Politikerin Aminata Touré im Interview: “Die Mitte der Gesellschaft hat eben auch ihre Probleme mit Rassismus”

Hoffen ist gut, etwas tun besser: gegen Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung. Für die aktuelle September-Ausgabe hat Vogue 18 Menschen besucht, die das tun – unter anderem Grünen-Politikerin Aminata Touré.

Als Aminata Touré zum Fototermin am Schleswig-Holsteinischen Landtag erscheint, spricht sie als Erstes über das Outfit, das sie heute trägt. Den grünen Jumpsuit, ärmellos und in der Taille gebunden, hatte sie ursprünglich für den Tag ihrer Vereidigung gekauft – und der war vor genau drei Jahren. Die Grünen-Politikerin war damals 24 und hatte auch ein bisschen Glück: Weil eine Parteikollegin ihr Mandat abgab, konnte sie nachrücken. Anschließend stritt und arbeitete Touré so konsequent wie kaum jemand sonst im Plenarsaal von Kiel.

Sie wurde Sprecherin für Migration, für Frauen und Gleichstellung, für Kinder und Jugend, für Queer und für Antirassismus. Letztere Position schuf sie selbst. „Es hieß: ‘Das hatten wir vorher nicht.’ Ich so: ‘Jetzt schon.’ Vorher gab es nur Sprecher*innen gegen Rechtsextremismus, aber die Mitte der Gesellschaft hat eben auch ihre Probleme mit Rassismus“, sagt sie. 2019 wurde sie zur Vizepräsidentin des Landtags gewählt (und war damit die jüngste und erste afrodeutsche Vizepräsidentin eines deutschen Landtags überhaupt). Ziemlich viel in so kurzer Zeit? Der jüngste Abschnitt von Tourés politischer Laufbahn dürfte der bisher intensivste gewesen sein.

 
 
 
 
 
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Nachdem der gewaltsame Tod von George Floyd eine weltweite Welle des Protests und der Diskussion über Rassismus ausgelöst hat, war sie hierzulande tonangebend. In ganzseitigen Zeitungsinterviews und Fernsehbeiträgen zur Primetime erklärte sie beständig, warum auch Deutschland ein Problem mit Rassismus hat, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen, in der er üblich ist und wir ihn entlernen müssen. “Die letzten Wochen waren anstrengend und wirklich heftig für mich”, sagt sie. “Ich habe mal wieder adressiert, dass ich nicht bereit bin, diese Debatten allein oder nur mit wenigen Kolleg*innen zu führen.“ Deshalb ist sie froh darüber, dass es Menschen in der Literatur, Wissenschaft, Politik, im Journalismus und in der Musik gab, die sich positioniert haben. ”Ich wusste, selbst wenn ich diese eine Interviewanfrage oder diesen einen TV-Auftritt ablehne, dann sind da mindestens fünfzehn andere Menschen, die es genauso wie ich rüberbringen werden, weil wir zusammen für eine Sache kämpfen und weil sich viele Menschen, die nicht Schwarz sind, solidarisiert haben.“

 
 
 
 
 
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Wann immer Touré Rede und Antwort stand, war da häufig auch die Frage nach persönlichen Rassismuserfahrungen. Sie sah nicht ein, darauf antworten zu müssen, und hielt dagegen. “Wenn man über persönliche Rassismuserfahrungen sprechen soll, geht es um Demütigungen, die stattgefunden haben. Und ich weiß nicht, warum ich über Demütigungen sprechen soll. Für mich hat das mit Voyeurismus zu tun und auch immer einen Touch von der Frage, ob es überhaupt Rassismus gibt.“ Dass Menschen, die von Rassismus betroffen sind, häufig erst einmal beweisen sollen, dass es ihn überhaupt gibt, wurde durch sie ein wichtiger und großer Teil der Debatte. “Darüber hinaus empfinde ich es als krasse Entpolitisierung meiner Person“, sagt sie. ”Ich bin auch frauenpolitische Sprecherin und wurde noch nie gefragt, ob ich mal von sexistischen Übergriffen berichten kann.“

– Dieser Text von DENNIS BRAATZ ist ein Auszug und stammt aus unserer VOGUE COMMUNITYDen gesamten Artikel könnt ihr bei der deutschen Vogue lesen.  –

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