GIRLS TALK // Was jede Frau ab 20 über ihre Hormone wissen sollte

Bekanntlich sind unsere Zwanziger dazu da, um Fehler zu machen, daraus zu lernen und so unsere Persönlichkeit zu festigen. Was oft vergessen wird: Wir schaffen in diesen prägenden Jahren auch die Grundlage für unsere Gesundheit. „Sie können nichts ändern, was Ihnen nicht einmal bewusst ist“ – Experten erklären, was junge Frauen über ihren Hormonhaushalt wissen sollten.

„Hormone sind wie Musik, welche manchmal in einer wunderschönen und manchmal in einer nicht übereinstimmenden Sym­pho­nie spielt“, erklärt die New Yorker Gynäkologin und Doktorin der osteopathischen Medizin Eden Fromberg. Sie vergleicht die verschiedenen Drüsen im endokrinen System, die unterschiedliche Hormone produzieren, mit einer Reihe von Musikern, die in einem Orchester einzigartige Klänge erzeugen, wobei jeder auf den anderen hören muss, damit sie den Takt halten und harmonisch spielen können. „Wenn Hormone zu laut oder zu leise, zu schnell oder zu langsam spielen und sich nicht mit den anderen abstimmen, kann der erzeugte Klang das System stören.“

„Der weibliche Zyklus und Hormone beeinflussen unsere Stimmung, Gesundheit und unser Verhalten, denn der Körper ist ein Ökosystem, das durch Hormone informiert wird“, sagt Fromberg. Und wie stellt man sicher, dass der Körper wie mit der Synchronizität der New Yorker Philharmoniker spielt? „Eine Möglichkeit, unsere eigene biologische Intelligenz zu nutzen, ist die Beobachtung der Zyklen und Rhythmen unseres Körpers“, erklärt Fromberg, die darauf hinweist, dass die meisten Frauen bereits bestimmte hormonelle Veränderungen in ihrem Körper wahrnehmen. „Wir können dieses Bewusstsein verstärken.“ In der modernen Welt wird der Hormonhaushalt zunehmend durch Umweltfaktoren wie extremen Stress, schädliche Chemikalien und ungesunde Ernährung beeinträchtigt. Es ist unerlässlich, ein Verständnis dafür zu entwickeln, auch angesichts der Fruchtbarkeit – besonders in Ihren Zwanzigern, wenn Sie die Voraussetzungen für Ihr gesamtes Wohlbefinden schaffen.

„Die reproduktive Gesundheit ist Ihre Gesundheit. Ebenso setzt auch sie ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung voraus“, erklärt Jaclyn Tolentino, Allgemeinärztin bei Parsley Health, spezialisiert auf Hormonoptimierung. „Selbst wenn Sie gerade nicht an eine Schwangerschaft denken, versucht Ihr Körper in den Zwanzigern so zu funktionieren, als wäre er in der Lage, gesunde Nachkommen zu zeugen.“

Laut Tolentino sollten Frauen auf diese Hormone die meiste Aufmerksamkeit richten:

  • Östrogen: Das primäre weibliche Sexualhormon, das hauptsächlich von den Eierstöcken produziert wird. „Es spielt nicht nur eine entscheidende Rolle im Menstruationszyklus, sondern unterstützt auch alles von der Knochendichte bis zur Regulierung der Stimmung“, erklärt sie.

  • Progesteron: Auch von den Eierstöcken produziert, spielt es eine wichtige Rolle in der frühen Schwangerschaft, sagt Tolentino.

  • Testosteron: „Der Körper braucht dieses entscheidende Hormon, um fettfreie Muskelmasse zu entwickeln, Fett zu verbrennen und die Libido zu steigern“, sagt sie und weist darauf hin, dass es sowohl in den Hoden der Männer als auch in den Eierstöcken produziert wird und in kleinen Mengen in den Blutkreislauf abgeben wird.

  • Cortisol: Das Stresshormon des Körpers; normale Werte helfen, den Blutzucker und das Immunsystem zu regulieren. Bei erhöhten Werten kann es jedoch sehr schädlich sein. „Hohe Cortisolwerte sind mit allem verbunden, von Angst-, Panik- und Depressionsgefühlen bis hin zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses und einer ernsthaften Schwächung des Immunsystems“, sagt sie.

  • Schilddrüsenhormone: Produziert von den Schilddrüsen, halten diese den Körper im Gleichgewicht, indem sie Funktionen wie Atmung, Herzfrequenz, Stoffwechsel und Körpertemperatur regulieren, sagt Tolentino.

  • DHEA: Das am wenigsten bekannte Hormon, aber nicht weniger wichtig: DHEA – auch bekannt als Dehydroepiandrosteron – ist ein Hormonvorläufer, was bedeutet, dass es hilft, die Reaktion auszulösen, die andere Hormone wie Testosteron und Östrogen produzieren. „Wie Sie sich vorstellen können, ist DHEA besonders wichtig, wenn der Körper in der Pubertät ist“, sagt sie. „Aber es dient auch als Schutz vor Stress und hilft, das Immunsystem ein Leben lang zu erhalten.“

 
 
 
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Überwachen Sie die Zyklen und Stimmungsschwankungen Ihres Körpers

Das Ansteigen und Fallen von Hormonspiegeln während des Menstruationszyklus löst eine Kette von Ereignissen aus. Er wird durch die Schwankungen von Schlüsselhormonen wie Östrogen und Progesteron sowie von dem im Gehirn produzierten follikelstimulierenden und dem luteinisierenden Hormon beeinflusst. Erstere regulieren die Funktionen der Eierstöcke, und Letztere lösen den Eisprung aus, wenn ihr Spiegel ansteigt. „In den ersten Tagen unseres Zyklus fühlen wir uns dank eines allmählichen Anstiegs von Östrogen und Serotonin am glücklichsten und energiegeladensten“, erklärt Tolentino.

„Während der sehr kurzen ovulatorischen Phase unseres Zyklus kann die Freisetzung von Östrogen bei einigen Frauen zu einer spürbaren Erhöhung der Libido führen. In den letzten Tagen des Menstruationszyklus kommt es zu einer Abnahme des Östrogens und einem Anstieg des Progesterons – oft von erhöhter Angst, Reizbarkeit und Stress begleitet.“

Erkennen Sie Ihre Auslöser

Während die Phasen des Menstruationszyklus helfen können, die hormonellen Reaktionen von Frauen vorherzusagen, sind Hormone von Natur aus sehr empfindlich, und viele Frauen erleben unregelmäßige Zyklen, die eine störende Rückkopplungsschleife auslösen können. „Stimmungsschwankungen, Angst oder Depression, unregelmäßige oder schmerzhafte Perioden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Probleme und erhöhtes Haarwachstum im Gesicht oder in auf der Brust können allesamt Symptome eines hormonellen Ungleichgewichts sein“, sagt Tolentino. „Es ist wirklich die Art und Weise, auf die der Körper versucht zu sagen, dass seine chemischen Signale nicht gut funktionieren.“ Die Schuldigen, die am häufigsten die Unverhältnismäßigkeit verursachen? Stress, hormonelle Antibabypillen, Störungen, die sich auf die Hormondrüsen auswirken, falsche Ernährung und Umweltfaktoren wie Phthalate und BPA, sagt sie.

Lassen Sie Ihre Hormone testen

„Sie können nicht ändern, was Ihnen nicht einmal bewusst ist“, betont Tolentino. „Hormonuntersuchungen zeigen Ihnen, wo Sie stehen.“ So können Sie feststellen, ob Sie die richtigen Hormone zum richtigen Zeitpunkt produzieren. Außerdem können Mängel aufgezeigt werden, die möglicherweise behoben werden müssen. Durch die Überprüfung ihres hormonellen Gleichgewichts, durch einen Blut-, Speichel-oder Urintest können wichtige persönliche Probleme wie die Fruchtbarkeit nachhaltig beeinflusst werden. „Je länger eine Frau hormonelle Ungleichgewichte hat, desto schwieriger kann es sein, die resultierenden Schäden zu korrigieren. Deshalb ist ein Test für das gesamte Wohlbefinden eines Patienten wichtig.“

Fromberg warnt jedoch vor einer zwanghaften Überwachung, insbesondere wenn Sie regelmäßig einen normalen Zyklus durchlaufen. „Es kann eine Frau weiter von ihrer eigenen, individuellen Erfahrung trennen“, sagt sie. „Es ist jedoch hilfreich, wenn sie untersuchen möchte, warum sie bereits ein Ungleichgewicht verspürt, nach einer hormonellen Verhütung ihren Körper neu kalibrieren will oder Fruchtbarkeitsprobleme untersucht.“ Derselben Meinung ist auch Dr. Taz Bhatia. Sie betont, dass Tests zwar ein mächtiges Werkzeug zur Erkennung von Mustern sind, die Ergebnisse aber „in einem Gesamtbild zusammengefasst werden müssen, anstatt als isolierter Datenpunkt betrachtet zu werden“, sagt sie.

Lernen Sie, mit Stress umzugehen

Im Hinblick auf die effektivsten und natürlichsten Möglichkeiten, Hormone im Gleichgewicht zu halten, ist der Abbau von Stress die Wichtigste, sagt Tolentino. Tatsächlich werden laut einer neuen Studie höhere Cortisolwerte mit Gedächtnisverlust und Gehirnschwund vor dem Alter von 50 Jahren in Verbindung gebracht. Die einfachste Variante, den hohen Cortisolspiegel zu senken, sind regelmäßiger Sport, eine tägliche regenerative Praxis wie Meditation zu etablieren und den übermäßigen Gebrauch von Smartphones zu reduzieren.

 
 
 
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Ausgewogene Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

Wenn es darum geht, hormonelles Ungleichgewicht auszugleichen, wird der Einfluss der täglichen Ernährung, in Verbindung damit, dem Körper ausreichend Wasser zuzuführen, und einem gutem Schlaf oft übersehen. Bhatia empfiehlt eine darmfreundliche, entzündungshemmende Ernährung ohne stark verarbeitete Lebensmittel und reich an gesunden Fetten („Die Bausteine aller Hormone“, sagt sie), magerem Protein und Probiotika. Für Tolentino sind die wichtigsten hormonunterstützenden Lebensmittel Kreuzblütler wie Brokkoli und Blumenkohl und fermentierte Lebensmittel wie Kimchi. Darüber hinaus empfiehlt sie Nahrungsergänzungsmittel wie B-Vitamine und Magnesium (ein wichtiger Nährstoff zum Schutz und zur Unterstützung der Schilddrüse) sowie Adaptogene wie beruhigende Ashwagandha und PMS-lindernden Mönchspfeffer.

Dieser Text von Lauren Valenti stammt aus unserer VOGUE COMMUNITY und erschien im Original bei der deutschen Vogue.

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