Sommer ohne Urlaub (& wie ich ihn mir trotzdem schön mache)

02.08.2021 Wir, box2

Während der Sommer schon längst geschieht und ich unseren Nachbar*innen dabei zuschaue, wie sie Koffer, Kühltaschen und Rucksäcke in Tetris-Manier in die Autos packen, verbringe ich die warmen Monate noch immer am selben Ort. Keine Frage, ohne Sommerurlaub ziehen sich die Tage manchmal besonders zäh in die Länge, 30 Grad fühlen sich am Meer oder in den Bergen eben doch ein wenig anders an als in einer Stadt, die die heiße Luft zwischen hohen Häuserwänden einfängt. Und dennoch habe ich vor einigen Jahren für mich beschlossen, meine freien Wochen gen Spätsommer und Herbstanfang zu legen, der September gilt seit jeher also als mein ultimativer Entspannungsmonat — nicht nur, weil dann im dalmatischen Kroatien weniger los ist, auch lassen sich die Temperaturen für Sommer-Schwächlinge wie mich weitaus besser aushalten. Während Familien zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder abgereist sind, teile ich mir den Strandabschnitt also mit Rentner*innen und jungen Pärchen. Die großen Vorteile: Ich habe nicht nur genügend Platz um mich herum (was auch bedeutet, dass ich mir mein Handtuch nicht mehr mit wildfremden und kontaktfreudigen Menschen teilen muss), kann am Nachmittag sogar unsere sonst glühend heiße Terrasse nutzen und bekomme endlich auch mal einen Sitzplatz im begehrten Eck-Café, das obendrein die wohl beste Musik des ganzen Ortes laufen lässt. Einzig und allein in Geduld muss ich mich üben, denn bis die ersten acht Monate vergangen sind, dauert es eben doch immer eine ganze Weile.

Weil ein Sommer ohne Urlaub ja aber nicht gleich bedeutet, dass die warmen Wochen gänzlich ausfallen, habe ich in der Vergangenheit gelernt, es mir dennoch schön zu machen und so an den Wochenenden und nach Feierabend zumindest ein wenig Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen. Sieben Dinge, die bei mir auch zu Hause für einen schönen Sommer sorgen, teile ich heute mit euch: 

Dein Urlaub ist mein Urlaub

Keine Frage, beim Anblick all der Fotos und Video-Snippets von italienischen Restaurants, kristallklarem Meer und weiten Berglandschaften, die sich in den sozialen Medien sammeln, überrollt auch mich die unaufhaltsame Sehnsucht nach Urlaub. Doch statt ständig neidvoll durch die Bilder zu scrollen, habe ich gelernt, mir die besten Tipps einfach abzuschauen und für meine nächste Planung zu speichern. Auf meinem Handy befinden sich: Geotags von Cafés und Restaurants, Namen von Ferienwohnungen und Hotels, kleine Ausflugsziele wie Galerien und schöne Orte fernab der Touri-Hotspots sowie Wissenswertes, das ich sonst vielleicht nicht beachtet hätte.

Selbst an jenem Ort, an den ich seit meines ersten Lebensjahres jährlich fahre, habe ich so einst Neues entdeckt, das ich natürlich nur allzu gerne an euch weitergebe: Die Galerie des kroatischen Bildhauers Ivan Meštrović in Split bietet nicht nur eine Villa sowie einen wunderschönen Garten samt einigen Werken, sondern auch einen wundervollen Ausblick auf die Adria. Kaffee und Snacks gibt es außerdem in einem anliegenden Mini-Café — all das lässt sich bei sehr viel Ruhe genießen.

La Dolce Vita auf dem Balkon (oder in der Küche):

Mit Urlaubs-Ambiente verbinde ich Restaurants und Cafés, in denen es vorweg Baguette und Oliven gibt und die Tische spätestens am Abend mit Tischdecken bedeckt werden. Irgendwo tropft ein wenig Kerzenwachs herunter und im Hintergrund klappert Geschirr. Während der Geruch von Kiefern lediglich in meiner Vorstellung lebt, hole ich mir zumindest einen kleinen Teil der Atmosphäre auf meinen Balkon: Eine weiße Baumwolltischdecke bedeckt das weniger schöne Plastik und die Oliven, Aioli sowie das Brot werden in kleinen Schüsseln hübsch neben einer Kerze serviert. Bereits zur Vorspeise gibt es ein großzügiges Glas Wein (natürlich aus den guten Gläsern!) und die Alltags-Unterhaltungen in der Nähe des Balkons werden mit der passenden Musik übertönt.

Um mich bei Anbruch der Dunkelheit vor Mücken zu schützen, reibe ich mich außerdem mit Lavendelöl aus Kroatien ein — während ich es als Kind ganz schrecklich fand, mag ich den Geruch mittlerweile tatsächlich sehr gerne.

*Hey Siri, spiel‘ „Holidays“ von Michel Polnareff

Jede Erinnerung verlangt nach der passenden Musik, weshalb ich regelmäßig neue Playlisten erstelle. Fürs Urlaubs-Feeling laufen in Casa Carević italienische Pop-Songs oder französische Chansons, was nun natürlich reichlich kitschig und wie das größte Klischee klingen mag, mich gedanklich jedoch tatsächlich in den europäischen Süden versetzt. Zwei Playlisten, die mich durch den Sommer (oder durch Urlaubs-Sehnsüchte) begleiten:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

Inhalt laden

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Spotify zu laden.

Inhalt laden

„I was on a boat that day“

In diesem Sommer habe ich − zugegebenermaßen nach anfänglicher Skepsis − erstmals all die Seen, Flüsse und Kanäle in und um Berlin für mich entdeckt. Doch statt bloß darin zu schwimmen, erkundete ich die Umgebung mit dem Boot — oder besser gesagt: Mit dem Kajak. Ein solches Exemplar legte sich nämlich mein Freund zu und erweckte schließlich auch selbst in mir die Neugierde, sodass wir regelmäßig gemeinsam durch die Gewässer paddeln. Während es das ein oder andere Mal auf die Havel ging, steht das Grande Finale im Spreewald noch aus, umso mehr freue ich mich aber auf den ersten Ausflug (ich hörte, man sähe aus der Ferne viele Tierbabys und damit kann man mich immer locken).

Weil sich ja aber nicht alle direkt ein Boot kaufen möchten oder können, gibt es glücklicherweise auch jede Menge Möglichkeiten, diverse Optionen auszuleihen. Ob Kanu-Vereine (vor dem Kauf haben wir unterschiedliche Kajaks an zwei verschiedenen Tagen gegen einen kleinen Aufpreis ausgetestet), klassische Tretboot- oder Ruderbootverleihe oder das Gummiboot von Freund*innen, irgendetwas findet man eigentlich immer — sofern man denn Wasser in der Nähe hat.

Ab und zu aufs Wasser zu fahren, fühlt sich für mich jedenfalls nicht nur nach einer großen Besonderheit, sondern auch nach einem Stückchen Urlaub zu Hause an.

Hitzewellen-Fluchten

Ja, natürlich lassen sich Hitzewellen an Seen, Flussbuchten oder im Freibad verbringen, meine liebste Alternative ist jedoch das Museum (oder eine schöne Galerie). Ein wenig kühler als draußen oder in meiner Wohnung ist es allemal und Schönes gibt es dort obendrein auch zu sehen. Noch dazu ist im Sommer meist weniger los, was auch bedeutet, dass man sich die Kunstwerke ganz in Ruhe anschauen kann — selbst wenn es der dritte Kurzfilm, den man nicht versteht, in Folge ist. Warum also nicht einfach mal mit Edouard Manet und Picasso den heißesten Tag im Jahr verbringen? 

Das Gute: Für den Eiskaffee im Anschluss muss man gar nicht erst weit durch die Hitze laufen, ein Museumscafé inklusive hübschem Außenbereich ist nämlich meist nicht weit. Meine Favoriten in Berlin: der Hamburger Bahnhof, der Gropius Bau, die KW Galerie (inklusive wunderbarem Café im Innenhof), CO Berlin und Sprüth Magers (wer Letztere besucht, kann sich danach immerhin mit einem kalten Getränk vom Späti in den Monbijoupark setzen). Aktuelle und bevorstehende Ausstellungstipps in ganz Deutschland findet ihr außerdem auch immer im Monopol Magazin.

Jacquemus meets Supermarkt-Chic

Wer glaubt, ein Look à la Jacquemus‘ „La Bomba“ samt riesigem Hut und Slip-Dress sei bloß in italienischen Gefilden angebracht und für den heimischen Supermarkt zu dramatisch, sollte an dieser Stelle noch einmal in sich kehren. Immerhin lehrte uns der Lockdown doch zumindest, dass es gar keinen „richtigen“ Anlass braucht, um das schickste Stück aus dem Schrank zu ziehen. Ja, selbst eine Dance-Party mit sich alleine wurde ganz plötzlich Gelegenheit genug, um irgendwas mit Glitzer oder ballonähnlichen Puffärmeln zu tragen. Warum nicht also auch im Sommer eine ganz ähnliche Denkweise an den Tag legen? La Dolce Vita macht, hat man sich die schrägen Blicke erst einmal wegignoriert, überraschend viel Spaß, selbst wenn das Ziel bloß die nächste U-Bahn-Station und nicht der weitläufige Sandstrand ist. Einzig und allein der überraschende Wetterumschwung samt Starkregen sollte bei der Outfitwahl bedacht werden — so bleibt er aber zumindest spannend, der Sommer in Deutschland.

(Um-)Landleben

Natürlich muss man meist nicht erst lange fahren, um an einen schönen Ort zu kommen. Denn dass es auch im Umland hübsch sein kann, lernten wir schließlich wohl alle (spätestens) im vergangenen Jahr. Mit ein wenig Geduld, einer Suchmaschine der Wahl und jeder Menge Rezensionen auf diversen Plattformen (Bonus-Tipp: Durchhaltevermögen wird belohnt) ist das nächste Ausflugsziel auch schon gefunden und kann mit einigen wenigen Vorbereitungen angesteuert werden. Selbst ein Tagesausflug nach Potsdam ist für mich jedes Mal schön, doch auch ein Stückchen weiter lässt es sich ganz wunderbar aushalten — wer mag, nimmt sich alles Nötige für ein Picknick vor Ort mit (dafür braucht es auch gar nicht immer einen Park, denn selbst an einem Fluss oder Kanal schmecken Baguette und Käse ganz famos). Und weil uns ja selbst als Nicht-Urlauber noch immer die Wochenenden bleiben, spricht nichts gegen eine kleine Reise, um zumindest an zwei Tagen etwas anderes zu sehen. Bei mir derzeit ganz hoch im Kurs: kleine Häuschen, die irgendwo auf dem Land liegen und möglichst viel Ruhe mit sich bringen. Würde ich noch in meiner schönen Heimatstadt wohnen, würde ich mich außerdem durch all die grandiosen Weingüter im Umland testen und kleine Schiffstouren mit Rentner*innen unternehmen — nicht einmal um die Sonnenplätze auf dem Deck müsste ich mich mit ihnen streiten, ich bevorzuge den Schatten und LSF 50.

TAGS:

,

2 Kommentare

  1. Juliane

    Liebe Grüsse, geniess deinen Urlaub! Megatolle Playlists – danke 🙂 Fürs Sommerfeeling braucht es für mich vor allem unverplante freie Zeit, möglichst wenig Termine, spontanes nichts tun oder spontan was unternehmen, viel draussen sein, Geselligkeit. Meine neuste Ausrüstung: ein Riesensonnenhut damit ich meinen Sonnenschirm gleich auf dem Kopf habe, einen drybag mit dem ich zur wellenschwankenden Holzplatform im Fluss oder See schwimmen kann, ein Frotteeponcho dank dem ich mich dann auf dem Floß meine nasse Kleidung gegen trockene tauschen kann und dann ohne Angst vor Blasenentzündung auf dem Floß in den Himmel schauen kann.

    Antworten
    1. Julia Carevic Artikelautor

      Danke dir, liebe Juliane! Auch fürs Teilen deiner Sommer-Feeling-Essentials (was übrigens auch dafür gesorgt hat, dass ich mir einen Frotteeponcho zulegen werde!) Allerliebste Grüße an dich 🙂

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr von

Related