„Ich will nicht, dass mein Körper ein Statement ist“ – wenn die Rapperin Chika spricht, sollten wir alle zuhören

“Ich werde weiterhin all diese alten Rhetoriken durchbrechen. Wir müssen alles neu schreiben, was uns beigebracht wurde.” Die unermüdliche Rapperin aus Alabama, die Cardi B und Calvin Klein zu ihren Fans zählt, nutzt ihre einflussreiche Plattform, um die gängigen Redensarten über Race, Mental Health, Sexualität und Identität herauszufordern.

Jane Chika Oranika, 23, ist eine Künstlerin, wie sie nur einmal pro Generation vorkommt. Sie ist wortgewandt, talentiert, klug, nachdenklich, politisch und ehrlich. Chika ist eine seltene Entdeckung, und es zeugt von ihrem Talent, dass sie Cardi B, Missy Elliott, Diddy und Jay-Z zu ihren Fans zählt. Auch die Modewelt liebt sie; im Mai 2019 erschien sie in der #MyCalvins-Kampagne für Calvin Klein, und letzten September machte “Business of Fashion” Chika zum Cover-Star.

Nachdem ihr ein Platz am renommierten Berklee College of Music in Boston angeboten wurde, den sie aufgrund der Studiengebühren aber nicht wahrnehmen konnte, baute Chika mit ihren außergewöhnlichen Song-Covern eine riesige Instagram-Followerschaft auf. Dazu gehörten 2017 eine Pride-Version von Ed Sheerans “Shape of You” und 2018 eine mitreißende Interpretation von Kanye Wests “Jesus Walks”, in der sie Wests Unterstützung für Trump anfechtet. Aber am interessantesten ist ihre eigene Musik; ihre jüngste EP “Industry Games” ist nur sieben Titel und 20 Minuten lang, und doch schafft sie es, Freude, Angst, Liebe, Zweifel, Protest und Selbstmeditation zu vermitteln. Es ist eine Platte, die Sie noch viele Jahre spielen werden.

Das folgende Interview fand in der Woche von George Floyds brutaler Ermordung und drei Tage vor Chikas Teilnahme an einem friedlichen Protest in Los Angeles statt, bei dem die Verhaftung der an dem Mord beteiligten Polizisten gefordert wurde. Sie wurde in Handschellen gelegt, mehrere Stunden lang festgehalten und erhielt bei ihrer Freilassung eine Gerichtsvorladung. Chikas Protestgeschichte reicht bis ins Jahr 2014 zurück, als sie ihre Schule mit #BlackLivesMatter-Postern vollklebte (sie wurde für einen Tag suspendiert). Sie nutzt ihre Plattform weiterhin, um die wichtigen Themen rund um Race, Klasse, Sexualität, Identität und Mental Health zu diskutieren. Chika ist die Stimme einer Generation.

 
 
 
 
 
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Wie geht es Ihnen und wo in der Welt sind Sie?

Chika: Mir geht es gut. Ich bin in Nord-Hollywood. Ich konnte letzte Nacht nicht schlafen, also habe ich das Haus aufgeräumt.

Wie war es, “Industry Games” während des Lockdowns zu veröffentlichen?

Es ist sowohl bitter als auch süß. Es ist großartig, weil es mehr Aufmerksamkeit bekommt, auf der anderen Seite aber auch traurig, wenn man über ein Jahr an etwas gearbeitet hat, aber den Einfluss seiner Arbeit nicht sieht. Man muss das Gute wie das Schlechte hinnehmen. Niemand wollte eine Pandemie. Niemand, der gestorben ist, wird sagen: “Verdammt, tut mir leid, dass Ihr Projekt nicht so gelaufen ist, wie Sie es wollten.” Es hat mich gelehrt, runterzuschalten und für die Zeit, die ich habe, dankbar zu sein, unabhängig davon, wie ich sie nutze. Ich musste mir einen Moment Zeit nehmen, um, wenn Sie so wollen, viel geistigen Hausputz zu erledigen; ich musste auf viele Dinge noch einmal zurückkommen, für die ich keine Zeit hatte, weil ich ständig unterwegs war. Und ich bin dankbar dafür, gesund zu bleiben.

Die erste Zeile der EP lautet: “Nenn es Intuition, aber ich bin dabei, die Welt zu verändern, das war meine einzige Mission”…

Das mache ich voll und ganz, das glaube ich voll und ganz. Das ist mein Ziel, seit ich begonnen habe, und ich werde nicht aufhören, bis man mich zwingt.

Wie wollen Sie diesen Wandel manifestieren?

Perspektive ist ein so wichtiges Instrument, um die Wahrnehmung zu verändern. Wenn man die Wahrnehmung verändert, verändert man die Realität. Ich bin jemand, der bereit ist, mich an einige der schmutzigsten Orte zu begeben und die seltsamsten Gesprächen zu [führen], die niemand sonst führen will. Eine meiner Leidenschaften ist die Konversation, Worte, Diskussionen zu führen. Jemand in meinem Alter, der neu auf der Bildfläche ist – so schnell werde ich nicht müde werden. 

Ich habe eine Menge Shit zu tun und zu sagen. Letzten Endes fange ich gerade erst an, und ich bin wie ein Geschoss, das noch nicht an Triebkraft verloren hat. Ich werde weiterhin all diese altmodischen Rhetoriken durchbrechen, die wir ungeschrieben machen müssen. Wir müssen alles neu schreiben, was uns beigebracht wurde.

 
 
 
 
 
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Welches sind die Top 3 an alten Rhetoriken, die Sie gerne ungeschrieben machen würden?

Ich möchte den Gedanken rückgängig machen, dass wir nichts verändern können, wenn es um die Struktur unserer Regierung geht. Das können wir durchaus. All dieser Shit wurde von Menschen gemacht. Es ist dumm und wir müssen nicht einfach zusehen. Zweitens, wenn es um Sexualität und den Ausdruck von Gender geht und darum, was es bedeutet, eine Frau – oder ein Mann – zu sein, gibt es unendlich viele Dinge, die wir ändern können, je nachdem, wie wir Gender betrachten. Von jemandem etwas zu erwarten, nur weil er diese oder jene Genitalien hat, ist dumm. Es ist so dämlich. Ich hasse es.

Und zuletzt müssen wir von der Denkweise wegkommen, dass Zerstörung destruktiv ist. Zerstörung kann konstruktiv sein, wenn wir sie richtig einsetzen. Man muss zerstören, um wieder aufzubauen, und das gilt für jede Facette des Lebens, einschließlich der Regierung, einschließlich der Art und Weise, wie wir unsere Gesetze und unser Rechtssystem akzeptieren, einschließlich der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Während wir uns als Menschen weiterentwickeln, müssen wir die Ideen, an die wir uns gewöhnt haben, neu schreiben. Das sind die Dinge, die ich in meinen jungen Jahren anzupacken versuche. Ich werde nicht müde werden. Ich werde nicht müde.

2019 erschienen Sie in der #MyCalvins-Kampagne von Calvin Klein. Glauben Sie, dass Ihr Auftritt in der Kampagne für eine positive Veränderung innerhalb der Mode spricht?

Ja, und ich denke, es gibt noch viel [mehr] zu tun, was Inklusion in der Mode betrifft. Die Modewelt gibt sich so viel Mühe – und ich ziehe meinen Hut davor, das ist dope – aber wir müssen davon wegkommen, [etwa Plus-Size-Kampagnen] zum Token und zum Verkaufsargument zu mache. Ich liebe Calvin Klein, aber ich war die einzige Plus-Size-Person in dieser Kampagne. Ich würde gerne andere Arten von Körpern darin sehen und nicht nur jemanden, der im Allgemeinen big ist.

Ich will nicht, dass mein Körper ein Statement ist. Als ich den Job annahm, war es kein Statement, sondern eher: “Danke, dass Sie mich in Betracht ziehen, ich werde es machen.” Aber ich will mich nicht wie ein Token fühlen. Die Mode bewegt sich mehr dorthin, wo sie sein sollte, und es ist wirklich aufregend, aber solange wir nicht anfangen, knallharte Gespräche zu führen, die vielleicht anklagend klingen, werden wir nicht dorthin kommen. Aber wir sind auf dem Weg dorthin.

 

 
 
 
 
 
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Sie haben viel darüber gesprochen, Ihr mentales Wohlbefinden zu schützen. Ist das ein wachsendes Anliegen, je erfolgreicher Sie werden?

Es gibt Grund zur Sorge. Aber ich musste meine “Berühmtheit” auch über die sozialen Medien handhaben, wo ich mich an vorderster Front verteidigt habe. Ich habe so hart dafür gekämpft, hier zu sein, dass ich die Dinge, die mich zum Schlechteren verändern könnten, nicht akzeptiere und nie normalisieren möchte. Und wenn ich das Gefühl habe, dass es zu viel für mich wird, verbalisiere ich das. Ich mache mir also nicht annähernd so viele Sorgen darüber, wie ich es vielleicht müsste, wenn ich nicht alles schon so im Griff hätte.

– Dieser Text von Hattie Collins ist ein Auszug und stammt aus unserer VOGUE COMMUNITY. Den gesamten Artikel könnt ihr bei der deutschen Vogue lesen.  –

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