Weekend Reads // Mit der Pille für den Mann, _innen & den Regeln unserer Eltern

04.11.2016 Leben, Gesellschaft

weekend reads

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

Was, wenn wir die Regeln unserer Eltern plötzlich gut finden?

„Immer, wenn mein Mitbewohner das Licht in der Küche brennen lässt, obwohl er gerade im Bad ist und duscht, ärgere ich mich. Ich stehe dann auf und mache das Licht aus – und in der Dunkelheit der Küche fühlt es sich plötzlich an, als würden meine Eltern neben mir stehen und mir lobend zunicken.“ Eine Kolumne von Melanie Wolfmeier.

Nichts gegen Kinder aber…

Zugegeben, die Kolumne von Sybille Berg ist spitz und provokant, fordert aber dennoch unseren Denkapparat heraus und liefert Stoff für hitzige Diskussionen. In vielen Punkten würde ich widersprechen, denn gewiss lässt sich die Überbevölkerung nicht durch weniger leibliche Kinder in Deutschland beheben, aber der Text enthält dennoch überaus starke Stellen: „Ist das sinnvoll? Was haben sich viele über die Einkindpolitik Chinas aufgeregt. Unmenschlich, diktatorisch – ja, vielleicht. Es ist sicher etwas Wunderbares, in einer wohlhabenden Situation mehrere Kinder zu haben. Als Mann und Frau, so wie früher. Vergessend, dass jeder Einzelne nur ein kleiner Teil der Gesamtheit ist. Wenn man sich überlegt, dass es nach Schätzung der Vereinten Nationen ungefähr 13 Millionen Kinder ohne Eltern gibt, dass 15 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren zu wenig Nahrung bekommen, um sich gesund zu entwickeln, dann wird es doch irgendwie albern, Europäer zur ausufernden Vermehrung anzuhalten. So schön es ist, die eigenen Gene weiterzugeben, so erfüllend für das Ego es ist, sich in einem neuen Menschen wiederzuentdecken.“

Das Hamburger Kollektiv „_innen“

Nach Trust the Girls haben sich nun einige Frauen unter dem Namen _innen zusammengetan, um sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam an einer Welt, in der Gleichberechtigung die Norm ist, zu arbeiten. Ava, eines der Gründungsmitglieder von _innen, hat versucht, der i-D zu erklären, warum diese Veränderung nur von innen nach außen möglich ist.

Türkei sperrt Soziale Netzwerke

Ich war gerade erst auf einer Lesung, die sich mit dem Thema „Fremdsein“ befasste, aber auch mit der Türkei. Mit der Angst, junger Türken, die auf ihr Recht auf Meinung beharren, einfach zu veschwinden. Mindestens 30 Tage lang. Das sei schon einigen ihrer Freunde passiert, erzählen die Autoren, die fortan mit ebendieser Angst im Nacken liegen. Die Zensur in ihrer Heimat nimmt langsam auf allen Ebenen Überhand. Passen dazu auch: „Heute Nacht wurde also Selahattin Demirtas, der Chef der Kurden-Partei HDP, verhaftet. Zusammen mit mindestens elf weiteren Abgeordneten seiner Partei. Seitdem sind die sozialen Medien Facebook, Twitter, Whatsapp und sogar Instagram und Youtube gesperrt. Das heißt: Die Seiten laden nicht, die Feeds bleiben eingefroren, man kann keine Nachrichten senden oder empfangen.“ Mehr dazu von Philipp Mattheis. Dass Erdogan sich das Netz gerade zurecht zensiert, und zwar nicht unbedingt aus Gründen der Strafverfolgung, bestärken jetzt auch Forscher. Hier lang!

Sex, Drogen und Gentrification

Elizabeth Woods kokainbestäubter Film „White Girl“ ist das radikalste Porträt von New Yorker Jugendlichen seit „Kids“. Interview hat mit der Regisseurin über ihr Werk gesprochen. Sehr lesenswert!

“Pille für den Mann” – Teilnehmer brechen Studie wegen Nebenwirkungen ab

Die sogenannte „Pille für den Mann“ funktioniert ziemlich gut – nur beschert sie ähnliche Nebenwirkungen wie das althergebrachte  Verhütungsmittel für die Frau. Viele der Teilnehmer brachen die Studie deshalb ab. Mehr weiß Jetzt.de. Und auch Nora von Edition F gibt ihren Senf dazu und findet: Als Frau kann man darüber nur bitter lachen.

Endlich wieder Musikvideos ohne Sperre ansehen

Keine roten Sperrtafeln mehr: Die Gema und Youtube schließen einen Vertrag. Jetzt bekommen Musiker für den Abruf von Videos Geld. Die Einigung ist eine Sensation – mit einer offenen Frage. Mehr weiß die FAZ.

Prostitution in Deutschland

„Abertausende Frauen werden nach Deutschland verschleppt und hier zum Anschaffen gezwungen. Hunderttausende Frauen gehen hier einem kommerzialisierten sexuellen Missbrauch nach. Weil sie traumatisiert sind, arm sind, drogenabhängig sind, gezwungen werden. Und unsere PolitikerInnen finden das schlimm, aber hach, man kann eben nichts machen. Nein, gegen sexistische, rassistische, klassistische Systeme kann man leider NICHTS machen, wenn es Tradition hat, dass es ein Männerrecht auf Sex gibt, das WICHTIGER ist als die Unversehrtheit und die Würde von Frauen. Und Kindern, übrigens.“  Huschke Mau ist sauer. Aus gutem Grund.

Das Übel der US-Wahlen

Wankelmütig bleibt ein Amerika, das zwischen zwei Übeln wählen muss. Und vor allem Teil eines Wahlkampfes, der auf absurde Art und Weise zu funktionieren scheint, wie das Serien-Business.  „Das Drama Clinton/Trump kann kaum durchschauen, wer den amerikanischen Wahlkampf mit dem deutschen verwechselt. Früher war der Unterschied nicht ganz so breit wie der Atlantik; da war’s Bierzelt hier, Zirkus dort. Heute steht Kleinstadt-Theater gegen Netflix, wo ein Cliffhanger den anderen jagen muss – immer absurder, damit die Zuschauer am Schirm bleiben.“ Von Josef Joffe.

Inside Amy Schumer – Von Herpes befreit

Amy Schumer ist ein Superstar der amerikanischen Comedyszene. Ihre genial-dreiste Fernsehserie Inside Amy Schumer parodiert Frauenrollen so originell, dass man Schumer die Produktion eines Kinofilms anbot, er wurde ein Kassenschlager. Als Kostprobe sei auf YouTube die unglaublich lustige Verhandlung zwischen dem Allmächtigem und Amy empfohlen, in der sie als egozentrisches Mittelschichtsgör Gott unter den Tisch verhandelt, damit er sie von ihrem Herpes befreit. Nun hat Schumer ein Buch geschrieben. Eva Bucher. findet, auf Deutsch liest sich das etwas weniger komisch als im Original. Hier lang!

Wie Karten mit angeblicher „Flüchtlingskriminalität“ hetzen

Eine Deutschlandkarte voller kleiner Marker. Jeder ein Übergriff. Und alle verübt von „Migranten“. Das Land scheint hinter dieser Masse an importiertem Verbrechen zu verschwinden. So jedenfalls stellt es die „Refugee Crime Map“ dar, auf der Unbekannte vermeintliche „Flüchtlingskriminalität“ sammeln. Um darauf hinzuweisen, wie arm Deutschland dran ist, seit so viele Leute zu uns gekommen sind. Ein widerlicher Hetzversuch – findet auch Friedemann Karig. Die CSU ist unterdessen in Begriff, gegen den politischen Islam zu hetzen. Mehr dazu hier. Wer sich obendrein übe noch mehr Engstirnigkeit und Schubladendenken aufregen will, der lese bloß die dazugehörigen Kommentare, fertig.

Die Musikerin und Autorin Kate Tempest im Interview

Kate Tempest ist gerade überall, jede*r widmet ihr ein paar Zeilen, wenn nicht gleich mehrere Seiten. Zu Recht! Die Musikerin, Autorin und Dichterin hat viel zu sagen. Gerade ist das zweite Album der Engländerin erschienen. Ihre Songs, zwischen HipHop und Spoken Word, sind alles andere als oberflächliches Blabla, genauso wenig wie ein Gespräch mit ihr – Judith Köneke vom Missy Magazine hat die 30-Jährige in Berlin getroffen.

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