Die Macht der Mode oder: 5 Kleidungsstücke, die mir immer ein gutes Gefühl geben

21.08.2020 Mode, box1

Manchmal, da schüttelt mein Freund mit dem Kopf, wenn er mich dabei beobachtet, wie ich mir Dokumentationen, Bildbände und Videos über die Mode anschaue. Mode nämlich, das müsst ihr wissen, ist für mich seit jeher nicht bloß eine Liebelei, sondern zugleich auch eine Faszination, Inspiration und oftmals eine Ablenkung von meinem dauerhaft vollen Kopf. Wohl deshalb verbrachte ich bereits zu meiner Jugend, in der ich zuweilen vor der Realität und meiner Psyche flüchtete, jede Menge Zeit vor dicken Magazinstapeln, die ich gierig verschlang, während ich beschloss, eines Tages selbst über die Mode zu schreiben (ganz gleich, was mein Umfeld davon denken würde), um somit, ganz vielleicht, selbst die ein oder andere Person ein wenig vom Alltag und vollem Kopf abzulenken. 

Das Schöne an der Mode ist ja, dass sie nicht nur bei der bloßen Betrachtung jegliche Emotionen auslösen kann (ähnlich wie in der Kunst), sondern zusätzlich die Fähigkeit besitzt, uns beim Tragen von bestimmten Kleidungsstücken ein gutes, befreiendes oder gar ermächtigendes Gefühl zu verleihen — ganz gleich, ob es nun ein weit geschnittener Anzug inklusive breite Schultern, ein fließendes Kleid mit filigraner Stickerei oder die beste Jeans aller Zeiten ist. Fünf meiner persönlichen Favoriten teile ich, ganz im Stile von Nikes Fashion Tales, heute mit euch: 

Eine weite Silhouette, ein schwarzer Blazer und was das mit mehr Selbstbewusstsein zu tun hat 

Viel hat mein Blazer zwar nicht mehr mit dem Power Dressing der 80er Jahre zu tun und doch gibt mir das schwere Material auf eine merkwürdige Art das Gefühl von Sicherheit, fast so, als könne mir wirklich nichts und niemand etwas tun, so sehr hüllt mich die weite Silhouette mitsamt ihren breiten Schultern ein. Wenngleich er mir kein unmittelbares „Machtgefühl“ verleiht, bilde ich mir ein, selbstbewusster zu sein, ja sogar bestimmter durch die Straßen zu laufen, weil ich mich — ausnahmsweise — endlich mal ganz bewusst dazu entscheide, mehr Raum einzunehmen, obwohl das sonst eigentlich etwas ist, das ich möglichst vermeide. Dass ich überhaupt ein Faible für weit geschnittene Blazer entwickelt habe, liegt wohl an der Spring Summer 2017 Kollektion von Balenciaga, in der die Mannequins in grotesk großen Exemplaren über den Laufsteg schritten, während sie an ihren Unterkörpern kurze Röcke und bunte Strumpfhosen trugen. Dieser Anblick faszinierte mich irgendwie, auch wenn ich nicht direkt behaupten würde, ihn als besonders „schön“ empfunden zu haben. Vielleicht war es aber eben auch genau das, was ich so mochte: Die bewusste Entscheidung für das Unkonventionelle und damit auch gegen all jenes, das im Großteil der Gesellschaft als ästhetisch gilt — ein Ansatz, der bereits Ende der 80er Jahre durch Designer*innen wie Martin Margiela, Ann Demeulemeester und Helmut Lang zur Anti Fashion Bewegung führte und die bisherige Mode auf den Laufstegen aufmischte. Ich jedenfalls hüte meinen Blazer, den ich irgendwann mit viel Geduld und Glück im Outlet fand, wie einen Schatz, damit ich ihn auch weiterhin zu Hose, Rock und Kleid tragen kann.

Blazer von Maison Margiela (älter) via The Outnet

Klobige Schuhe FTW

Früher trug eine meiner Freundinnen stets Schuhe von Dr. Martens, was mir schon immer gut gefiel, doch so wirklich verstehen konnte ich die Faszination erst, als ich mein erstes Paar anprobierte: Die Halbschuhe mit dezenter Plateau-Sohle sowie zwei Schnallen beschrieb mein Freund als gewöhnungsbedürftig, ich selbst fühlte mich in ihnen unmittelbar beschwingt und stark und trug sie fortan jeden Tag zum Trägerkleid, zur Jeans oder zur Hose. Mein zweites Paar, welches ihr auf dem Bild seht, kostete mich zwar jede Menge Wunden, Druckstellen und Pflastertürme an den Füßen (dabei sind sie noch immer nicht vollständig eingelaufen), doch merkwürdigerweise nehme ich all das sehr gerne in Kauf, denn irgendwie schafft es diese Plateau-Sohle, mir trotz der Schmerzen an den Fersen, nicht nur ein verdammt gutes Gefühl zu verleihen, sondern auch meine Schritte größer und meine Haltung aufrechter werden zu lassen (ich glaube ja, dass andere Menschen dieses Gefühl bekommen, wenn sie High Heels tragen). YouTuberin Kailee McKenzie sagte einst, die Stiefel würden ihr Selbstbewusstsein umgehend steigern, was ich damals noch nicht so recht glauben wollte, heute aber voller Inbrunst unterschreiben würde.

Platform Boots von Dr. Martens

Ein Stückchen Kunst

Ein Trenchcoat ist ein Trenchcoat ist ein Trenchcoat? Nicht ganz. Denn während ich früher stets mit klassischen Modellen liebäugelte (ehrlicherweise wäre ein Exemplar noch Burberry noch immer mein Traum), verliebte ich mich eines Tages Hals über Kopf in ein gleichermaßen verspieltes als auch seltsames Design des koreanischen Labels Pushbutton: Neben verzerrten Puffärmeln, die sich ganz nach Belieben weiter vorne oder hinten tragen lassen, und herabgesetzten Schultern besitzt der Mantel jede Menge Schnallen und Bänder, welche die Passform gänzlich verändern können. Für mich ist er jedenfalls ein wunderschöner Beweis dafür, wie viel Handwerk und Überlegung in einem Kleidungsstück stecken kann, denn: Trage ich ihn, fühlt es sich vielmehr so an, als würde ich mich in ein kleines Kunstwerk, statt bloß in einen Trenchcoat hüllen. Und das wiederum hält mir stets vor Augen, warum ich die Mode überhaupt so mag.

Trenchcoat von Pushbutton (älter)

Urlaub tragen

Eigentlich steht dieses Hemd stellvertretend für all jene weiten Exemplare, die mein Vater früher trug, damals, als er jung war (ich entdeckte den modischen Ausbruch vor einigen Jahren auf alten Fotos) und sie zu Jeans und kurzen Hosen anzog. Es versetzt mich gedanklich stets unter die kroatische Sonne, irgendwo zwischen Meer und Bergen, dorthin, wo die Aufnahmen meines Vaters entstanden und die Zeit noch ein bisschen langsamer läuft. Jene Entschleunigung steckt nämlich durchaus auch in einem locker geschnittenen Hemd, wohl, weil es Raum lässt, unaufdringlich ist und dabei Freizeit und Entspannung ausstrahlt, wie es kein anderes Kleidungsstück zu tun vermag. Der ultimative Bonus meines Hemdes liegt für mich jedoch in den Farben, die (zumindest in meinem Kopf) den kroatischen Sommerhimmel widerspiegeln und somit bereits beim Anziehen ein kleines bisschen wie Urlaub sind. All das klingt natürlich wahnsinnig kitschig und irgendwie auch reichlich Panne, ist aber eben auch ein wunderbares Beispiel dafür, dass Mode vielmehr sein kann, als bloß ein Mittel zum Zweck.

Hemd von Ganni

Von Schutzschildern und Sonnenbrillen

Sonnenbrillen und mich verbindet eine lange, gemeinsame Vergangenheit, denn bereits im Teenageralter entwickelte ich eine Vorliebe für diverse Exemplare, was einerseits daran lag, dass sie eine gewisse Attitüde ausstrahlen können, andererseits aber auch daran, dass Sonnenbrillen jeder Person eine Art Anonymität verleihen. Ja, ich würde sogar behaupten, dass sie für mich eine Art Schutzschild sind und es mir erlauben, die Welt subtil zu beobachten und gleichzeitig ein wenig im Hintergrund zu bleiben. Dass ausgerechnet das rechteckige Modell zu meinem ständigen Begleiter wurde, führe ich darauf zurück, dass es a) ein gleichermaßen filigranes, weiches als auch kantiges Design hat, b) mir je nach Lebenslage das Gefühl geben kann, ich sei eine sorgenfreie, entspannte und selbstbewusste Frau, die über den Dingen steht und c) mich glauben lässt, ich hätte stets alles im Griff (selbst, wenn ich unter der Sonnenbrille bereits die ein oder andere Träne versteckt habe). Ja, die richtige Sonnenbrille hat durchaus mehr Auswirkung auf das eigene Empfinden und Auftreten, als man manchmal glauben mag.

Sonnenbrille von Gucci (älter) via Vestiaire Collective

Welche eurer Kleidungsstücke geben euch immer ein gutes Gefühl und warum? 

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