Weekend Reads // Über die Love-Armee, graues Haar, Kanyes Dummheit & neue Mittel gegen Regelschmerzen

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

Söder, du kannst mich kreuzweise

„Gesetzesbeschlüsse an der Grenze zur Verfassungswidrigkeit scheinen Markus Söders liebstes Hobby zu sein, denn als wäre das nicht genug Irrsinn gewesen, wurde am Dienstag im bayerischen Ministerrat beschlossen, dass ab 1. Juni in den Eingangsbereichen aller staatlichen Behörden ein Kruzifix zu hängen habe – das gilt beispielsweise auch für Hochschulen. Dieser Beschluss kommt einem zurecht vor wie aus einem anderen Jahrhundert – denn bereits im Jahr 1995 hatte das Bundesverfassungsgericht eine „Kruzifixpflicht“ an bayerischen Schulen für verfassungswidrig erklärt. Das ignoriert Markus Söder rebellischerweise einfach – ist das die konservative Revolution, von der immer alle sprechen?“ Den kompletten Text könnt ihr bei Amazed nachlesen.

Böhmermanns Love-Armee gegen Rechts

„Wenn Jan Böhmermann irgendwo auf einem Bildschirm erscheint, ist ihm ein großes Publikum fast sicher. Ob Verafake, Rap-Videos als Polizistensohn oder Streit mit dem türkischen Staatspräsidenten: Böhmermann liefert. Sein neuester Öffentlichkeitsstunt klingt kaum weniger spektakulär: Eine „Bürgerrechtsbewegung“ mit 44.000 Mitgliedern.“ Weiterlesen bei Bento.

Kanye West und die Sache mit dem Denken

„Genie und Wahnsinn – eine vielbesungene Kombination, manchmal jedoch eine zu extreme Diagnose. Vielleicht verkörpert Kanye West eher die Synthese von Talent und abgrundtiefer Dummheit. Der Rapper, der Skandale am Fließband produziert und damit eine weitere Gemeinsamkeit mit seinem „boy“ Donald Trump verbuchen kann, hat in einem Live-Interview mit dem US-Portal TMZ ein neues denkwürdiges Statement von sich gegeben: „Wenn man von über 400 Jahre langer Sklaverei hört: 400 Jahre lang? Das klingt für mich nach eigener Wahl.“ Er bezeichnete sich in diesem Zusammenhang als Freidenker.“ Weiterlesen bei der TAZ.

Wo bleibt das weibliche Selbstbewusstsein in der #MeToo-Debatte?

Seit Monaten läuft die Debatte um #metoo. Befürworterinnen beklagen sexualisierte Gewalt und Sexismus in der Gesellschaft, Kritikerinnen sehen darin einen Angriff auf Männer. Ein Gespräch mitPhilosophin Svenja Flaßpöhler über Frauen, Männer und die Differenz der Geschlechter ist derzeit beim Freitag nachzulesen.

Mit dem neuen Psychiatriegesetz ist Bayern auf dem direkten Weg ins 18. Jahrhundert

„Bayern. Nach der angestrebten Verschärfung des Polizeigesetzes zur Ausweitung von Überwachung sollen nun psychisch kranke Menschen leichter gegen ihren Willen institutionalisiert und kriminalisiert werden können. Im Gesetzentwurf des Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes vom 15. Januar 2018 heißt es: „… es wird ein sachgerechter Ausgleich zwischen den Belangen psychisch kranker Menschen und den Interessen des Staates, der die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und seine Bürger zu schützen hat, hergestellt.“ Hilfe indeed. Wenn in Deutschland Dinge, die Menschen betreffen, „sachgerecht“ ablaufen, kann schon mal nichts schiefgehen.“ Mehr beim Missy Magazine

Unter jedem Tuch steckt ein eigener Kopf 

Während wir hin und her debattieren, hat Margarete Stokowski ihre Meinung längst kund getan: „Vor ein paar Jahren stand ich mal abends in München oder Frankfurt in einem U-Bahnhof und hörte, wie sich schräg hinter mir zwei junge Frauen unterhielten. Die eine fand, Kopftücher seien generell ein Unterdrückungsinstrument. Die andere fand, das könne man so pauschal nicht sagen, und man müsse die jeweiligen Gründe ernst nehmen, warum Frauen ein Kopftuch tragen. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die das freiwillig machen“, sagte die Erste. Während die Bahn einfuhr, sprach sie darüber, wie sehr sie ihre Haare liebe und dass sie sie niemals für irgendwen verstecken würde. Erst, als wir eingestiegen, sah ich die zwei Frauen. Beide trugen Schuhe, deren Absätze ungefähr 15 Zentimeter hoch waren und in denen sie zwar einigermaßen laufen konnten, aber mehr wie frisch geborene Giraffen als wie Leute, die irgendwo hin wollen. Mir ist ziemlich egal, welche Schuhe die Leute tragen, die mit mir U-Bahn fahren, ich weiß nur, dass ich damals dachte: Den Satz „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die das freiwillig machen“ kann ich mir auch gut auf eben jene High Heels bezogen vorstellen. Genau wie auf Nonnengewänder, weiße Brautkleider, Zehenschuhe.“ Hier noch eine sehr konträre Meinung von Fatma Bläser.

Mit Strom gegen Regelschmerzen

„Menstruationsschmerzen hat Carolina Richter seit dem Tag ihrer ersten Periode, also seit gut 14 Jahren. Ist es so weit, zieht sich ihr Unterleib zusammen, sie hat Bauchkrämpfe und ihr Rücken tut weh. In diesen Momenten möchte die 28-Jährige nur noch eins: sich mit einem großen Glas Nutella im Bett verkriechen. Weil das nicht immer geht, sie zur Uni muss und neben dem Studium auch noch arbeitet, nimmt Richter wie viele Frauen mit Regelschmerzen Schmerztabletten. Das soll Livia, ein TENS-Gerät (Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation), ändern.“ Hier entlang!

Warum es nicht hilft, nett zu Rassisten zu sein

„Ich bin kein aggressiver Mensch und ich hasse Konflikte. Fast genauso sehr wie rassistische Sprüche. Der Spruch des Gastes ist passiert. Ich kann nur noch entscheiden, ob ich in den Konflikt gehen möchte oder nicht. Auf einmal drehen sich meine Gedanken. So schlimm, war der Spruch jetzt auch wieder nicht – und wahrscheinlich wissen sie es nicht besser, denke ich. Und wenn ich sie jetzt zurechtweise, werden sie am Ende auch nichts daraus gelernt haben, sondern nur in ihren Klischees weiterdenken. Also setze ich auf den Überraschungseffekt. Ich werde das tun, was sie nicht von mir erwarten: einfach weiterhin freundlich sein. So freundlich, dass sie sich am Ende nur schlecht fühlen können, denn dann stehen sie mit ihren Aggressionen alleine da. „Kill them with kindness“, sagt man in den USA. Meine Waffe: Freundlichkeit. Mein Lächeln kehrt zurück.“ Mehr bei Jetzt.de.

Graue Haare und gemischte Gefühle

„Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem ich mein erstes graues Haar entdeckte. Ich war Mitte zwanzig und brütete in der Bibliothek über meiner Magisterarbeit. Zack! Da lag es. Vor mir auf dem Tisch. Ausgefallen. Es war unten dunkel, oben weiß. Ich erschrak und war gleichzeitig sehr fasziniert von diesem Haar. Die Struktur! Es war so fest, so borstig und dieses glänzende silberweiß. Es hatte sich dazu entschieden, mich zu verlassen – immerhin war es nicht mehr auf meinem Kopf. Was für ein Erlebnis. Fast hätte ich meinen fremden Sitznachbarn angestupst, um das Erlebnis mit ihm zu teilen.“ Weiterlesen bei Little Years.

Ihr wollt neben dem Job auch noch ein Privatleben?

„Wie viel sind wir heute noch bereit für die Arbeit zu leisten? Zu wenig, denn die Freizeit wird den meisten, gerade jüngeren Mitarbeiter*innen immer wichtiger – und diese zunehmende „Leistungsverweigerung“ ist gesellschaftlich und wirtschaftlich extrem bedenklich – so könnte man die Aussage eines Interviews mit der BWL-Professorin und Globalisierungskritikerin Evi Hartmann, das vor ein paar Tagen im Handelsblatt erschienen ist, beschreiben. Aber was genau stößt der Autorin des Buches „Ihr kriegt den Arsch nicht hoch“ an dem Wunsch nach einer Work-Life-Balance so extrem auf und wieso wird diese so launig mit einer Verweigerung von Leistung gleichgesetzt?“ Weiter gehts bei Edition F.

Was Deutsche wollen

„Wer verstehen will, wie es den Deutschen geht, muss einen Blick in das Schaufenster einer Buchhandlung werfen. Es heißt ja immer, es werde nicht mehr gelesen, weil die Leute so viel mit dem Internet und ihren Telefonen zu tun hätten. Das ist natürlich eine Katastrophe, auf die der Buchhandel aber keinesfalls mit Schockstarre reagiert. Im Gegenteil: wie mir beim Blick in das Schaufenster des Hamburger Buchladens Heymann am Sonntagabend klar wurde, lassen die Buchhändler keine Chance ungenutzt, die deutschen Nicht-Leserinnen und -Leser bei ihren niedersten Gelüsten und Instinkten abzuholen. Was die Deutschen wollen? Die Buchläden wissen es.“ Weiterlesen bei C’est Clairette.

Unattraktive Menschen verdienen oft besser als ihre hübschen Kollegen und Kolleginnen

„Heutzutage geschieht es ja ruckzuck, dass sich jemand diskriminiert fühlt. Da kann der Überblick über die Ungerechtigkeiten der Welt schon verloren gehen. „Lookism“ ist so eine Zeitgeistdiagnose, die erklärungsbedürftig ist. Vereinfacht gesagt steckt dahinter die Annahme, dass es gut aussehende Menschen im Leben leichter haben und unansehnliche Zeitgenossen schwer benachteiligt werden. Als Hauptbeleg werden Studien ins Feld geführt, die zeigen: Die Schönen verdienen meist mehr als die Hässlichen. Doch wie es aussieht, hält diese Annahme einer Überprüfung kaum stand. Satoshi Kanazawa von der London School of Economics und Mary Still von der University of Massachusetts zeigen in einer Studie, dass arg unattraktive Menschen verblüffenderweise oft besonders gut verdienen – und dass keine Diskriminierung hinter dem Effekt steckt.“ Hier entlang!

Film-Tipp:

4 Kommentare

  1. Sophie

    Ich hab Livia auch seit ca. 1 Jahr (hab das damals beim Crowdfunding schon unterstützt) und bin seit dem Schmerzmittelfrei (in Bezug auf Regelschmerzen versteht sich). Bei mir ist immer der erste Tag der absolute Horror, so dass ich mich früher voll zugeballert hab wenn ich irgendwas tun musste.
    Durch Livia kann ich Arbeiten etc wenn ich nötig. War neulich sogar am 1. Regel-Tag beim Sport. Am liebsten lieg ich zwar nach wie vor mit Wärmflasche im Bett, aber Livia macht möglich, dass ich das nicht zwingend muss 😉

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  2. Lena

    Auch interessant: Wie Kölner Studierende aus #metoo ein #heretoo machen und mit einer Stellwand, auf der Bilder aller Professor*innen zu sehen sind, darauf aufmerksam macht, wie männlich (und weiß) die Wissenschaft ist:
    „Die Plakataktion ist der Auftakt der „Q_FAK“, einer queerfeministischen Aktionswoche, die vom 2. bis 9. Mai an der Universität Köln stattfinden wird. Der ungleiche Anteil weiblicher und männlicher Professor*innen ist für die Aktivist*innen nur ein Symptom für die bestehenden Verhältnisse im Land. Und die zeigten sich eben auch an den Hochschulen: „Wir leben immer noch in einer sexistischen Gesellschaft, die von struktureller Diskriminierung geprägt ist“, erklärt Aline. Und die erkenne man vor allem, wenn man sich die Führungsebene anschaue.“

    http://taz.de/!5502367/

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