Wish List: Vom „Liesmichl“, bequemen Sandaletten & 70 % off

02.07.2020 Mode, Shopping, Interior

Abgesehen davon, dass ich vergessen hatte, wie gut die Musik von Grateful Dead tut und zwar wirklich immer, musste ich dieser Tage außerdem feststellen, dass ich dringend eine Stauraum-Lösung für meine Plattensammlung brauche, die allmählich im Staub erstickt, weshalb ich mich abermals auf die Suche machte, bloß ausnahmsweise nicht vergebens, sondern mit Erfolg. Seither liebäugle ich mit Nils Mohrmanns „Musikstapler“, obwohl der „Liesmichl“ auch sehr praktisch wäre und auch etwas erschwinglicher.

Kommt auf die Wunschliste, beides. Genau wie neue Unterwäsche (ein leidiges Thema), gemütliche Absatz-Sandalen (auf jeden Fall von Camper, weil’s meiner Erfahrung nach bequemer kaum geht), ein psychedelisches Hemd (70% off, Marni), eine luftige Hose, neues Puder (jenes, auf das meine Mama schwört) und außerdem das Prada Catwalk Buch, das ich jeden Morgen im Zoom-Meeting bei Julia im Hintergrund herumstehen sehen, weil Miuccia mir nach wie vor eine der liebsten Modemachenden aller Zeiten ist:

 
 
 
 
 
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9 Kommentare

  1. Lisa

    So zur Info: Den Liesmichl gibt’s bei Moormann (wie vieles andere) auch im Sonderverkauf. Kann ich wärmstens empfehlen, ich konnte bei den Sachen persönlich nicht wirklich einen Unterschied zur „A-Ware“ feststellen 🙂

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  2. Lana

    „70% off“ hin oder her, es sind trotzdem mal eben 270€ für ein Hemd! Das ist schön, dass ihr euch das leisten könnt.

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    1. Lisa

      Darf ich mal eine Verständnisfrage stellen: Findest du das wirklich schön, dass sie sich das leisten können?

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      1. Nike Jane Artikelautor

        Liebe Lisa, ich bezweifle, dass Lana diesen „Umstand“ wirklich schön findet. Zunächst war ich gewillt, in die Verteidigungshaltung zu gehen und anzumerken, dass ja gar niemand behauptet hat, dass sich hier jemand eine solche Bluse „einfach so“ leisten kann – sonst wär’s ja keine Wunschliste. Aber das fände ich, nach reichlich Überlegung, überhaupt nicht richtig. Denn ehrlich gesagt wäre ich sehr stolz auf jede*n, der oder die sich aus eigenen Stücken finanziell freigestrampelt hat, in welchem Ausmaß auch immer. Oder besser: Ich würde mich wirklich aufrichtig freuen und finde es ausgesprochen schade, dass wir als Menschen immer wieder in diese Muster verfallen, also das, was die anderen haben oder nicht haben, auf uns zu beziehen oder zu verurteilen. Stattdessen wäre ein offenes Gespräch vielleicht viel konstruktiver. „Ich fühle mich nicht gut dabei, wenn ich immer wieder sehe, dass andere sich offenbar leisten können, was ich mir nicht leisten kann, es macht mich sogar sauer oder traurig, es zeigt ein Ungleichgewicht auf, das schwer zu ertragen und ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft ist“ – ist das die eigentliche Message? Was scheiße ist, bleibt scheiße, Kapitalismus bleibt auch Kapitalismus, aber dann könnte es viel eher zu Gesprächen kommen, die auch die andere Seite zeigen. Zum Beispiel: „Willst du das überhaupt, was ich habe, mit allem, was dazu gehört?“. Oft merkt man dann ja: „Oh je, nein danke, lieber nicht.“ Dennoch versuchen wir stets auf eine ausgeglichene (preisliche) Auswahl zu achten, um so wenige Leser*innen wie möglich auszuschließen. Ich verstehe aber, auch aus eigener Erfahrung, wie sau gemein es sich anfühlen kann, wenn ausgerechnet etwas, das man sehr mag, das eigene Budget überschreitet. Deshalb finde ich Kommentare wie jene von Lana zwar nicht konstruktiv, aber absolut verständlich.

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  3. Lisa

    Liebe Nike,

    ja, weißt du, für mich hat sich der Kommentar beim Lesen ziemlich passiv-aggressiv angefühlt. Aber ich wollte lieber noch einmal nachfragen, weil mein Leseeindruck eben erstmal genau das ist: mein Leseeindruck. Mich machen derartige Kommentare einfach immer trauriger und ich würde mir wünschen, was du schon längst angesprochen hast: dass man stattdessen äußert was hinter diesem ersten emotionalen Ausbruch steht. Kapitalismuskritik, Unwohlsein, Traurigkeit über die eigene Situatio etc.pp. Ich für meinen Teil finde solche Kommentare auch immer weniger verständlich. Bzw. man muss teilweise ganz schön aus dem Fenster hängen, um Verständnis dafür aufzubringen z.B. indem man, wie du, überlegt was Motive sein könnten. Und manchmal frage ich mich echt, warum man das machen sollte, wenn jemand mit seiner Brechstange in den virtuellen Raum marschiert, bisschen rumflext und halt nichts Substanzielles hinterlässt außer miese Vibes. Das mag ich in anderen Zusammenhängen und Kontexten verstehen. In diesem und hier jetzt gerade aber nicht. Auch deswegen hatte ich noch einmal nachgefragt. Und klar: Es ist vielleicht ein doofes Gefühl, wenn man sich etwas leisten kann, was man gerne hätte. Aber man könnte seine Energien ja dann auch darauf verwenden, sich zu fragen, wie man etwas ähnliches für weniger Geld haben kann. Indem es selbst näht, ein ähnliches Modell in günstiger findet, sich selbst ein Hemd bemalt/ ‚besiebdruckt‘, was auch immer. Na ja.

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  4. Lara

    Liebe Nike,

    an sich finde ich deinen Kommentar schon ziemlich konstruktiv und reflektiert. Doch ich erlaube mir dennoch kurz etwas kritisch darauf einzugehen.

    Und zwar ist es ein sehr neoliberaler Ansatz zu sagen, dass „habe/ kann ich“, weil ich mich „freigestrampelt“ habe oder etwa weil „ich wahnsinnig viel arbeite“.
    So einfach ist das leider nicht… Du verdienst gut, weil du in einem Sektor arbeitest, indem die Möglichkeit überhaupt erst besteht, viel Geld zu verdienen. Sozialarbeiter:innen, Krankenpfleger:innen arbeiten teilweise auch extrem viel, sind aber an ganz andere Tarife gebunden. Und klar, Selbstständige tragen ein hohes Risiko und müssen extreme Unsicherheiten aushalten, dennoch ist das kein Grund, diese Diskrepanzen zu übersehen. Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche, erfolgreiche Selbstständige, die dennoch nicht im Ansatz ausreichend gut verdienen, um 270 Euronen für ne Bluse hinzulegen.

    Ich denke ja, dass diese Bluse eigentlich total egal ist und dass wir unsere Energien eher für andere Thematiken bündeln sollten. Gleichzeitig bin ich aber der Meinung, dass sich Menschen ihre Privilegien immer wieder bewusst machen sollten und aufpassen müssen, sich nicht zu sehr darauf zu versteifen, dass man das, was man an Moneten so verdient, auch mit der harten Arbeit, die geleistet wurde und dem persönlichen Erfolg zu tun hat.

    Den Satz, den du formuliert hast (“ Zum Beispiel: „Willst du das überhaupt, was ich habe, mit allem, was dazu gehört?“. Oft merkt man dann ja: „Oh je, nein danke, lieber nicht.“), findest du auch in einer Dokumentation über soziale Ungleichheit (Ungleichland/ Docupy https://www.youtube.com/watch?v=2Y2WxM2Srlc ~ 6.55min) von Immobilienhai Christoph Gröner – schau mal rein. 🙂

    Ich hoffe, die Kritik ist nicht vollkommen „over the top“ – denn, liebe Nike, ich finde ihr seid ein ganz tolles Team und leistet wichtige Arbeit. Allerdings lernt mensch ja nie aus und soziale Ungleichheit ist ein furchtbar wichtiges Thema, dass leider viel zu wenig Beachtung (und dementsprechend auch Bewusstsein) findet.

    Liebste Grüße!

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    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Lara, ganz im Gegenteil, dein Kommentar ist so richtig und wichtig. Abgesehen von der immer wieder nötigen Bewusstmachung von Privilegien, stoße ich in der Realpolitik, oder sagen wir „wenn es ums Eingemachte“ geht, allerdings immer wieder an meine Grenzen, womöglich weil eine potenzielle Lösung dieses Kernproblems meinen Intellekt übersteigt. Kommunismus? Nee, ey. Ein hohes Maß an Ungleichheit ist dennoch glasklar ungerecht. Man müsste es also schaffen, allen Menschen die gleichen Startchancen zu geben, sodass Entscheidungen dann doch wieder „frei“ getroffen werden können. Damit wie die Wahl haben, statt das „Glück“. Utopie? Bestimmt nicht, aber was machen wir bis dahin? Und wie geht man damit zum Beispiel auf einem Meinungsmedium wie unserem um, das inklusiv sein will, am Ende aber natürlich eine Zielgruppe anspricht und quasi handlungsunfähig wäre, würde jeder Artikel stets jede nur mögliche Leserschaft einbeziehen (das Problem ist ja kein neues, egal ob TAZ oder Vogue, bla). Es ist vertrackt und deshalb umso wichtiger, immer wieder in den Diskurs zu gehen. Deshalb: DANKE.

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      1. f

        Mh, geht es doch erstmal nur darum, eigene Privilegien zu erkennen und zu verstehen. Die Systemfrage ist dann nochmal eine andere! Sie lenkt von der Frage nach der eigenen Rolle, dem eigenen Handeln im bestehenden System ab.
        Klar sind Lanas Worte passiv-aggressiv und voller Kritik. Möglicherweise auch verletzend. Aber eine Privilegien-bewusste Antwort darauf kann eben nicht sein, „ich kann es mir leisten, weil ich so hart arbeite“, denn es verkennt, dass man eben Privilegien genießt, die andere nicht haben und impliziert, dass andere nicht hart arbeiten würden, was wir ja gar nicht wissen. (Wie Lara schon schrieb.)
        Natürlich kriegt man es leider nicht immer hin über den eigenen Schatten zu springen, wenn man kritisiert wird. Das ist schwer. Aber eigentlich müsste eine „check your priviledge“-Antwort auf Lanas Kommentar eben empathisch und nicht aus der Verteidigung heraus kommen.
        Schwierig ist das alles, aber so lange wir in einem System leben, in dem Ungleichheiten in jeglicher Form systematisch sind, müssen wir doch unsere Privilegien wenigstens klar kommunizieren und dem Narrativ, dass Benachteiligte selber Schuld wären, etwas entgegensetzen!
        Die Verantwortung dafür kann nicht nur auf die Schultern von Benachteiligten fallen. Und wir (ich schließe mich selbst hier als Person mit Privilegien ein) müssen mit Kritik aus dieser Perspektive eben auch konstruktiv umgehen, wenn sie vermeintlich verletzend ist. Als Personen mit Privilegien sollten wir in dieser Hinsicht nicht fragil sein.

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