Sechs Bücher im November – Von Rebel Girls, Gesprächen mit Frauen aus der islamischen Welt, von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung

08.11.2018 Buch

Neuer Monat, neuer Lesestoff. Und diesmal habe ich ausnahmsweise sogar noch kein einziges der hier folgenden Bücher gelesen, mir bloß deren Titel notiert, immer wieder, wenn meine Freunde und Freundinnen mir euphorische Empfehlungen schickten, via Mail und sogar per Brieftaube, weshalb dieser Beitrag ausnahmsweise überaus knapp ausfällt. Besonders neugierig bin ich seither jedenfalls auf den Roman „Süsswasser“ der nigerianischen Autorin Akwaeke Emezi, der mir mit den Worten „Bittebitte lies den Klappentext nicht, er ist eine Beleidigung für solch ein Meisterwerk“ ans Herz gelegt wurde. Lasst euch also nicht an der Nase herum führen. Oh, und Annie Ernaux wird für „Erinnerungen eines Mädchens“ gelobt als gäb’s kein Morgen mehr. Glaube ich sofort, dass dieses autobiographische Werk über das Erwachsenwerden, über Macht, Ohnmacht und Unterwerfung kaum aus den Händen zu legen ist – „Die Jahre“ war nämlich auch schon ganz groß. Aber sagt mir doch, auf welche Bücher ihr euch im November ganz besonders freut, ja? 

„Ich werde die Welt nie wiedersehen“ von Ahmet Altan, 
übersetzt von Ute Birgi-Knellessen:

 „Am 16. Februar 2018 wurde der große türkische Intellektuelle Ahmet Altan in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt. Altan ist einer der wichtigsten, mutigsten Journalisten der Türkei, der immer offen gesagt hat, was er denkt. Ihm wird vorgeworfen, »unterschwellige Botschaften« über den Putschversuch im Jahr 2016 verbreitet zu haben. 

Im September 2018 erschein im S. Fischer Verlag »Ich werde die Welt nie wieder sehen. Texte aus dem Gefängnis«. Es ist eine beeindruckende Sammlung teilweise sehr persönlicher, fast philosophischer Texte, in denen Altan auf eindringliche Weise über Freiheit, sein Leben im Gefängnis und die politische Situation in der Türkei schreibt. Ein eindrucksvolles Buch und wichtiges Zeugnis. Zum Erscheinen jährt sich seine Verhaftung zum zweiten Mal, denn seit dem 23. September 2016 sitzt er in Untersuchungshaft.“

„Süsswasser“ von Akwaeke Emezi,
übersetzt von Senthuran Varatharajah u. Anabelle Assaf:


Akwaeke Emezi erkundet in ihrem von Kritik und Publikum gefeierten Debütroman Süßwasser, wie es ist, ein gespaltenes Ich zu haben. Und sie zeigt gleichzeitig, wie wir alle unsere verschiedenen Identitäten laufend konstruieren. Ein Buch von wilder Energie und schlangenartiger Eleganz – die Geburt einer neuen ungebändigten literarischen Stimme.

Ada wächst im Süden Nigerias auf. Sie ist ein sprunghaftes und schwieriges Kind und ein Quell steter Sorge für ihre Eltern. Adas verschiedene Ichs kommen immer wieder zum Vorschein und rücken vor allem nach ihrem Umzug in die USA immer stärker in den Vordergrund. Nach einem traumatischen Übergriff nimmt Adas Leben eine dunkle und gefährliche Wendung.

„Sex und Lügen“ von Leila Slimani,
übersetzt von Amelie Thoma:

„Zerrissenheit, Hoffnung, Aufbegehren. Frauen aus Marokko sprechen über Liebe, Gefühle, Sexualität. Über Heuchelei und den Wunsch nach Anerkennung. Eine berührende Sammlung sehr persönlicher Geschichten. Von der Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Dann schlaf auch du«.

Sich zu seinen Gefühlen bekennen? Den Partner frei wählen? Alleine auf die Straße gehen? Von klein auf werden Mädchen in islamischen Ländern dazu erzogen, keine Schande über ihre Familien zu bringen. Ehebruch, Prostitution, Homosexualität werden in Marokko bis heute mit Gefängnis bestraft. Viele Frauen führen in Leïla Slimanis Geburtsland daher ein Doppelleben – zerrissen zwischen Tradition und Religion auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstbestimmung auf der anderen. Sechzehn sehr persönliche Geschichten versammelt die preisgekrönte Autorin und Journalistin in diesem Band. Ebenso mutige wie berührende Bekenntnisse, die Einblick geben in den Alltag von Frauen und in eine Welt im Umbruch.“

„Erinnerungen eines Mädchens“ von Annie Ernaux, 
übersetzt von Sonja Finck:

„Sommer 1958: Annie Duchesne wird 18 Jahre alt. Sie arbeitet als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Sie findet in eine Clique, zusammen feiern sie Feten, genießen ihre Jugend. Und Annie ist in H. verliebt, mit ihm hat sie ihr erstes Mal. Eine Nacht, die einen anhaltenden Schock bedeutet. Denn H. ignoriert sie fortan, sie weiß nicht, wohin mit sich und lässt sich auf andere ein. Schnell ist sie verfemt. Was folgt, sind Ausgrenzung, der Hohn der anderen, ihre eigene Scham. 
Und Schweigen. Denn über 55 Jahre braucht Annie Ernaux, um sich dieser »Erinnerung der Scham« stellen zu können – anhand von Fotografien und Briefen schreibt sie von einer Zeit, die sich in ihren Körper gebrannt hat. Die ihre Moral, ihre Sexualität, ihr ganzes langes Leben geprägt und bestimmt hat. Mit schonungsloser Genauigkeit erzählt Annie Ernaux von ihrer ersten sexuellen Begegnung – von Macht, Ohnmacht und Unterwerfung. Von einer Wunde, die niemals ausgeheilt ist. Und vom teuer bezahlten Erkennen des eigenen Werts.“

„Die Rechte der Frau und andere Texte“ von Olympe de Gouges, übersetzt von Ute Kruse-Ebeling:

„Olympe de Gouges war eine der bedeutendsten Frauen der Französischen Revolution, eine Vorkämpferin für Frauenrechte. Ihre Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin (droits de la femme et de la citoyenne) von 1791, gedacht als notwendiges Gegenstück zu den Menschenrechten (»droits de l’homme«), gilt als Gründungsurkunde des Feminismus. Sie schrieb außerdem Pamphlete gegen Sklaverei und Rassismus und forderte früh die Einrichtung von Frauenhäusern. Als Gegnerin der Jakobiner und erklärte Feindin Robespierres starb sie 1793 auf dem Schafott. Ihre wichtigsten Texte wurden für diese Ausgabe neu übersetzt und kommentiert. 
Margarete Stokowski erläutert in ihrem begleitenden Essay das Schicksal und den historischen Rang dieser mutigen Frau.“

„Good Night Stories for Rebel Girls 2“ von  Elena Favilli und Francesca Cavallo,
übersetzt von 

„Noch mehr Frauen,die die Welt veränderten: Nach dem Bestseller „Good Night Stories for Rebel Girls“ 100 weitere inspirierende Geschichten.
„Ein glückliches Leben voller Leidenschaft, Neugier und Großmut leben – und die Welt nach Herzenslust erforschen“ – Mit diesem Credo porträtieren Elena Favilli und Francesca Cavallo weitere 100 Frauen, von Nofretete bis Beyoncé, von Clara Schumann bis J.K. Rowling. 100 Geschichten von Frauen, die etwas wollen und es dann auch tun, ohne die Hilfe eines starken Mannes, einer Fee oder eines Zauberspruchs. Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und nicht abwartend im Turm sitzen, bis ein Prinz daherkommt und sie rettet. Die Fortsetzung des Bestsellers, der allen Mädchen Mut macht, sich Ziele zu setzen und ihre Träume zu verwirklichen – beeindruckend illustriert von 60 Künstlerinnen aus aller Welt.“

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