Weekend Reads // Von nachhaltigen Banken, dem ausbleibenden Greta-Effekt beim Flugverkehr, #MoreThanABody & einer Doku über die Mondlandung

19.07.2019 Leben, Gesellschaft

Eine kleine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

 

Facebook und Instagram führen uns vor Augen, wie sehr sich unser eigener Lebensentwurf von dem unserer Freunde und Bekannten unterscheidet. In manchen Fällen erinnern sie uns sogar daran, wie unsere Realität heute aussehen könnte, wenn wir uns in bestimmten Situationen anders entschieden hätten. Jeden Tag lassen wir uns auf unseren Smartphones mit den Bildern und Einträgen anderer bespielen. Was macht dieser ständige Vergleich mit uns?

 

Was macht der Vergleich mit anderen mit uns?

Jetzt.de widmet sich dieser Frage – und weiß, dass die App fortan Likes verbergen will, damit sich Posten nicht mehr wie ein Wettbewerb anfühlt.

 

 
 
 
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Zwischen Reden und Machen

An welcher Stelle muss man selbst Verantwortung übernehmen, wenn die Flugtickets teurer als die Bahnfahrt [TAZ] ist? Wie oft sollten wir pro Kopf wirklich verreisen (dürfen)? Und warum scheint es doch nicht zu einem Greta-Effekt zu kommen? EasyJet und Lufthansa verzeichnen jedenfalls weiterhin Rekordumsätze. Die Politik muss handeln, schon klar. Aber was können wir uns und was dürfen  wir unseren Mitmenschen zumuten? Vielflieger*innen unter euch oder nicht: Handeln ist dringend erforderlich!

Und ja: Die Bahn ist ein Staatsunternehmen und befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Eine Neuorientierung des Preises sollte also durchaus möglich sein. Vielleicht müssen wir sie aber auch entsprechend lauter einfordern!

Kinderwunsch, aber unverheiratet?
-Huch, Pech gehabt!

Ein Thema, das mich zwar nicht direkt persönlich betrifft, aber längst Nummer 1 in meinem Freundeskreis wird, ist die Sache mit dem Kinderwunsch. Zwar sind wir uns hier in unserer gemütlichen Blase längst einig darüber, dass jede*r seinen eigenen Weg gehen soll und darf, ob ein Kinderwunsch aber überhaupt realisierbar ist, steht auf einem anderen Blatt, denn fast jedes zehnte Paar ist in Deutschland ungewollt kinderlos. Und das Härteste:

© familienplanung.de

So ist es. Darf das sein? Kann das im Jahr 2019 überhaupt noch sein und was können wir überhaupt dagegen tun? Ich, und das sage ich, obwohl ich nicht betroffen bin, empfinde diesen Umstand als absolutes Armutszeugnis für eine offene und tolerante Gesellschaft. Noch schlimmer sieht es bei homosexuellen Paaren aus. 

NRW wird sich diesem Missstand nun annehmen und wird ab Ende August in ein Förderprogramm des Bundes einsteigen, damit auch unverheiratete Paare gefördert werden. [WDR]

Die Technische Universität Eindhoven führte Anfang Juli 2019 die 100-Prozent-Frauenquote ein. Das heißt, sie wollen in den nächsten Jahren freie Stellen erstmal nur für Frauen ausschreiben – ein Vorstoß, der nicht nur auf Zustimmung stieß.

Eine 100-Prozent-Frauenquote? Klingt nach einem erfrischend radikalen Ansatz für das Thema ungleiche Geschlechterverhältnissen. Und genau den verfolgt die Technische Universität Eindhoven, seit Anfang Juli 2019 in den Niederlanden. Hier möchte man in den nächsten fünf Jahren alle frei werdenden Stellen mit Frauen besetzen. Sollte sich nach sechs Monaten keine für die Stelle finden, bekommen auch Männer die Chance, sich zu bewerben. Mehr erfahrt ihr bei [Edition F]

Verantwortung übernehmen und klimafreundlich Geld anlegen!

Klimaschutz und Umwelt sind Ihnen wichtig? Dann können Sie für eine andere Klimapolitik auf die Straße gehen. Sie können auch aufhören, Fleisch zu essen und ihr Auto stehen lassen. Sie können aber auch Ihre Geldgeschäfte klimafreundlich ausrichten. [Süddeutsche Zeitung]

„Mehrwegbecher, faire Mode und öfter mal Zug fahren, ist das genug? Leider nein. Denn dein Geld auf der Bank kann, ohne dass es dir wirklich bewusst ist, Mitschuld an der Klimakrise tragen. Wenn dein Geld bei einer konventionellen Bank liegt wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch Sektoren wie Gentechnik, die Rüstungsindustrie, Atom – und Fossilenergie, Massentierhaltung oder Tierversuche mitfinanzieren. Wieso es nicht egal ist, bei welcher Bank du dein Geld angelegt hast, erkläre ich in meiner neuesten Podcast Folge.“

 
 
 
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Und genau die findet ihr hier bei uns:
[Achtung: Die Podcasterin Madeleine wurde für diesen Podcast von Tomorrow unterstützt]

Eine Satire-Aktion will Philipp Amthor aus der CDU befreien

Irgendwas scheint der CDU- Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor richtig zu machen. Egal, was gerade Phase ist, der 26-Jährige ist im Gespräch. Ob es um mehr oder weniger hippe Europa-Pullis geht oder der Youtuber Rezo die CDU zerstört, Amthor tourt durch die politischen Talksshows der Bundesrepublik. Jetzt darf sich der 26-Jährige vermutlich direkt für die nächsten Gesprächsrunden bereit machen. Eine Petition fordert nämlich: „Free Amthor – Gefangener der CDU seit 2008“. Dieser Titel sorgt nun für eine heftige Diskussion im Netz, auch weil manche darin eine Anspielung auf eine Geiselnahme sehen, die real war und ganz und gar nicht komisch ist. In der Petition soll es satirisch darum gehen, dass ein junger Typ wie er nicht freiwillig in der CDU sein könne. Dahinter steckt der Comedian und Autor Schlecky Silberstein, alias Christian Brandes, und sein Comedy-Youtube-Format Bohemian Browser Ballet. [Jetzt.de]

Video der Woche //

Was Martin Sonneborn von der neuen EU-Kommissionspräsidentin hält, haben wir diese Woche ebenfalls erfahren:

Auch Edition F ließ die Wahl zur ersten EU-Kommissionspräsidentin nicht unkommentiert und fragt sich, ob ihr Sieg ein Grund zur Feier gibt.

Das Märchen vom Trauma & warum wir noch mal darüber sprechen müssen!

Jens Spahn investiert fünf Millionen Euro in eine Studie zum „Post-Abortion-Syndrome“- das es gar nicht gibt. Eines der größten Probleme mit Jens Spahns Studie – und das will etwas heißen, denn es gibt damit so viele Probleme, dass die Entscheidung schwerfällt – ist, dass man, um darüber zu schreiben, ihren Forschungsgegenstand benennen muss. Und wenn man die Worte „Abtreibung“ und „Trauma“ oft genug in einem Atemzug erwähnt, bleibt „Abtreibungstrauma“ übrig. Oder auf Englisch: Post-Abortion-Syndrome. Ein psychologisches Krankheitsbild, das es so schlicht nicht gibt, wenn man der Weltgesundheitsorganisation glaubt. Mithu Sanyal nimmt sich dem Thema noch einmal an und berichtet im [Missy Mag]. 

 
 
 
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Bild der Woche // 

 

 
 
 
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Schluss mit Manspreading

Ach, wir wissen, lieber Männer*, es ist manchmal gar nicht so einfach, Gewohntes zu ändern und sich auf die moderne und gleichberechtigte Form des Lebens und des Miteinanders einzustellen. Aber dank kluger Innovationen hilft euch die Gesellschaft dabei: Wie die Britsiche Designerin Laila Laurel, die jüngst einen Stuhl entworfen hat, auf dem Männer* erst gar nicht breitbeinig sitzen können. So spart man sich unangenehme Zurechtweisungen und macht eines klar: Setz dich gefälligst vernünftig und rücksichtsvoll hin. Mehr Infos findet ihr auf [ze.tt]

Das Problem heißt Rassismus

Josephine Apraku ist Afrikawissenschaftlerin, ehemaliges Mitglied von Black Lives Matter und aktiv in antirassistischen Institutionen tätig. In diesem Beitrag schreibt sie darüber, wie Rassismus alle Lebensbereiche von Schwarzen Menschen betrifft – und was passieren muss, um eine Veränderung zu bewirken. Mehr erfahrt ihr bei der Vogue.

„Ich will nicht immer siebzehn sein“

Du kannst nicht immer Siebzehn sein, Liebling, das kannst du nicht! Der momentane Hype um die umstrittene FaceApp und ihren Alterungsfilter führt es uns mal wieder vor Augen: Wir werden nicht ewig jung bleiben. Der Anblick dieser täuschend echten älteren Versionen von uns lösen ambivalente Gefühle aus: Alt sein, das ist irgendwie nicht so wünschenswert. Oder?

Gerade als Frau hat man in der Regel ein sehr schwieriges Verhältnis zum Altern. Das ist auch kein Wunder, denn die jugendliche Weiblichkeit scheint in der westlichen Welt nach wie vor als die einzig legitime Weiblichkeit zu gelten, schaut man sich Film, Fernsehen, Musikbusiness, Werbung, Popkultur an. Ein kleines Beispiel: In den 100 Top-Filmen des Jahres 2018 kamen nur 11 Frauen über 45 Jahren in einer Haupt- oder Nebenrolle vor. Weiterlesen.

 

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Leandra (Medine) Cohen (@leandramcohen) am

#MoreThanABody

Yes, we are.

Ich bekomme immer wieder Nachrichten mit teils sehr persönlichen Essstörungs- und Körperhass-Geschichten, meistens verbunden mit der Frage, wie ich es geschafft habe, mit meiner Figur, meinem Körper, meinem Gewicht Frieden zu schließen. Deshalb hier noch einmal für alle: Es gibt nicht einen Weg, der für alle Menschen funktioniert. Selbstliebe ist etwas, das uns allen systematisch durch die Schönheitsindustrie geklaut wurde. Denn nur Menschen mit Unsicherheiten kaufen Produkte, die vermeintliche Makel beheben. Bei den meisten Frauen (Männer sind mitgemeint) geht der Selbsthass schon mit jungen Jahren los. Es hat bei mir Jahre, Jahrzehnte gedauert, bis ich bei diesem Zustand heute angelangt bin. Und ein körperpositives (oder körperneutrales) Gefühl ist auch nichts, das man einmal erreicht hat und es dann für immer so bleibt. Unsere Körper verändern sich und es gibt äußere Faktoren (Werbung, Medien, Mitmenschen..), die uns immer wieder auf die Probe stellen. Selbstbewusstsein ist etwas, das man trainieren kann und auch sollte. Aber am allerwichtigsten finde ich, dass Selbstliebe nichts ist, das Frau erreichen „muss“. Ich würde so gerne den Druck rausnehmen für alle, dass wir schon wieder bzw. eigentlich die ganze Zeit irgendetwas erreichen müssen. So nach dem Motto: Wenn Du schon nicht dem sowieso unerreichbaren Schönheitsideal entsprichst, dann lieb dich doch wenigstens selbst. Wir müssen nicht dem Schönheitsideal entsprechen und wir müssen uns auch nicht selbst lieben. Wie müssen auch nicht schön sein. Wir müssen auch nicht besser/schlanker/schlauer/mit mehr Selbstliebe gesegnet sein als andere. Wir können einfach nur sein. Mir hat auf meinem Weg geholfen, den Fokus vom Äußeren, immer wieder auf das Innere zu lenken. Denn alles, was zählt und wichtig ist in uns drin. #morethanabody halt.

 

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Melodie Michelberger (@melodie_michelberger) am

Die Technofrauen und das Patriarchat

Das Berliner Musikfestival „Heroines of Sound“ trägt den Feminismus in die Musikindustrie und zeigt dabei die Avantgarde der Elektromusik. Die Hauptforderung der Gründerinnen ist eine Frauenquote für Radio und Orchester. 

„Obwohl Frauen mehr als fünfzig Prozent des Publikums in Konzerten ausmachen, sind nur zehn Prozent der auftretenden Musiker und Komponisten weiblich. Eine traurige Bilanz trotz eines Jahrhunderts voller feministischem Engagements“, so die Musikprofessorin Bettina Wackernagel. In Berlin setzt sich zum sechsten Mal ein Festival mit den frühen, aber auch den aktuellen Heldinnen der elektronischen Musik und den Genderfragen im Musikgeschäft auseinander. Als Plattform existiert das Zusammentreffen von Komponistinnen, Musikerinnen und Aktivistinnen mit dem Namen „Heroines of Sound“ seit 2014. Das Musikevent, welches dieses Jahr in den Backsteinhallen des Radialsystems an der Spree stattfand, wurde von der Performancekünstlerin und Komponistin Antye Greie kuratiert und überzeugt durch eine musikalisch vielfältige Auswahl zeitgenössischer Elektrokompositionen. Mehr weiß die [FAZ].

Als wir träumten

Ein kleiner Schritt für den Menschen, und dann? Zum fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung legt Robert Stone bei Arte die ultimative Dokumentation „Die Eroberung des Modes“ dazu vor. Es wird keine bessere mehr geben, behauptet die FAZ

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