Zwei Bräute auf dem Laufsteg bei Chanel Haute Couture – Karl Lagerfeld setzt ein Statement

25.01.2013 Mode, Menschen, Kultur

Schon vor ein paar Tagen zeigte Karl Lagerfeld das obige Abschlussbild seiner Haute-Couture-Schau im Pariser Grand Palais: Zwei Kleider, zwei Frauen, ein Kind – ein politisches Statement, das uns nach der in Frankreich frisch entfachten Debatte über die gleichgeschlechtliche Ehe gerade recht kommt. Die Zeit kommentiert ein bisschen frech, aber sehr passend: „Das dürfte doch eine Sprache sein, die man in Frankreich versteht„. Auch Meltem hat sich bereits ganz öffentlich über das Homo-Paar auf dem Catwalk gefreut. Und wir? Wir applaudieren natürlich auch, wollen aber dennoch nicht so recht fassen, dass zwei Haute-Couture-Kleider in diesem Kontext für so viel Aufruhr sorgen.

Wir sind hin und her gerissen zwischen glückseligem Jauchzen und der großen Frage: „Wann hören die Menschen endlich auf, Homosexualität auf diese Art und Weise zum Thema zu machen?„. Denn leider zeigen uns Artikel und Debatten wie die zuvor genannten trotz all des Gutwillens, dass wir immer noch nicht in einer Gesellschaft leben, die auf Schubladen verzichtet. Ich meine: Dann stehen da eben zwei Bräute. Schön ist das. Aber wieso bloß immer mit dem Finger drauf zeigen, wieso kommt uns das noch immer so besonders vor?

Natürlich verstehe ich, wieso. Weil der Mensch im Allgemeinen eher schwächelt, wenn es um Toleranz geht. Und sich gerne mit Halbwahrheiten brüstet. „Wieso, die dürfen doch in Deutschland heiraten“ höre ich immer wieder. Aber eigentlich stimmt das nicht. Will ein Mann einen Mann heiraten, oder eine Frau eine Frau, so schließen sie keine Ehe. Nein, die beiden leben fortan in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, hurra. Der Unterschied: Eine Ehe ist durch das Grundgesetz geschützt, eine eingetragene Lebenspartnerschaft allerdings nicht. Würden sich also genügend verrückte Politiker zusammen finden, könnten die Gesetze für Homosexuelle in Windeseile wieder geändert werden. Hinzu kommt, dass es homosexuellen Paaren in Deutschland nicht gestattet ist, gemeinsam ein Kind zu adoptieren. Steuervorteile gibt’s auch nicht, denn Ehegatten-Splitting funktioniert nur im Mutter-Vater-Kind-Modell.
Da läuft noch ganz schön viel schief. Hoffen wir also, dass Karl zumindest an den krummen Gehirnen ein paar weniger Modebegeisterter rüttelt.

Foto oben: Style.com.

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