Unbequeme Wahrheiten: Sprecht ihr über euren finanziellen Hintergrund?

08.06.2021 Kolumne, Finanzen

Dass wir ungern über Geld reden, versuchen wir hier auf This is Jane Wayne gelegentlich mit dem Kassensturz zu brechen. Wie aber steht es um unsere Fähigkeit, uns sozioökonomisch einzuordnen und einzugestehen, in welcher sozialen Klasse wir selbst und unsere Familien sich aufhalten? Geht es um Karriere und andere Erfolge, wird damit hierzulande gerne hinterm Berg gehalten.

Nenne mir die Berufe deiner Eltern und ich sage dir, wer du bist. Na, so einfach ist das natürlich nicht. Aber vielleicht sage ich dir, wie gut deine Chancen stehen, mal selbst eigenen Grund, eigenes Haus und ein gewisses Maß an Wohlstand zu erreichen. Und nicht nur handfestes Kapital spielt hier eine große eine Rolle:

Wenn wir über Chancen im Kontext von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reden, dürfen wir Bildung, soziale Verbindungen und Förderkapazitäten unserer Familien nicht vergessen. Schon früh zersetzt sich nämlich, wer sich an Hochschulen oder in der Ausbildung wohlfühlt. Wer auf Unterstützung des Elternhauses setzen kann und wer darauf angewiesen ist, nebenher Job um Job anzunehmen, um sich ein Studium leisten zu können. Doch beim Studium soll es nicht bleiben. Wir reden auch über Freizeitaktivitäten, Lebensstandards, Existenz- und Familiengründungen. Unsere soziale Klasse hat Einfluss auf alles, was unser Leben bedingt.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Malcolm Ụzọma Ohanwe (@malcolmohanwe)


Und so fordert Journalist Malcolm Ohanwe einen transparenteren Umgang mit einem finanziellen Hintergrund. Wer hatte Unterstützung bei der Verwirklichung der eigenen (beruflichen) Träume und wie kann diese ausgesehen haben?

Was zunächst wie eine übergriffige Frage klingt, soll eigentlich nur für mehr Gleichheit und Transparenz sorgen, für wen heute in Deutschland was möglich ist. Angefangen bei der Existenzgründung, weitergehend bei dem Erwerb des Eigenheims oder dem Ausstieg aus der Gesellschaft. Risiken und Nebenwirkungen? Viel leichter zu tragen, wenn es etwas Geld im Rücken gibt. Erfahrungen mit Buchhalter*innen, Anwälten und Personal? Können geteilt werden, wenn auch die Eltern ähnliche Schritte gegangen sind. Wer kennt wen? Auch Vitamin B ist eine Form von Kapital.

Doch Obacht, jetzt wird es kniffelig, denn die Bitte um Transparenz und Offenlegung geht allzu oft mit Neid und Missgunst einher. Auch wenn wir uns dessen bewusst sind und die Frage nach dem tatsächlichen Vermögen doch eigentlich nur zur Einordnung dient und dazu, Dinge besser für sich einzusortieren, hilft dieses Wissen um Reichtum und Ungleichverteilung meistens leider nicht. Der erste Impuls bleibt meistens Neid. Leider. Und trotzdem ist diesesTransparenz wichtig, wenn auch erst nach längerem Nachdenken: Denn sie hilft, um vielleicht einen gesünderen und realistischeren Blick auf Dinge wie den „American Dream“, den „du kannst alles schaffen“-Gedanken oder einen „Einfach machen“-Epos zu bekommen.

„Bildung ist in unserer Gesellschaft eine wichtige Determinante für individuelle Lebenschancen, Selbstverwirklichung, beruflichen Erfolg sowie soziale, politische und kulturelle Teilhabe. Bildungsarmut verwehrt einem diese Partizipationschancen. Gering Qualifizierte sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen – und wenn sie erwerbstätig sind, dann zumeist in prekären Arbeitsverhältnissen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, niedrigem Lohn, mangelndem Kündigungsschutz und hohen gesundheitlichen Belastungen. Bildung bzw.Bildungs(miss)erfolg ist damit eine der zentralen Determinanten der intragenerationalen Kumulation sozialer Ungleichheiten im Lebensverlauf.“

– Heike Solga | Rosine Dombrowski „Soziale Ungleichheiten in schulischer und außerschulischer Bildung“

Achso, auch du musstest neben dem Bachelor/Master-System hart arbeiten und das, obwohl deine Eltern Akademiker*innen waren? Natürlich, das will ich euch gar nicht abstreiten. Ganz sicherlich kommt es auch bei dem Besprechen der sozialen Herkunft auf vielen Nuancen an. Die harte Arbeit auf der einen Seite bedarf nicht weniger Lob, weil andere es schwerer hatten. Und natürlich bedeutet ein Studium der Eltern nicht für Generationen danach ausgesorgt zu haben.

Vielleicht sollten und dürfen wir es auch als einen kleinen Vorsprung betrachten? So wie mit jeglicher Form von Kapital ein kleiner Vorsprung hinzukommt. Er macht den Einstieg schneller, smoother und nimmt vielleicht die eine oder andere Hürde oder gar Angst. Das bedeutet auch: Das Wettrennen ist nie fair, wenn nicht alle ab der Geburt die gleichen Chancen haben. Das sind Fakten, an denen wir schwer etwas ändern können. Aber darum soll es auch nicht gehen. Wie immer lautet das Code Word: Priviliegien-Check!

Immer häufiger befeuere ich die Wahrnehmung meiner eigenen Privilegien und befürworte dies auch bei anderen sehr. Mehr als das simple Nennen des Stichworts fehlt mir aber häufig eine Art Disclaimer, wenn es um Selbstverwirklichung und berufliche Werdegänge geht.

Was ich damit meine? Ein Unternehmen gründen mit 25 Jahren? Fantastisch! Mit einem Label schon nach wenigen Monaten Geld umsetzen? Großartig, wenn junge Unternehmer*innen anderen Mut machen wollen und auch andere FLINTA inspirieren, große Schritte zu machen.

Privilegien, den finanziellen Rückhalt der Eltern oder gar ein Erbe, sowie Zugang zu relevanten Orten außen vor lassen? Das passt doch 2021 irgendwie nicht mehr, oder? Vor allem, weil wir nicht unbedacht über den Erfolg von FLINTA am Markt klatschen sollten, wenn es sich ausschließlich um weiße Cis-Het-Personen handelt, die privilegiert genug sind, mit ihrer Unternehmung noch immer ein geringeres Risiko einzugehen als eine Person, die ganz ohne Fallschirm den Sprung wagt. Besagten Sprung als ein Leichtes, durch puren Mut und ausschließliches als Ergebnis von Schweiß und harter Arbeit darzustellen, ist weder ein feministischer Akt noch ein gutes, inspirierendes Zitat.

Was ich hierbei nicht sagen will: Haltet euch zurück mit dem vielen Geld, lasst anderen den Vortritt. Was ich sehr gern wissen würde: Wie transparent geht ihr in eurem Freund*innenkreis mit eurem finanziellen Hintergrund um? Sprecht ihr über Nachteile oder Vorsprünge verschafft haben? Vielleicht könnte ein ehrlicherer Umgang unrealistischere Erwartungen eliminieren und eine viel realistischere Bestandsaufnahme aufzeigen. Was meint ihr?

10 Kommentare

  1. Anna

    Danke für diesen Beitrag, das Thema beschäftigt mich auch. Ich finde es oft schwierig, darüber ins Gespräch zu kommen, weil meine recht privilegiert aufgewachsenen Freunde bzw. bei mir ganz konkret aus dem Westen Deutschlands stammende Freunde, ihr Aufwachsen als normal empfinden und gar nicht wahrnehmen, welche Vorteile ihnen manchmal entstehen. Was ich ihnen allerdings auch nicht anlasten kann, denn sie kennen es schlichtweg nicht anders. Meine Eltern wurden in der DDR sozialisiert und als 1988 Geborene floss das natürlich komplett in meine Erziehung ein, zudem haben meine Eltern nie studiert oder Strukturen aufbauen können, die sie sich im westlichen System hätten zunutze machen können. Oder aber ein gewissen Auftreten, Selbstbewusstsein, eine Selbstverständlichtkeit die privilegierten Kindern einfach mitgegeben, vorgelebt wird. Das ist aber auch nur meine individuelle Geschichte.
    Ich erlebe es immer wieder, dass meine besser situierten Freunde es als eigene Arbeits- oder Willensleistung bewerten, wenn jemand „etwas erreicht“. Aber wieviele Faktoren da aus Elternhaus, sozialer und finanzieller Situation reinspielen, wollen sie nicht so recht anerkennen. Ich glaube das liegt daran, dass sie sich auch nicht so recht damit auseinandersetzten müssen. Ich rede öfter darüber und wünsche mir da mehr Austausch. Weil es den Druck aus allem etwas rausnimmt. Dafür finde ich solche Beiträge wie deinen hilfreich.
    Andererseits spüre ich den „Druck“ im allgemeinen weniger, weil ich nicht darauf gepolt wurde, unbedingt erfolgreich werden zu müssen, was immer das heißt. Eine gewisse Bescheidenheit kann auch die Zufriedenheit fördern 🙂

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  2. Marianne

    Kann da Anna, meiner Vorkommentatorin, nur zustimmen. Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie, mein Vater hat sich da rausgeackert, Mutter Hausfrau, fünf Kinder insgesamt. Dann der große Absturz, Pleite, Zwangsversteigerungen, Schulwechsel, Sozialhilfe, später Hartz4 und mit Anfang 20 Vollwaise. In Berlin angekommen sprach ich zwar die Sprache der Mittelschicht und wurde in akademischen Kreisen wie selbstverständlich akzeptiert, aber ich hatte weder Erbe noch irgendeine Ahnung davon, wie man mit Geld umgeht. Ich habe mich immer besser mit Freunden verstanden, bei denen die Ausgangssituation ähnlich desolat war bzw Leuten mit ostdeutschem Background und zumeist ähnlich vielen Brüchen in der Biographie. Das Studium musste ich später abbrechen, weil ich von Staates wegen zu lange auf meine Vollwaisenrente warten und dringend Geld verdienen musste. Heute kann ich sagen, dass ich überdurchschnittlich gut verdiene – aber da schwingt auch bei mir immer noch ein krasser Sozialneid und Unglauben darüber mit, wie selbstverständlich in der Bubble jetzt alle Wohneigentum erwerben und sich im Glauben wiegen, sie hätten sich das nur erarbeitet und seien nicht in irgendeiner Form privilegiert.

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  3. Lara

    Ich muss den beiden Kommentatorinnen vollkommen zustimmen. Ich komme nicht aus Ostdeutschland, habe aber sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch wenn ich mich jetzt in „Akademiker*innen“-Kreisen aufhalte, heißt es noch lange nicht, dass ich mich komplett zugehörig fühlt. Zum alleresten Mal im Leben habe ich mich im Studium Fehl am Platz gefühlt, da viele meiner Kommiliton*innen einen völlig andere Background hatten als ich. Ich finde es so wichtig, dass man über diese Privilegien spricht. Denn die ganzen Podcasts mit erfolgreichen Gründer*innen, wo das Thema finanzielle Sicherheit völlig ausgeklammert wird, hängen mit mittlerweile sehr zum Halse raus und machen mich schlichtweg wütend. Es ist so viel leichter „mutiger“ zu sein und etwas zu wagen, wenn man* ein weiches Polster hat, worauf man fallen kann. Als kleiner Lesetipp: Ich finde hierzu die Habitus-Theorie von Bourdieu sehr passend.

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  4. Elena

    Als erste Akademikerin in der Familie kenne ich es auch andersrum… den Background „besser“ machen als er ist.

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  5. Mona

    Die Intention dieses Artikels finde ich sehr wichtig. Allerdings bin ich ein wenig über einen der letzten Sätze gestolpert:
    „Macht doch transparent und benennt mal in eurem Freund*innenkreis, welche Gegebenheiten euch den nötigen Vorsprung verschafft haben.“
    Wer wird dabei angesprochen – die Leser*innen dieses Blogs? Wenn ja, könnte man den Satz fast so verstehen, als ginge Fabienne Sand davon aus, die Leser*innen dieses Blogs seien alle finanziell privilegierter als der Durchschnitt. Leser*innen, die sich als weniger bzw. nicht privilegiert empfinden, werden somit ausgeschlossen, da nicht davon ausgegangen wird, dass der Text auch von ihnen gelesen werden könnte. Sicher war der Satz nur unglücklich formuliert, aber in der von mir beschriebenen Lesart wäre er definitiv sehr „elitist“.
    Ich selbst bin privilegiert und nicht privilegiert, je nach Blickwinkel. Wie hier schon jemand geschrieben hat, es ist alles relativ. Es war meinen Eltern möglich, mein Studium zu finanzieren. Ganz eindeutig aber fühle ich mich oft nicht zugehörig in meinem Freundeskreis, in dem viele völlig selbstverständlich von der Oma den Bauplatz geschenkt bekommen oder von den Eltern sehr großzügig beim Immobilienkauf unterstützt werden, oder die sehr entspannt leben können, weil am Horizont die üppige Erbschaft winkt.
    Nicht missen möchte ich meine Erziehung zu finanzieller Eigenständigkeit. Bei mir war immer klar, dass es nicht viel zu erben gibt. Meine äußerst teure berufliche Weiterbildung zur Psychotherapeutin habe ich mir über Jahre selbst finanziert. Darauf bin ich stolz. Und auch mir geht es so, dass mir die vielen Berichte über „mutige Gründer*innen* mittlerweile zu den Ohren rauskommen. Bei den meisten dieser Berichte wird sehr schnell klar, dass die jeweiligen Personen finanziell durch Herkunftsfamilie und/oder Partner weich gebettet waren und es ein sehr tragfähiges Sicherheitsnetz gab.

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    1. Sarah Jane

      Liebe Mona, ich glaube, die Frage habe ich dem Artikel nach dem Redigieren hinzugefügt als eine Art „Privilegien-Check“, die als Diskurs fördernd verstanden werden sollte. Ich selbst habe meine eigenen Privilegien in diesem Zusammenhang auch ganz lange nicht erkannt, stattdessen immer meine Errungenschaften in den Vordergrund gestellt, die ich ach so allein aufgebaut hatte. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich verstand, dass ich zwar selbst einen Kredit für mein Studium aufgenommen habe, aber dass ich im Grunde doch immer weich gefallen wäre: In mein Kinderzimmer, um mit der Unterstützung meiner Eltern einen Weg für die Zukunft zu finden. Nur als Beispiel. Ich arbeite seit meinem 16. Lebensjahr und war da immer stolz drauf, aber warum tat ich das? Weil es mir Spaß machte und um mir mehr leisten zu können, aber sicher nicht zur Grundsicherung. Ich glaube, es fühlt sich einfach immer jede*r angegriffen. Jede*r denkt, man* wolle ihm etwas absprechen, aber darum geht es in dieser Idee nach mehr Transparenz ja gar nicht. Es geht auch nicht darum, herauszufinden, wem es schlechter oder besser geht, wer härter oder weniger hart gearbeitet hat, mehr Zeit für die Freizeit hatte oder nicht. Es geht einfach um einen ehrlichen Austausch. Aber wenn das nicht im Freundeskreis funktioniert, wie soll es dann in der Gesellschaft funktionieren, ohne wieder auf Neiddebatten, Unwohlsein und Hass zu stoßen? Ich verstehe mittlerweile dein Problem mit der Frage und werde sie noch einmal umändern. Danke dir!

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  6. Judith

    Liebe Anna, deine Situation ist keine individuelle Geschichte, sondern beschreibt die Machtdifferenz zwischen Ostdeutschland und einer weißen Westdeutschen Merheitsgesellschaft: Über 90% des Erbes in Deutschland werden in Westdeutschland vererbt. Bei all den Nazierbedebatten fehlt finde ich oft die Dimension, welche beschreibt wie sich der Westen auch am Osten bereichert hat…

    Danke liebe Fabienne für diesen Text, ich finde das sehr bereichernd, neben all den hübsch eingerichteten NK-Eigentumswohnungen… Allerdings frage ich mich welche Konsequenz aus dem Sichtbarmachen der eigenen Situation folgt und warum bei so vielen Ungleichheitsdebatten über Solidarität besprochen wird, beim Thema Geld aber kaum jemand einen progressiven Umgang im eigenen Freund*innenkreis zu pflegen scheint…

    Liebe Grüße

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  7. Noa

    Danke für diesen Text, das Thema und die damit zusammenhängen Faktoren was soziale Ungleichheiten angeht ist so wichtig und wird wirklich viel zu wenig privat als auch öffentlich besprochen, ich bin in der Arbeiterschicht großgeworden, studierte auch als erste innerhalb der Familie und habe erst jetzt mit Anfang 30 realisiert, wie tief diese Sozialisierung immer noch sitzt und wie schwer das Gefühl sich in akademischen Kreisen und auch in der Mittelschicht nicht zugehörig zu fühlen manchmal immer noch wiegt, selbst mit Diplom, Doktortitel etc.

    Bei dem Thema habe ich bisher im Freundeskreis sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, zum Beispiel dass Privilegien der Mittelschicht nicht als diese wahrgenommen werden, auch Verständnis und sehr gute Diskussionen, aber manchmal auch dass soziale Ungleichheiten heruntergespielt wurden nach dem Motto »du hast es doch geschafft, so stark kann der Unterschied ja nicht sein und überhaupt schau dir mal die Studiengebühren in anderen Ländern im Gegensatz zu Deutschland an«, was dabei jedoch völlig vernachlässigt wird, sind die sozialen Faktoren wie Anna es auch oben schon beschrieben hat. Für viele meiner Freundinnen aus der Schulzeit, die in Akademikerfamilien und der Mittelschicht aufwuchsen war es völlig selbstverständlich zu reisen, in einem Haus mit Garten zu leben statt einer Drei-Zimmer-Wohnung, mit der Familie ins Theater oder ins Museum zu gehen, beim Abendessen waren oft Freunde der Eltern dabei, ebenfalls Akademiker und es war auch völlig normal, dass sie irgendwann studieren würden, die Frage stellte sich überhaupt nicht, was ein großer Unterschied zu der Wirklichkeit ist, in der ich aufgewachsen bin.

    Ich bin mir sicher, dass das einerseits für jeden sehr individuell ist, andererseits war ich umso überraschter als ich letztes Jahr im Gespräch mit anderen, die einen ähnlichen Hintergrund wie ich haben, feststellte, dass viele der Gefühle von Unsicherheit, Scham aufgrund der sozialen Herkunft, diesem zwischen den sozialen Schichten hängen oder der Angst durch seinen Habitus oder die Sprache aufzufallen plötzlich sehr universell waren, jeder hatte diese Erfahrungen gemacht und mitunter jahrelang geglaubt, es läge an ihm*ihr selbst, obwohl es Teil eines strukturellen Problems ist.

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  8. Lara

    Liebe Fabienne :),

    danke für diesen wichtigen Artikel.

    Nur auf eine Sache komme ich so gar nicht klar, nämlich dieses „olle Neidargument“.

    Ich empfinde es als ganz gefährliches Instrument von Privilegierten (neoliberalen) Menschen, um die Umgerechtigkeiten dieser Welt zu legitimieren.

    Meiner Meinung nach ist es vollkommen berechtig, Menschen, die viel Erben bzw. ungleich viel verdienen anzuklagen für die entsprechende Nutzung von Privilegien.

    Kannst du meine Position verstehen? Bzw. mir erklären, warum das Neidargument (das eigentlich keins ist) für dich zählt? 🙂

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  9. K.

    Ich frage mich gerade, ob diese Debatte nicht vielleicht eher nur auf Leute zutrifft, die ganz neu in ein Umfeld kommen?
    Durch Umzug, Job oder vielleicht sogar durch steigende Bekanntheit? Oder auf Leute, die man halt nicht (gut) kennt?
    Bekannte von Bekannten, Instagram…
    Eigentlich weiss man doch (oder kann es zumindest gut einschätzen) was seine Freunde so machen, wie deren Eltern leben und wer wie unterstützt wird/wurde. Vielleicht verstehe ich den Text aber auch falsch. 🙁

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