmal einen Film gefunden, der mir gefällt, schaue ich ihn auch gerne hundert Mal, manchmal sogar gleich mehrmals hintereinander. Ich habe eine Vorliebe für Dramen, Nischenfilme und französische Filme, weshalb ich wohl so einige Klischees erfüllen dürfte. Nur allzu gerne würde ich euch an dieser Stelle eine ganze Reihe meiner Favoriten empfehlen (etwa Mon Roi, Beautiful Boy, Like Crazy, C’est la Vie, Call me by your name oder Now & Then), aber das wäre ja geschummelt. Stattdessen habe ich mich für zwei Filme entschiedenen, von denen ich glaube, dass sie vielleicht noch nicht ganz so weit verbreitet sind.

Kleine wahre Lügen (2010)

Okay, okay, „Kleine wahre Lügen“ von Guillaume Canet habe ich euch natürlich schon einmal ans Herz gelegt, aber der Film macht — trotz trauriger Momente — unfassbar gute Laune und zählt wohl deshalb zu meinen Lieblingen. Alles beginnt mit dem jährlichen Sommerurlaub, den die Freund*innen um Max, Marie, Vincent, Ludo und Co stets gemeinsam im Ferienhaus von Max verbringen. Als er kurz bevorsteht, gerät Ludo nach einer durchzechten Nacht im Club in einen Verkehrsunfall und wird schwer verletzt in einem Krankenhaus behandelt. Die restliche Gruppe entscheidet kurzerhand dennoch, den Urlaub anzutreten. Es folgen Gewissensbisse, Liebesbekenntnisse, Ehekrisen — und kleine Lügen, die sich innerhalb des Freundeskreises ausbreiten. Ich habe den Film ganz bestimmt schon über zehn Mal geschaut, glaube aber, dass ich die DVD heute Abend wieder einlegen werde. „Kleine wahre Lügen“ sollte man ganz unbedingt schauen, wenn man etwas zum Wohlfühlen braucht, aber stark genug ist, um auch traurige Handlungsstränge wegzustecken.

The Model (2016)

Das dänische Drama „The Model“ handelt von der jungen Emma, die nach Paris zieht, um eine Karriere als Model anzustreben. Kaum in Frankreich angekommen, erhält sie bereits einen ersten Job, bei dem sie den erfolgreichen Fotografen Shane kennenlernt und sich bei einer zweiten Begegnung in ihn verliebt. Mit fortschreitender Zeit entwickelt sich ihre Zuneigung jedoch zu einer regelrechten Obsession und auch das Modeldasein scheint ihren Gemütszustand zunehmend zu verändern. Zugegeben, die Bewertungen zu „The Model“ liegen stark auseinander, was mich jedoch in den seltensten Fällen davon abhält, einen Film zu schauen oder zu mögen. Durchaus zählt „The Model“ zur Kategorie „merkwürdig“ und mag, wenn man denn äußerst kritisch ist, zuweilen auch ein wenig stumpfsinnig wirken, dennoch hat er es mir so sehr angetan, dass ich ihn kürzlich zunächst auslieh und letztlich sogar kaufte. „The Model“ ist ein ziemlich nischiger, „artsy“ Independentfilm, den man schauen sollte, wenn man Lust auf Drama hat und sich auf Intrigen, Eifersucht und Kontrollverlust einlassen möchte / kann. Triggerwarnung: In einer Szene bildet der Film sexuelle und körperliche Übergriffe ab.

Sarah

Was antwortet ihr, wenn wir euch nach euren zwei Filmempfehlungen fragen würden, hmm? Würdet ihr sofort eine Antwort parat haben oder müsstet ihr ewig überlegen, weil so richtig, richtig gute Filme dann doch eine kleine Rarität sind und diese Frage so subjektiv ist, dass sie fast gar nicht beantwortet werden kann. Ich habe mich nach ziemlich langen Überlegungen auf meine ersten Impulse „zurückbesinnt“, weil „Alle anderen“ und „Toni Erdmann“ für mich einfach wirklich zu zwei ganz besonderen Filmen gehören, die ich nur jedem ans Herz legen kann. Und das, obwohl auch Her mit Scarlett Johansson und Joaquin Phoenix, Frances H mit Greta Gerwig oder aber Der Schaum der Tage mit Audrey Tautou ganz schön an meinem Herzchen gerüttelt haben und solch schöne Filme sind, dass sie wieder und wieder geschaut werden dürfen. 

Nun also doch zwei deutsche Filme und beide auch noch von Regisseurin Maren Ade, die es in beiden Werken auf unterschiedlichste Art und Weise schaffte, sowohl mit „Alle anderen“ als auch mit „Toni Erdmann“ so viel in mir auszulösen und permanent zwischen lauten Lachern und kullernden Tränen zu schwanken. Es sind zwei Filme, die uns zum Hinterfragen unserer eigenen Beziehungen aufrufen, die wachrütteln wollen und uns den Spiegel vor die Nase halten, ohne mahnend zu sein. Was wir also draus machen, das bleibt uns selbst vorbehalten. Von Herzen empfohlen:

Alle anderen

Ich weiß noch ganz genau, wie mein Freund und ich uns bei dem Film „Alle anderen“ permanent anschauten und mit den Achseln zuckten. „Was soll das und was ist das hier?“, fragten wir uns und so recht konnte ich diese Fragezeichen erst im Nachhinein beantworten. Das Resultat? Maren Ade kreierte den perfekten Anti-Liebesfilm und bediente sich so vielen Alltagssituationen aus dem Leben einer ganz normalen Beziehung, die aus der Vogelperspektive einfach nur total bescheuert erscheinen und uns zeigen, wie unnötig und gemein wir selbst manchmal handeln und den anderen vor den Kopf stoßen. Dabei skizziert der Film den Zersetzungsprozess einer Beziehung, behandelt Sehnsüchte, Erwartungen und innere Unsicherheiten und widmet sich nicht zuletzt gesellschaftlichen Mustern, die es keineswegs länger zu adaptieren, sondern aus ihnen auzubrechen gilt. Ein Film, der mich aufatmen ließ und mir vor Augen führte, wie wunderbar normal und schön meine Beziehung doch ist.

Der tragikomische, mit minutiöser Präzision inszenierte Geschlechterkampf spiegelt eindrucksvoll das Dilemma einer Generation, der mehr Freiheit zur Selbstverwirklichung offen steht als je zuvor, die sich aber schwer tut, Verbindlichkeiten einzugehen und auch Enttäuschungen auszuhalten. [Filmdienst]

Toni Erdmann

Ich weiß noch ganz genau, wie Nike mich anrief und mir von diesem Film vorschwärmte, den sie am Abend zuvor im Kino sah. Dass sie aus dem Lachen nicht mehr herauskam und dass 162 Minuten noch nie so schnell verflogen wären. Und: Dass ich diesen Toni Erdmann Film unbedingt auch sehen müsste. Es muss am Filmtitel gelegen haben, aber irgendwas brachte mich nicht dazu, ihr direkt zu folgen und diesen wirklich fantastischen Film auch sofort zu sehen. Im Freiluftkino Friedrichshain aber sollte das eine Saison später nachgeholt werden und ich sag‘ euch was: Tut es. Guckt ihn. Am besten noch heute! Denn ja: Toni Erdmann ist zwar ein wahnsinnig trauriger Film, der in isolierten Zeiten vielleicht auch mal extra aufs Gemüt schlägt, aber er hält mindestens genauso viele tränenreiche Lacher für uns bereit und erinnert in all dem derzeitigen Chaos gleichermaßen daran, wie wichtig Familie ist oder wie essentiell Liebende sind und wie unwichtig dagegen dieser Strudel aus müssen, Karriere und „Höher, schneller, weiter“ erscheint. Toni Erdmann – Ein Film, den man nicht vergisst [Le Monde] und der durch seine komplexe Familiengeschichte aus versteckten Vorwürfen, unterdrückter Wut und Schuldzuweisungen direkt ins Herz trifft. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich!

3 Kommentare

  1. Karoline Lehmann

    Ich bin ein riesen Indie-Film-Fan und kann euch wärmstens „shoplifters“ empfehlen, gerade auf amazon prime 🙂

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